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Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) ist auf der Suche nach dem Mörder seines Sohnes © Twentieth Century Fox Home Entertainment

The Revenant

In The Revenant schlägt sich Leonardo DiCaprio als einsamer, von Rache getriebener Trapper durch die nordamerikanische Wildnis.

TitelThe Revenant – Der Rückkehrer
Jahr2015
ProduktionslandUSA
RegieAlejandro González Iñárritu
DrehbuchAlejandro González Iñárritu, Mark L. Smith
GenreAbenteuer, Thriller, Historienfilm, Drama
DarstellerLeonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck
Länge156 Minuten
FSKAb 16 Jahren freigegeben
Verleih20th Century Fox Home Entertainment
Offizielles Cover zum Film The Revenant © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Offizielles Cover zum Film The Revenant © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Worum geht´s in The Revenant ?

Eine Gruppe amerikanischer Trapper ist im Norden des noch unerschlossenen Amerikas unterwegs, um Tiere und dessen Pelze zu jagen. Allerdings müssen sie sich in Acht nehmen vor Indianern, Franzosen und anderen Gefahren. Ein ziemlich riskanter Beruf also, den auch der geheimnisvolle Hugh Glass und sein Sohn ausüben, um sich über Wasser zu halten. Nach einem unverhofften Angriff der amerikanischen Ureinwohner, bei dem die Amerikaner herbe Verluste zu verzeichnen haben, retten sich die einzigen 10 Überlebenden in die offenen Wälder des eisigen Umlandes.




Zu all den Spannungen, die sich ohnehin schon aufgrund der unglücklichen Situation der Männer ergeben, wird Glass auch noch von einem Bären angegriffen und beinahe zu Tode gebissen. Durch seine mangelnde Fähigkeit, sich zu bewegen oder auch nur zu sprechen, wird der Zusammenhalt der Truppe auf die Probe gestellt. Die einzig logische Entscheidung ist, Glass zurückzulassen und ihn bis zu seinem unvermeidlichen, natürlichen Ende zu beschützen. Als sich jedoch der stets schlecht gelaunte Fitzgerald, der Glass am liebsten sterben lassen würde, freiwillig meldet, muss der Kommandant der Gruppe mangels Optionen widerwillig zustimmen. Der leicht reizbare Fitzgerald tötet im Folgenden im Affekt und vor den Augen seines Vaters, Glass´ Sohn Hawk und lässt ihn selbst zum sterben zurück. Ein von seinem Überlebenstrieb gesteuerter Glass macht sich auf, um den Mörder seines Sohnes aufzuspüren.

Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) ist auf der Suche nach dem Mörder seines Sohnes © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) ist auf der Suche nach dem Mörder seines Sohnes © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Abzüge in der Handlung

Die Ausgangslage, mit der The Revenant seine Figuren und auch den Zuschauer konfrontiert, ist zweifelsohne interessant und unterhaltsam. Allerdings hat der Film aufgrund seiner dezenten Überlänge auch gewisse Schwächen in der Handlung, hauptsächlich, weil sich besonders das zweite Drittel teils enorm zieht. Natürlich sind diese scheinbar “überflüssigen” Minuten alles andere als das. Aufgrund ihrer eindrucksvollen Inszenierung der dargestellten Welt tragen sie nämlich enorm zur Atmosphäre bei, worauf ich später im Artikel auch noch einmal gesondert eingehen werde. Der durchaus realistisch gezeigte Überlebenskampf Glass’ wird dadurch aber auf ein Maß gestreckt, dass dem Zuschauer gerne mal zu lang werden kann. Zwar schockiert durchaus immer wieder die Härte, mit der Iñárritu sich entschieden hat, das Geschehen darzustellen. Doch irgendwann hat man sich einfach satt gesehen an dem, zynisch formuliert, durchs Unterholz kriechenden Waldschrat ohne Überlebenschancen. Dieser Kritikpunkt ist allerdings Meckern auf unglaublich hohem Niveau. Im Großteil des Films ist die Handlung sehr unterhaltsam und sorgt für aufgerissene Augen und das Bedürfnis, zu erfahren, wie es weitergeht.

Hugh Glass´ (Leonardo DiCaprio) Reise kann fast durchweg unterhalten © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Hugh Glass´ (Leonardo DiCaprio) Reise kann fast durchweg unterhalten © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Atmosphärisches Schauspiel

Wirft man auch nur einen kurzen Blick auf den Cast von Iñárritus The Revenant, so weiß man gleich, worauf man sich gefasst machen kann. Er ist gespickt mit einigen der größten Stars Hollywoods, die allesamt erwartungsgemäß abliefern. Der stets großartige Tom Hardy (Mad Max: Fury Road, Dunkirk) beispielsweise, der den Antagonisten John Fitzgerald verkörpert, zeichnet sich wie so oft einmal mehr durch seine besondere Sprache aus. Es mag zwar selbst für Muttersprachler schwer verständlich sein, was der Brite sich da in den Bart murmelt, zu einer grandiosen Atmosphäre trägt es aber allemal bei. Das sah die Academy wahrscheinlich ähnlich, als sie ihn als besten Nebendarsteller nominierte. Auch einer der derzeit gefragtesten Schauspieler der Welt, Domhnall Gleeson (Star Wars: Episode VII und VIII, Ex Machina), leistet ganze Arbeit. Er verkörpert in einer zwar kleinen, aber dennoch mit viel Fingerspitzengefühl dargebotenen, Rolle den Fort-Kommandanten, dem seine Männer alles bedeuten.

Tom Hardy kann als zynischer Trapper vollends überzeugen © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Tom Hardy kann als zynischer Trapper vollends überzeugen © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Allen voran ist an dieser Stelle aber selbstverständlich Leonardo DiCaprio zu nennen, der mit seiner Darbietung des legendären amerikanischen Volkshelden endlich seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller einheimsen konnte. Besonders der bereits erwähnte Kampf mit dem Grizzly gehört zu den wohl anspruchsvollsten Szenen, die ein Schauspieler bisher über sich ergehen lassen musste. Aber DiCaprio ist mit jeder Faser seines Körpers dabei und steckt viel Herzblut in sein Schauspiel. Und das merkt man auch zu jeder Sekunde! Besonders in Kombination mit den extrem aufwendigen Kostümen wird der Zuschauer wortwörtlich in diese Welt gesogen und fühlt sich wirklich ins Geschehen versetzt.

DiCaprios Darbietung des Hugh Glass hat ihm zurecht seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller eingebracht © Twentieth Century Fox Home Entertainment
DiCaprios Darbietung des Hugh Glass hat ihm zurecht seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller eingebracht © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Unglaubliche Aufnahmen

Das absolute Highlight des Films ist aber ohne Zweifel die Optik. The Revenant liefert unfassbar gute Bilder, die an einigen der visuell eindrucksvollsten Orten gedreht wurden, die ich bisher bewundern durfte. Das eiskalte, gefährliche Grenzland wirkt durch die klare Kamera jederzeit genau so wie es soll. Und da ein Großteil des Films in Wäldern spielt, entsteht ein enorm guter Eindruck davon, wie sich die Trapper damals gefühlt haben müssen: Hinter jeder Ecke lauert der Tod, in allen möglichen Ausführungen. Darüber hinaus schafft es Ausnahme-Kameramann Emmanuel Lubezki, eines seiner typischsten Stilmittel auch in Iñárritus Meisterwerk unterzubringen. Der Mexikaner filmt geradezu irre lange Takes, also längere Sequenzen, ohne auch nur einen einzigen Schnitt einzufügen. Damit entsteht eine unwiderstehliche Atmosphäre, die den Zuschauer vollends ins Geschehen versetzt und das Gezeigte weniger wie einen Hollywood-Streifen als eine tatsächliche Zeitreise wirken lässt. Dies ist zwar in The Revenant nicht derart auf die Spitze getrieben wie in Birdman (einer früheren Zusammenarbeit Iñárritus und Lubezkis), ist aber dennoch mit merkbar viel Verstand und Herz für das Material umgesetzt.

Lubezkis Aufnahmes sind einfach atemberaubend © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Lubezkis Aufnahmes sind einfach atemberaubend © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Auch das selten, aber ausnahmslos sehr geschmackvoll, eingesetzte CGI kann sich sehen lassen. Dabei sticht natürlich ganz besonders die jetzt schon ikonische Szene mit dem Bären hervor. Wüsste man es nicht besser, könnte man glatt meinen, DiCaprio würde hier allen Ernstes vor laufender Kamera einen ausgewachsen Grizzly erlegen. Allerdings gibt es Grund zur Freude für Tierschützer und Ästhetiker gleichermaßen: Der selbstverständlich am Computer enstandene Bär sieht lediglich unglaublich realistisch aus und dient darüber hinaus ausschließlich der Handlung. Der Film missbraucht seine phänomenalen Effekte also nicht, um den Zuschauer durch Explosionen oder dergleichen verzweifelt bei der Stange halten zu müssen. Selbiges gilt für die seltenen Kampfszenen. Da The Revenant über weite Teile ein recht ruhiger Film ist, wirkt die Tragweite der Kämpfe nochmal deutlich größer. Schon die Schlacht zu Beginn zwischen Indianern und Trappern wirkt durch die langen Kameraeinstellungen enorm realistisch und Furcht einflößend. Auf visueller Ebene kann der Film also absolut ausnahmslos überzeugen.

Der Stoff, aus dem Legenden sind

Bei den unglaublichen und lebensgefährlichen Ereignissen, die Hugh Glass in The Revenant widerfahren, sollte man meinen, das Ganze sei der Feder eines Hollywood-Autors entsprungen. Tatsächlich ist dem aber nicht so, so weit man der amerikanischen Folklore Glauben schenken kann. Tatsächlich exisitierte im frühen 19. Jahrhundert ein amerikanischer Trapper mit dem Namen Hugh Glass, der tatsächlich den Angriff eines Grizzlybären überlebt haben soll. Außerdem soll er es geschafft haben, lebendig in die Zivilisation zurückzufinden. Allerdings ist besonders der Rest der Geschichte, die Iñárritu in seinem Film erzählt, rein spekulativer Natur. Dass die Geschichte aber nach wie vor in der amerikanischen Kultur verankert ist, zeigt die Tatsache, dass seitdem eine enorme Anzahl Bücher auf den Markt kamen, die sich mit der Legende des Hugh Glass befassten. So beispielsweise auch Michael Punkes “The Revenant – A Novel Of Revenge”, auf welchen sich Iñárritu mit seinem eigenen The Revenant bezieht.

Iñárritu am Drehort von The Revenant © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Iñárritu am Drehort von The Revenant © Twentieth Century Fox Home Entertainment

Fazit

Eine spannende Handlung und wahnsinnig gute schauspielerische Leistungen machen The Revenant zu einem wirklich guten und unterhaltsamen Film, der sich lediglich ab und zu etwas zäh anfühlt. Was den Streifen aber wirklich herausragend macht, ist seine Optik. Emmanuel Lubezki fängt unglaublich schöne Bilder ein, die durch Kniffe, wie zum Beispiel extrem lange Takes, auch noch sehr atmosphärisch präsentiert werden. Somit ist der Film ein Must-See für jeden und einer der besten Thriller der letzten Jahre.

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Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
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© 20th Century Fox Home Entertainment

Jonas Hellrung

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