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The Hateful 8

HASS HOCH ACHT

Kleine Bühne, große Welt: Mit seinem achten Film bleibt Quentin Tarantino dem Western und seiner Liebe zu erstklassigen Dialogen treu, verdichtet aber das Geschehen auf nur einen Schauplatz.

Jahr2015
ProduktionslandVereinigte Staaten (U.S.A.)
RegieQuentin Tarantino
DrehbuchQuentin Tarantino
GenreWestern/Kriminalfilm
DarstellerSamuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demián Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern, James Parks, Zoë Bell, Channing Tatum, Quentin Tarantino (Erzähler im Original)
Länge168 Minuten (Deutsche Digitalfassung nach FSK)

187 Minuten (70mm-Roadshow-Originalfassung)

FSKAb 16 Jahren freigegeben
VerleihUniversum Film

 

Bluray-Cover von The Hateful Eight aus 2017 von ©Universum Film
Bluray-Cover von The Hateful Eight aus 2017 von ©Universum Film

 

Samuel L. Jackson in "The Hatefuhl Eight"
Samuel L. Jackson in “The Hatefuhl Eight” von ©Universum Film

Vor gut vier Jahren hatte der erklärte Spaghetti-Western-Fan Tarantino seinen “Django” von der Kette gelassen, jetzt widmet er sich erneut dem Wilden Westen – mehr noch aber dem amerikanischen Wesen, dessen Genese er im ureigensten amerikanischen Genre Stück für Stück demontiert, bis wenig mehr übrigbleibt, als Hass, Gewalt und Skrupellosigkeit. Dabei können wir von Glück reden, dass seine hasserfüllten Acht überhaupt das Licht unserer Leinwände erblickt haben. Schon zu einem extrem frühen Zeitpunkt hatte eine Website das komplette Drehbuch “geleaket”, was für den Regisseur eigentlich Anlass genug dafür war, das Projekt komplett einzustellen – bis die öffentliche szenische Lesung des Werkes offenbar zum Sinneswandel geführt hat. Aber ganz ehrlich: Bei dem Auftritt von u. a. Samuel L. JacksonKurt RussellTim RothMichael MadsenWalton Goggins und Bruce Dern wären wohl auch wir schwach geworden.

Sie alle sind nun auch im Film die hasserfüllten Protagonisten in einer Geschichte, die vordergründig einfacher kaum gestrickt sein könnte: In sechs Kapiteln erzählt Tarantino vom Aufeinandertreffen zweier Kopfgeldjäger, einer in Richtung Galgen überführten Mörderin, einem Blizzard und einer Herberge, in der das zu Beginn eingeführte Personal auf weitere zwielichtige Figuren trifft. “Minnies Miederwarenladen” wird dabei zum emotionalen Schnellkochtopf, der die Gemütslage aller Beteiligten bald schon zur Explosion bringt – mit den für Tarantino üblichen brutal-blutigen Konsequenzen. Aber freilich ist “The Hateful 8” sehr viel mehr. Hier wird (neben Film-) auch wieder amerikanische Geschichte geschrieben, indem die überschaubare Bühne der Herberge zur in Nord- und Südstaaten geteilten Karte wird, auf der sich alle Beteiligten von Beginn an argwöhnisch beäugen, es nur eine Frage der Zeit ist, bevor sich die Animositäten in einer beispiellosen Eskalation der Gewalt entladen. Mit dem Henker John Ruth (Kurt Russell), der seine “Investition” – die Outlawbraut Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) – vor dem Zugriff der Konkurrenz – Kopfgeldjäger Marquis Warren (Samuel L. Jackson) – zu schützen versucht. Dem künftigen Sheriff Chris Mannix (Walton Goggins), dessen Vater auf Seiten der Konföderierten einst gegen Warren gekämpft hat. Oswaldo Mobray (Tim Roth), der als vermeintlicher Henker von Red Rock die Ehre haben will, Daisy aufzuknüpfen. Dem schweigsamen Konföderiertengenral Sandy Smithers (Bruce Dern) und mit ein paar weiteren undurchsichtigen Gesellen (u. a. Michael Madsen und Demián Bichir), deren Intentionen im Verlauf der letzten drei “Akte” zum Tragen kommen. Kaum einer ist das, was er vorzugeben scheint, und es ist die große Kunst Tarantinos, aus diesem dialoglastigen Spannungsfeld ein dramaturgisches Gebräu zu verdichten, das über fast drei Stunden Spielzeit keine Langeweile aufkommen lässt.

Samuel L. Jackson in "The Hatefuhl Eight" von ©Universum Film
Samuel L. Jackson in “The Hatefuhl Eight” von ©Universum Film

In vielerlei Hinsicht hat der Kultregisseur mit “The Hateful 8” seinen kompromisslosesten Film abgeliefert. Ein Bühnenstück fast schon, das die Mittel des Westerns – auch in Sachen Kameraarbeit, Bildgestaltung und Ausstattung – auf kleinstem Raum zu unwahrscheinlicher Entfaltung bringt und uns unerbittlich zu einem Finale führt, das mehr als nur ein paar Überraschungen für den Zuschauer bereithält. Neben einigen unfassbar brutalen Gewalteruptionen, die im krassen Gegensatz zum gemächlichen Tempo der ersten Hälfte stehen – geadelt durch den Soundtrack von Großmeister Ennio Morricone, der für seine Arbeit an “The Hateful 8” (seinen ersten Westernscore seit 1981!) den ersten richtigen Oscar seiner Karriere einfahren durfte (vom Ehrenoscar 2007 mal abgesehen). Dass ausgerechnet Tarantino selbst diese Ehrung für seinen bislang vielleicht klügsten Film verwehrt geblieben ist – geschenkt. Schließlich hat er eigenen Angaben zufolge noch zwei weitere Filme in sich, die in Anbetracht stetiger Leistungssteigerung noch Großes von ihm erwarten lassen.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:

Handlung/Dramaturgie
6
Figuren/Schauspieler
2
Ausstattung/Schauplätze
8
Form
4
Hintergrund
6
Vergleich im Genre
2
Durchschnitt:
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