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Tae-yul (Jang Hyeok) kreuzt in The Swordsman mit einem Gegner die Klingen.

The Swordsman

Als Historienabenteuer beackert The Swordsman nicht gerade ein Terrain, für das die Filmnation Südkorea bekannt und beliebt ist. Ob sich der Ausflug in die Geschichte des Landes trotzdem lohnt, erfahrt ihr in unserer Review!

THE SWORDSMAN Trailer (Deutsch)

TitelThe Swordsman (OT: Geom-gaek)
Jahr2020
LandSüdkorea
RegieChoi Jae-hoon
DrehbuchChoi Jae-hoon
GenreHistorienfilm, Action, Drama
DarstellerJang Hyeok, Joe Taslim, Kim Hyeon-soo, Jeong Man-sik
Länge100 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Jang Hyeok scheint schon verletzt, während gesichtslose Feinde im schwarzen Hintergrund lauern - The Swordsman.
Das Cover des Mediabooks © Capelight Pictures

The Swordsman – Handlung

Als junger Schwertkämpfer versuchte Tae-yul (Jang Hyeok), den König vor den Handlangern der Qing zu schützen. 15 Jahre später hütet er seine Tochter Tae-uk (Kim Hyeon-soo) wie seinen Augapfel und geht jedem Ärger aus dem Weg. Doch sein Augenlicht ist dabei zu erlischen, und Tae-uk drängt ihn, eine Handelsstation aufzusuchen, in Hoffnung, dort wirksame Medizin zu erhalten. Dort kreuzen ihre Wege den des Sklavenhändlers Gurutai (Joe Taslim), einem sadistischen Aristrokraten der Qing und passionierten Schwertkämpfer. Er hat es eigentlich auf den alten Meister Min Seong-ho (Jeong Man-sik) abgesehen, dem einst auch Tae-yul gegenüber stand. Doch als Gurutai in Tae-yul eine größere Herausforderung wittert, gilt sein Interesse bald auch ihm und seiner naiven Tochter…

Keiner der gewohnten Exportschlager

Nach einer Welle aus modernen Actionfilmen und Thrillern schwappen die letzten Jahre auch hin und wieder Historienabenteuer aus Südkorea in den Westen. Nach dem kammerspielartigen Swordbrothers (2011), dem vertrackten Memories of the Sword (2015) oder dem ersten Abenteuer von Detective K (2011), „Koreas Antwort auf Sherlock Holmes“, erscheint also nun der aktuelle Schwertkampf-Film The Swordsman (2020) auf dem Heimkinomarkt. Und man merkt deutlich, dass für die südkoreanischen Filmemacher auf diesem Gebiet noch einiges an Aufholbedarf besteht.

Dabei bietet sich die gewählte Periode, kurz nach der Invasion Koreas durch die Qing oder auch Mandschus, geradezu für ein prächtiges Schwertkampf-Spektakel an. Doch die Produktion wählt eine außerordentlich zurückhaltende Weise, die historischen Gegebenheiten wie auch die Charaktere zu beleuchten. Dazu meidet die Inszenierung jedwede Opulenz in der Ausstattung und setzt die dem Titel nach zu erwartenden Action Set Pieces, analog zum Helden, nur als letztes Mittel ein. Dementsprechend kocht der Film bis zum letzten Drittel ein relativ dünnes Süppchen, welches jedoch durch die technisch saubere Arbeit am Leben gehalten wird. Und zumindest dann bietet er das auf, was man von einem Film dieses Titels erwartet.

Jang Hyeok geht mit seiner Filmtochter Kim Hyeon-soo einen steinigen Weg entlang - The Swordsman.
Tae-yul und Tae-uk machen sich auf den Weg zum Handelsposten © Capelight Pictures

Viele Wege führen ins Nichts

Das Skript legt merklich wert darauf, seine Geschichte zeitlich präzise zu verorten. Das fängt mit dem Hintergrund der Figur Tae-yul an, dessen prägender Moment als junger Idealist auf den Tag der Entmachtung Gwanghaegun im Jahre 1623 fiel. Wir erfahren, dass er sich an jenem Tag dem Meister Min Seong-ho geschlagen geben musste. Außerdem haben ihm dort Splitter seines zerberstenden Schwertes die Augen verletzt, weswegen er 15 Jahre später endgültig zu erblinden droht. Er lebt nun zurückgezogen mit seiner Tochter, hält sich von Konflikten fern. Was ihm in der Zwischenzeit widerfahren ist, bleibt im Dunkeln. Wir wissen nicht, wie er zu einem Meister des Schwertkampfes heranreifte, denn an diesem schicksalhaften Tag wurde er zwar vom scheidenden König als über alle Maßen talentiert bezeichnet, doch hatte diese Kunst noch längst nicht zur Perfektion gebracht.

Für Hintergründe bemüht The Swordsman zwar immer wieder Rückblenden, aber anstatt seinen Protagonisten dadurch klare Konturen zu verleihen, werden nur einzelne Charaktermerkmale, Verbindungen und Motive skizziert. Man bekommt kein wirkliches Gefühl für die Personen, die die Geschichte umkreist. Der eigentlich in seiner Pflichtschuldigkeit versunkene Schwertmeister Ming Seong-ho trifft etwa eine Entscheidung, die für sich genommen wenig Sinn ergibt. Auch der grimmige Sklavenhändler Gurutai kommt über einen klischeebehafteten Oberschurken kaum hinaus. Zumal er uns bis zur finalen Auseinandersetzung den Beweis schuldig bleibt, dass er ein so guter Schwertkämpfer ist, wie er von sich behauptet. Denn die schmutzige Arbeit delegiert er stets an seine Handlanger. Zudem flechtet das Skript immer wieder Andeutungen, etwa über die Tochter Tae-uk ein, die für die Entwicklung und das Ende der Geschichte vollkommen unerheblich sind.

Joe Taslim schmiedet in Gedanken neue Pläne, während die Gefolgschaft seine Befehle erwartet - The Swordsman.
Gurutai plündert die menschlichen Ressourcen des besetzten Korea © Capelight Pictures

Technisch gut, aber ohne Orientierung

Rein technisch gibt es bei The Swordsman nichts zu meckern, Kameraführung, Schnitt und auch die Musikuntermalung sind wieder einmal state of the art. Was jedoch irritiert, ist, dass die Sets fast schon spartanisch gehalten sind und die meisten Szenen kaum Komparsen aufbieten. Nur ganz zu Anfang, als die Sklavenhändler in einem Dorf Ehefrauen armer Männer entführen, bekommt man das Gefühl, dass die dargestellte Zeit auch lebendig erscheint. Der Handelsposten scheint fast wie ausgestorben, selbst am Hof des Landesfürsten sind kaum mehr als eine Handvoll Bedienstete auszumachen. Alles scheint provinziell, als eine Enklave der letzten Koreaner, erstarrt in der Umklammerung der Besatzer. Und vielleicht geht die Krankheit des Schwertkämpfers einher mit seiner Weigerung zu kämpfen, weil er blind ist für die Not im Land? Die Geschichte bietet schon seine Ansatzpunkte, bleibt aber in allem viel zu vage.

Umso erstaunlicher erscheint dies, wenn das letzte Drittel anbricht, und der Film plötzlich gewillt ist, das zu liefern, was der Titel The Swordsman versprochen zu haben schien. Dann pflügt sich Tae-yul, in manierlicher Weise choreographiert und gefilmt, gleich blutig durch eine Schar von Gegnern. Es ist schon fast so, als wolle einem der Film dort wieder wachrütteln. Allerdings verfällt er schon kurze Zeit später in alte Muster. Ein groß angelegtes Finale verweigert er dem nun angeregten Zuschauer. Der Konflikt wird zwar folgerichtig und gewaltsam gelöst, aber die großen Erwartungen, die das lange angekündigte Aufeinandertreffen gleich dreier Schwertmeister schürt, werden enttäuscht. Es scheint fast so, als sträubte sich Autor und Regisseur Choi Jae-woon davor. Als inszenierte er diese Duelle nur, weil er es rein erzählerisch muss, um dann auch zu einem Ende zu kommen.

Jeong Man-sik begleitete den ehemaligen König als treuer Schwertmeister auch zur Jagd im Bambuswald - The Swordsman
Einst war Min Seong-ho ein treuer Gefolgsmann des Königs © Capelight Pictures

Ein Cast, der nicht gefordert wird

Es ist wirklich schade, aber Skript und Inszenierung des Jungregisseurs Choe Jae-woon scheinen unentschlossen, welche Richtung The Swordsman eigentlich einschlagen soll. Letztlich ist es weder Fisch noch Fleisch und dürfte Actionfans genauso wenig befriedigen wie ein anspruchsvolleres Publikum, das ein intimes Drama oder zumindest einen ansprechenden Historienfilm erwartet. Dabei stand ihm mit Jang Hyeok ein Hauptdarsteller zur Verfügung, der durchaus in der Lage ist, abgründigen Charakteren auch mit wenig Background Leben einzuhauchen. Doch hinter den buschig bis ins Gesicht ragenden Haaren und den Kontaktlinsen kann sich kaum ein Schauspiel entfalten, vor allem wenn Tae-yul betont gebeugt und stoisch durch die Geschichte stapft. Im Kontrast dazu steht die junge Kim Hyon-soo als lebensfrohe Tae-uk, die ein wenig Farbe in den tristen Alltag bringt.

Besonders ärgerlich ist es aber, dass Jae-woon seinen zweiten Star Joe Taslim in einer derart stereotypen Schurkenrolle verschwendet. Der Indonesier hat zwar extra für den Dreh Koreanisch gelernt, darf aber nur ein scheinbar eingemeißeltes diabolisches Grinsen zur Schau tragen, dass man ihn kaum noch ernst nehmen kann. Und das man den Action-Star aus The Raid (2011), The Night Comes For Us (2018) und zuletzt Mortal Kombat (2021) noch nicht einmal Platz zur physischen Entfaltung lässt, erschließt sich nicht wirklich. Wenn das tatsächlich aufeinander aufbauen soll, die einseitige Darstellung quasi seinen enttäuschenden Abgang vorbereiten soll, dann fehlte dem Regisseur auch hier das Geschick, dies entsprechend herauszuarbeiten.

Jang Hyeok schleicht sich mit blutbeschmierter Klinge an einen feindlichen Qing-Soldaten heran - The Swordsman.
Am Ende hilft nur der Griff zum Schwert © Capelight Pictures

Unser Fazit zu The Swordsman

Es sind durchaus Ansätze und Bemühungen zu erkennen, doch hinterlassen diese nicht mehr als vereinzelte Spuren. Wenn man sie sucht, wird man sie auch finden, aber wenn man sie verfolgt, endet man immer wieder bei losen Enden. Und selbst unter diesen Voraussetzungen hätte The Swordsman noch Potenzial für ein zünftiges Abenteuer gehabt. Leider ging der entscheidende Ruck, dem Ganzen durch ein wenig mehr Action etwas Leben einzuhauchen, den Verantwortlichen dann auch ab. Dennoch lässt sich der Film schmerzfrei konsumieren, der Durststrecken zum Trotz. Das Zusammenspiel von Jang Hyeok und Kim Hyon-soo hält das Interesse hoch. Ebenso belohnen die wenigen, eingestreuten Action-Szenen ein wenig für die Geduld. Doch im Vergleich mit dem Hongkong-Kino, das auch in letzter Zeit flotte Schwertkampffilme wie Brotherhood of Blades 2 (der in der gleichen Ära auf chinesischer Seite spielt) raushaut, hat die Filmnation Südkorea noch einiges aufzuholen.

The Swordsman ist seit dem 14. Mai 2021 auf DVD & Blu-ray im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Capelight Pictures

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