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Das Banner zu Vikings: Valhalla zeigt die Protagonisten bewaffnet von links nach rechts stürmend.

Vikings: Valhalla – Staffel 1

Nach sechs Staffeln ging die Historienserie Vikings zu Ende. Das bedeutet jedoch noch lange nicht das Ende der Wikingergeschichten im Serienbereich. Wie verhält sich nun das Spin-Off Vikings: Valhalla zur großartigen Hauptserie?

Vikings: Valhalla | Offizieller Trailer | Netflix

TitelVikings: Valhalla
Jahr2022
LandUSA
RegieNiels Arden Oplev, Stephen St. Leger, Hannah Quinn, David Frazee
DrehbuchJeb Stuart, Vanessa Alexander, Declan Croghan, Eoin McNamee
GenreSerien (Historiendrama, Action)
DarstellerSam Corlett, Leo Suter, Frida Gustavsson, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Laura Berlin, Bradley Freegard, David Oakes
Länge8 Folgen jeweils ca. 50 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Ein Wikinger mit aufwendigem Fellgewand schreitet in eine Halle ein. Hinter ihm weitere Männer in Rüstung. Vikings: Valhalla
Jóhannes Haukur Jóhannesson spielt den machtdurstigen Olaf © Netflix

Vikings: Valhalla – Die offizielle Handlungsangabe

Vikings: Valhalla spielt vor über eintausend Jahren im frühen 11. Jahrhundert und zeigt die heldenhaften Abenteuer einiger der berühmtesten Wikinger aller Zeiten, darunter der legendäre Entdecker Leif Eriksson (Sam Corlett), seine feurige und eigenwillige Schwester Freydis Eriksdotter (Frida Gustavsson) und der ehrgeizige nordische Fürst Harald Sigurdsson (Leo Suter). Als die Spannungen zwischen Wikingern und englischen Adligen einen blutigen Höhepunkt erreichen und die Wikinger auch untereinander angesichts ihres widersprüchlichen christlichen und heidnischen Glaubens aneinandergeraten, begeben sich diese drei Wikinger auf eine abenteuerliche Reise, die sich über Ozeane und Schlachtfelder erstreckt. Ihr Kampf ums Überleben und ihr Streben nach Ruhm führt sie von Kattegat nach England und weit darüber hinaus.

Diese Serienkritik bezieht sich auf die erste Staffel der neuen Serie, verzichtet jedoch selbstverständlich auf Spoiler.

Muss man Vikings gesehen haben, um mitzukommen?

Mit Ausnahme von einigen Erwähnungen von Heldentaten der ikonischen Charaktere der Originalserie – und einem einzigen Gastauftritt einer bestimmten Figur – gibt es eigentlich keine direkten Anknüpfungspunkte. Zwischen Vikings und dem nun erschienenen Spin-Off liegt gut ein Jahrhundert, in dem sich einiges getan hat. Kulturell gibt es Veränderungen, die im direkten Vergleich sehr deutlich auffallen würden, betrachtet man beispielsweise die Architektur oder die Gewänder. Aber auch politische Machtverschiebungen sorgen dafür, dass die Welt, die dem Publikum hier präsentiert wird, eine gänzlich andere ist, als die, die am Ende von Staffel 6 verlassen wurde. Dementsprechend Neueinsteiger-freundlich ist Vikings: Valhalla obgleich Fans des Originals sich schnell wieder zurecht finden, denn im Großen und Ganzen sind Look and Feeling doch recht nah an der Urserie gehalten.

Die thematischen Schwerpunkte werden nun anders gewichtet und durch die ein oder andere Neuigkeit, die sich durch den Zeitsprung ergibt, ergänzt. War in Vikings oftmals noch eine gewisse Barbarei und recht rohe Sitten ein wesentliches Merkmal der Wikinger rund um Ragnar und Co., so sind die Erben hier deutlich zivilisierter. Dies merkt man dann auch daran, dass die politischen Dimensionen hier mehr in den Mittelpunkt gerückt wurde und die mythischen, fast schon fantastischen Elemente eine etwas kleinere Rolle spielen. Zentral bleibt jedoch der Religionskonflikt zwischen Christentum und Heidentum, der nicht nur zwischen den Wikingern und den Engländern ausgetragen wird, sondern auch die Wikinger untereinander zu spalten droht. Letztlich bewegt man sich damit nun deutlich mehr in die Game-of-Thrones- oder The-Last-Kingdom-Richtung als jemals zuvor, erreicht jedoch im Intrigenspiel noch nicht die Raffinesse der Saga von Eis und Feuer.

Schaffen es Leif, Freydis und co. dem Vermächtnis von Ragnar gerecht zu werden?

Die Identifikationsfiguren von Vikings waren für die meisten Zuschauer Lagertha und Ragnar Lothbrok. In Vikings: Valhalla werden dem Zuschauer direkt durch die Einführungsszenen in der Pilotfolge einige neue Charaktere präsentiert, die die Fußstapfen füllen sollen. Zum einen die Geschwister Leif Eriksson und Freydis Eriksdottir und zum anderen Harald Sigurdsson sind eindeutig als die Rollen angelegt, deren Weg mit dieser Staffel und wahrscheinlich dann auch darüber hinaus begleitet werden soll. Bei der Figur des Leif hat man sich zwar an der historischen Vorlage orientiert, aber – und das muss man für die ganze Serie unterstreichen – die Autoren nehmen sich doch einige Freiheiten, sodass man der realen Historie doch nur in Ansätzen gerecht werden soll.

Die Voraussetzungen, um zu Publikumslieblingen zu reifen, bringen die drei Darsteller:innen Sam Corlett, Leo Suter und Frida Gustavsson auf jeden Fall mit. Das Charisma von Travis Fimmel, der immer die Grenzen zum absoluten Wahnsinn in seiner Rolle als Ragnar auszuloten wusste, fehlt den neuen Figuren jedoch durch die Bank weg. Ein weiteres kleines Hemmnis, um schon komplett mit den Charakteren mitfiebern zu können, ergibt sich aus der Vielzahl von Handlungssträngen, die hier innerhalb weniger Folgen angelegt werden und vielfach in dieser ersten Staffel noch gar nicht auszuerzählen sind. Hatte man in den späteren Staffeln von Vikings 20 Folgen, um die jeweiligen Stories rund ausbreiten zu können, wirkt es im Ableger nun als würde man den gleichen Stoff in weniger als die Hälfte der Episoden packen zu wollen. Dadurch leidet im Endeffekt leider etwas die Entfaltung der vollen Atmosphäre und die Charakterentwicklung kann nicht in nachvollziehbarem Tempo mitverfolgt werden.

Ein Kampf zwischen einem Wikinger mit freiem Oberkörper, blutverschmiert, und Fell über dem Kopf und einem Angreifer mit erhobenem Schwert.
Leo Suter spielt den Recken Harald Sigurdsson © Netflix

Fängt auch Vikings: Valhalla die Atmosphäre wieder so gut ein?

Und diese Atmosphäre ist eigentlich auch im Spin-Off wieder in jeder Einstellung zu spüren. Die Kostüme sind detailreich, die Kulissen lebensechter denn je und was man hier an originalgetreuen Requisiten zur Verfügung hatte, verdient höchste Anerkennung. Man merkt, dass der Schöpfer der Originalserie, Michael Hirst, hier wieder ein Wörtchen mitzureden hatte und auch, dass einige Ausstatter und Kulissenbauer der einstigen History-Channel-Produktion nun beim Nachfolgeprojekt von Netflix übernommen wurden. Historienfilmafficionados kommen weiterhin voll auf ihre Kosten, vor allem auch wenn hier erneut extrem aufwendige Schlachten gezeigt werden, in deren Produktion sichtbar eine hohe Summe gesteckt wurde. Das Highlight hierbei ist eindeutig die Schlacht um die London Bridge in der vierten Folge, die sich vor einer „Schlacht um Schwarzwasser“ von Game of Thrones wirklich nicht verstecken muss.

Insgesamt aber, daran merkt man doch, dass man hier direkt mehr als diese acht Folgen gedreht hat und sich weitere audiovisuelle Höhepunkte für Staffel 2 und 3 aufsparen möchte, gibt es nicht allzu viel Actionszenen und verhältnismäßig mehr Dialogmomente. Auch bei der Brutalität hat man den Regler etwas runtergeschraubt. Ja, in den Kämpfen spritzt wieder Filmblut en masse und auch in einer Enthauptungsszene wird hier nicht weggeblendet. Eine Folterszene, wie den berüchtigten „Blutadler“, der in der Originalserie, mehrfach für eiskaltes Entsetzen beim Zuschauen gesorgt hatte, sucht man noch vergeblich. Dies fügt sich gut in den Eindruck ein, dass man auch damit unterstreichen wollte, dass sich die Methoden der Wikinger ein Stück weit humanisiert haben und drei Generationen nach Ragnars Regentschaft die Diplomatie und Strategie in den Konflikten wichtiger geworden ist.

Eine Wikingerkriegerin im Vordergrund in Rüstung und einige Zuschauer ebenfalls in aufwändigen Gewändern im Hintergrund vor einer Scheune. Vikings: Valhalla
Frida Gustavsson spielt die Wikingerkriegerin Freydis © Netflix

Unser Fazit zu Vikings: Valhalla

Die acht Folgen der ersten von schon drei angekündigten Staffeln spielen an zwei Haupthandlungsorten, in England und in Kattegat, der Hauptstadt der Wikinger. Außerdem spielen neben den drei Protagonisten mindestens ein halbes dutzend weitere Personen entscheidende Rollen. Dann prallen auch nicht nur die zwei Religionen, sondern auch verschiedene Zukunftsausrichtungen der Nordmannen aufeinander. Und das Ränkespiel allerorten muss ebenfalls noch recht komplex aufgezogen werden, ohne die ein oder andere Massenschlacht gebührend auszukosten. Kurzum: Für die Kürze der Zeit ist Vikings: Valhalla voll von Ansätzen und Reizen für das Publikum zum Dranbleiben. Alle Fäden laufen jedoch noch nicht zusammen und vieles wird überhastet angerissen und auch teils vorschnell wieder fallen gelassen.

Bleibt zu hoffen, dass die Macher in den weiteren Folgen diese Hatz etwas drosseln und sich dann intensiver den durchaus faszinierenden Charakteren widmen, dann hat das Spin-Off auch tatsächlich das Potenzial einerseits die epischen Ausmaße der insgesamt sechs Staffeln Vikings zu erreichen und trotzdem mit Sinn und Verstand für die neuen Ansätze eine autarke Historienserie zu werden. Durch die Analogie zur aktuellen Migrationsthematik, die unsere Politik und Gesellschaft seit Jahren beschäftigt, hat Vikings: Valhalla zusätzlich auch die Chance, noch relevanter als das Vorgängerformat zu werden.

Die erste Staffel von Vikings: Valhalla ist seit dem 25. Februar komplett bei Netflix abrufbar, eine zweite wird wahrscheinlich noch in 2022 folgen!

Unsere Wertung:

 

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