Mit Insidious: Out of the Further startet nun der sechste Ableger des beliebten Horror-Franchises in den Kinos. Doch ist der Mainstream-Schocker eher ein vitalisierender Neustart einer Reihe, die mehr von ihrer Marke als Qualität lebte – oder, wie bereits Conjuring: Das letzte Kapitel, der vermeintlich letzte Atemzug?
Darum geht’s in Out of the Further
Die junge Mutter Gemma (Amelia Eve) versucht ihrer Tochter ein sicheres und behütetes Leben zu ermöglichen. Doch ihr Alltag gerät aus den Fugen, als sie entdeckt, dass sie über eine verstörende Fähigkeit verfügt: Sie kann in die geheimnisvolle Anderswelt, “The Further“, reisen. Dort begegnet sie unheimlichen Wesen, die sie nicht nur sehen, sondern sogar in die reale Welt holen kann. Schon bald werden finstere Dämonen auf Gemmas außergewöhnliche Gabe aufmerksam und versuchen, ihre Kräfte für dunkle und gefährliche Zwecke zu missbrauchen.
Größer, weiter, mehr… Aber auch besser?
Die Insidious-Reihe bleibt auch in der sechsten Runde weiterhin ein Rätsel: Wie konnte eine solche Idee, die so viel mehr Potential bietet, eigentlich immer so gleichförmig wirken? Blickt man mit angestaubter Nostalgie auf James Wans soliden ersten Teil zurück, zeigt sich: Viel mehr ist scheinbar nicht drin. Schaffte er in seinen Anfängen noch nette Scares, eine gute Atmosphäre, ein entsprechend hohes Tempo und dank seiner Darsteller ein solides Gesamtpaket, sind die Folgeteile kaum mehr als die Konsequenz einfallslosen Einheitsbreis. Dabei ist die angedeutete Monstervielfalt, die Anderswelt und insbesondere die Verbindung der Ebenen zwischen Realität und Traum ein Konzept schier endloser Möglichkeiten.
Und doch ging man nie wirklich weiter als das, was man bereits kannte – das, was „funktionierte“. So resultierten jeweils austauschbare Pre- und Sequels, die sich auf der Suche nach einer eigenen Handschrift ziellos im Kreis drehten. Manche davon bereiteten zwar noch ein wenig Restfreude – etwa The Last Key und The Red Door, der durch die Rückkehr von Rose Byrne und Patrick Wilson vor und hinter der Kamera überzeugen konnte und nahtlos an den ersten Teil anschloss. Doch je mehr Mainstream-Plagen die Reihe über sich ergehen lassen musste, desto stärker festigte sich der Eindruck, das Fast & Furious des Horrorfilms serviert zu bekommen.
Masse ≠ Klasse
Dem eigenen Schema entsprechend ist Insidious: Out of the Further somit nicht viel mehr als ein weiterer Beitrag. Für viele mag das wie Musik in den Ohren klingen, schließlich bekommen Freunde der Reihe ohnehin das, was sie wollen und viel bekannte DNA spendiert. Doch für andere könnte diese Vertrautheit auch schnell ein Dorn im Auge werden. Diese zwei Lager probiert Regisseur Jacob Chase in seinem neusten Beitrag abzuholen, denn um an die Insidious-Versatzstücke zu kommen, muss einiges an Sitzfleisch mitgebracht werden. Fast 60 Minuten müssen vergehen ehe die bekannten Fäden ausgelegt, Lin Shaye eingeführt und die üblichen Szenarien ausgespielt werden.
Genau das ist gut so, denn Chase nimmt sich sichtbar zurück, um den erwartbaren Genre-Mechaniken des Geisterbahnhorrors zu entfliehen. Zwar spielt er mit dieser Entscheidung weder auf neuem noch sonderlich innovativem Terrain, und doch fühlt sich dieser Vorsatz etwas frischer an. Der Thriller geht minimal tiefer in das Innenleben seiner Figuren hinein, macht den psychischen Verfall spürbarer, probiert sich – ähnlich wie der Erstling – wieder stärker an einer dichten Atmosphäre aus und spielt durchaus bedacht mit Urängsten: Klaustrophobie, Kontrollverlust oder die Angst vor dem Zahnarzt werden zum Selling Point des Films.
Auch die Scares baut Insidious: Out of the Further etwas homogener auf. Statt sie bloß als Pflichtprogramm abzuhaken, um die Ruhephasen erträglicher zu machen, überträgt sich ab und zu das Gefühl, etwas mehr zu wollen als das absolute Mindestmaß. So werden gerade das Opening, die Szene in einer Kissenburg oder im Zahnarztstuhl positiv in Erinnerung bleiben.
Hölle auf Erden
Jedoch funktioniert die Ebene um das umgemünzte Further letztlich nur so lange, wie man nicht zu genau über sie nachdenkt. Da die Antagonisten nun die echte Welt betreten und Menschen wie Gegenstände zwischen den Welten verschoben werden können, folgt Chase der Evil Dead– und Hellraiser-Logik: Handlanger – die fast wie Deadites oder Cenobiten inszeniert werden – fungieren als Boten der Toten, um das übergeordnete Mysterium möglichst lange aus dem Spiel zu halten. Als Gimmick und Abweichung der Reihen-Norm ist diese Entscheidung durchaus tragbar. Doch umso mehr Insidious: Out of the Further auf Lin Shayes Anwesenheit vertraut und damit seine eigentliche Grundidee – die Umkehrung des Ewigreichs – verlässt, desto mehr führt Chase alles Aufgebaute ad absurdum – und beraubt sich damit ausgerechnet seiner einzige Chance auf Besserung.
Die eine Konstante?
Lin Shayes Elise wird wohl oder übel zum Herzstück des Films. Insidious: Out of the Further setzt die ikonische Legacy-Heldin, zwar erst spät, dafür aber umso vertrauter ein. Sie fungiert als Bindeglied zwischen zwei verschiedenen Filmen und überlässt mit ihrem Betreten ausgerechnet dem deutlich schlechteren die Bühne. Jacob Chase versteht zwar grundsätzlich den Wert dieser Figur, verliert seinen Film mitsamt Charakteren jedoch zunehmend in den Untiefen der Reihe – und damit in einem Sammelsurium generischer Ansätze, die sich schon seit Jahren abgenutzt haben.
Ab dem zweiten Akt wird es dadurch zum regelrechten Fiebertraum. Jede Ernsthaftigkeit wird über Bord geworfen, Fremdbegriffe sollen fortan eine unterentwickelte Handlung komplex erscheinen lassen, es wird nur noch auf Jumpscares gesetzt, denen es sichtlich an Timing mangelt und Chase lässt seine offenkundige Leidenschaft zu Smile 2, Longlegs und dem Sekten-Horror durchscheinen. Das unterhält grundsätzlich und dürfte bei Genrefans für ein kleines Lächeln sorgen, geht aber selten weiter als das. Insidious: Out of the Further ist der erste Teil der Reihe, der seine Leidenschaft für Hochglanz-Trash so offen zur Schau stellt, und doch bleiben viele Szenen ärgerlich gleichförmig und mit angezogener Handbremse ausgespielt. Dabei hätte es dieses Korsett nicht gebraucht. Im Gegenteil: Je stärker Out of the Further versucht, kein Insidious Film zu sein, desto interessanter ist er.
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Unser Fazit zu Insidious: Out of the Further
Auch in der sechsten Runde hält sich das Franchise weiterhin auf wackligen Beinen. Gemessen am Qualitätsstand der Reihe schlägt sich Out of the Further jedoch gar nicht schlecht. Damit sollten Fans der Reihe, die sowieso zuschlagen werden, spätestens ab der Halbzeit Beat für Beat klassische Scares, bekannte Gesichter und Welten präsentiert bekommen. Und doch ist der Film etwas losgelöster. Chase begegnet diesem Übereinkommen überraschend offen und formt gerade zu Beginn einen atmosphärischen, solide gespielten, sicher inszenierten und visuell hochwertigen Psycho-Horror, der etwas mehr Ambitionen als viele seiner Vorgänger an den Tag legt. Am Ende ist es zwar die Formel der Reihe, die Insidious: Out of the Further zum Verhängnis wird und rückwirkend einiges von dem beschädigt, was zuvor noch funktionieren durfte. Doch als stand alone Lückenfüller schafft Jacob Chase eine schön fotografierte und unterhaltsame Blaupause bis zum nächsten Conjuring.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“