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Kristen Bell beugt sich stehend über ein volles Weinglas und trinkt ab.

The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window

Mit The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window wagt sich Netflix nach The Woman in the Window erneut in die Gefilde von Hitchcocks Klassiker Das Fenster zum Hof vor. Ist diese Serienvariante besser gelungen als der Film von 2021?

The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window | Offizieller Trailer | Netflix

TitelThe Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window
Jahr2022
LandUSA
RegieMichael Lehrmann
DrehbuchHugh Davidson, Larry Dorf, Rachel Ramras
GenreSerien
DarstellerKristen Bell, Tom Riley, Appy Pratt, Samsara Yett, Nicole Pulliam, Michael Ealy, Shelly Hennig, Rachel Ramras, Cameron Britton, Mary Holland, Christina Anthony, Benjamin Levy Aguilar
Länge8 Folgen jeweils ca. 25 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Kristen Bell auf einer hellen Couch mit Weinglas in der einen und Buch in der anderen Hand. Sie blickt etwas abwesend in den Raum.
Das Glas Wein gehört fest in Annas Alltag © Netflix

The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window – Die Handlung

Für die unter Liebeskummer leidende Anna (Kristen Bell) ist jeder Tag gleich öde. Mit einem Glas Wein in der Hand starrt sie aus dem Fenster und sieht zu, wie draußen das Leben an ihr vorbeizieht. Als gegenüber allerdings ein neuer, gut aussehender Nachbar (Tom Riley) mit seiner niedlichen Tochter (Samsara Yett) einzieht, sieht Anna plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels. Zumindest so lange, bis sie einen grausamen Mord beobachtet. Aber hat sie das wirklich?

Schon wieder eine Hitchcock-Aufguss?

Vor inzwischen fast 70 Jahren hat Regielegende Alfred Hitchcock mit Das Fenster zum Hof auf zeitlose Art und Weise die Grundlage für etliche Filme und Serien gelegt. Seither wurde der Klassiker mit James Stewart immer wieder geremaked, zitiert oder mit unterschiedlichem Erfolg versucht an die jeweils aktuelle Zeit anzupassen. Während der Urstoff von 1954 auch heute noch Nervenkitzel garantiert, wie es nicht vielen modernen Suspense-Thrillern gelingt, hat kaum ein Nachahmerwerk den Test der Zeit überstanden. Im vergangenen Jahr kam mit The Woman in the Window wohl der vorläufige Tiefpunkt unter den Adaptionen ebenfalls zu Netflix. Nicht mal die schauspielerische Qualität der Hauptdarstellerin konnte den Paranoia-Thriller vor den Verrissen der Kritik und der Ablehnung des Publikums bewahren.

Umso erstaunlicher ist es nun, dass Netflix kurz nach diesem Rückschlag einem auf den ersten Blick ganz ähnlich veranlagten Projekt grünes Licht gegeben hat. Nicht nur, dass schon der Titel ganz bewusst auf den Flop von Regisseur Joe Wright anspielt, nein, auch mehrere wesentliche Handlungselemente wecken direkt wieder Erinnerungen an den Vorgänger im Geiste. Doch wer nun befürchtet hat, dass The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window die Fehler des letztjährigen Thrillers wiederholen würde, der darf beruhigt aufatmen.

Ein smartes Spiel mit bekannten Mustern

Ganz im Gegenteil sogar, ist man sich bei dieser Neuauflage mehr denn je dem Vermächtnis bewusst und weiß exakt den wichtigen und ikonischen Elemente einen frischen Anstrich zu verleihen. Dabei wird über weite Strecken die Balance zwischen Augenzwinkern und ehrfürchtiger Verbeugung gewahrt, sodass man die neue Geschichte von Sekunde eins als eigenständig und ernst gemeint akzeptiert.

Als Beispiel kann man dabei das Element des Handicaps der Protagonistin nennen. Im Original war Stewart durch seinen Beinbruch in den eigenen vier Wänden zur Langeweile verurteilt und hat daraufhin mit seinen Beobachtungen begonnen. In Disturbia mit Shia LaBeouf war es dann der Hausarrest samt Fußfessel und in The Woman in The Window die Agoraphobie von Amy Adams Figur, die Anlass für den Verbleib zuhause wurden. Nun wurde mit der panischen Angst vor Regen von Kristen Bell in der neuen Serie einerseits dieser wichtigen Komponente Rechnung getragen, aber gleichzeitig – soviel sei verraten – bekommt dieses Gimmick im Laufe der Geschichte dann einen neuen Twist, durch den man sich vom Damoklesschwert des Vergleiches befreien kann.

Von der Joe-Wright-Verfilmung hebt man sich zusätzlich auch durch eine aktuell in vielen Filmen und Serien verwendete Meta-Ebene ab. Anna liest selbst immer wieder – meist mit einem Glas Wein in Begleitung – in Krimis, deren Titel eindeutig auf das Subgenre des Paranioa-Thrillers anspielen und dem Publikum verdeutlichen, dass die Hauptfigur ganz genau weiß, wie ihr jeweiliges Verhalten vor dem Hintergrund der bekannten Hitchcock-Story, herüberkommt.

Kurzweilig und voller Überraschungen

Ein großer Pluspunkt der Miniserie ist das knackige Tempo der überschaubaren acht Episoden. Nicht nur, dass keine Folge länger als 25 Minuten ist, auch, dass sich fast im Minutentakt der Wind dreht und eine Überraschung die nächste jagt, macht diese Thriller-Serie zu einem kurzweiligen Vergnügen. Die kurzen Einzelfolgen enden fast immer mit einem Cliffhanger, sodass man eigentlich gar nicht anders kann, als alles am Stück durchzuschauen. Auch die regelmäßigen Wechsel in der Tonalität stehen dem Erzählfluss gut zu Gesicht. So gibt es vereinzelte satirische Momente, speziell um mit den Genreklischees zu spielen. Dann wiederum, speziell in der zweiten Hälfte wird die Serie aber düsterer, als man anfangs erwartet und platziert auch Versatzstücke aus dem Horrorbereich.

Natürlich ist die ganze Geschichte etwas konstruiert, aber wenn dies so gut durchdacht wie hier passiert, kann man darüber gern hinwegsehen. Innerhalb der Welt, die hier aufgebaut wird, ergeben die Wendungen allesamt und auch die Auflösung, die wohl selbst Krimi-Profis nicht kommen sehen, Sinn. Die Serie macht Spaß, animiert zum Mitraten und schlägt denjenigen ein Schnippchen, die in ihrer Hochnäsigkeit glauben, schnell zu wissen, wohin hier die Reise geht.

Kristen Bell versucht eine grüne Eingangstür mit Werkzeugen zu öffnen. Dabei blickt sie vorsichtig hinter sich. The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window.
Anna versucht sich Zugang zum Nachbarhaus zu verschaffen – nicht ganz legal © Netflix

Kristen Bell überzeugt als tragische Figur und zweifelhafte Erzählerin

Das zweite große Plus hier ist die starke Leistung von Kristen Bell. In erster Linie ist die Amerikanerin gemeinhin für ihre komischen Rollen bekannt. Nun spielt sie eine Figur, die nicht nur glaubhaft eine trauernde Mutter verkörpert, die ihren Verlust nur durch Alkohol zu kompensieren weiß, sondern auch eine Erzählerin, zu der das Publikum immer wieder das Vertrauen verliert, ob es ihr wirklich alles glauben kann. Die Halluzinationen und auch, dass sie manches Detail mal so und mal so darstellt, sorgen dafür, dass sogar die Erzählerin selbst zur Verdächtigen wird. Allein, um herauszufinden, ob man Anna tatsächlich trauen kann, sollte man bis zum Ende dranbleiben…

Unser Fazit zu The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window

Die Neuauflage des zeitlosen Stoffes ist eine gelungene Frischzellenkur und damit eine eindeutige Empfehlung für Fans von Psychothrillern. Weder durch den ironischen Titel The Woman in the House across the Street from the Girl in the Window noch von der aus komischen Produktionen bekannten Hauptdarstellerin darf man sich aufs Glatteis führen lassen. Die Miniserie ist keine Satire auf das Suspense-Thriller-Subgenre, sondern selbst ein fesselnder, kurzweiliger und richtig wendungsreicher Krimi, der mit seinem Ende zwar polarisieren wird, aber dem man auf keinen Fall mangelnden Mut unterstellen kann.

Tonal erinnert hier vieles in positiver Weise an The Flight Attendant mit Kaley Cuoco aus dem vergangenen Frühjahr. Wer also die Wartezeit bis zur zweiten Staffel davon mit dieser Miniserie überbrückt, der wird es definitiv nicht bereuen.

The Woman in the House Across the Street from the Girl in the Window ist ab dem 28. Februar komplett bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

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