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The School for Good and Evil

Große Namen, eine erfolgreiche Buchvorlage und ein Genre mit viel Spielraum: Mit The School for Good and Evil will Netflix in die Gefilde von Harry Potter und Co. vordringen. Lädt der erste Ausflug in die bunte Fantasiewelt zum Verweilen ein?

The School for Good and Evil | Offizieller Trailer | Netflix

TitelThe School for Good and Evil
Jahr2022
LandUSA
RegiePaul Feig
DrehbuchDavid Magee, Paul Feig
GenreFantasy
DarstellerSophia Anne Caruso, Sofia Wylie, Laurence Fishburne, Michelle Yeoh, Jamie Flatters, Kit Young, Peter Serafinowicz, Rob Delaney, Mark Heap, Patti LuPone, Rachel Bloom, Kerry Washington, Charlize Theron
Länge147 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Poster zu The School for Good and Evil zeigt vier Frauenfiguren in bunten Kleidern.
Das Poster zu The School for Good and Evil © Netflix

The School for Good and Evil  – Die offizielle Handlungsangabe

Die Außenseiterinnen und besten Freundinnen Sophie (Sophia Anne Caruso) und Agatha (Sofia Wylie) haben trotz ihrer Gegensätze eine außergewöhnliche Verbindung. Sophie, eine goldhaarige Näherin, träumt davon, dem öden Dorfleben in Gavaldon zu entfliehen und eine Prinzessin zu werden. Agatha scheint derweil mit ihrem grimmigen Aussehen und ihrer eigenwilligen Mutter, das Zeug zu einer richtigen Hexe zu haben. In einer Blutmondnacht landen die Mädchen plötzlich an einer magischen Schule, wo Helden und Schurken ausgebildet werden und die wahren Geschichten aller großen Märchen ihren Anfang nehmen. Doch etwas scheint nicht zu stimmen: Sophie kommt an die Schule des Bösen, wo die glamouröse und scharfzüngige Lady Lesso (Charlize Theron) das Sagen hat, und Agatha an die Schule des Guten unter der Leitung der freundlichen Professorin Dovey (Kerry Washington).

Und als wenn es nicht schon kompliziert genug wäre, sich im Unterricht mit den Nachkommen von der bösen Hexe (Freya Parks), Captain Hook (Earl Cave) und dem bezaubernden Sohn von König Artus (Jamie Flatters) auseinanderzusetzen, kann laut dem Schulmeister (Laurence Fishburne) nur ein Kuss der wahren Liebe die Regeln ändern, damit die Mädchen an ihre rechtmäßige Schule und damit auf ihren vorbestimmten Weg kommen. Als jedoch eine düstere und gefährliche Figur (Kit Young) mit einer rätselhaften Verbindung zu Sophie auftaucht und die Schule sowie die Welt darüber hinaus vollständig zu zerstören droht, gilt es zunächst, das Märchen des wahren Lebens zu überleben, bevor überhaupt an ein Happy End zu denken ist.

Erste Assoziation: Harry Potter – leider aber in der Möchtegern-Version

„Eine magische Schule“ – wer da nicht direkt an Harry Potter denkt, hat vermutlich die letzten 20 Jahre unter einem Stein verbracht. Die Romanverfilmung der Rowling-Vorlage hat sowohl das Subgenre der Zauberei-Filme, aber auch den Young-Adult-Bereich für eine ganze Generation geprägt und für alle kommenden die Messlatte weit oben angesetzt. Ein Vergleich mit dem Potter-Verse schwingt unweigerlich mit, sobald ein neues Projekt ähnlicher Ausrichtung auch nur angekündigt wird. So auch bei The School for Good and Evil. Hat Netflix aber beispielsweise bei der Grisha-Verse-Umsetzung Shadow and Bone noch deutlich versucht frischen Wind durch eine doch anders angelegt tonale Basis ins Genre zu bringen, so ist das, was diese Jugendromanverfilmung nun macht, dreist und grenzt streckenweise an kreative Arbeitsverweigerung.

Zugegeben: Den Gut-Böse-Konflikt gepaart mit einer Heldenreise-Variation hat Harry Potter auch nicht erfunden. Aber wie sich hier Paul Feig beim augenscheinlichen Vorbild bedient, ist so auffällig, dass man sich teilweise ungläubig die Augen reibt: Die Unterrichtsszenen, das Schloss, Sequenzen im Wald, teilweise auch die Kreaturen, und so weiter und so fort. Vieles ist extrem nah am Vorbild, aber leider in allen belangen eine qualitative Stufe darunter. Am Ende des Films wird – das ist auch gar kein Spoiler – gesagt, dass dies erst der Anfang sei. Doch es dürften sich wirklich nur die eingeschweißten Fans der Vorlage nach diesem katastrophalen Auftakt nach einer Fortsetzung sehnen.

Mit einem Hauch von Monster AG und Shrek

Dabei hat das Szenario einer Schule, in der Märchenfiguren ausgebildet werden durchaus Potenzial. Die Anspielungen auf die Märchenstoffe verstehen die allermeisten, auch für die Shrek-Reihe war das mitunter Teil des Erfolgsrezepts. Und die Monster AG/Uni haben im Grunde genommen auch eine ähnliche Prämisse charmant ausgearbeitet. Leider verzettelt sich diese Produktion jedoch in einer tonalen Unausgewogenheit, in Klischees und vor allem in von abgedroschenen Plattitüden nur so triefenden Dialogen, sodass die überlange Laufzeit sich fast noch unerträglich länger anfühlt.

Kerry Washington als Professor Dovey und Charlize Theron als Lady Lesso. Beide tragen auffällige Kleidung.
Kerry Washington als Professor Dovey und Charlize Theron als Lady Lesso © Netflix

Effekte fragwürdig, Humor zum Haare raufen und Musik ohne Flair

Ein weiteres Manko sind dann noch die stellenweise haarsträubenden Computereffekte, die nochmals ungünstig durch den bunten HDR-Look betont werden. Alles in allem ist das ein weiterer Streaming-Film, bei dem man sich ernsthaft fragen muss, wo das Budget hingeflossen ist. Am CGI hat man offenkundig gespart. Der nächste Kritikpunkt betrifft den typischen Paul-Feig-Humor, der ohnehin schon Geschmacksache ist, aber in diesem Setting noch unpassender als sonst wirkt. Hier sitzt kaum ein Gag und wenn nach einer Schlacht, bei der etwas fundamentales auf dem Spiel stehen soll, die Protagonistinnen ihre Kräfte nutzen, um Tauben auf Menschen koten zu lassen, dann braucht man über das Humor-Level wohl keine weitere Silbe verlieren.

Bei der Musik wurde dann noch mit Biegen und Brechen versucht, dem Mittelalter-Märchen-Look durch moderne Popsongs einen stilistischen Kontrast und damit ein einzigartiges Merkmal zu verleihen. Doch wenn zum Showdown eine Coverversion von Britney Spears „Toxic“ zum Einsatz kommt, dann spitzt man damit nicht die Dramatik zu, sondern sorgt eher für weitere unfreiwillige Komik.

Ein übertriebenes Theaterspiel mit hübschen Kostümen

Zu guter Letzt ist in diesem potenziellen Auftaktfilm auch der Cast – man mag es bei den Namen kaum glauben – eine große Enttäuschung. Charlize Theron und Kerry Washington „overacten“ sich um die Wette und tun einem fast leid, wenn man weiß, was die Schauspielerinnen eigentlich können. Laurence Fishburne hatte zwar schon immer wieder mal Ausreißer nach oben und unten in seinem darstellerischen Spektrum, aber auch er ist hier ein Schatten seiner selbst. Lediglich Michelle Yeoh schafft es auf der Seite der etablierten Namen mit ihrer angepassten Rolleninterpretation positiv aus dem übertriebenen, theaterartigen Spielen hervorzustechen.

Dies ist insbesondere auch schade, da durch das überzogene Spiel der großen Stars die doch sehr anständigen Darbietungen der Jungschauspieler:innen etwas in den Hintergrund rückt. Doch Sophia Anne Caruso und Sofia Wylie kann man wirklich kaum Vorwürfe machen. Die beiden Protagonistinnen sind immerhin noch Sympathieträger und die Einzelteile des Puzzles, von denen man gerne doch mehr sehen möchte. Auch die Kostüme sind noch ein Lob wert. The School for Good and Evil ist schrill, überdreht, bonbonbunt, aber die Outfits passen in diese Welt perfekt rein. Für Fans von extravaganten Kleidern könnte das Fantasy-Abenteuer am ehesten noch ein Genuss sein.

Unser Fazit zu The School for Good and Evil

Paul Feig liefert mit The School for Good and Evil ein Potpourri aus Märchenklischees, abgedroschenen Botschaften bezüglich der „Das-Gute-braucht-das Böse“-Thematik und einen an Plattitüden nicht zu überbietenden Appell an den Wert wahrer Freundschaft. Das sieht leider – abgesehen von den Klamotten – nicht mal besonders gut aus und ist mit den knapp zweieinhalb Stunden auch deutlich zu lang geworden. Leider hat man hier aus den großen Namen rein gar nichts gemacht. Und bereits bevor die Reihe richtig starten kann, ist schon klar, dass auch dieser Versuch von Netflix eine eigene Fantasy-Welt in Anlehnung an den Harry-Potter-Erfolg aufzubauen, gescheitert ist.

The School for Good and Evil ist ab dem 19. Oktober bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

The School for Good and Evil 1: Es kann nur eine geben (The School for Good & Evil)
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Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2022 um 20:20 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
The School for Good and Evil, Band 2: Eine Welt ohne Prinzen (The School for Good and Evil, 2)
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Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2022 um 20:16 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

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