Plane-Regisseur Jean-François Richet formte 2023 aus Gerard Butler einen notgedrungenen Actionhelden in bester Stirb langsam-Manier. 2026 ist soll nun Jason Statham das Ruder herumreißen und statt eines Flugzeugs ein Schiff samt Besatzung bergen. Doch verleiht Mutiny Stathams Karriere auch neuen Schwung – oder hätte der Transporter besser bei kleineren Verkehrsmitteln oder seinen Honigbienen bleiben sollen?

Darum gehts in Mutiny

Key-Art © Leonine Studios

More of the S(e)ame

Anhand des kleinen, wenn auch routinierten Hits Shelter, der mit genügend Ruhe, Finesse, aber auch Wucht daherkam, konnte man auf so etwas wie Besserung im bekannten Statham-Rachegestus hoffen. Man hatte das Gefühl, Regisseur Ric Roman Waugh kitzelte etwas mehr aus dem sich den 60 Jahren nähernden Actionhelden heraus, der noch einmal richtiges, kerniges und vollumfängliches Actionkino liefern wollte. So gerieten die teilweise katastrophalen Fehlschläge der letzten fünf Jahre, insbesondere die jüngsten unter der Regie von David Ayer, Guy Ritchie und Scott Waugh, die allesamt gleichförmig verliefen, zumindest für einen kurzen Moment in Vergessenheit.

Hisst die Segel!

Doch Mutiny holt die Zuschauer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dabei standen alle Weichen auf dem richtigen Kurs: Richet wies sich bereits als guter Handwerker aus, zimmerte mit Plane ein generisches, aber nichtsdestotrotz gutes Actionbrett auf die Leinwand und ließ einen damals 53-jährigen Gerard Butler in wuchtiger – sogar in Longtakes inszenierter – Action brillieren. Obwohl das Geschehen nach Fahrplan verlief und bekannte Szenarien abgraste, konnte und durfte man genau das vom Nachfolgefilm erwarten. Schließlich schien dieses Themenfeld um einen alternden Actionstar, der die Guten rettet und die Bösen verkloppt, eingebunden in und um ein markantes Setting, bedient zu werden. Die Trailerkampagne versprach auch das: ein actiongeladenes Dauerfeuer auf hoher See im Fahrwasser von Stirb Langsam. Einen Freifahrtschein mit gutem Cast, übersichtlicher Kameraarbeit und brachialen Fights. Nur zeigte sich schnell: All das ist gelogen – wenn nicht sogar komplett falsch verstanden.

Weder Fisch noch Fleisch

Zwar bedient Mutiny genau den generischen Formel-Film, den Statham seit jeher abspult. Doch selbst für seine Verhältnisse ist der hier an den Tag gelegte Arbeitsethos indiskutabel. Immerhin durfte er sich erneut in Garderobe werfen – unwissend, welcher Beruf dieses Mal beim Kostümwürfeln ausgespuckt wurde –, um seine Ex-CIA-Elitesoldat-Plakette so plakativ wie nur möglich zu tarnen. Reine Oberflächlichkeit. Und doch funktioniert die Figur des Cole Reed minimal besser als viele der letzten, weil er notgedrungen in eine Handlung gezwungen wird, für die er sich nicht entschieden hat. Das macht am Ende zwar nur Nuancen aus. Und die sind letztlich vor allem Gründe dafür, warum A Working Man und The Beekeeper noch schlechter sind. Doch allein, dass dieser Vergleich bei Mutiny überhaupt als Argument herhalten muss, ist mehr als enttäuschend – und der Sargnagel für diesen Film.

Komm an bored 

Richet schaukelte sich so einen vermeintlichen Actionfilm zusammen, der nicht nur die Genres verwechselte, sondern auch das Warten auf Keilereien mit absolutem Leerlauf ersetzte. In den ersten 30 Minuten gelingt noch ein solides Build-up, das mit genügend „Tragik“ für die Ausgangslage daherkommt und ausreichende Vorarbeit als Sprungfläche für Action bietet. Das flacht jedoch schneller ab, als einem lieb sein kann. Denn Mutiny stellt sich als ärgerlich und vor allem faul heraus. Auch Statham, der kurioserweise oft mit wahlweise viel, langer und guter Action in Verbindung gebracht wird, zeigt hier das genaue Gegenteil: nicht mal als medium unterhaltsamer Dad-Movie oder Second-Screen-Unterhaltung zu gebrauchen.

Dafür reden sich zu viele Figuren den gesamten Plot madig, während Statham und seine von Annabelle Wallis gut gespielte Gehilfin mit den Schergen Verstecken spielen, mal am Schiff hängen, zwischen Containern herumirren oder sich direkt mitten im Frachtraum befinden. So sieht man in reihenweise zähen Szenen, die die 95 Minuten deutlich länger wirken lassen, fast eine Stunde dabei zu, wie ein Aufbau auf den nächsten folgt, ohne dass auch nur einer davon aufgelöst oder das wartende Publikum erlöst wird.

Für dieses Machwerk bekam Richet ganze 40 Millionen US-Dollar Budget, deren sichtbarster Nutzen sich vor allem im Visuellen widerspiegelt. Denn die schönen Bilder und Sets kommen ohne digitale Ausreißer aus, während die Kamera den nötigen Raum einnimmt, um die ereignislose Hatz über den Kahn so großskaliert wie möglich einzufangen.

Mutiny © Lionsgate

Viel Lärm um Nichts

Mutiny karrt dabei immer mehr Gegenspieler auf das Schiff, schafft immer wieder wertig aussehende und strukturierte Szenen, nur um dann alles zu bieten, außer die sehnlichst erwartete Action-Konklusion. So sucht sich das Drehbuch immer den erdenklich leichtesten Ausweg, lässt Kämpfe extra kurz ausfallen und zeigt Cole Reed dabei, wie er die Schurken brutal niederstreckt. Damit hat das Geschehen noch weniger mit richtiger Action am Hut als ein Slasher-Killer, der mit einem Messer über seine Opfer herzieht. Das ist besonders ernüchternd, denn die ersten beiden Kämpfe sind richtig gut: kurz, aber brutal, wuchtig und sauber choreografiert. In einem seltsamen Showdown kommt es schließlich Schlag auf Schlag, ohne eine Szene auch nur etwas länger und für Actionfreunde erträglicher auszuspielen. Und das soll die Wartezeit entschädigen?

© Leonine Studios

Unser Fazit zu Mutiny

1.5 Vergebene Chance

Mutiny ist das Resultat einer Karriere, die sich qualitativ auf dem absteigenden Ast befindet und trotzdem ihr Publikum findet: „Was soll man denn erwarten, es ist eben ein neuer Jason-Statham-Film“ ist damit vielleicht das Positivste, was man noch dazu sagen kann. Das eingefleischte Publikum bekommt zwar erneut nichts Greifbares, viel Bekanntes und formal denselben Film, den es nun schon seit mehreren nahezu identischen Produktionen zu sehen bekommt. Und doch ist Mutiny weit von diesem „Standard“ entfernt. Die visuellen Qualitäten, Richets grundsätzlich souveräne Regie, die ersten beiden gelungenen Kampfszenen und der Aufbau liefern zwar eine Grundlage, genutzt wird diese jedoch nicht. 

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Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

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