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Betty Gilpin spielt Crystal in "The Hunt". Auf dem Bild trägt sie eine beige Hose, ein weißes Shirt unter einem langärmligen orangenen Hemd. Sie steht hinter einem Holztresen und hält eine Flinte mit kurzen Lauf in beiden Händen. Im Hintergrund sind verschiedene handwerkliche Gegenstände und Zubehörteile. Ihr Blick ist ernst und fokussiert, während sie auf etwas zielt.

The Hunt

Über Craig Zobels The Hunt wurde im Vorfeld mehr als heiß und kontrovers diskutiert. Unter anderem, dass Gewalt gegenüber Anhängern von Donald Trump beworben werden würde. Der US-Präsident selber meldete sich hierzu sogar zu Wort und kritisierte scharf das “liberale Hollywood”. Letzten Endes wurde der Film aus Rücksichtnahme in Folge der beiden Amokläufe in El Paso und Dayton um ein gutes halbes Jahr nach hinten verschoben. Ob die ganze Aufregung und Diskussionen um The Hunt gerechtfertigt sind und sich eine Sichtung des rebellischen Thrillers mit einer ordentlichen Portion Satire lohnt, erfahrt ihr hier.

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TitelThe Hunt
Jahr2020
LandUSA
RegieCraig Zobel
DrehbuchDamon Lindelof, Nick Cuse
GenreAction, Horror, Thriller
DarstellerBetty Gilpin, Hilary Swank, Emma Roberts, Justin Hartley, Ike Barinholtz, Wayne Duvall, Ethan Suplee
Länge90 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures
Das deutsche Blu-ray Cover von "The Hunt" in komplett in orange und schwarzen Akzenten gehalten. Zentral über die unteren zwei Drittel des Covers ist Betty Gilpin zu sehen, die Crystal spielt. Ihr Gesicht ist blutverschmiert und mit einer deutlicheren Wunde auf ihrer linken Wange. Im oberen Drittel, unmittelbar über ihrer Stirn, ist eine breite schwarze Fläche auf der in orange "The Hunt" steht. Darüber stehen schwarz auf orange die Darstellernamen Betty Gilpin und Hilary Swank.
Das deutsche Blu-ray Cover von “The Hunt” „© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.“

Worum geht es in The Hunt?

Eine Gruppe von untereinander fremden Menschen erwacht auf einer Waldlichtung. Ohne zu wissen, wo sie sich genau befinden und wie sie dorthin gelangt sind. Doch schon bald wird ihnen klar, dass ihnen nichts Gutes bevorsteht. Eine elitäre Gruppierung reicher Schnösel, angeführt von einer rätselhaften Frau (Hilary Swank), eröffnet die Jagd auf sie. Doch die Gejagte Crystal (Betty Gilpin) beschließt, den Spieß umzudrehen und wird selber zur Jägerin.

Ein Szenario, dass bekannt vorkommt

The Hunt hält sich nicht mit langen Erklärungen auf und wechselt innerhalb der ersten fünf Minuten mehrmals das Setting. Während der Eröffnungsszene steht eine Frau, die nur von hinten zusehen ist, im Vordergrund. Genauer genommen liegt der Fokus auf einem Gruppenchat, an dem die Frau teilnimmt und auf den die Kamera heran zoomt. Bereits in der nächsten Szene werden in einem luxuriösen Flugzeug die Jäger vorgestellt, ehe das Setting endgültig auf die Waldlichtung zu den entführten Opfern umschwenkt. Die geknebelte „Beute“ begibt sich nach kurzer Orientierungsphase auf eine mysteriöse Kiste zu, die mitten auf der Lichtung steht. Es dauert nicht lange, bis die ersten Körperteile zerplatzen, denn sobald die Knebel fallen, beginnt auch schon die Hetzjagd auf die Opfer.

Justin Hartley und Emma Roberts stehen mit weiteren Menschen auf der Waldlichtung in "The Hunt". Die Menschen bewaffnen sich gerade durch ein rotes Waffenregal, dass auf der Lichtung steht. Hartley und Roberts stehen vor diesem Regal und scheinen gerade miteinander zu sprechen. Roberts trägt ein cyanfarbiges Outfit mit Daunweste und Hartley eine dunkle Hose und eine hellbraune Jacke. Hartley hält in der rechten Hand ein Maschinengewehr und Roberts sehr zaghaft eine Pistole in ihren beiden Händen. Ihr Blick wirkt auch eher ängstlich.
Justin Hartley und Emma Roberts auf der Waldlichtung in “The Hunt” „© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.“

The Hunt beginnt mit einem Szenario, dass bei vielen Filmen bereits als Startpunkt diente. Angefangen bei Kinji Fukasakus Battle Royale über den ähnlich brutalen Die Todeskandidaten zum themengleichen, aber deutlich harmloseren Die Tribute von Panem – The Hunger Games. In diesem Fall jagen sich hingegen nicht die dieser unheilvollen Situation Ausgesetzten untereinander, sondern dienen hier als Beute der scheinbar gelangweilten Elite. Der Film basiert lose auf der Kurzgeschichte „Das grausamste Spiel“ von Richard Connell aus dem Jahr 1924. Dabei versteht sich The Hunt nicht als einfacher Action-Splatter-Film, sondern als Satire-Thriller, der aber nicht mit Gewaltspitzen spart, sondern sogar damit in seiner deutlichen Darstellung überrascht. Ebenso mit seinem Handlungsverlauf, der origineller ist als es über weite Strecken den Anschein macht. Alleine in Anfangsphase legt The Hunt ein solch enormes Tempo vor, dass man nicht erahnen kann, welcher Auftritt einer Figur als nächstes endet.

Es muss nicht immer alles logisch sein

Das von Nick Cuse (Maniac) und Damon Lindelof (Watchmen – Serie) geschriebene Drehbuch zu The Hunt bringt einige clevere Ansätze mit sich und macht vieles anders. Die erfrischende Mischung aus Action und Satire verdreht die Erwartungen und wertet den Unterhaltungswert des Films enorm auf. Besonders die eigentlich unlogischen Widersprüche, die den Figuren beiwohnen, sorgen für Stirnrunzel wie Spaß im selben Maß. So macht es eigentlich wenig Sinn, dass ausgerechnet eine Gruppe Liberaler, deren Hauptthemen der Klimawandel, zu viel Zucker in der Limonade oder eine geschlechtsunspezifische Aussprache sind, plötzlich zum Spaß Menschen jagen und töten.

Regisseur Craig Zobel machte aber nicht mehr aus seinem Film als die Diskussion im Vorfeld vermuten lässt. Sicher war die Verschiebung gerechtfertigt, da in der Zeit, in der der Film hätte erscheinen sollen, viele schlimme Ereignisse stattfanden. Aber The Hunt stellt, wie bereits geschrieben, kein neuerliches Szenario dar. Selbst in Sachen Brutalität setzt er keine neuen Maßstäbe, auch wenn er in diesem Punkt nicht gerade mit einer expliziten Darstellung geizt.

Hilary Swank spielt in "The Hunt" die rätselhafte Anführerin der Menschenjäger. Auf dem Bild steht sie im roten seiden Pyjama inmitten eines Luxus-Jets. Zu ihrer rechten steht eine Stewardess, hinter ihr ein Mann mit lichtem Haar und Brille, sowie eine Frau mit braunen Haaren und einem Schal.Swank blickt mit Verachtung nach unten zu Boden, während die anderen drei erleichtert dreinblicken.
Hilary Swank spielt die rätselhafte Anführerin der Menschenjäger „© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.“

Wenn Action und Satire sich die Klinke in die Hand drücken

Ohne zu hektisch geschnitten zu sein, fährt The Hunt alle Geschütze auf: Zerplatzende Köpfe, abgetrennte Gliedmaßen, massig austretende Gedärme, Sprengfallen, Granaten, Pfeile, Messer oder Kugeln. Der Film ist nicht zimperlich und die Kamera hält auf jede noch so eklige Szene drauf. Sicherlich kann hier diskutiert werden, ob eine solche Gewaltorgie so explizit dargestellt werden muss. Aber letzten Endes bietet The Hunt nichts, dass nicht schon einmal ähnlich oder sogar weit heftiger in anderen Filmen gezeigt wurde. Doch der Film besteht aus mehr als brutaler Action und kommt ohne gewisse satirische Seitenhiebe in die politische Richtung nicht ganz aus. Aber selbst mit diesen politischen Aussagen ist er nicht sonderlich neuartig, und könnte auf den einen oder anderen Zuschauer sogar eher unkreativ und klischeehaft wirken. Insofern sind die Befürchtung und heiße Diskussion mehr Schall und Rauch.

Zobel, Cuse und Lindelof drehten einen Film, der in mehr Schichten einteilt als nur in schwarz und weiß. So wird keine Motivation beschönigt und definitiv keine Gewalt gegenüber einer Seite beworben. Keine der beiden Seiten kommt schonungslos davon und wird nahezu in gleichem Maß verspottet. The Hunt verschafft hierdurch einen kleinen Denkanstoß, dass es häufig auf die Perspektive ankommt, wie es schon die Komödie Tucker & Dale vs. Evil zum Ausdruck brachte. Das geht dann soweit, dass Dinge, die unlogisch scheinen, gar nicht mehr so abwegig wirken, und dass weder die Jäger noch die Gejagten ohne Fehler sind.

Betty Gilpin spielt in "The Hunt" die taffe Crystal. Auf dem Bild sitzt sie auf der Kante eines geöffneten Kofferraums. Im Hintergrund ist zu sehen, dass der Wagen auf einer Art Landstraße steht. Sie trägt ein blass-bläuliches Oberteil und hält in der rechten Hand ein Jagdmesser, welches Spuren von Blut aufweist. Ihr Blick ist ernst und sie verzieht keine Miene, während sie von sich aus gesehen nach links oben jemanden anschaut.
Betty Gilpin spielt die taffe Crystal in “The Hunt” „© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.“

Ein Hoch auf Betty Gilpin

An dieser Stelle kommt die ambivalente Crystal ins Spiel, die von der umwerfenden Betty Gilpin verkörpert wird. Sie ist wahrlich die größte Stärke des Films, denn kaum einer der anderen stereotypen Charaktere sticht so heraus wie ihrer. Die taffe Crystal handelt überlegt und zeigt dennoch eine gewisse Verletzlichkeit. Gilpin zeigt vor allem eine beachtenswerte körperliche Leistung, welche sie schon in der Netflix-Serie Glow andeutete. Darüber hinaus glänzt sie mit einer außerordentlichen Ausstrahlung, welche sie sowohl in den wenigen ruhigen Momenten als auch in den bemerkenswerten Haudrauf-Szenen zeigt. Auch wenn der Film im letzten Drittel ein wenig an Fahrt verliert, verliert man nicht den Spaß an The Hunt. Gilpin weiß durchweg durch ihre Ausdruckskraft und speziell ihrer amüsanten Mimik zu unterhalten.

Ein wenig im Schatten von Betty Gilpins Performance präsentiert auch Oscarpreisträgerin Hilary Swank als Athena, die Anführerin der Elite, einmal mehr ihr ganzes Können. Neben der bissigen und resoluten Darstellung ihres Charakters beweist auch sie, dass sie immer noch austeilen kann. In The Hunt unterscheidet sich die Art des Austeilens gewiss von ihrer Rolle in Million Dollar Baby, aber dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sie hier eine gute Figur abgibt.

Unser Fazit zu The Hunt

War die Aufregung im Vorfeld um The Hunt wirklich gerechtfertigt? Nein! Sicherlich spart er nicht mit politischen Seitenhieben, die durch die Darstellung seiner überspitzten Stereotypen verteilt werden. Aber weder hiermit noch in der Darstellung von Gewalt zeigt der Film etwas, das nicht schon in anderen Filmen zu sehen war. Insofern ist die Aufregung um den Film diesbezüglich nur wenig nachvollziehbar.

The Hunt beginnt sehr zügig und mit viel schwarzem und bitterbösem Humor, verliert aber hinten raus ein wenig diesen Biss. Am Ende überwiegen allerdings die positiven Aspekte. Craig Zobel liefert 94 Minuten temporeichen wie rohen Spaß mit einer hervorragenden wie umwerfenden Betty Gilpin. Die Mischung aus Satire und Action ist erfrischend unterhaltsam und brutaler als gedacht. Obwohl es die Freigabe ab 18 andeutet, liefert der Film einige sehr explizite und blutige Actionszenen, die nie zu hektisch geschnitten sind und durchaus wertig präsentiert werden.

Der Film ist digital bereits erhältlich und erscheint am 03.09.2020 als DVD und Blu-ray. 

Unsere Wertung:

 

 

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