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Watchmen – Der Superheldenfilm, mit dem niemand rechnete

Zack Synder ist einer der mutigsten Regiesseure, wenn es um Comicverfilmungen geht. Das bewies er bereits mit seiner Adapation von Alan Moores Meisterwerk Watchmen.

Titel Watchmen – Die Wächter
Jahr 2009
Produktionsland USA, Kanada, Vereinigtes Königreich
Regie Zack Snyder
Drehbuch David Hayter, Alex Tse
Genre Drama
Darsteller Jeffrey Dean Morgan, Jackie Earle Haley,
Carla Gugino
Länge Je nach Fassung 163 bis 215 Minuten
FSK Ab 16 Jahren freigegeben
Verleih Paramount Pictures Germany

Bluray-Cover von Watchmen - Die Wächter aus 2009
Bluray-Cover von Watchmen – Die Wächter. “Watchmen – Die Wächter” auf Blu-ray & DVD erhältlich (©Paramount Pictures)

Helden an den Kinokassen

MALIN AKERMAN as Silk Spectre II in Watchmen. "Watchmen - Die Wächter" from 2009
MALIN AKERMAN as Silk Spectre II in Watchmen. “Watchmen – Die Wächter” auf Blu-ray & DVD erhältlich (©Paramount Pictures)

2009 wagte es Zack Snyder einen Film in die Kinos zu bringen, den nur Comicgourmets auf der Rechnung hatten. Es war Zack Snyders zweite Comicverfilmung, nach 300. Watchmen basierte auf dem gleichnamigen Comic von Alan Moore. Eine Vorlage, die eigentlich als unverfilmbar galt. Jahre zuvor hatte der Erfolg des ersten X-Men Films endgültig das goldene Zeitalter der Comichelden auf der großen Leinwand eingeleutet. 2008 wurde Iron Man zur Speerspitze des Marvel Cinematic Extended Universe und The Dark Knight zum Batmanmeisterwerk.

Bedrückend anders

Die Crew in Watchmen - Die Wächter von 2009
PATRICK WILSON as Nite Owl II, MALIN AKERMAN as Silk Spectre II and JACKIE EARLE HALEY as Rorschach in Watchmen. “Watchmen – Die Wächter” auf Blu-ray & DVD erhältlich (©Paramount Pictures)

Kinogänger hatten schon einiges an maskierten Rächern erlebt. Doch Watchmen war völlig anders. Der Film fing mit drückender Schwermut das Gefühl ein, um Haaresbreite vor einem nuklearen Holocaust der Menschheit zu stehen. Währendessen leuchtete kaltes Neonlicht das verrottete Stahlbetonantlitz einer Stadt aus, in der ein geisteskranker Maskierter, im Mordfall an einem seiner Kollegen ermittelte.

Schon das kongeniale Intro des Films zeigte dem Zuschauer zu den Klängen von Bob Dylans The times they are changing klar, wie viel düsterer die Geschichte in der Welt der Watchmen bis ins Jahr 1985 verlaufen war. Allgemein war jedes Stück im Soundtrack von Watchmen mit großer Sorgfalt gewählt worden.

Die Andersartigkeit des Films lag vor allem in seiner Vorlage begründet. Alan Moores Watchmen findet sich sogar als einziger Comic in den Top 100 besten englischen Romanen des Time Magazine (die zwischen 1923-2005 geschrieben wurden). Moore selbst will allerdings, bis heute, nicht das Geringste mit der Verfilmung zu tun haben, sie nicht einmal sehen. Denn sein Werk und ihn verbindet eine unschöne Geschichte, die in einem anderen Artikel genauer beleuchtet werden wird.

Schläge ins Gesicht

Die Ablehnung des Autors schmerzte Zack Snyder, doch schuf sie auch einen Teil der Motivation, sich so nah an die Vorlage zu halten, wie nur möglich. Watchmen wurde keine 1zu1 Umsetzung. Im Gegenteil, Snyder musste eigene Stilmittel finden, um die Unterschiede zwischen den Medien Comic und Film zu überbrücken. Speziell die ausufernde Gewalt der Actionsequenzen fanden viele Kritiker geradezu abstoßend. Dabei setzte Snyder ganz bewusst auf Übertreibung. Der Einsatz von Slow Motion ließ Parallelen zu 300 durchschimmern.

Heute findet man den Film leider eher auf “Underrated Movies” Listen und seltener unter “Best Superhero”. Einer der Hauptgründe dafür ist die Dekonstruktion der Superhelden selbst. Etwas das neue Fans des Genres 2009 geradezu kalt erwischte. Während Nolans The Dark Knight eine geerdete Ästhetik bot, spielt Watchmen mit cheesy Elementen wie Superheldenkostümen mit Nippeln (looking at you Joel Schumacher), oder selbstreferenziellen Watchmen Actionfiguren. Wenn Batman am Ende von The Dark Knight, einen geradezu rührenden Moment an Heldenpathos erlebt, lässt einen das Ende von Watchmen sprachlos, ja mit einem stecken gebliebenen WTF! in der Kehle zurück.

Lost in translation

Die Helden aus Watchmen - Die Wächter aus 2009
L-r: JEFFREY DEAN MORGAN as The Comedian, MALIN AKERMAN as Silk Spectre II, BILLY CRUDUP as Dr, Manhattan, MATTHEW GOODE as Ozymandias, PATRICK WILSON as Nite Owl II and JACKIE EARLE HALEY as Rorschach in Watchmen. “Watchmen – Die Wächter” auf Blu-ray & DVD erhältlich (©Paramount Pictures)

Ein anderer Grund für vorenthaltene Wertschätzung ist die Beziehung zwischen Film und Comic. Der Comic war ein Meisterwerk und galt wie erwähnt als unverfilmbar, was unter anderem auch Alan Moores Anspruch war. Er wollte die Vorteile des Medium Comics gegenüber dem Kino aufzeigen. Bei der Umsetzung gingen nicht nur stilistische Kniffe verloren, auch die Handlung musste für die Leinwand verschlankt werden. Wichtige Nebenplots fehlten komplett. Tatsächlich hatte Snyder jedoch vieles davon gedreht. Dem Kinostreifen (163 Minuten) folgten schließlich die Veröffentlichungen eines Directors Cut (187 Minuten) und eines Ultimate Cut (215 Minuten). Dazu gehörte auch die Veröffentlichung des Tales Of The Black Freighter, sozusagen einem Comic im Comic bzw. Animationsfilm im Film.

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https://www.youtube.com/watch?v=ts9SKwNV3Cs

Brüder im Geiste

Dem Cast von Watchmen mangelte es, verglichen mit anderen Superheldenfilmen, an prominenten Gesichtern. Was allerdings half, ihre Rollen von vergleichbaren Helden abzugrenzen. Der inzwischen wahrscheinlich bekannteste Schauspieler in Watchmen ist Jeffrey Dean Morgan. Morgan spielte den Comedian und ist aktuell in der Fernsehserie The Walking Dead (welches ebenfalls auf einer Comicvorlage basiert) als Bösewicht Negan zu sehen. Er trat auch in Snyders Batman vs Superman – Dawn of Justice auf. Dort spielte er an der Seite von The Walking Dead Kollegin Laura Cohen (Maggie Greene) Batmans Vater, Thomas Wayne.

Während Snyders Dawn of Justice wohl das kritischere Echo erzeugte, war die düstere Grundstimmung in beiden Streifen diesselbe. Was im Rückblick umso passender wirkt, da die Comics Watchmen und The Dark Knight Returns (Vorlage für Dawn of Justice) gewissermaßen parallel erschienen.

Letzte Punchline

Kurz zusammengefasst: Der Film Watchmen war einigen zu schwere Kost, mit zu wenig Superheldenaction. Anderen war er zu gewalttätig und nicht nah genug am Original. Die perfekte eierlegende Wollmichsau wurde Zack Snyders Streifen zwar nicht, aber er machte die Watchmen vielen bekannt, die noch nie von ihnen gehört hatten. Während er an den Kinokassen eher enttäuschend lief, taugt Watchmen heute zum Kultfilm und Geheimtipp. Trotz aller Kritik ist der Film nämlich einen Blick unbedingt wert.

Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Hier könnt Ihr den Film selbst bewerten:

Handlung/Dramaturgie
3
Figuren/Schauspieler
4
Ausstattung/Schauplätze
4
Form
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Hintergrund
4
Vergleich im Genre
2
Durchschnitt:
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© Paramount Pictures Germany

Alex

Name: Alexander Goll
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