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Griffin Mill (Tim Robbins), blickt direkt in die Kamera. Er trägt einen Anzug, im Hintergrund ist ein Kühlschrank mit vielen Magneten zu sehen.

The Player

The Player – das ist Robert Altmans satirische Auseinandersetzung mit dem Geschäft Hollywood. Ob der Film um Hauptdarsteller Tim Robbins eher in die Kategorie zahnloser Tiger oder bitterböse Abrechnung fällt, erklären wir euch in unserer Kritik.

THE PLAYER I Trailer Deutsch (HD)

TitelThe Player
Jahr1992
LandUSA
RegieRobert Altman
DrehbuchMichael Tolkin
GenreThriller, Komödie, Krimi, Drama
DarstellerTim Robbins, Greta Scacchi, Fred Ward, Peter Gallagher, Whoopi Goldberg, Brion James, Cynthia Stevenson, Vincent D’Onofrio, Dean Stockwell, Richard E. Grant, Bruce Willis, Julia Roberts, John Cusack, Malcolm McDowell, Patrick Swayze, Cher
Länge124 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihTiberius Film
Auf dem Cover von The Player sitzt Griffin Mill (Tim Robbins) erschöpft und mit nassen Haaren auf einem Ledersessel. Dabei trägt er eine Krawatte. Im Hintergrund sind Palmen zu sehen.
Das Cover für den digitalen Release von The Player. © Tiberius Film

Die unendliche Kamerafahrt

„Die Filme heutzutage sehen alle wie MTV aus. Schnitt, Schnitt, Schnitt, Schnitt. Die Anfangssequenz von Orson Welles Im Zeichen des Bösen war sechseinhalb Minuten lang. […] Naja, eben drei oder vier. Jedenfalls hat er den ganzen Film mit dieser Kamerafahrt eingeleitet.“

Dieses Zitat, das der Sicherheitschef Walter Stuckel (Fred Ward) innerhalb der ersten Sequenz von The Player äußert, steht stellvertretend für die gesamte erste Einstellung des Films. Darin kritisiert Stuckel die schnelle Schnittfrequenz des modernen Filmemachens, während er die Vorzüge von Orson Welles langer Eröffnungseinstellung in Im Zeichen des Bösen erwähnt und diese zudem auf fast die doppelte Länge romantisiert. Etwa fünf Minuten später taucht Stuckel dann wieder auf, diesmal um Alfred Hitchcocks Cocktail für eine Leiche in ähnlicher Weise zu loben. Ein Film, der seiner Meinung nach komplett ohne Schnitte gedreht wurde.

„Er hat den Film nicht auf Schnitte inszeniert. Ich hasse diese Schnitte. Schnitt, Schnitt, Schnitt. […] Also: Im Zeichen des Bösen, das war ein Film. Welles, Hitchcock – das waren Männer.“

Dem Zuschauer wird allerspätestens dann deutlich gemacht, was im Intro von The Player vor sich geht. Denn wir befinden uns nun fast sieben Minuten im Film und Robert Altman hat den Shot nicht ein einziges Mal gestoppt. Keinerlei Schnitte, selbst die Filmklappe wird augenzwinkernd eingebaut. Tatsächlich wirkt es so, als ob Altman seinen Film sofort auf einer Metaebene präsentieren will, denn die acht (!) Minuten lange Kamerafahrt leitet den kompletten Film ein, indem sie viele Nebenhandlungen und Figuren etabliert. Mit dieser unglaublichen Aufnahme wird ein gesamtes Filmstudio in eine Art Theaterbühne verwandelt. Die Action kommt zur Kamera, während die Figuren die Szene immer wieder verlassen und neu betreten. Das Publikum kann nur Gesprächsfetzen aufschnappen und verharrt statisch auf einem Fleck, während der Arbeitsalltag und die Gespräche der gestressten Mitarbeiter jeweils nur für einige Sekundenfragmente eingefangen werden.

Postkarten zerstören die Idylle – die Handlung von The Player

Sogar Gespräche im Inneren des Studiogebäudes werden geschickt durch seitliche Schwenks und fast schon voyeuristische Beobachtungen durch Fensterscheiben hindurch eingefangen. Mittels der theatralen Inszenierung äußert Altman auf seine eigene satirische und sarkastische Art Kritik am Film selbst, vor allem an der Gleichförmigkeit vieler Hollywood-Produktionen.

Ein Opening Shot, dessen Langlebigkeit erst durch eine Postkarte gebrochen wird, die die Haupthandlung einleitet. Die Karte enthält eine Warnung und ist für den Protagonisten Griffin Mill (Tim Robbins) bestimmt. Der junge Produzent erhält schon seit einiger Zeit Drohungen von einem Unbekannten, dessen Drehbuch er abgelehnt hat, weil es sich nicht für das Hollywood-Publikum vermarkten ließ.

Griffin Mill (Tim Robbins) telefoniert, während er Auto fährt, mit den Studioverantwortlichen. Er hält sich sein Handy an das rechte Ohr und blickt durch seine Sonnenbrille hindurch in Fahrtrichtung.
Griffin Mill (Tim Robbins) hat alle Hände voll zu tun. © Tiberius Film

Im Verdacht steht der erfolglose Autor David Kahane (Vincent D’Onofrio), den Mill mit den Vorwürfen konfrontieren will. Die Aussprache der beiden endet in einem Streit, bei dem Kahane stirbt. Fortan versucht Mill den Tod des Autors vor der Polizei und seinem Arbeitgeber zu verheimlichen. Zudem beginnt er eine romantische Beziehung zu June (Greta Scacchi), der ehemaligen Lebensgefährtin des Opfers – und muss sich außerdem gegen neue berufliche Konkurrenz in Person des idealistischen Produzentens Larry Levi (Peter Gallagher) erwehren…

Levi möchte ein Projekt inszenieren, das ohne jedwede Hollywood-Motive auskommen soll. Weder Humor noch Gewalt, weder Hoffnung noch Sex, weder eine Wendung noch eine Romanze und schon gar kein Happy End. Das alles getragen von – richtig – keinem einzigen namhaften Schauspieler! Ein Projekt, von dem Mill nichts hielt und das er zuvor seinem Konkurrenten trickreich untergeschoben hat, damit dieser vor den Studio-Bossen einen mächtigen Flop präsentieren muss.

Meta-Satire als Kunstwerk

“Movies are art, now more than ever.“

Es sind – im Gegensatz zu typischen Hollywood-Dogmen – nicht die Darsteller, die diesen Film ausmachen, sondern das geniale Drehbuch und die erstklassige Regie. Robert Altmans größter Streich in The Player ist, neben seinen bissigen Dialogen und parodistisch überzeichneten Figuren, die Meta-Satire, die in seiner Kritik an Hollywood mitschwingt. Wie bei Kunstwerken muss man hinter den eigentlichen Bildinhalt sehen. In diesem Fall hinter die verschiedenen Handlungsstränge, um den Teufel im Detail auszumachen.

Denn wenn man sich die „Pinselführung“ verdeutlicht, dann ist die größte Stärke des Filmes seine Struktur. Altman und der starke Cast tragen mit einer grotesken Absurdität genau das vor, was sie dem Filmgeschäft vorwerfen. Beispielsweise eine künstliche, nicht organische Liebesgeschichte, die anfangs sehr negativ aufstößt. Oder das absolut absurde Ende mit einer gerade zu lächerlichen Erklärung, die im Kontext der kritisierten Hollywood-Motive aber absolut sinnig erscheint.

Susan Avery (Whoopi Goldberg) befragt den unter Mordverdacht stehenden Griffin Mill (Tim Robbins) in der örtlichen Polizeistation. In ihren Händen hält sie einen Kugelschreiber.
Detective Susan Avery (Whoopi Goldberg) hat einige Fragen an Griffin Mill (Tim Robbins). © Tiberius Film

Es dauert ein wenig, bis einem die Absicht hinter dieser Inszenierung klar wird. Weil das, was man an der Oberfläche wahrzunehmen glaubt, sehr schwierig zu entschlüsseln ist. Oft bleibt unklar, wann sich Altman typischer Hollywood-Erzählweisen bedient und wann er sich über diese lustig macht. Die eigentliche Meta-Ebene entsteht dadurch, dass der Film erst all die Mechanismen, all die Abgründe und die Lügen filmischer Utopie entblößt, nur um dann selbst Teil dieser Mechanismen zu werden und sich dieser zu unterwerfen. Und gerade das macht die dekonstruierende Satire so brillant.

Der filmische Zerrspiegel

Am Ende finden wir in The Player Humor, Gewalt, Hoffnung, Sex, einen Twist, eine Romanze und ein Happy End – all jene Konventionen, ohne die das von Larry Levi umgesetzte Projekt auskommen sollte. Gepaart zudem mit einem wahnwitzigen Star-Ensemble, das komplett irrelevant für die Handlung ist und teilweise nur aus Cameo-Auftritten von wenigen Sekunden Länge besteht. Unter anderem dabei: Gary Busey, Malcom McDowell, Bruce Willis, Julia Roberts, Karen Black, Robert Carradine, Jeff Goldblum, John Cusack, Elliot Gould, Burt Reynolds, Patrick Swayze, Jack Lemmon, Scott Glenn, Nick Nolte und Cher.
Malcolm McDowell, der sich in The Player selbst spielt, greift sich nachdenklich ans Kinn.
Malcom McDowell ist nicht der einzige Schauspieler mit Cameo-Auftritt in The Player. © Tiberius Film
Erst zum Finale tritt Robert Altman aufs Gaspedal und macht seine Intentionen klar. Wenn der Regisseur seinem Publikum all das bietet, was es vermeintlich von einem Film erwartet. Wenn Robert Altman ihm plötzlich einen Film der vermeintlichen Sehgewohnheiten entsprechend anbietet und wenn sich auch Larry Levi und die idealistischen Drehbuchschreiber irgendwann den harten Regeln des Marktes beugen. Und wenn man realisiert, dass unsere Helden vielleicht gar keine Helden sind, sondern nur aufgrund unserer Erfahrungen grundsympathisch wirken. Denn alles in allem ist The Player in seinen Grundzügen die Geschichte eines opportunistischen Mörders in einem abscheulichen Geschäft. Denn der Markt, er steht über allem. Die „Traumfabrik“ Hollywood zerbricht in ihrem Exzess und ihrer Filterblase an sich selbst.

The Player spielt die richtigen Noten – unser Fazit

Mit Moonlight, Parasite und Nomadland haben in den letzten Jahren durchaus Filme den Oscar gewonnen, die man zumindest teilweise als Abkehr von typischen filmischen Motiven und Konventionen beschreiben kann. Nichtsdestotrotz ist Robert Altmans Hollywood-Satire aktueller denn je – insbesondere im Streaming-Zeitalter, in dem mittels technischer Algorithmen Geschmacksprofile der Nutzerinnen und Nutzer erstellt werden.

Oft lohnt sich ein Blick über den Tellerrand und ein Infragestellen der eigenen Sehgewohnheiten. Dann bekommen vielleicht auch Filme wie The Player die breite Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Zwar als durchaus nicht einfacher Streifen, der sein Publikum mitunter stark fordert und oft auch überfordert. Als Film, der im Mittelteil durchaus träge vor sich hinplätschert, bis der satirische Ansatz wieder verstärkt aufgegriffen wird. Allerdings eben auch als zeitlose Hollywood-Satire mit Biss.

The Player ist seit dem 20. Mai 2021 digital verfügbar.

Unsere Wertung:

 

 

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© Tiberius Film

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