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Die jungen Versionen der Hauptfiguren stehen zusammen in einem Feld

Tigertail

Netflix ist inzwischen dafür bekannt, weltweit Serien und Filme einzukaufen und zu produzieren. Hierbei ist nun auch das filmisch eher unterrepräsentierte Land Taiwan auserkoren worden, um im Drama Tigertail global mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ob die US-amerikanische Produktion es geschafft hat, mit diesem Film Lust auf mehr taiwanesische Inhalte zu machen, lest ihr in unserer Kritik.

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TitelTigertail
Jahr2020
LandUSA
RegieAlan Yang
DrehbuchAlan Yang
GenreRomanze, Drama
DarstellerTzi Ma, Christine Ko, Hong-Chi Lee, Yo-Hsing Fang, Fiona Fu, Joan Chen, James Saito
Länge91 Minuten
FSKab 6 Jahren
VerleihNetflix
Das Plakat von Tigertail
Das Hauptposter von Tigertail © Netflix

Das berührende Leben eines Taiwaners in Tigertail

Dieses ergreifende Drama, das sich über mehrere Generationen erstreckt, beginnt mit dem jungen und freigeistigen, aber armen Fabrikarbeiter Pin-Jui (Hong-Chi Lee) aus Taiwan, der sich dafür entscheidet, seine Heimat – und die Frau, die er liebt – hinter sich zu lassen, um sein Glück in Amerika zu versuchen. Die folgenden Jahrzehnte monotoner Arbeit und einer arrangierten Heirat ohne Liebe und Leidenschaft machen aus dem inzwischen älteren Pin-Jui (Tzi Ma) einen Mann, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Unfähig, eine Beziehung zu seiner Tochter Angela (Christine Ko) aufzubauen, und in Gefahr, seinen Ruhestand allein zu verbringen, muss Pin-Jui wieder an seine Vergangenheit anknüpfen, um endlich das Leben führen zu können, von dem er immer geträumt hat.

Das Paar Pin-Jui und Yuan küsst sich in Tigertail
Die junge Liebe zwischen Pin-Jui und Yuan © Netflix

Die echte Liebe und die Wege des Schicksals

Um es bereits vorweg zu nehmen: Tigertail ist einer der besten Liebesfilme des Jahres bisher und das obwohl man ähnliche Geschichten schon in jedweder Variation gesehen hat. Wie so oft ist hier nicht das „Was“ entscheidend, sondern das „Wie“. Die angesprochene zeitübergreifende Erzählweise ist der perfekte Weg, um sich dem Thema „Liebe des Lebens“ anzunehmen. Zu Beginn lernen wir den kleinen Pin-Jui kennen, der bei seiner Großmutter aufwächst und miterleben muss, wie die Taiwaner unterdrückt werden. Als er zu dieser Zeit Yuan kennenlernt, ist auch dem Zuschauer schnell klar, dass dieses Paar füreinander bestimmt ist.

Die Szenen in denen die beiden im Jugendalter wie die Turteltauben ihre Liebe genießen, sind fast kitschig, aber in erster Linie einfach herzallerliebst. Man freut sich dafür, dass sich hier zwei Menschen gefunden zu haben scheinen, die Vieles gemeinsam haben, obwohl sie zu unterschiedlichen sozialen Klassen gehören. Ein ums andere Mal sorgt der Film für Gänsehaut beim Zuschauer, wenn es um die Leidenschaft zur Musik geht, die die zwei wie ein unsichtbares Band zu verbinden scheint.

So wie dem jungen Mann bricht es auch dem Publikum das Herz, sobald man zusehen muss, dass das Glück nicht von Dauer sein wird. Die Wege des Paares trennen sich, so befürchtet man, ein für allemal. Hat es das Schicksal doch nicht gut mit den beiden gemeint?

Die junge Zhenzhen und Pin-Jui laufen mit Gepäck durch die Straßen der neuen Heimat in Tigertail
Zhenzhen und Pin-Jui starten ihr Leben in den USA © Netflix

Was es braucht zum Glücklichsein?

Mit der arrangierten Ehe in Amerika beginnt für Pin-Jui ein neuer Lebensabschnitt. Alan Yang schafft es im Folgenden in eindrucksvoller Art und Weise, allein durch die starken Bilder deutlich zu machen, dass zwischen Pin-Jui und seiner Frau Zhenzhen, obgleich man sich durchaus versteht und respektiert, keinerlei Magie entstehen will. Der besondere Kniff des Regisseurs sind dabei die Wiederholungen von Situationen, die Pin-Jui und Yuan erlebt haben. Doch im Gegensatz zur Romantik, die dort in jeder Minute zu spüren waren, bleibt es nun trist und emotionslos. Kein Tanzen, keine Musik, kein Mut zur Rebellion.

Dennoch bleibt das Ehepaar zusammen, bekommt Kinder, baut sich einen gewissen Wohlstand in New York auf. Das Pflichtbewusstsein, für die Familie zu sorgen, zeichnet den Protagonisten in allen Altersstufen aus. Schon als Kind sorgt er sich um die Großmutter, nachher treibt ihn das Bedürfnis, für die Mutter sorgen zu können, in die Ehe und zwingt ihn, seine Liebe loszulassen. Und nun als Familienvater verdrängt er jahrzehntelang seine wahren Gefühle. Doch ganz kann er es doch nicht vergessen und so leidet speziell die Beziehung zur Tochter unter seinem aufkeimenden Selbstzweifel. Eine Szene, bei der sich die junge Angela während eines Klaviervorspiels verspielt und im Nachhinein nicht die aufbauenden Worte durch den Vater zu hören bekommt, die man erwarten würde, ist einer der Höhepunkte des Films. Dieser Dialog bringt die innere Unruhe Pin-Juis wiederum perfekt zum Ausdruck, ohne dass es weiterer Erläuterungen bedarf.

Tigertail lässt die Situationen für sich sprechen

Dass Tigertail so zu Herzen geht hat mehrere Gründe. Natürlich tragen die überzeugenden Schauspieler einen Teil dazu bei. Speziell die Versionen von Pin-Jui und Yuan in mittlerem Alter strahlen eine fantastische Harmonie aus, obwohl sie nur wenige Szenen im Film gemeinsam zu sehen sind. Doch die große Stärke des Film sind die perfekt pointierten Situationen, die ohne große Worte genau das zum Ausdruck bringen, was Alan Yang zeigen will. Die Bilder sind ausdrucksstark, bedürfen keiner großen Interpretation und bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Eine Parallelmontage, die die Ladenöffnung durch Pin-Jui und die Putzarbeit von Zhenzhen verbindet, ist optisch herausragend und bringt zugleich etliche Beobachtungen über die dysfunktionale Beziehungen auf den Punkt.

Einen Bonuspunkt hat sich Tigertail noch dafür verdient, anhand des Einzelschicksals der Charaktere stellvertretend darzustellen, wie sich der Traum vom Leben in Amerika, der klassische „American Dream“ und die harte Realität unterscheiden.

Pin-Jui und Zhenzhen besuchen ein Konzert der Tochter in Tigertail
Pin-Jui (Tzi Ma) und Zhenzhen (Fiona Fu) © Netflix

Unser Fazit zu Tigertail

Das ruhige Liebesdrama überzeugt auf vielen Ebenen, aber in erster Linie durch die perfekt komponierte Bildsprache, die Alan Yang kreiert, um ohne große Dialoge die Gefühlslage der Protagonisten auf den Punkt zu bringen. Tigertail ist poetisch und an einigen Stellen nahezu allegorisch. Die Darsteller sorgen zusätzlich durch die Chemie im Zusammenspiel für Gänsehaut.

Die Romanze, die in Taiwan und New York spielt, ist ein Kleinod voller Aussagekraft und im Netflix-Katalog eine Perle, die hoffentlich viele Zuschauer entdecken.

Tigertail ist seit dem 15. April 2020 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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