Jetzt wird’s kompliziert: Nachdem Wonder Woman in The Runner für Prime-Video zur joggenden Anwältin wurde, wird Reacher in Runner zum Organ-Kurier, aber auf der großen Leinwand. Wir sorgen für Aufklärung.
Darum geht’s in Runner
Der ehemalige Elitesoldat Hank Malone (Alan Ritchson) verdient sein Geld als Kurier und macht dabei um Ärger stets lieber einen großen Bogen – bis ihn eines Tages ein besonders lukrativer Auftrag mitten in eine mörderische Verfolgungsjagd katapultiert. Gemeinsam mit dem medizinischen Kurier Ben (Owen Wilson) soll Hank ein überlebenswichtiges Organ für ein todkrankes, siebenjähriges Mädchen transportieren. Doch ein skrupelloser Verbrecherboss hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Die Mission eskaliert, als die brutale Gang vor nichts zurückschreckt, das Organ in ihre Gewalt zu bringen. Hank und Ben geraten plötzlich in einen gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit. Während die Straßen entlang der australischen Gold Coast immer mehr zum Schlachtfeld werden, muss sich Hank auch noch den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stellen.
Ein neues Duo betritt den Ring
Einmal mehr gibt es eine scheinbar zufällige Häufung ähnlich anmutender Releases in kurzer Zeit. Um nur ein paar Beispiele zu nennen, bei denen uns allein in den vergangenen ein bis zwei Jahren neue, vermeintlich gegensätzlich zusammengestellte Action-Duos in der Tradition von Lethal Weapon und Co. serviert wurden, führe ich mal The Wrecking Crew, Ride or Die, Heads of State und jüngst Mayday an. Wer sich aber nun die Zeit nimmt, unsere Wertungen zu diesen vielleicht auf dem Papier erstmal wie laue Aufgüsse wirkenden Projekten zu checken, wird sehen: Buddy-Action-Comedy ist einfach nicht totzukriegen – wenn man eben vor allem mit einem funktionierenden Gespann aufwartet, das sich ein bisschen in der Dynamik von dem, was man eben zuhauf schon gesehen hat, abheben kann.
Bei Runner sind es also der Hüne Alan Ritchson, der dank Reacher hier nun erstmal so wirklich eine Kinoproduktion mit seinem Namen bewerben darf, und Owen Wilson, der ja schon Teil eines legendären Duos – Starsky & Hutch – mit Ben Stiller bilden durfte, seitdem aber im Actionbereich kaum noch nennenswerte Meriten sammeln konnte.
Eine beliebte Variante der Erfolgsformel im Buddy-Segment ist es einen kampferprobten, aber struggelnden Antihelden-Typen mit einem Charakter zu paaren, der mit kriminellem Milieu, Waffeneinsatz oder gar Nahkampf überhaupt keine Berührungspunkte mitbringt. Man könnte hier als Paradebeispiel sowas wie White House Down benennen, wo ein ausgebildeter Kämpfer den Präsidenten, der jetzt nicht gerade für Gun-Fu oder Karate-Skills gewählt wurde, schützen muss, wobei dieser dann aber selbst mehr und mehr aktiv auch ins Kampfgeschehen hineingezogen und sich körperlich wehren muss. In dieser Analogie ist Owen Wilson in Runner nun quasi der Präsident, nur eben als medizinischer Bote. Flotte Sprüche, die man jetzt aber nicht typischerweise mit dem Berufsstand verbindet, sondern eher anhand der Besetzung erwartet, liefert Wilson aber trotzdem.
Deutlich mehr als das Minimum
Wenn man sich die Vita von Regisseur Scott Waugh ansieht, sollte klar sein, dass Storytelling jetzt nicht gerade das Steckenpferd des Mannes ist, der den zuletzt den vierten Teil der Expendables-Reihe verbrochen hat. Doch mehr Qualitäten denn als Regisseur kann Waugh als ausgewiesener Stunt- und Action-Experte ausweisen, worauf er sich nun auch endlich mal als verantwortlich Zeichnender besinnt und erst überhaupt keine großen Sperenzchen auf Plot-Ebene mehr versucht. Die Devise von Runner ist entsprechend simpel und straight forward, aber die leichten Abwandlungen von der ganz einfachen Grundformel eines One-Job-Films bringen überraschend viel Brisanz, Spaß, Tempo und Fokus in den Actionfilm.
Grundsätzlich ist die Devise ähnlich der von besagtem White House Down oder auch an 16 Blocks wird der ein oder andere denken: MacGuffin muss von A nach B gebracht werden, der Protagonist muss die „Ladung“ beschützen und irgendwas im Hintergrund macht die Mission schwieriger, weil nicht alle mit offenen Karten spielen oder gar von Beginn an böse Absichten haben. Nun ist hier aber der MacGuffin ein Herz für ein Kind (Ja, es ist die simpelste aller emotionalen Manipulatoren, Kinderschicksale zu involvieren, aber es funktioniert einfach immer), der Weg ist auch mal was anderes, weil Runner nicht in einem typischen US-Großstadtsetting spielt und tatsächlich hat man auch ein gutes Händchen bei der Implementierung eines Schurken, der zwar einerseits wieder ein Abziehbild ist, aber durch Rodrigo Santoro so „drüber“ gemimt wird, dass man nicht nicht Spaß mit dieser Figur haben kann.
Packender Showcase auf der Leinwand
Was die eingangs genannten Titel von Runner unterscheidet, ist, dass sie allesamt von Streamingdiensten direkt ins Wohnzimmer gebracht und um einen Leinwand-Release gebracht wurden. Ob sie jeweils dort Erfolg gehabt hätten, sei dahingestellt, aber inzwischen traut man sich auch kaum mal noch, diese Art von Mid-Budget-Schema-F-Actionfilm ins Kino zu bringen. Allein dafür muss man den Machern dieses Projekts nun gratulieren – und auch dafür, dass der Mut auf gerechtfertigt dadurch wird, dass man auf Action-Ebene doch Kost serviert bekommt, die im großen Saal mit entsprechendem Sound und großer Leinwand mehr Punch entfalten kann. Man wünscht sich als Fan solcher grundsolider Actionfilme, dass Runner nun vom Hype um den Reacher-Star ein Stückweit profitieren und zum Achtungserfolg avancieren kann, damit auch weiterhin Filme dieser Kategorie und Größenordnung nicht nur als Streaming-Content in der Maße untergehen.
Die Kameraarbeit ist dabei der heimliche Star in den zahlreichen Action-Szenen, womit man merkt – in diesem Fall ist dann vielleicht Tyler Rake: Extraction die passende Referenz -, dass Stunt-Experten tatsächlich, wenn man sie machen lässt, ein sehr gutes Auge dafür haben, wie man Choreografien, Explosionen und Co. in Szene setzt, damit die Wucht förmlich spürbar fürs Publikum wird. Es gibt hier ein paar brutale Kills, die man wirklich so wohl noch nicht gesehen hat – und das will 2026 wirklich was heißen!
Rennen gegen die tickende Uhr
Und dann ist da noch der Countdown-Aspekt, den dieser Film auch exzellent einzusetzen weiß. Die Dringlichkeit der Lieferung ist zu jedem Moment wie ein Damoklesschwert präsent. In den ruhigen, dialoglastigen Momenten, wo es aufs Schauspiel ankommt, überzeugt leider Ritchson weiterhin nicht. Wie als Jack Reacher ist er weiterhin dann am besten, wenn er den stillen, roboterartigen Kämpfer gibt und nicht dann, wenn er emotional sein soll. Zum Glück fängt diese Szenen aber Owen Wilson mit seinem unnachahmlichen Charisma auf, sodass es nur halb so sehr ins Gewicht fällt.
Überhaupt lässt sich sagen, dass eben dann der Key-Point, die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten, in Runner wie erhofft aufgeht und sich Wilson und Ritchson, so unterschiedlich sie auch sein mögen, perfekt ergänzen und glaubhaft harmonieren.
© Splendid Film
Unser Fazit zu Runner
Auf inhaltlicher Ebene Handbremse, auf Spannungsebene dritter Gang, bezüglich der Action Vollgas! Runner ist ein Film wie aus den Achtzigern, weil man aus Alan Ritchson eine Figur macht, die eben genau so simpel ist, wie die schlagkräftigen Helden von damals. Und wenn einer mit seiner Statur, seiner Aura und seinem Selbstbild irgendwie aus der Zeit gefallen und perfekt für ein solches, Retro-angehauchtes Projekt passt, dann ist es doch der Reacher-Star! Die Emotionalität und die anderen Qualitäten bringt dann vor allem Owen Wilson ein, den man lange nicht mehr in so einer Rolle gesehen hat.
Als i-Tüpfelchen gibt es einen Over-the-Top-Schurken, der sichtlich Spaß hatte, ein hohes Tempo und mit dem Australien-Setting auch nochmal eine Abweichung von der Standardformel, sodass Runner tatsächlich eine klare Empfehlung bekommt, wenn man mal wieder einfach nur einen "guten" Actionfilm sehen will, bei dem man qua Stakes auch emotional gepackt wird.
Tonal näher dran an 16 Blocks oder Tyler Rake: Extraction, in punkto Action-Inszenierung eher bei Nobody oder Crank unterwegs und mit einer Messerspitze der seriösen Dringlichkeit von Code 3 angereichert, erschließt Action-Experte Scott Waugh tatsächlich mit dieser Regiearbeit ein Territorium, das noch nicht übersättigt ist.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.