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Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story

Alle wollen den geheimnisvollen Erfolgsautor JT LeRoy. Es gibt nur ein Problem: Er existiert nicht. Mit einem ausgeklügelten Plan nimmt Kristen Stewart in Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story diese Identität an und versucht alle Welt hinters Licht zu führen. Ob diese Lüge funktionieren kann, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

Zu schön um wahr zu sein - Die JT Leroy Story (Deutscher Trailer) - mit Kristen Stewart

Titel Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story (Originaltitel: JT LeRoy)
Jahr USA
Land 2018
Regie Justin Kelly
Drehbuch Justin Kelly, Savannah Knoop
Genre Biographie, Drama
Darsteller Kristen Stewart, Laura Dern, Diane Kruger, Jim Sturgess
Länge 108 Minuten
FSK ab 6 Jahren freigegeben
Verleih Koch Films
Coverbild von Zu schön um wahr zu sein - Die JT LeRoy Story. Zu sehen sind (v.l.n.r.) Laura Dern als Laura Albert, Kristen Stewart als JT LeRoy mit blonder Kurzhaarperücke und Diane Kruger als Eva.
Coverbild von Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story © Koch Films

Darum geht es in Zu schön um wahr zu sein – die JT LeRoy Story

Mit ihrem Roman „Sarah“ gelang Laura Albert (Laura Dern) der Durchbruch als Schriftstellerin. Das Problem daran: Niemand weiß, dass sie das Buch geschrieben hat. Sie entschied sich, ihr Werk unter dem Pseudonym Jeremiah „Terminator“ LeRoy – kurz JT – zu veröffentlichen. Im Grunde genommen keine große Sache, aber Laura erfindet eine komplett neue Existenz rund um ihren Künstlernamen. Dabei gibt sie sich bereits in Telefoninterviews mit verstellter Stimme als ihr Alter Ego aus. Doch nun verlangen die Fans mehr und wollen endlich ein umfassendes Bild von ihrem Idol.
Als ihre Schwägerin Savannah (Kristen Stewart) zu Besuch kommt, hat Laura eine Idee: Sie möchte, dass Savannah in der Öffentlichkeit in die Rolle JTs schlüpft. Schnell hat sie ihre Schwägerin überzeugt und der Plan scheint perfekt. Aber können Laura und Savannah wirklich alle hinters Licht führen? Klingt eigentlich zu schön um wahr zu sein, oder?

Laura Albert (Laura Dern) trägt eine rothaarige Perücke mit Sonnenbrille und Hut und ist mit einem Kameramann am Filmset zu in Zu schön um wahr zu sein - die JT LeRoy Story.
Laura Albert (Laura Dern) mit einem Kameramann am Filmset © Koch Films

Wer ist JT LeRoy wirklich?

JT LeRoy ist weitaus mehr als nur ein einfaches Pseudonym. Vielmehr hat Laura Albert eine komplette Identität um diesen Namen gestaltet. Und die entspricht alles andere als der „Norm“: Ein gerade einmal 19 Jahre junger Transmann, dessen Leben von sexuellem Missbrauch, Drogenkonsum und Obdachlosigkeit geprägt ist. Obendrein ist er noch Ex-Stricher und HIV-positiv. Als wäre dies noch nicht genug, soll er gleichzeitig stark introvertiert sein und einen Hang zur Extraversion besitzen. In der Öffentlichkeit ist er Fremden gegenüber stark zurückhaltend, zeigt aber eine Vorliebe für skurrile Outfits mit großen Sonnenbrillen und wilden Perücken.
Ja, genau so stellt Laura sich ihr Alter Ego JT vor.

Noch bevor sie Savannah endgültig von ihrem Plan überzeugen kann, sprudelt sie vor Ideen, JT zum Leben zu erwecken. Demgemäß macht es den Eindruck, als wäre sie die fehlende Muse ihrer Kreativität.
Wissenswert an der Stelle ist, dass diese mit ihrer androgynen Art und den raspelkurzen Haaren leichte Parallelen zur Idealvorstellung ihrer Künstlerfigur zeigt. Auch was ihre sexuelle Orientierung sowie ihrer Geschlechtsidentität angeht, scheint sie sich nicht festlegen zu wollen. Beispielsweise bindet sie sich ihre Brüste ab und kleidet sich eher maskulin.

Dementsprechend war keine große Überzeugungsarbeit notwendig und JT wurde schnell Realität. Der Plan von Zu schön um wahr zu sein – die JT LeRoy Story scheint zügig aufzugehen. Infolge dessen steigt das allgemeine Interesse diverser Hollywood-Größen an JT. Doch so langsam wird Savannah der Schwindel um ihr Doppelleben zu viel. Ungeachtet dessen spinnt Laura ihre Vorstellungen kompromisslos weiter.
Interessant ist an dieser Stelle, dass die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht und die Täuschung für mehrere Jahre aufrecht gehalten wurde.

Eva (Diane Kruger) setzt JT (Kristen Stewart) einen Hut auf in Zu schön um wahr zu sein - die JT LeRoy Story
Eva (Diane Kruger) setzt JT (Kristen Stewart) einen Hut auf © Koch Films

Die Laura Albert Story!?

In Zu schön um wahr zu sein – die JT LeRoy Story verarbeitet Autorin Laura Albert mit ihrer Literatur ihre eigenen Traumata. So bespricht die aus Brooklyn stammende Jüdin in ihren Romanen Erfahrungen wie ihre extreme Adipositas sowie ihren früheren sexuellen Missbrauch. Somit beginnt das Drama schon mit den Herausforderungen, die Laura umtreiben. Diese allein hätten vermutlich schon ausgereicht, um mindestens einen Film zu entwickeln.

Infolgedessen wird Schwägerin Savannah unwissend in diese Dilemma reingezogen. Obwohl bereits bei dem ersten Auftreten klar ist, dass auch sie selbst mit innerlichen Unstimmigkeiten zu kämpfen hat. Ob das nun ihre Sexualität, ihre vermeintliche Perspektivlosigkeit oder die Arbeitslosigkeit betrifft, ist anhand ihrer Darstellung nicht festzumachen. Jedoch wird der Zuschauer von einem unwohlen Gefühl ergriffen, als es zu der Entscheidung kommt, JT zu verkörpern.
Als dann auch noch Schauspielkollegin Eva (Diana Kruger) ins Spiel kommt und Savannah (als sie selbst) Gefühle für sie entwickelt, scheint das Wirrwarr komplett. 

Wennzwar die Handlung auf wahren Begebenheiten basiert, bleiben im Verlauf der Geschichte zu viele Themen unangetastet im Raum stehen. Vielmehr hätte sich die Verfilmung auf den Umtrieb von Laura Albert und die Motivation hinter ihrem Decknamen konzentrieren sollen. Dementgegen stehen nun aber die Hintergründe der Figuren Savannah und Eva. Somit wirbelt der Handlungsverlauf zusätzliche Themen auf, ohne sie vollends aufzuklären. Daher fokussiert er sich leider nicht auf das Wesentliche und verschenkt einiges an Potenzial.

Übrigens bringt der wahre Hintergrund hinter JT LeRoy eigentlich viel Entwicklungsmöglichkeiten mit sich. So erlitt die wahre Laura Albert aufgrund ihrer Missbrauchserfahrungen wohl eine dissoziative Identitätsstörung. Gerüchte besagen, dass JT eine ihrer Identitäten sein könnte. Überdies fand sie mit ihm einen Weg, über ihre Erlebnisse sprechen zu können, ohne sie erneut, als sie selbst, durchleben zu müssen.

JT ohne Perücke und Eva kommen sich näher. Eva greift JT an den Hals und sie stehen kurz vor einem Kuss in Zu schön um wahr zu sein - die JT LeRoy Story
JT und Eva kommen sich näher © Koch Films

Geht der Plan auf?

Darüber hinaus hat Zu schön um wahr zu sein – die JT LeRoy Story ein großes Problem: Die grundlegende Geschichte lässt sich sehr leicht durchschauen. Vielleicht, weil man dem ganzen Schwindel nicht so recht glauben schenkt oder weiß, dass es irgendwann auffliegen muss. Leider werden hier keinerlei unerwartete Kniffe bereitgehalten, und die Handlung entwickelt sich träge. Infolgedessen wird sich nach einem großen Showdown gesehnt, der letzten Endes ebenfalls relativ dröge daherkommt.

Generell lenkt vieles von dem eigentlichen Täuschungsvorhaben ab. Dementgegen steht die Komplexität der Figuren und die mangelnde Aufklärung deren gegenüber dem Zuschauer.Insgesamt ergreift einen das Gefühl, dass zu viele Themen angesprochen werden sollen. Jedoch können diese in der Zeit und Konstellation nicht greifbar behandelt werden.

Allerdings sei an dieser Stelle angemerkt, dass Kristen Stewart ihren Job als JT LeRoy wirklich herausragend macht. Trotz der besagten Komplexität, schafft sie es, sowohl Savannah als auch JT glaubhaft zu repräsentieren.
Auch Laura Dern ist grundlegend überzeugend. Sie bringt durch ihre schrille Art stellenweise sogar einen lockeren Schwung ins Geschehen.

Letztendlich besteht sehr viel Potenzial und Redebedarf rund um die Protagonisten. Leider schafft es der Film nicht, dies vollends auszuschöpfen, denn er verstrickt sich immerzu in Nebenhandlungen und verliert dadurch den Blick auf das Wesentliche.

Unser Fazit zu Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story

Die Erzählung von Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story rund um Laura Alberts Pseudonym ist im Kern ein waschechtes Drama. Auch wenn die Handlung relativ vorhersehbar ist, möchte er sich weiteren komplexen Themen annehmen. Ferner schafft er es aber nicht, diesem Vorhaben vollends gerecht zu werden. Somit fehlt dem Film etwas an Dynamik und Schwung.
Dennoch lohnt sich ein Blick für Fans des namenhaften Cast oder Werken des Pseudonyms JT LeRoy. Insbesondere Fans von Kristen Stewart werden hier auf ihre Kosten kommen.

Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story ist ab 17. Juli 2021 Digital und ab 22. Juli 2021 als Blu-ray und DVD über Koch Films verfügbar!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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