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The Days

Vor wenigen Jahren hat sich HBO einer der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts angenommen und mit Chernobyl mitunter eine der besten Serien aller Zeiten erschaffen. Nun schickt sich Netflix an dem zweiten großen Atom-Unglück mit The Days ein ähnliches Denkmal zu setzen. Gelingt dies der Fukushima-Miniserie?

The Days | Official Trailer | Netflix

TitelThe Days
Jahr2023
LandJapan
RegieMasaki Nishiura, Hideo Nakata
DrehbuchJun Masumoto
GenreSerien
DarstellerKoji Yakusho, Yutaka Takenouchi, Fumiyo Kohinata, Kaoru Kobayashi, Takuma Otoo, Ken Mitsuishi
Länge8 Folgen mit je ca. 50 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingdienstNetflix
Ein Mann an einem Schreibtisch im Dunkeln. Er trägt eine Atemschutzmaske und telefoniert.
The Days erzählt von der Katastrophe aus nächster Nähe © Netflix

The Days – Die offizielle Handlungsangabe

Ein Erdbeben der Stärke 9.0 erschüttert am 11. März 2011 die Küste Japans. Kurz darauf entfesselt sich eine verheerender und 15 Meter hohe Tsunami-Welle, der über das jaüanische Festland hereinbricht. Die Naturkatastrophe ist aber erst der Anfang. Denn auch das Kernkraftwerk von Fukushima wird vom Tsunami überschwemmt. Einige der Reaktorblöcke sind beschädigt. Und ohne funktionierende Kühlung droht eine katastrophale Kernschmelze. In acht Episoden beleuchtet die Serie The Days die Ereignisse der Nuklearkatastrophe von Fukushima über einen Zeitraum von sieben Tagen aus drei unterschiedlichen Perspektiven.

Spoilerfreie Kritik zu The Days

Der Beitrag befasst sich mit der gesamten Staffel der japanischen Netflix-Serie und soll Anhaltspunkte liefern, ob die Story genug bietet, um Zuschauer zum Dranbleiben zu motivieren.

Ja, es ist die japanische Antwort auf Chernobyl, aber…

… die Realität hat uns eben leider Gottes nicht nur die eine atomare Katastrophe vor mehreren Jahrzehnten in der heutigen Ukraine beschert, sondern eben auch eine weitere, ebenso tragische und von menschlichen Fehlern geprägte Geschichte in Japan vor gut einem Jahrzehnt. Dementsprechend ist es durchaus legitim auch diese Katastrophe in einer fiktionalisierten Serie zu verarbeiten, wenngleich man doch in mehreren Punkten zwischen den beiden Fällen differenzieren muss. Da ist auf der einen Seite natürlich der zeitliche Kontext. Der Tschernobyl-GAU ereignete sich am 26. April 1986, also noch zu Zeiten des Kalten Kriegs. Dieser Umstand spielte auch in der HBO-Serie eine wichtige Rolle, da die vom sowjetischen System indoktrinierten Protagonisten immer wieder auf innere Widerstände gestoßen wurden, die aus westlicher und/oder heutiger Sicht schwer nachvollziehbar sind. Dies war jedoch eines der wesentlichen Spannungsfelder, dass den Reiz der Miniserie so bis ins unermessliche steigern konnte.

Darüber hinaus ist es aber auch allgemein der politische Kontext, der in The Days ein ganz anderer ist, als in Chernobyl. Und nicht zuletzt – und vielleicht sogar die entscheidende Differenzierung – spielt eine große Rolle, dass man historisch wie wissenschaftlich auf die Nuklearkatastrophe nahe Prypjat nach fast 40 Jahren schon anders blicken kann, als auf das japanische Unglück, das nur etwa ein Viertel soweit in der Vergangenheit liegt. Die Frage der Distanz zum Geschehen wird maßgeblich darüber entscheiden, ob man als Zuschauer den Thriller-Charakter des Formats akzeptieren kann oder – mit den realen Nachrichtenbildern noch im Hinterkopf – ob man hier den Geschmack einer auf Unterhaltung getrimmten Ausbeutung menschlichen Leids nicht ausblenden kann.

Unvorstellbares packend und mit Fingerspitzengefühl erzählt

Die japanische Produktion gibt sich jedoch alle Mühe, damit das Publikum nicht zu dieser Unterstellung verführt wird. Denn obgleich es sich um eine geskriptete Show handelt, wirkt vieles, soweit man es als Zuschauer beurteilen kann, historisch an der Faktenlage belassen. Auch die Charaktere sind dementsprechend recht adäquat gehalten und keine redenschwingenden Heldenfiguren. Damit schließt die Serie gut an die ebenfalls mit Fingerspitzengefühl vorgetragenen Katastrophenserien an, die in den letzten Jahren glänzen konnten. So erinnert The Days auch in seiner Erzählform und der Bildsprache immer wieder an Memorial Hospital bei Apple TV. Ein spannender Ansatz ist hier der Wechsel der Perspektiven. Das hat auch immer wieder den gewünschten Effekt, auf einen Sachverhalt unterschiedlich blicken zu können. Letztlich verpufft aber dieses Element doch, da die gesamte Konzeption an mehreren Stellen frappierende Schwächen offenbart.

Fünf in Uniform und mit Atemmaske ausgestattete Menschen in Nebel und Trümmerfeld. The Days
Nach der Katastrophe geht ohne Atemschutz gar nichts mehr © Netflix

Doch ein fader Beigeschmack bleibt nicht aus

Genau wie bei der Apple TV Serie verfallen nämlich auch die Macher von The Days mehrfach der Versuchung in die Kommentierung abzugleiten. Ja, es mag inzwischen schon juristisch wie wissenschaftlich untermauert sein, dass die Betreiberfirma Toepco, die versucht hatte die Katastrophe klein zu reden und die Schuld von sich zu weisen, doch den Großteil der Verantwortung auf sich nehmen musste, aber mit dem anklagenden Unterton färbt man die Serie so ein, dass dem Rezipienten eine unvoreingenommene Meinungsbildung komplett unmöglich wird. Da die Einzelschicksale auch wesentlich hintergründiger sind wie bei anderen Katastrophenserien und durch die politische Einfärbung der neutrale, quasi-dokumentarische Charakter unterminiert wird, fällt diese Produktion im direkten Vergleich doch ziemlich zurück. Lediglich für diejenigen, die diese Art der Aufarbeitung gegenüber neutralen, distanzierten Doku-Formaten bevorzugen, werden sich die überlangen acht Folgen in Gänze ansehen. Den meisten reichen gut recherchierte Artikel im Netz oder sogar der solide Wikipedia-Eintrag zum Unglück.

Unser Fazit zu The Days

The Days sollte die Fukushima-Version von Chernobyl sein, wurde aber durch falsche Schwerpunktsetzung, mangelnde Spannungsmomente und das Gefühl, dass man hier eine reine Abrechnung mit den Verantwortlichen machen wollte, eher zum gescheiterten Projekt. Acht Folgen sind zu lang, die Figuren nicht sonderlich charismatisch, um wegen ihnen dran zu bleiben und nicht mal Katastrophen-Touristen kommen auf ihre Kosten, da sich zu wenige optische Eindrücke ins Gedächtnis brennen werden. Man kann die Serie schon schauen, aber stattdessen auch dem herausragenden HBO-Fünfteiler einen Rewatch gönnen. Es dürfte durchgeklungen sein, was der Verfasser dieser Kritik dem Leser nahelegt.

The Days läuft ab dem 1. Juni 2023 bei Netflix! 

Achtung!!! Die Serie gibt es nur untertitelt, eine deutsche Synchronisation fehlt!

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

1 Kommentar

  • Ich hab die Serie heute gesehen und musste bei etlichen Szenen den Kopf schütteln.
    Zb in Folge 8 wo die ganzen top ingenieure angeblich zu blöd sind ein Wassertank an einem Feuerwehr Fahrzeug zu füllen.