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Von Löwen und Lämmern

Von Löwen und Lämmern ist ein Polit-Drama von Oscarpreisträger Robert Redford aus dem Jahre 2007. Mehr als zehn Jahre später wird diese filmische Debatte neu aufgelegt. Ob die Thematik auch heute noch zum Denken anregen kann oder ob stattdessen ein frischer Wind in den politischen Sphären des Films weht, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelVon Löwen und Lämmern (OT: Lions for Lambs)
Jahr2007
ProduktionslandUSA
RegieRobert Redford
DrehbuchMatthew Michael Carnahan
GenreDrama, Thriller, Kriegsfilm
DarstellerRobert Redford, Meryl Streep, Tom Cruise, Michael Peña, Andrew Garfield, Peter Berg, Kevin Dunn, Derek Luke, Larry Bates, Christopher May, David Pease, Heidi Janson, Christopher Carley, George Back, Kristy Wu
Länge88 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihStudio Hamburg Enterprises
Das DVD-Cover zu Von Löwen und Lämmern ©Studio Hamburg Enterprises
Das DVD-Cover zu Von Löwen und Lämmern ©Studio Hamburg Enterprises

Von Löwen und Lämmern – Politik als Handlung

Der Film Von Löwen und Lämmern erzählt drei separate Geschichten, die in einem Gesamtkontext miteinander verwoben sind. Die übergeordnete Thematik des Films handelt von der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Engagement im Nahen Osten.

Der Universitätsprofessor Stephen Malley (Robert Redford) unterhält sich in seinem Büro mit seinem Studenten Todd Hayes (Andrew Garfield) über die aktuelle politische Lage. Da er von der politischen Intelligenz seines wissenschaftlichen Zöglings überzeugt ist, dessen mangelndes Interesse und Engagement jedoch bestürzt, versucht er die Ursprünge dieses Denkens zu ergründen.

Währenddessen trifft sich die Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) mit dem republikanischen US-Senator Jasper Irving (Tom Cruise) in Washington D.C. Sie erhält ein Exklusiv-Interview, um von dem Politiker über die neusten Pläne der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika im Nahostkonflikt informiert zu werden.

Zur gleichen Zeit führt die US-Armee in Afghanistan einen Einsatz durch, deren Ziel die Eroberung einer Bergspitze ist. Während des Vorhabens fallen die Soldaten Ernest Rodriguez (Michael Peña) und Arian Finch (Derek Luke) aus dem Helikopter, der sie zum Einsatzziel hätte bringen sollen. Daraufhin beginnt ein Überlebenskampf, da die andere Konfliktpartei nicht weit entfernt ist und ihre Kreise enger zieht…

Zwischen Episodenfilm und Talk-Show

Die Handlung des Films ist recht simpel gestrickt. Der Film führt den Zuschauer in drei verschiedene Situationen ein und lässt ihn in den einfach zusammengesetzten Szenenbildern zurück. Kaum geschehen, betreten die Akteure die Bühne und das Schauspiel beginnt. Zum einen erinnert diese Art der Inszenierung an einen Episodenfilm. Alle drei Schauspielräume sind miteinander verwoben und beziehen sich innerhalb der Dialogzeilen aufeinander. Manch ein Satz, der eine Szene beendet, leitet geschickt zur nächsten Szene einer anderen Episode über und verbindet diese miteinander. Der dreigeteilte Film ordnet sich somit gekonnt einem großen Gesamtthema unter.

Janine Roth (Meryl Streep) im Interview mit dem republikanischen Senator Jasper Irving (Tom Cruise) ©Studio Hamburg Enterprises
Janine Roth (Meryl Streep) im Interview mit dem republikanischen Senator Jasper Irving (Tom Cruise) ©Studio Hamburg Enterprises

Zum anderen erinnert Von Löwen und Lämmern an eine Talk-Show, da sich die einzelnen Szenen größtenteils aus Debatten zusammensetzen. Zwei oder mehrere Parteien sitzen sich gegenüber und diskutieren über die Lage der Politik. Der Zuschauer ist dabei als stiller Beobachter zum eigenen Mitdenken und Abwägen der Argumente animiert. In gewisser Weise wird er sogar dazu gezwungen, um der Handlung weiterhin folgen zu können. Selbst die vermeintlichen Actionszenen sind von Wörtern dominiert, die den Betrachter eher zum Grübeln anregen, denn ihn unter Adrenalin stellen sollen. Anders als in einer Talk-Show sollte man sich hierbei jedoch der Tatsache bewusst sein, dass es sich bei den Meinungen um Konstrukte eines Drehbuchs handelt, weshalb sie lediglich als Vorgaben und Anregungen zum eigenen Denken interpretiert werden können. In Von Löwen und Lämmern ist aufgrund der Kunst eines Films nichts in Stein gemeißelt.

Die kollektive Intelligenz verschiedener Perspektiven

“Intelligenz” ist ein vielseitiges Wort und unterliegt ob seiner Definition einem ebenso vielseitigen Verständnis. Ein jeder vermag etwas anderes darin erkennen. Für meine Wenigkeit birgt Von Löwen und Lämmern eine gewisse Intelligenz. Vor allem innerhalb der Dialoge arbeitet das Drehbuch auf einer argumentativ rhetorischen Ebene. Die einzelnen Diskussionen zeigen nicht nur verschiedene Perspektiven auf, sondern weisen durch Unschlüssigkeiten und/ oder “Heuchelei” auch auf die argumentativen Schwächen der jeweiligen Gesprächspartner hin. Es handelt sich somit um ein geschicktes Kammerspiel rhetorisch clever geführter Dialoge, die es mit Vorsicht zu genießen gilt.

Ideologien, Idealisten und Illusionen

Die Dialoge in Von Löwen und Lämmern sollten vor dem Hintergrund einer kritisch gestimmten Tonart und der politischen Lage betrachtet werden. Der Film weist auf eine grundsätzlich kollektive Ideologie hin, die dem Denken der jeweiligen Akteure anheimfällt. Des Weiteren ist ein jeder ein Idealist für sich und steht für eine übergeordnete Gruppierung: Politik, Presse, Wissenschaft und Wirtschaft. Durch das starre, engstirnige und gedanklich festgefahrene Handeln der Charaktere wird die Stagnation und denkerische “Müdigkeit” der jeweiligen Institutionen offengelegt. Die Souveränität eines Staates und die Individualität der Akteure wird im Laufe der Handlung als Illusion entlarvt, unter deren Oberfläche Idealismus, Propaganda und Schwarmintelligenz schlummern.

Robert Redford als Universitätsprofessor Stephen Malley ©Studio Hamburg Enterprises
Robert Redford als Universitätsprofessor Stephen Malley ©Studio Hamburg Enterprises

Ein reflektierender Spiegel

Von Löwen und Lämmern spricht unter anderem Themen wie Manipulation, Polarisierung, Propaganda, vermeintlichen Objektivismus, Aktivismus und Heroismus an. Zwischen den Zeilen kann womöglich noch weitaus mehr gelesen werden und ein jeder Zuschauer vermag für sich selbst entscheiden, wie weit er sich auf die Dialoge einlassen und was er aus diesen heraushören möchte. Denn in gewisser Weise kann Von Löwen und Lämmern durchaus als Spiegel fungieren. Der Film stellt dem Zuschauer stereotypische Akteure vor, die wenig individuellen Charakter besitzen. Stattdessen stehen sie für eine Gruppierung, in der sich auch der Zuschauer einordnen kann.

Meryl Streep als Journalistin Janine Roth ©Studio Hamburg Enterprises
Meryl Streep als Journalistin Janine Roth ©Studio Hamburg Enterprises

So oder so ist der Film mit der bereits erwähnten Vorsicht zu genießen. Denn so intelligent die Machart auch sein mag, so setzt Von Löwen und Lämmern die Fähigkeit zur Reflexion voraus. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Charaktere überspitzt porträtiert werden und die Dialoge die Extreme einer politischen, idealistischen Welt darstellen. Man sollte versuchen, die Bedeutung der Unterhaltungen nachzuvollziehen. Denn hier hat jedes Wort einen Sinn. Wenn man sich nun in einem der Charaktere widerspiegelt oder sich animiert fühlt, sein Denken zu ändern, dann sollte man auch dies nur mit Vorsicht und stets reflektierend tun.

Patriotismus-Kritik mit einer Prise Patriotismus

Auch wenn Von Löwen und Lämmern versucht als Anti-Kriegsfilm zu gelten und dabei auf die fatalen Irrwege des Patriotismus’ hinweisen möchte, schafft es der Film nicht, die Gesinnung der Regie komplett zu verstecken. Denn im Verneinen der “schlechten” politischen Taten werden die “guten” Werte der Politik der Vereinigten Staaten von Amerika hervorgehoben. Das Auslassen bzw. Negieren des Negativen fördert in diesem filmischen Fall das vermeintlich Positive. Somit ist es durchaus ersichtlich, dass Robert Redford versucht, dem angekratzten Ruf der USA entgegenzuwirken und ein Pflaster auf die Wunden des Patriotismus’ zu kleben. Ein anschließendes Tätscheln des Kopfes und aufmunternde Worte im Sinne von “Alles wird gut” setzen einen cineastischen Selbstheilungsprozess in Gang.

Tom Cruise als Senator Jasper Irving ©Studio Hamburg Enterprises
Tom Cruise als Senator Jasper Irving ©Studio Hamburg Enterprises

Die Prise Patriotismus kann im Sinne einer Reflexion des Gesehenen als weiterer Aspekt zum Nachdenken über die Hinter- und Beweggründe des Films anregen. Beim Abspann hat es Redford dann doch zu gut gemeint. Kombiniert mit der Musik von Mark Isham stimmt er ein Loblied auf die Menschen einer sich stets stolz fühlenden Nation an. Der Film fungiert auch hier als ein Spiegel: er zeigt auf, wie sich eine Nation nach Außen hin sieht.

Mein Fazit zu Von Löwen und Lämmern

Matthew Michael Carnahan (Operation Kingdom, World War Z, Deepwater Horizon) gilt nicht als großer Stern am Himmel der Drehbuchautoren. Trotz seiner Zusammenarbeit mit Oscarpreisträger Steve McQueen (für Codes of Conduct) konnte er bis dato nicht mit artistischer Genialität punkten. Auch mit Von Löwen und Lämmern ist ihm kein Paradestück gelungen, aber dennoch ein ansehnliches Kammerspiel voller anregender Dialoge. Robert Redford hat zudem abermals eine solide Regieleistung vorgezeigt. Sowohl seine als auch die schauspielerischen Leistungen seiner Kollegen und Kolleginnen, allen voran Meryl Streep und Tom Cruise, sind durchaus ansehnlich. In diesem Fall wurden sie durch die Einfachheit des Drehbuchs ein wenig in ihren Fähigkeiten eingeschränkt.

Von Löwen und Lämmern hält viele große Worte parat, die zumeist keine Antworten bzw. Lösungen anbieten, stattdessen auf Probleme hinweisen. Der Film bezieht seine Unterhaltung aus der Cleverness der Dialoge. Manch einer mag behaupten, dass es sich wie eine Vorlesung anfühlt. Für jemanden, der nach tiefgreifenden Drehbüchern und atemberaubender Action sucht, mag dies auch stimmen. Doch denjenigen, die Gefallen an cineastischen Dialogwechseln finden und dabei gerne sich selbst und die Welt reflektieren, sei der Film empfohlen. Auch wenn man am Ende zu einem kritisch negativen Resultat kommen mag, hat Von Löwen und Lämmern sein Ziel erreicht: er hat zum Denken angeregt!

Der Film ist seit dem 07.12.2018 auf Blu-Ray erhältlich!

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© Studio Hamburg Enterprises

Christopher Hanek

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