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Charlie Heaton als Sam, Anya Taylor-Joy als Illyana, Blu Hunt als Dani, Henry Zaga als Bobby und Maisie Williams als Rahne stehen in einem verlassenen Krankenhaussaal und blicken angespannt in die Kamera in "The New Mutants".

The New Mutants

Nach zahlreichen Verschiebungen erschien der vorläufig letzte Bestandteil des X-Men-Filmfranchises, The New Mutants, doch noch in den Kinos. Ist die überwiegende Negativpresse berechtigt oder kam dabei dennoch ein gelungener Beitrag zu der langlebigen Filmreihe heraus?

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TitelThe New Mutants
Jahr2020
LandUSA
RegieJosh Boone
DrehbuchJosh Boone, Knate Lee
GenreSci-Fi, Horror, Drama
DarstellerMaisie Williams, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Blu Hunt, Henry Zaga, Alice Braga, Happy Anderson, Adam Beach, Marilyn Manson
Länge94 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
Verleih20th Century Studios/Disney
Das Kinoplakat zu "The New Mutants" mit den Hauptdarstellern, die in einem dunklen Gang mit leuchtenden Augen stehen.
Eines der Kinoplakate zu “The New Mutants”. © 20th Century Studios

Darum geht’s in The New Mutants

Die junge Cheyenne Danielle “Dani” Moonstar (Blu Hunt) erlebt die Zerstörung ihres Reservats durch eine übernatürliche Macht. Sie wird Zeugin des Todes ihres Vaters und verliert danach das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich in einem abgelegenen Hospital wieder, das von der Ärztin Dr. Cecilia Reyes (Alice Braga) geleitet wird. Diese erklärt ihr, dass ein Tornado für den Verlust von Danis Familie verantwortlich war und sie eine Mutantin ist. Sie wurde in die Einrichtung gebracht, um zu lernen, ihre Fähigkeiten zu beherrschen und sich in die Gesellschaft einzugliedern. Bald lernt Dani die anderen mit ihr untergebrachten jugendlichen Patienten kennen: die gutmütige Rahne Sinclair (Maisie Williams), den traumatisierten Samuel “Sam” Guthrie (Charlie Heaton), den arroganten Roberto “Bobby” da Costa (Henry Zaga) und die offensichtlich psychisch gestörte Illyana Rasputin (Anya Taylor-Joy).

Während Dani sich relativ schnell mit Rahne und Sam anfreundet, geht die aggressive Illyana sofort mit ihr auf Konfrontationskurs. Dennoch bildet sich bald ein freundschaftliches Band zwischen den Jugendlichen mit besonderen Fähigkeiten. Es häufen sich jedoch unheimliche und zunehmend verstörende Geschehnisse in der Einrichtung, wofür Illyana Dani verantwortlich macht. Geht die Gefahr tatsächlich von Danis Fähigkeiten aus? Oder vielmehr von der nach außen hin fürsorglichen Dr. Reyes, die ganz andere Ziele zu verfolgen scheint, als sie vorgibt?

Charlie Heaton als Sam, Anya Taylor-Joy als Illyana, Blu Hunt als Dani, Henry Zaga als Bobby und Maisie Williams als Rahne stehen in einem verlassenen Krankenhaussaal und blicken angespannt in die Kamera in "The New Mutants".
Sam (Charlie Heaton), Illyana (Anya Taylor-Joy), Dani (Blu Hunt), Bobby (Henry Zaga) und Rahne (Maisie Williams) (v.l.n.r.) sehen sich einer unfassbaren Bedrohung gegenüber. © 20th Century Studios

The New Mutants – ein häufig verschobener Film

Geplant seit 2015, angekündigt im Jahr 2016, gedreht 2017, für einen Kinostart im Jahr 2018 eingeplant und seitdem insgesamt viermal verschoben, erblickt The New Mutants nun doch noch das Licht der Welt. Regisseur und Drehbuchautor Josh Boone (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) hatte ihn ursprünglich als Coming-of-Age-Film im Stil von The Breakfast Club mit Elementen des klassischen Horrorkinos geplant. Da er großer Fan von Stephen King ist, hatte dessen Werk auch einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf The New Mutants. Im Film selbst findet man davon allerdings nicht mehr viel. Während der Dreharbeiten, die noch unter dem Banner 20th Century Fox stattfanden, war Boone dazu gezwungen, viele der Horror-Elemente des Films abzuschwächen. Nach dem Erfolg von ES und einem positiv aufgenommenen Trailer, der ebenfalls in diese Richtung ging, stellte man Boone doch noch Zeit und Geld zur Verfügung, um seine ursprüngliche Vision zu vervollständigen. Jedoch kam es nicht mehr dazu.

Die ursprünglich für Ende September 2018 angesetzten Nachdrehs, verantwortlich für die ersten zwei Verschiebungen, fanden nie statt. Grund dafür war, dass das Kreativteam zu lange dafür brauchte, zu entscheiden, was alles neu gedreht werden sollte. Zudem gab es Probleme wegen anderweitiger Verpflichtungen des Casts bei verschiedenen Serien. Als 20th Century Fox im März 2019 schließlich von Disney übernommen wurde, kam die Produktion zum Stillstand. Die neuen Rechteinhaber wussten offensichtlich nicht so recht, was sie mit dem Franchise-Überbleibsel anfangen sollten. Gerüchte über eine Eingliederung von The New Mutants ins Marvel Cinematic Universe machten die Runde, ebenso wie Vermutungen, dass er überhaupt nicht als Kinofilm, sondern nur über Disney+ und Hulu erscheinen solle.

Eine Kinofassung nach dem Wunsch des Regisseurs?

Letztlich ermöglichte man es Boone doch noch, den Film fertig zu schneiden und bis dahin fehlende Spezialeffekte hinzuzufügen. Er drehte keine Szenen neu, da er der Meinung war, dass die Darsteller mittlerweile sichtbar älter als zu Zeiten der Hauptdreharbeiten waren. Boone und Schauspielerin Maisie Williams meinten zwar in Interviews nach der ersten Vorführung, dass The New Mutants genau der Film geworden wäre, den sie machen wollten. Dies darf jedoch zumindest angezweifelt werden. Man kann davon ausgehen, dass dies eines der Werke ist, die ursprünglich ganz anders geplant waren. Hätte man es Boone gleich ermöglicht, seine Vision so umzusetzen wie er wollte, und die Nachdrehs nicht andauernd verschoben, sähe der Film mit Sicherheit anders aus. Aber was für ein Film ist The New Mutants denn nun eigentlich geworden?

Charlie Heaton, Maisie Williams, Blu Hunt, Alice Braga und Josh Boone stehen nebeneinander und blicken lächelnd in die Kamera. Boone hält als Regisseur von "The New Mutants" eine Filmklappe in der Hand.
Charlie Heaton, Maisie Williams, Blu Hunt, Alice Braga und Josh Boone (v.l.n.r.) bei den Dreharbeiten zu “The New Mutants”. ©

Ein Horror-Film im Gewand eines Superheldenspektakels

Zunächst fällt auf, dass es kaum Verbindungen zu früheren Filmen des X-Men-Franchise’ gibt, sieht man von ein paar wenigen Erwähnungen bekannter Figuren ab. The New Mutants ist definitiv der untypischste Beitrag zur Filmreihe, da hier keinerlei kostümierte Superhelden auftreten und er tatsächlich stärker in Richtung Drama und Horror geht. Innerhalb der Masse an einander viel zu ähnlichen actionbetonten Comicverfilmungen steht er damit tatsächlich auf eigenen Beinen. Weniger allerdings hinsichtlich der Einordnung in Jugend- und Horrorfilme. Denn insgesamt ist er dann doch ziemlich generisch geraten. Bedenkt man die eingangs erwähnten Querelen hinter den Kulissen, ist hierbei zwar ein erstaunlich kohärentes Werk herausgekommen. Die Handlung ist in sich stimmig, es gibt kaum Anschlussfehler und auch tonal ist der Film größtenteils konsistent geblieben. Nur fehlen eben ausreichend bleibende Eindrücke, die ihn zu etwas Besonderem machen würden.

Die Charaktere sind zwar nicht originell, aber dreidimensional, und die Dialoge fühlen sich, obwohl sie hauptsächlich Exposition vermitteln sollen, natürlich an. Anfangs kann der Film auch eine beklemmende Atmosphäre aufbauen, da Boone auf gelungene Weise mit dem unheimlichen Setting der abgelegenen Klinik spielt. Und ebenso mit der Ungewissheit Danis, die hier als hauptsächliche Bezugsperson für das Publikum fungiert, wem sie wirklich vertrauen kann. Jedoch kann man sich dann doch relativ schnell zusammenreimen, wie der Hase wirklich läuft. Die Handlung ist leider allzu vorhersehbar. Und wenn The New Mutants im Showdown dann doch zum CGI-betonten Actionspektakel wird, bleibt leider viel Potenzial auf der Strecke. Hätte man die Horror-Elemente stärker betont, wäre wohl etwas Eindrucksvolleres herausgekommen. Denn an sich sind diese durchaus gelungen.

Ein Krankenhausbett in der Ecke eines leeren Zimmers, dessen Wände mit kryptischen Zeichnungen vollgekritzelt sind, in "The New Mutants".
In dem abgelegenen Institut geht nicht alles mit rechten Dingen zu. © 20th Century Studios

Furchteinflößende Monster im Film und Schock-Rocker auf dem Soundtrack

Zwar sind kaum King-Referenzen auszumachen und auch an klassische Horrorfilme wie Shining oder Der Exorzist finden sich wenige Anknüpfungen. The New Mutants ist glücklicherweise aber auch arm an Jump-Scares und lässt die unheimlichen Elemente oft mit einer effektiven Beiläufigkeit in die Handlung einfließen. Trotz des auf eine jüngere Altersgruppe ausgelegten PG-13-Ratings, das der Film in den USA erhielt, ist er überraschenderweise auch recht blutig geraten. Hierzulande erhielt er dementsprechend eine angemessene Freigabe ab 16 Jahren. Am unheimlichsten sind dabei die “Smile Men” genannten Monster geraten, die Illyana Rasputins Kindheitstrauma entspringen und an die “Gentlemen” aus der berühmten Buffy-Episode Das große Schweigen erinnern. Passenderweise schauen sich die Hauptfiguren in einer Szene ebendiese Folge im Fernsehen an.

Vertont wurden die “Smile Men” übrigens von niemand Geringerem als Marilyn Manson, der auch einen Song zum Soundtrack des Films beisteuerte. Sein Cover von Gerard McMahons “Cry Little Sister”, im Original auf dem Soundtrack des 80er-Jahre-Kulthorrors The Lost Boys enthalten, ist in The New Mutants allerdings nicht mehr zu hören. Was auch als symptomatisch für die vielen Verzögerungen und Probleme hinter den Kulissen gelten kann. Der hauptsächlich auf ruhige Klavierkompositionen setzende Score vom Akte-X-Komponisten Mark Snow bietet immerhin eine ordentliche Musikuntermalung. Wobei das beste, weil atmosphärischste, Thema erst zum Abspann erklingt.

Anya Taylor-Joy als Illyana kauert, von hinten gesehen, Maisie Williams als Rahne gegenüber, die die bewusstlose Dani (Blu Hunt) in den Armen wiegt. Charlie Heaton als Sam und Henry Zaga als Bobby knien neben den beiden und blicken Illyana argwöhnisch an in "The New Mutants".
In der Gruppe junger Mutanten treten heftige Spannungen auf. © 20th Century Studios

Talentierte Akteure in dreidimensionalen Rollen

Am stärksten ist The New Mutants in den Szenen, in denen die persönlichen Dämonen der Hauptfiguren und ihre Beziehungen zueinander erforscht werden. Als Coming-of-Age-Drama funktioniert Boones Werk daher am besten, auch wenn er in diesem Genre ebenfalls nichts Neues bietet. Davon abgesehen eben, dass die Hauptfiguren aufgrund ihrer übermenschlichen Fähigkeiten unter Selbstzweifeln leiden und Ausgestoßene der Gesellschaft sind. Dank der hervorragenden Darstellerriege bleiben diese Charaktere aber immer glaubwürdig und ihr Schicksal geht einem als Zuschauer nahe. Besetzt wurden die Rollen dabei mit Newcomern oder aufstrebenden Jungschauspielern, die durch Serien bekannt wurden. Die prominentesten Namen im Cast dürften Maisie Williams (Game of Thrones) und Anya Taylor-Joy (The Witch) sein. Williams als tief religiöse Rahne Sinclair und Taylor-Joy als anfangs unsympathische Illyana, die hinter ihrem aggressiven Auftreten ein verletzliches Inneres verbirgt, liefern mit die besten Leistungen ab.

Charlie Heaton (Stranger Things), Blu Hunt (Another Life) und Henry Zaga (Teen Wolf) können in ihren Rollen aber ebenfalls überzeugen. Im Falle von Blu Hunt ist es außerdem positiv hervorzuheben, dass in einem Mainstream-Hollywoodfilm mal eine amerikanische Ureinwohnerin die Hauptrolle übernimmt und abseits der üblichen Rollenklischees besetzt wurde. Auch erscheint die lesbische Liebesbeziehung, die sich zwischen den Figuren Rahne und Dani entspinnt, nie aufgezwungen. Die erfahrene Schauspielerin Alice Braga (City of God, Predators) als zwielichtige Ärztin weckt Erinnerungen an Schwester Ratched aus Einer flog übers Kuckucksnest. Wobei ihre Rolle ursprünglich für Rosario Dawson vorgesehen war. Adam Beach (Flags of Our Fathers) kann in seinem kleinen Part als Hunts Filmvater ebenfalls eine gelungene Leistung abrufen.

Maisie Williams als Rahne, Henry Zaga als Bobby, Blu Hunt als Dani, Charlie Heaton als Sam und Anya Taylor-Joy als Illyana stehen vor einem Klinikgebäude aus rotbraunen Ziegeln und blicken erwartungsvoll in die Kamera in "The New Mutants".
Schließlich lernen die “New Mutants” aber, zusammenzuhalten. © 20th Century Studios

Wie ist The New Mutants nun insgesamt?

Insgesamt ist The New Mutants so bei weitem nicht das Desaster geworden, das die vielen Verzögerungen der Produktion vermuten ließen. Aber auch kein wirklich überdurchschnittlicher Film. Der talentierte Cast, die gelungenen emotionalen und unheimlichen Momente und die positive Repräsentation von Minderheiten stehen einem fantasielosen Drehbuch und enttäuschendem Showdown gegenüber. Da der Film an den Kinokassen katastrophal abschnitt und Disney unter dem Banner 20th Century Studios ohnehin keine weiteren Beiträge zum X-Men-Franchise mehr produzieren wird, stellt The New Mutants dessen letzten Bestandteil dar. Was schade ist, denn die Charaktere besitzen viel Potenzial, das man in weiteren Fortsetzungen noch hätte erforschen können. Nach 20 Jahren endet somit die X-Men-Filmreihe durch diesen Film und Dark Phoenix mit zwei durchwachsenen Filmen. Man hätte sich einen würdigeren Abschluss gewünscht.

Unsere Wertung:

 

 

 

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