Filmtoast.de

They See You

M. Night Shyamalan hat einen neuen Film gedreht und findet sich in seinem bevorzugten Genre des Horrorfilms wieder. Twist: Es war gar nicht der bekannte Regisseur, sondern seine Tochter Ishana. Wie kommt das Debüt der jungen Filmemacherin They See You an?

THEY SEE YOU Trailer German Deutsch (2024) @FilmtoastDE

TitelThey See You (OT: The Watchers)
Jahr2024
LandUSA
RegieIshana Night Shyamalan
DrehbuchIshana Night Shyamalan
GenreHorror, Thriller
DarstellerDakota Fanning, Georgina Campbell, Olwen Fouéré, Siobhan Hewlett, Alistair Brammer, Hannah Howland, Oliver Finnegan
Länge102 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihWarner Bros.
Poster zu They See You © Warner Bros.

Die Inhaltsangabe von They See You

Mina, eine 28-jährigen Künstlerin, verirrt sich in einem weitläufigen, unberührten Wald im Westen Irlands. Als die junge Frau endlich einen Unterschlupf gefunden hat, trifft sie dort unversehens auf drei Fremde, die jede Nacht von rätselhaften Wesen beobachtet und verfolgt werden. Du kannst sie nicht sehen – aber sie sehen alles.

Wie der Vater, so die Tochter

„Nepo Baby“ Ishana Shyamalan konnte durch die Tätigkeit als Second Unit Director bei zwei Werken ihres Vaters zügig Luft in der Filmindustrie schnappen. Für die von Papa Shyamalan entworfene Horror-Serie Servant (Apple TV+) schrieb sie gar das Drehbuch und inszenierte einige Episoden. Ein stattlich budgiertes Debüt gilt als folgerichtiger Schritt in der Unterhaltungsbranche. Und mit They See You wandelt die 23-jährige Amerikanerin auf bekanntem Terrain.

Dass M. Night Shyamalan der omnipräsente Einfluss für seine Tochter darstellt, lässt sich im Vorhinein an der Prämisse des Horrorthrillers erkennen. Ein von der Außenwelt abgeschnittenes Gebäude in einem mysteriösen Wald wird als Schauplatz für das Gedankenspiel ausgewählt. Nicht nur filmhistorisch ist der Cabin-Horror im Genre verankert, auch Shyamalan Senior nutzte das Setting mehrfach und in vergleichbarer Weise bei seinem Schaffen.

Konzept des Waldes

In Signs wird das Eigenheim der Familie Hess zum Schutzwall vor der bevorstehenden Alien-Invasion und bei Knock at the Cabin spricht bereits der Titel für das drohende Unheil auf dem Lande. Größte Inspirationsquelle scheint jedoch The Village zu sein, bei dem bösartige Kreaturen im Wald eine Gefahr für die ansässigen Dorfbewohner darstellen. They See You greift dies auf und erzählt von einer dunklen Macht in den Tiefen des Geästs. Rasch findet sich Protagonistin Mina in dieser heillosen Situation wieder. Nicht nur, dass sie sich in der Dunkelheit des Waldes verirrt und auf eine unbekannte Gruppe trifft, sondern ein Mysterium im Unbekannten lauert. Mittels Einwegspiegels in der Hauswand können die Geschöpfe das Innere beobachten. Der Voyeurismus dient als Mittel, um das größte Unglück zu verhindern.

Dakota Fenning in They See You © Warner Bros.

Viel Ansatz, wenig Einsatz

Bedauerlicherweise verläuft sich der nett gemeinte Ansatz bereits nach wenig hinterlassenen Fußstapfen. Das Motiv des filmischen Rahmens, wie er anhand des verglasten Gehäuses präsentiert wird, kann nicht als metatextueller Bezug genutzt werden. Die große Chance bei der Kadierung im Horrorfilm ist der Ausschnitt außerhalb des geframten Raumes. Doch bei They See You wird das Mysteriöse auserzählt und niemals packend inszeniert. Der visuelle Voyeurismus verkommt zu einer Behauptung, weil sich jegliches Motiv dem Drehbuch unterordnen muss. Verzweifelt werden wenig subtile Spuren, wie das Reality-TV-Format im DVD-Recorder, für eine Fährte gelegt, die auf eine sensationsgeile Zuschauerschaft verweisen soll. Zweifelhaft, ob man einen leeren Horrorthriller mit etwas Haneke füllen wollte.

M. Night Shyamalan weiß es, gekonnt mit einem unbekannten Mysterium zu spielen, auch wenn seine Filme ähnlich handzahm und wenig zynisch verlaufen. Bei dem Erstlingswerk seiner Tochter hingegen fehlt es an jeglicher Konsequenz für das Genre. Als packender Thriller mangelt es an dramaturgischer Dichte und inszenatorischer Finesse. Für eine langsam aufkeimende Mystery-Geschichte wird entweder zu viel offenbart oder gerade so wenig, um den obligatorischen Shyamalan-Twist einbauen zu können. Ansätze für einen Meta-Kommentar werden verworfen und sich mittels simpler Analogien auf diese Diskrepanz gar noch beweihräuchert. They See You bedient sich gegenüberliegender Extrema, um letztendlich im mittleren Nichts zu landen.

Ernüchterndes Debüt

Schön zu sehen, dass Dakota Fenning sich in einem Genrefilm auslassen kann, doch die Schauspielerin ist in ihrer Rolle maßlos unterfordert. Obwohl ihre Figur durch die verwinkelte Geschichte Potential für diverse Facetten innehalten würde, übertragt sich die Oberflächlichkeit der Motivik auch auf die Protagonisten des Films. Überraschende Wendungen ersetzen weder eine schlüssige Figurenentwicklung noch fördern sie die Zusammenarbeit mit dem Ensemble. Zwar gibt der Cast das Beste, an den zweifelhaften Entscheidungen ihrer Charaktere kommen sie nicht vorbei.

Die holprige Erzählung, das Fehlen einer atmosphärischen Tiefe und die pseudophilosophischen Blickpunkte im Genre-Nirvana lassen den Film so wirken, als hätte ein Erstsemestler der Filmhochschule das Thema ,,Shyamalan‘‘ für die anstehende Projektarbeit zugeteilt bekommen. Dass Ishana Shyamalan das Handwerk ihres Vaters aus der ersten Reihe verinnerlichen konnte, ist ein löbliches und privilegiertes Studium. Vielleicht gelingt ihr in Zukunft, die Fertigkeiten mit einer eigenen Handschrift zu verbinden. Den Welpenschutz haben auch Nepo-Babys verdient.

Unser Fazit zu They See You

Das Debüt von Ishana Night Shyamalan missglückt leider auf ganzer Linie. Mit ihrer durchaus interessanten Prämisse weiß die junge Regisseurin nichts anzufangen und realisiert eine Shyamalan-Nummernrevue in der Light Version.

They See You läuft seit dem 06. Juni in den deutschen Kinos.

Unsere Wertung:

 

 

Knock at the Cabin [Blu-ray]
Kundenbewertungen
Knock at the Cabin [Blu-ray]*
von Universal Pictures Germany GmbH
Unverb. Preisempf.: € 14,99 Du sparst: € 5,00 Prime  Preis: € 9,99 Jetzt auf Amazon kaufen* Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 22. November 2023 um 10:16 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Split [Blu-ray]
657 Bewertungen
Split [Blu-ray]*
von Universal Pictures Germany GmbH
Unverb. Preisempf.: € 9,49 Du sparst: € 1,40 Prime  Preis: € 8,09 Jetzt auf Amazon kaufen* Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 10. November 2022 um 20:59 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© Warner Bros.

Kommentar hinzufügen