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The Boys – Staffel 4

Zynisch, blutig und ungemein unterhaltsam leitet Amazon Prime Video mit The Boys – Staffel 4 ab Juni die heiße Phase im US-Wahlkampf ein. Kann die neue Staffel durch ihre bekannten Stilmittel auch ein weiteres Mal begeistern oder verpufft der Effekt inzwischen?

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TitelThe Boys – Staffel 4
Jahr2024
LandUSA
RegiePhilip Sgriccia
DrehbuchGarth Ennis, Eric Kripke, Darick Robertson, Craig Rosenberg
GenreSerien (Comicverfilmung)
DarstellerKarl Urban, Jack Quaid, Antony Starr, Erin Moriarty, Jessie T. Usher, Laz Alonso, Chace Crawford, Tomer Capone, Karen Fukuhara, Colby Minifie, Claudia Doumit, Cameron Crovetti, Susan Heyward, Valorie Curry, Jeffrey Dean Morgan
Länge8 Folgen mit je etwa 60 Minuten
Altersempfehlungab 18 Jahren freigegeben
StreamingdienstAmazon Prime Video
The Boys Staffel 4 Teaser Art © Amazon Content Services LLC

The Boys – Staffel 4 – die Handlung

In der vierten Staffel steht die Welt am Abgrund: Victoria Neuman (Claudia Doumit) ist dem Oval Office näher als je zuvor und steht gleichzeitig unter der (sehr kräftigen) Fuchtel von Homelander (Antony Starr), der seine Macht weiter festigt. Butcher (Karl Urban), der nur noch wenige Monate zu leben hat, hat Beccas Sohn (Cameron Crovetti) und seinen Job als Anführer der Boys verloren. Der Rest des Teams hat die Nase voll von seinen Lügen. Es steht mehr auf dem Spiel als je zuvor: Um die Welt zu retten, müssen sie einen Weg finden, wieder zusammenzuarbeiten – bevor es zu spät ist.

Erster Eindruck zu Staffel 4

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den ersten drei Folgen der vierten Staffel, die uns vorab zur Verfügung gestellt wurden. Auf Spoiler wird weitestgehend verzichtet, damit keinem die Wendungen und Überraschungsmomente vorweggenommen werden. Lediglich auf relevante Ereignisse vorherigen Staffeln muss etwas konkreter eingegangen werden. 

Wie, wo, wann?

Zum Ende der dritten Staffel haben sich die Ereignisse einmal mehr überschlagen: Butcher steht mit seiner Crew im Konflikt, sein Ziehsohn hat sich Homelander zugewandt, der wiederum öffentlich einen Demonstranten gegrillt und Victoria konnte einerseits ihre politischen Einflüsse weiter ausbauen und gleichzeitig ihre eigenen Supe-Eigenschaften verborgen halten. Nun ist das letzte Staffelfinale schon etwa zwei Jahre her. Doch zum Glück hat Amazon uns diesmal die Wartezeit mit der ersten Staffel des Spin-Offs Gen V erträglicher gestaltet. Die Serie mit den jungen Supes war zwar größtenteils autark von der Hauptstory, am Ende jedoch wurde dann doch etwas – aus Spoilergründen halten wir es lieber vage – etabliert, was auch in der Hauptserie zum Tragen kommen wird – und alles auf den Kopf stellen könnte. Dementsprechend wäre es tatsächlich eine Empfehlung meinerseits, vor der vierten Staffel von The Boys auch das Spin-Off gesehen zu haben.

Etwa parallel zum Ende der Spin-off-Story steigt nun auch die Auftaktfolge der neuesten Staffel ein. Und wie es oftmals in der Serienlandschaft gehandhabt wird, gilt es erstmal an den Status Quo zu erinnern und anzuknüpfen und in gewisser Weise die Scherben des vergangenen Finales aufzukehren. Hughie weiß also als einer der wenigen von Victorias Geheimnis und hadert mit seiner Rolle, Butcher kämpft um das Vermächtnis seiner Arbeit und irgendwie scheint es, als hätte Homelander seine Macht so weit ausgebaut, dass selbst sein Mord an einem Demonstranten keine Konsequenzen mit sich bringt. Doch Moment mal! Was machen eigentlich die anderen Seven? Wie kommen die Ereignisse von Gen V zum Tragen? Wird Butcher tatsächlich bald sterben? Unzählige offene Fragen, denen nun in acht neuen Folgen auf den Grund gegangen wird – wobei schon jetzt klar ist, dass es auch im Anschluss (mindestens) eine weitere Staffel geben wird.

Jeffrey Dean Morgan & Karl Urban © Amazon Content Services LLC

Viele Nebenstränge, ein klarer Fokus

Fangen wir mal bei den Seven an, die, um dem Namen weiter gerecht werden zu können, (mal wieder) nach Verstärkung casten. Das ist inzwischen schon fast zu Running Gag geworden und trotzdem hat sich durch die Vormachtstellung von Homelander die Dynamik inzwischen so krass verschoben, dass die „Helden“-Gruppe immer mehr zu Nebenfiguren degradiert wurde, sowohl in der Serienrealität als auch in Bezug auf deren Screentime. Dabei sind die Szenen mit Deep, Black Noir, A-Train und Co. weiterhin für den ein oder anderen Lacher gut, nur hat man schon den Eindruck, dass den Machern langsam die Ideen ausgegangen sind, was man mit den „alten“ Supes und ihren Kräften und Eigenheiten noch erzählen könnte.

Auch die Missionen der Boys-Rumpftruppe mit Kimiko, Mother’s Milk, Frenchie sind eingangs erstmal Nebenkriegsschauplatz. Im Zentrum steht klar der Butcher-Homelander-Neuman-Arc. In dieses Geflecht kommen dann auch neue, spannende Figuren, unter anderem gespielt von Susan Heyward und Jeffrey Dean Morgan. Heyward spielt Sister Sage, eine Aspirantin für den vakanten Seven-Platz, die schnell das Interesse von Homelander durch ihre Begabung auf sich ziehen kann. Morgan als Verbündeter mit gemeinsamer Vergangenheit mit Butcher hat in den ersten Folgen noch wenig Präsenz, aber bei so einer prominenten Neuverpflichtung darf man sicher sein, dass er noch mehr ins Geschehen eingreifen wird.

Es bleibt blutig, bissig, böse

Schon in der ersten Folge wird glasklar unterstrichen, was ohnehin schon feststand: Homelander ist nicht nur eine tickende Zeitbombe, sondern ein absoluter Soziopath, der inzwischen sogar seine Supe-Kollegen drangsaliert, indem er ihnen demütigende oder brutale, moralisch verwerfliche Befehle erteilt. Und damit sind wir dann schnell bei der Komponente von The Boys, allein für die nicht wenige die Produktion feiern: Denn auch die neue Staffel geizt nicht mit ultra-blutigen, ekelhaften und abstoßenden Szenen. Gefühlt ist man zwar inzwischen die Rohheit als Zuschauer der Comicverfilmung gewohnt, aber trotzdem schüttelt man sich immer wieder in den absurden Schocker-Momenten, wenn Gedärm durch die Gegend fliegt, wie in einer Wurstfabrik.

Nach inzwischen mehreren Staffeln mit unzähligen Kurzauftritten von skurrilen Fähigkeiten, fehlt in diesem Punkt doch merklich das große Aha oder die wirklich noch überraschende Idee. Die Luft ist natürlich längst nicht raus, denn dafür ist die Welt als solche zu stimmig konstruiert, die Charaktere inzwischen zu ambivalent und die „menschlichen“ Geschichten einfach zu spannend und denkwürdig. Wer jedoch noch immer erwartet, von einem „Nein, das haben die nicht wirklich…“ zum nächsten gepeitscht zu werden, der wird enttäuscht sein, wie „normal“ sich dieses Universum inzwischen anfühlt.

Aber auch die Emotionen kommen nicht zu kurz

War bislang schon Hughie als Quereinsteiger in den Heldenkrieg der zentrale emotionale Anker fürs Publikum, so spielt man dies auch weiterhin aus, indem man seiner Figur eine tragische Nebengeschichte mit seinem Vater Hugh (gespielt von Simon Pegg) gibt, die tatsächlich ans Herz geht. Und trotz all der obszönen Brutalität und der Schimpferei ist auch Butcher einem inzwischen so lieb geworden, dass sein Schicksal auch gefühlstechnisch Wellen schlägt. Insbesondere sein Umgang mit dem Verlust seiner Ex und nun auch noch deren Sohn tut weh, insbesondere weil Karl Urban den Part einfach sensationell spielt.

Auf der anderen Seite deutet insbesondere der Ryan-Teil an, dass hier noch heftige Konflikte und emotionale Wirktreffer schlummern könnten. In den ersten Auftritten in Staffel 4 bleibt der Homelander-Sohn a.k.a. Homeboy noch etwas blass, aber er wäre nicht der Sohn seines psychotischen Vaters, würde er nicht irgendwann komplett eskalieren, wenn die Kräfte erst voll unter Kontrolle hat und dann endgültig zum Spielball der beiden Lager wird…

Warten auf das WTF

Staffel 1 hatte direkt die A-Train-Szene, Staffel 2 den Wal, Staffel 3 Herogasm, doch was wird DIE Szene sein, die in Staffel 4 herausstrahlt und hängenbleibt? Schon in den bisher gesehenen drei Folgen gibt es wieder kleinere und mittelgroße Kopfschüttler, Kinn-Herunterklapper und Augenreiber –  doch der ikonische WTF-Moment lässt noch auf sich warten. Zum Glück hat aber die Staffel noch fünf Folgen Zeit, um diese eine oder mehrere solche Szenen zu kreieren und ich bin mir sicher, dass die Macher da noch das ein oder andere in petto haben, um den The Boys-Jüngern sprichwörtlich den Bauch zu pinseln.

Eine weitere Stärke von The Boys hingegen kann weiterhin gut ausgespielt werden, zumal das realpolitische Futter für Anspielungen den Autoren in den letzten Jahren nur so zugeflogen sein dürfte. So ist diese Staffel durchzogen von politischen Kommentierungen und Analogien, mal mehr, mal weniger offensichtlich auf das gemünzt, was in den „echten“ USA vor sich geht. Ein wenig sollte man daher schon an Kenntnissen über die politischen Mechanismen vor Ort mitbringen, um zu verstehen, was hier durch die Blume gesagt werden soll. Doch mit der Metaphorik übertreibt man es nicht, sodass man nie das Gefühl bekommt, die Serie will allzu belehrend, warnend oder beeinflußend sein.

So verhält es sich auch mit den Persiflagen von DC und Marvel, die zwar immer mal wieder bissig eingestreut werden, aber die im Mainstream erfolgreiche Comic-Konkurrenz nie für ihren Erfolg verurteilen sollen. Man kann also in beiden Welten zuhause sein: Im Blockbuster-Comic und in dessen zynischer Parodie.

Die Boys im Quartier © Amazon Content Services LLC

Unser vorläufiges Fazit zur vierten Staffel von The Boys 

Seien wir doch mal ehrlich: Wir haben hier eine vierte Staffel einer Serie vor uns, die bereits ab Folge eins die Geister geschieden hat. Dementsprechend ist Staffel 4 von The Boys mehr denn je eine Produktion von Nerds für Fans. Und dabei hatten die einen während des Drehs sichtlich so einen gigantischen Spaß, sodass das Publikum nun auch mehr als happy über das Resultat sein wird. Die Geschichte wird konsequent fortgesetzt, ohne dass man das Gefühl hat, dass man schon auf ein Serienende zusteuert. Die Hauptcharaktere bekommen viel Raum zum Glänzen, auch die Nebenstränge gelingen fast ausnahmslos und in Sachen Brutalität macht dieser Comicverfilmung weiterhin keiner was vor. Sprich: Es geht genau auf dem hohen Level weiter, auf dem die letzte Staffel geendet war.

The Boys – Staffel 4 startet mit den ersten drei Folgen am 13. Juni 2024 bei Amazon Prime Video und danach geht es im Wochenrhythmus weiter!

Unsere Wertung:

 

 

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Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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