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The Witcher: Nightmare of the Wolf

The Witcher: Nightmare of the Wolf erzählt die Vorgeschichte zu einem der beliebtesten Charaktere im The Witcher-Universum. Lohnt sich vor Staffel 2 der Blick auf das Spin-off und Prequel, oder kann man es getrost auslassen? Ihr erfahrt es hier!

The Witcher: Nightmare of the Wolf | Offizieller Trailer | Netflix

TitelThe Witcher: Nightmare of the Wolf
Jahr2021
LandUSA, Südkorea
RegieKwang Il Han
DrehbuchBeau DeMayo
GenreAnimation, Fantasy, Action
SprecherTheo James, Lara Pulver, Mary McDonnell, Graham McTavish, Jennifer Hale
Länge81 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Vesemir steht vor einer eisigen Berglandschaft, mit seinem Schwert auf die Schulter gelehnt - The Witcher: Nightmare of the Wolf
Das deutsche Poster zum Film. © Netflix

Die Handlung von The Witcher: Nightmare of the Wolf

Später bekannt als einer der mächtigsten (und einzig verbliebenen) Hexer musste auch Vesemir zunächst klein oder vielmehr jung anfangen. Erfahrung muss man sich eben erst erkämpfen, Narben entstehen nicht von alleine. Hexer verdienen in einer Welt, die vor Monstern und übernatürlichen Wesen nur so strotzt, ihr täglich Brot mit dem Töten jener mehr oder weniger bösen Kreaturen. Wie jeder dieser verhassten Übermenschen musste auch Vesemir die Mutationen der Hexer über sich ergehen lassen, um zu einem vor Kraft strotzenden Kopfgeldjäger zu werden, mit leichten magischen Fähigkeiten und einer Menge Wissen über das Handwerk, welches er in jahrelangem Training erlernt hat: das Jagen und Töten.

Der junge Vesemir will nicht mehr in Armut leben und entschließt sich, das große Geld als Hexer zu verdiene. Trotz aller Gefahren. Andere haben keinen freien Willen und kommen auf düsteren Wegen zu ihrer Berufung. Als Vesemir eines Tages einen Auftrag wie jeden anderen „bearbeitet“, muss er feststellen, dass dieses Geschöpf eventuell unter dem Einfluss eines durchaus mächtigeren Meisters stand. Zwischen Erinnerungen an seine eigene Jugend und der Spurensuche nach einer weitaus größeren Bedrohung, als es zunächst den Anschein hat, muss Vesemir sich echten Dämonen wie auch denen seiner Vergangenheit stellen, welche jeweils Jagd auf ihn machen. Denn die Ära der Hexer neigt sich ihrem Ende entgegen…

Ein Universum wird ausgebaut

Das Universum von The Witcher bekommt (buchstäblich) peu à peu Zuwachs. Mit Staffel 2 der Serie rund um Geralt von Riva und seinem Mündel Cirilla lassen wir die Kurzgeschichten hinter uns und widmen unsere Aufmerksamkeit den Geschehnissen aus Buch 1, Das Erbe der Elfen. Allseits beliebte und liebgewonnene Charaktere aus der Buchvorlage von Andrzej Sapkowski, den Action-Adventure-Spielen oder den unzähligen Comics kehren auf unsere Bildschirme zurück. Vor allem Vesemir als Meister und Mentor ist eine der vielschichtigsten Figuren und wird sein Debüt in The Witcher: Nightmare of the Wolf feiern. Höchste Zeit einmal mehr über den Hexer der Wolfsschule zu erfahren. Woher kommt er? Wie wurde er der erfahrene und weise sowie knochenharte Mann, den wir kennen? Fragen, die diese Origin Story aufwirft, und deren Antworten wir uns vielleicht anders vorgestellt haben.

Ein Muss Für Fans?

The Witcher ist eine immersive Welt, die quasi nach Expandierung verlangt. So vieles könnte erzählt und gezeigt werden, Ereignisse weit vor der bekannten Handlung, die oft angeschnitten, aber nie thematisiert werden. Die große Sphärenkonjunktion, welche erst Leshen, Ghule und Strigen in die Welt gebracht hat, oder eine Geschichte aus der Perspektive der „Anderlinge“, Scoia’tael oder monsterähnlichen Kreaturen.

Im Original leiht Theo James seine Stimme Vesemir und Tom Canton seine Filavandrel - The Witcher: Nightmare of the Wolf
Vesemir und Filavandrel diskutieren eine ernstzunehmende Bedrohung. © Netflix

Die The Witcher Videospiel-Trilogie hat uns schon mit tiefsinnigen, doppelmoralischen Side-Quests verwöhnt, nichtsdestotrotz braucht eine Fantasy-Welt ihre Mythen und Geheimnisse. Die Schlacht um Sodden z.B. ist ein Schlüsselmoment und Wendepunkt in der Historie dieser Welt, wurde aber trotz etlicher Andeutungen nie final beschrieben. Die Live-Action-Serie musste das Geheimnis lüften und uns eine groteske und vor allem unterwältigende Karikatur dessen bieten, was als einer der größten Schlachten in die Analen eingegangen war.

Nun hat man sich für das Prequel The Witcher: Nightmare of the Wolf entschlossen, das gleichzeitig den Bogen zur zweiten Staffel spannen soll und eine bekannte Figur näher beleuchtet. Das bedeutet, man hat es mit einem etablierten Protagonisten, mit einer fixen Zukunft und einer ebenso erwartungsvollen Fangemeinde zu tun. Einer so bekannten Figur kann man schnell schaden.

The Witcher: Nightmare of the Wolf – eine weitere Origin Story

Mit Origin Stories werden gerne Charaktere aufgedröselt, welche noch nicht im Fokus standen, im Scheinwerferlicht des Protagonistendaseins – eine einfache und dennoch lohnende Möglichkeit der Erweiterung und des schnellen Geldes. Die Fans wollen mehr, also bekommt jede Figur unmittelbar ein eigenes Spin-off und eine noch viel tiefer gehende (nicht aber tiefgehende) Hintergrundgeschichte.

In erster Linie geht es um Vesemir und seine Hintergrundgeschichte. In zweiter Instanz aber auch um ein besseres Verstehen der Männer, die als Nicht-Menschen verschrien sind. The Witcher: Nightmare of the Wolf entlässt die Zuschauer:innen, ohne, dass die Motive der Witcher, ihre Transformation, die Emotionslosigkeit und der Wille, alles für die nächsten Münzen zu tun, klarer werden. Das ist verschenktes Potential.

Man braucht nicht zu wissen, wie Vesemirs Vergangenheit ausgesehen hat. Explizite Events, welche die fiktive Person hervorbrachten, dessen Abbild hiermit ein wenig zerstört wird. Dieser Vesemir hat, bis auf sein Können, wenig mit der Person gemeinsam, die wir kennen. Muss er aber auch nicht, wenn wir The Witcher: Nightmare of the Wolf  als losgelöstes Abenteuer in der Zeitlinie der Geschichte dieses Universums betrachten. Der bittere Beigeschmack bleibt aber.

Vergleiche mit anderen großen Franchises drängen sich auf

Die Geschichte dreht sich im Kern nur um Rache, leider. Große, weitreichendere Konflikte werden unnötigerweise der Zugänglichkeit geopfert. Man darf dem Zuschauer ruhig etwas zutrauen. Die Belanglosigkeit macht gehörig wütend. Der Film wirkt wie Star Wars: Visions für das Star Wars-Universum: weitere Kost für Fans in einem anderen Stil, viele Referenzen, Easter Eggs, halt ein „Extended Universe“. Ein spaßiges Erlebnis, jedoch nicht passend zu der Geschichte die man kennt und liebt. Nice to have, aber kein Muss.

The Witcher zeichnet nicht nur das Töten von unzähligen Monstern aus, die Spurensuche, die Vorbereitung, sowohl physisch als psychisch, ist ein elementarer Part des Hexer- Daseins. Um einen anderen Vergleich zu bemühen: Trotz allem hat man es hier mehr mit Ben Afflecks Batman – brutale Action – als mit dem Detektiv-Batman zu tun, der in den Comics deutlich präsenter ist.

Im Thronsaal von König Dagread, entbrennt ein Kampf der Ideologien - The Witcher: Nightmare of the Wolf
Tetra Gilcrest und Lady Zerbst liefern sich ein erbittertes Wortgefecht, vor den Augen des Königs. © Netflix

Von Brutalität und verpassten Möglichkeiten

Nun sollten Fans nicht die einzige Zielgruppe des Filmes sein, sondern auch neue Leute für das Franchise begeistert werden, gerade mit Hinblick auf die groß und teuer produzierte Serie mit Henry Cavill. The Witcher: Nightmare of the Wolf macht vieles (richtig), was wir von einem The Witcher-Film erwarten: gorige Brutalität, niederträchtige Monster, schmodderige Lieder. Das Wichtigste, die Atmosphäre, fehlt aber.

Witcher werden vielleicht nicht als das Grau zwischen Schwarz und Weiß aufgeführt, das sie sind. Dass es zur Wahrheit dazu gehört, dass die Hexer kaltblütige Schlächter sind, jedoch sehr wohl. Die Kräuterprobe und Ausbildung sind mit unter das Härteste, was diese jungen Burschen erleben werden. Dabei liegt die Perspektive, die wir einnehmen, ganz klar bei den Jungen, welche die „Ausbildung“ als Massaker wahrnehmen. Wirklich fesselnde Stimmung kommt hier dennoch nicht auf; unterhaltsame Action, die nicht im Kopf bleibt. Highlights sind rar gesät. Es gibt schon den ein oder anderen ernsten, interessanten Moment, aber nichts, was in Erinnerung bleibt.

Schade, denn The Witcher: Nightmare of the Wolf kann auch mit „simplen“ Schwertkämpfen begeistern, es braucht nicht zu jeder Zeit ein Fünf-Meter-Monster und eine mittelschwere Naturkatastrophe. Das Spin-off ist überdrehter und größer, das macht den Film aber auch generischer, mehr Einheitsbrei als Drei-Gänge-Menü. Der Name ist eine große Marke, man ertappt sich trotzdem dabei, zwischenzeitlich an andere Fantasy-Universen zu denken, da diese Handlung sich zu wenig abhebt von ihnen abhebt.

Ist The Witcher: Nightmare of the Wolf gar belanglos?

Nightmare of the Wolf stellt die Vielseitigkeit und Vorzüge des Universums gegenüber eines beliebigen anderen Fantasy-Universums nicht zufriedenstellend hervor. Wenn dies die erste Begegnung mit diesem Universum wäre, hätte man das verpasst, was es ausmacht – Wer ist ohne Schuld in dieser trist-grauen Welt voller ambivalenter Figuren und Motiven?

Rassismus, Diskriminierung, politische Intrigen, die Welt von The Witcher ist pure Fantasy, die Probleme, die es beschreibt, sind bittere Realität. Ein Film muss nicht gleich ein ganzes Universums repräsentieren, aber sollte auch darauf bedacht sein,eine Berechtigung zu haben, um den Namen der Marke zu tragen. Es ist schön, ein hochklassik produziertes Fantasy-Action-Abenteuer zu bekommen. In Erinnerung bleiben wird das aber nicht, schon gar nicht beim Gedanken an die turbulenten Abenteuer von Geralt und Vesemir in anderen Serien und Medien.

Der Stil

Die cinematischen Sequenzen in den Spielen waren schon eine Augenweide. Realistisches CGI wechselt sich nun mit einem Anime-Stil ab, der nicht minder beeindruckend ist. Gerade Animes, oder Anime-like Filme, halten die Fahne hoch für den animierten Film als mehr denn Unterhaltung für Kinder. The Witcher: Nightmare of the Wolfs Einstieg legt sehr schnell fest, wie hart es hier zur Sache geht. Der Stil erinnert stark an Die Legende von Korra, eine hervorragende Sequel-Serie zu Avatar – Der Herr der Elemente oder auch The Death of Superman, die Adaption des legendären Comics.

Kein Wunder, denn dasselbe Studio, nämlich das südkoreanische Studio Mir, inszeniert hier eine Welt von The Witcher, die so ganz anders aussieht, als was wir von ihr kennen und dennoch wirklich gut passt. Anime-typisch wird die Physik in Kämpfen nicht ganz so ernst genommen und wir bekommen überdrehte und brutale Monsteraction serviert, die in der realverfilmten Serie aufgrund des Budgets fehlen würde.

Vesemir hat einen Hexer-Trank zu sich genommen und ist nun bereit für einen harten Kampf - The Witcher: Nightmare of the Wolf
Vesemir ist dank Hexer-Trank bereit für einen Kampf. © Netflix

Bruch mit Lore

Man sollte so ein Projekt nicht allzu ernst nehmen, es ist immer noch ein spaßiges animiertes Abenteuer. Und doch, wenn man solche Werke und Epen anfässt, sollte man sich der Konsequenzen bewusst sein. Die original kanonische Handlung wurde etwas abgeändert und aus dramaturgischer Sicht an gewissen Stellschrauben gedreht.

In der Geschichte von The Witcher ist der Fakt, dass die meisten Menschen Andersartigkeit hassen – also auch die Witcher, weil sie „Mutanten“ sind – ein Schlüsselelement darstellt. Weil Hexer überall gebraucht wurden, ward der Hass nicht weniger, dem sie ausgesetzt waren. Eine Tatsache, welche die diese nur noch kühler und berechnender machte und die solche, die nicht nur nach dem nächsten Geldsack hinterher waren, zu genau den Bestien, welche die Zivilisation in ihnen sah. Ein Teufelskreis.

Dies wird sehr vereinfacht, aus den Hexern werden die Bösen, weil eine Hexe das sagt. Und die Bürger und Bürgerinnen stimmen ein, weil sie Beweise vorbringt. In der Welt von The Witcher: Nightmare of the Wolf braucht niemand einen Grund, gewalttätig zu werden, besonders nicht der Pöbel. Blinder Hass gegen alle „Anderlinge“ ist unter anderem das zentrale Thema in den vorherigen Geschichten und so verwundert es, dass die Zerstörung der Heimat der Hexer, Kaer Morhen, jetzt nicht länger von einem rassistisch motivierten und einer Gehirnwäsche unterzogenen Mob eingeleitet wird, sondern von einer Hexe, die einen Mob anführt und durch ein Portal Monster herbeiruft. Monster. Wo die Bevölkerung eben Hexer als Monster ansieht, sich aber jetzt mit tatsächlichen Monstern verbündet. Da ist einfach keine verständliche Kontinuität vorhanden.

Im Detail

Das passt hinten und vorne nicht. Schlussendlich sind sogar die Hexer selbst Schuld an der Zerstörung. Charaktere umzuschreiben, den Plot abzuändern und die Regeln, in der sich die Welt bewegt, „auszudehnen“, es wirkt fast so, als wenn man sich auf „Style over Substance“ ausruhen will. Kein Beinbruch, aber warum so viele prägnante Änderungen, im Großen wie im Kleinen?

Ein paar der kreativen Entscheidungen stoßen detailverliebten Fans übel auf, vor allem, da die Implementierung dieser wichtigen Details der Story keinen Abbruch getan hätte. Hexer können ohne ihre Hände keine Zeichen heraufbeschwören, sie können eigentlich nicht weinen. Der Plot ist relativ einfach gehalten und Twists und Verstrickungen sehr erahnbar. Der Detailgrad, auch innerhalb der Story, leidet zusehends. Die Plot-Entwicklung fühlt sich gehetzt an und an den falschen Stellen wird das Tempo herausgenommen, um mal einen längeren Dialog zu kreieren.

Unser Fazit zu The Witcher: Nightmare of the Wolf

Trotz allem kann man The Witcher: Nightmare of the Wolf als guten Einstieg in den The Witcher-Kosmos betrachten und sich umso mehr auf die Bücher, Spiele und Serie freuen. Eingefleischte Fans dürften sich mehr über unnötige Änderungen und mäßig umgesetzte politische wie gesellschaftliche Brisanz brüskieren.

Animationen und Monsterkämpfe sind gut gelungen, die 83 Minuten sind bis oben hin vollgepackt, vergehen deshalb wie im Flug. Ein rasantes, spaßiges Abenteuer, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt. Zur Einstimmung auf die neue Staffel ist der Film allemal einen Blick wert.

The Witcher: Nightmare of the Wolf ist seit dem 23.08.21 auf Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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