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X

Ti West belebt die 70er Jahre wieder: In seinem neuesten Streich X laufen die Dreharbeiten einer Low Budget Porno-Produktion gehörig aus dem Ruder. Golden Age of Porn meets New Hollywood, nostalgische Vibes treffen auf modernes Slasher-Kino. Gelingt West damit ein sehenswerter Genre-Clash?

X Trailer German Deutsch (2022)

TitelX
Jahr2022
LandUSA
RegieTi West
DrehbuchTi West
GenreHorror
DarstellerMia Goth, Jenna Ortega, Brittany Snow, Scott Mescudi, Martin Henderson, Owen Campbell, Stephen Ure, James Gaylyn, Simon Prast
Länge105 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Beide Coverversionen der deutschen Mediabooks. | © Capelight Pictures

Die Handlung von X

Die VHS liegt im Aufwärtstrend und eine Gruppe angehender Film- und Pornostars möchte ihr Stück vom Kuchen: Im abgelegenen texanischen Hinterland soll Ende der 70er Jahre für kleines Geld ein Porno entstehen, der allen Beteiligten Ruhm und Reichtum einbringt. Das gemietete Farmhaus auf dem Grundstück eines alten Ehepaars scheint der ideale Ort zu sein, um den Film abzudrehen. Als das Ehepaar jedoch mitbekommt, was auf ihrem Grund und Boden für Unzucht getrieben wird, ist es mit der ländlichen Idylle schnell vorbei…

In X stehen sich Martin Henderson als Wayne und Stephen Ure als Howard auf einer weiß gestrichenen Veranda gegenüber und diskutieren miteinander.
Produzent Wayne (Martin Henderson) muss sich mit dem argwöhnischen Vermieter Howard (Stephen Ure) herumplagen. | © Capelight Pictures

Welcome to the 70s

Bereits im Vorfeld machte Ti Wests neuestes Werk auf sich aufmerksam, da es dem geneigten Publikum versprach, eine Zeitreise zurück in die wilden 70er anzutreten. Thematisch schielt X vollends zurück auf das Golden Age of Porn und das Kino des New Hollywood und rüttelt somit kräftig am Nostalgiebaum.

Inszenatorisch schafft West es mit Leichtigkeit, den Zuschauenden direkt 70 Jahre in die Vergangenheit zu katapultieren. Grobe 16mm Bilder (allerdings digital entstanden), Wischblenden mit dicken schwarzen Balken, abgewrackte Tankstellen, verdreckte Farmhäuser – ein ums andere Mal wähnt man sich direkt zurück ins Jahr 1974 zurückversetzt und wäre nicht überrascht wenn der Spross der Familie Sawyer mit knatternder Kettensäge aus seinem Kellerverschlag huschen würde.

Zwar wartet auch der ein oder andere Jumpscare, doch viel lieber besinnt sich West auf seinen persönliche Retro-Vibe, dem er bereits in seinem The House oft he Devil nachspürte. Konkret bedeutet dies, dass sich der Regisseur und Drehbuchautor viel Zeit lässt, bis X sich zum reinrassigen Slasher-Film wandelt. So vergeht eine gute Stunde, die immer wieder Andeutungen über das drohende Unheil macht, dass mit der greisen Dame des Hauses etwas nicht zu stimmen scheint; selbst der hinter der gemieteten Hütte gelegene See birgt Gefahr für Leib und Leben.

Initialzündung für das Eindringen des Horrors am Porno-Set ist schlussendlich eine Art Verbindung zwischen Maxine (Mia Goth) und der betagten Dame Pearl (Mia Goth). Deren Sehnsucht nach Sinnlichkeit und fleischlichem Verlangen lässt einen nach dem anderen von der Filmcrew ein gewaltsames Ende finden.

In X verlässt Brittany Snow als blonde und in einem roten Kleid gekleidete Bobby-Lynne eine Stripbar mit gepackten Koffern.
Bobby-Lynne (Brittany Snow) ist bereit für die Reise. | © Capelight Pictures

Blutig‘ Gericht in Texas

Die handgemachten Effekte lassen sicherlich die bluttriefenden Herzen eines jeden Horrorfans höher schlagen, doch liegt hier gleichwohl Irritationspotential begraben. Radikale Umbrüche im Film sind durchaus sehenswert und können einen zynischen Gangster-Roadmovie zu einem spritzigen Funsplatter mit Vampiren mutieren lassen, wie in From Dusk Till Dawn geschehen.

Bei X schreien die ersten zwei Drittel der Laufzeit so dermaßen nach guter, alter Nostalgie, dass die teils comichaft überzogene Gewalt die anfängliche Bodenständigkeit konterkariert. Insbesondere der erste Mord scheint mit seinen grotesk übertriebenen Blutspritzer eher aus einem spaßigen Sam Raimi Streifen der Marke Tanz der Teufel 2 zu stammen, denn aus einem düsteren Terrorfilm. Anstelle von wohligem Schauer könnten hier hochgezogene Augenbrauen dominieren, will diese Szene doch nicht so recht zur bisherigen Tonalität passen. Anschließend pendeln sich die Kills dankenswerter Weise wieder ein, sind angenehm ruppig, schnörkellos in Szene gesetzt und wirken weniger überspitzt.

Die Figuren bleiben ihren Schubladen indes treu. Typisch Slasherfilm halten zahlreiche Klischees Einzug: arrogantes Blondchen, prüde Kirchenmaus, Möchtegern-Regisseur oder schmieriger Produzent. Doch trotz Schubladen bereitet es Spaß, der Filmcrew bei ihrem Treiben beizuwohnen. Die Chemie der Figuren stimmt, Dialoge und Sprüche in der Gruppe gehen auf. Und tatsächlich findet sich hinsichtlich sexueller Selbstbestimmung sogar gegenwärtiger Zeitgeist bei den verbalen Frotzeleien der Truppe wieder.

Mia Goth hingegen setzt ihre individuelle Duftmarke mehr als deutlich. Einerseits weil sie Maxine/Pearl eine völlig gegensätzliche Doppelrolle einnimmt. Andererseits spielt sie dem typischen Final Girl herrlich zuwider, indem sie eben keine holde Jungfrau ist, sondern ein koksendes Pornosternchen – und bei ihrem Kampf ums Überleben keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Nach Auftritten in Suspiria, Nymphomaniac oder A Cure for Wellness erweitert sie ihr Repertoire erneut um spannende Interpretationen.

In X steigt James Gaylan als Sheriff Dentler aus seinem Polizeiwagen, um eine mit Leichentuch abgedeckte blutige Leiche auf der staubigen Straße zu inspizieren.
Sheriff Dentler (James Gaylan) darf sich mit den Hinterlassenschaften der blutigen Nacht auseinanderstezen. | © Capelight Pictures

Unser Fazit zu X

Ti West hat mit X einen sehenswerten Trip in die späten 70er Jahre im Angebot. Handwerklich versiert und mit einem wunderbaren Gespür für Nostalgie in Szene gesetzt, kann vor allem die erste Stunde mit ihren unheilvollen Andeutungen vollends überzeugen. Beginnt sich allerdings die Gewaltschraube im letzten Drittel straffer zu ziehen, muss ein ziemlich radikaler Spurwechsel verkraftet werden.

Viel Vintage, ein bisschen Meta, unerwartet derber Splatter – West serviert ein buntes Potpourri, dessen einzelne Elemente teils etwas Schmiere (oder dem Sujet geschuldet: Vaseline?) vertragen könnten, um problemlos ineinander zu greifen.

Man darf jedenfalls gespannt sein, welche Richtung die einzelnen Teile der mittlerweile als Trilogie angedachte Reihe einschlagen werden. Teil 2 ist bereits abgedreht und widmet sich – wie es der Titel bereist verrät – der Figur von Pearl.

X ist ab dem 02.09.2022 im Handel erhältlich und wird dem geneigten Sammler als Mediabook in zwei Covervarianten mit 4K UHD und Blu-ray angeboten!

Unsere Wertung:

 

 

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© Capelight Pictures

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