East of Eden war einer von wenigen Filmen mit James Dean und daher bis heute ein Titel mit Gewicht. Doch die Adaption des Romans deckte nur einen Teil ab, was die Neuauflage in Serienform bei Netflix nun ändern wird. Gelingt eine würdige Verfilmung?

Darum geht’s in East of Eden

Key-Art © Netflix

Biblisch

Jenseits von Eden, wie der John Steinbeck-Roman im Deutschen heißt – Nino de Angelo-Witze werden hier keinen Platz finden -, deutet schon darauf hin, dass es in dieser generationenübergreifenden Geschichte biblische Einflüsse gibt. Genauer gesagt, ist East of Eden an die Brüder-Parabel um Kain und Abel angelehnt, was durch die phonetisch ähnlichen Namen der männlichen Hauptfiguren hier quasi offen auf der Zunge getragen wird.

Und wie es biblisch inspirierte Geschichten zumeist mit sich bringen, wohnt ihnen nicht nur eine moralische Bedeutungsebene inne, sondern auch eine mitunter niederschmetternde Schwere. Leichte Kost sollte und wird entsprechend niemand von der Adaption dieses Jahrhundertromans erwarten. Dass nun also die neue Verfilmung ausgerechnet sieben Folgen hat, ist wahrscheinlich keine zufällige Entscheidung.

Episch

Elia Kazan hat einst nur einen engen zeitlichen Abschnitt aus dem ganzen Familienepos für seinen Film mit James Dean adaptiert. Seine Enkelin Zoe Kazan steckt nun spannenderweise als Autorin hinter der Netflix-Neuverfilmung, die im Gegensatz dazu nun in den sieben einstündigen Folgen den ganzen Roman abdeckt, also mehrere Jahrzehnte überspannt und bei der ein oder anderen Figur folglich auch mit verschiedenen Darstellenden arbeitet. Das ist schon mal ein typisches Merkmal, wenn man versucht, der Epik einer solchen Vorlage irgendwie Rechnung zu tragen. Diese frische Interpretation von Steinbecks Saga um die Familie Trask widmet sich mehreren Generationen und rückt nun die unvergessliche Antiheldin Cathy Ames in den Mittelpunkt.

Dabei aber spielen die bekanntesten Namen im Cast ihre Rollen für den verhältnismäßig längsten Teil der Laufzeit. Oder anders gesagt: Wer in der ersten Folge als Florence Pugh-Fan noch sehr wenig von der Dune-Darstellerin bekommt und befürchtet, nicht auf seine Kosten zu kommen, wird ab der zweiten Folge eines besseren belehrt: Einmal mehr wird ein Stoff, in dem Pugh mitwirkt dank ihrer herausragenden Qualität zu ihrer Show.

Unehrlich

Das liegt aber nicht an ihrem Talent, die volle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern schlicht daran, dass die Figur der Cathy extrem viel hergibt: ambivalent, manipulativ, rätselhaft – und dafür hätte es wohl kaum eine bessere Besetzung als Florence Pugh geben können. Speziell die Durchtriebenheit dieser Figur erfordert sehr viel Nuanciertheit. Von Beginn an ist dem Publikum klar, dass Cathy nicht ehrlich ist, besser gesagt sogar, baut sie sich schnell in ein dickes Mauerwerk aus Lügen ein, wobei die Gründe dafür immer weiter herausgeschält werden. 

Doch Cathy ist in dieser Geschichte nicht die einzige Figur, die sich ihre Lebensgeschichte nach eigenem Gusto, vor allem aber bedingt durch die zeitlichen Umstände, erfindet. Beispielsweise auch der asiatische Hausdiener, gespielt von Hon Lee, weiß genau, was die Gesellschaft von seinesgleichen erwartet und so verstellt er sich, was jedoch nicht lange sein Geheimnis bleibt. 

Mike Faist als Charles Trask © 2026

Pessimistisch

East of Eden spielt an der Schwelle von 19. zu 20. Jahrhundert und fängt diese Epoche in angemessenen Bildern fantastisch ein: düster, von Feindseligkeit allerorten verdorben und dort wo diese Geschichte spielt in Bezug auf die Fortschritte zu jener Zeit noch unerreicht. Trotz dieser allgegenwärtigen Tristesse gibt es aber die Momente der Hoffnung, die umso stärker herausstechen – ehe sie mit einer brachialen Radikalität wieder eingerissen werden. 

Es ist nunmal eine Tragödie, die East of Eden erzählt, wer in diesem Setting die Aufbruchstimmung, die zu dieser Zeit ebenfalls durch Amerika wehte, sehen will, sollte eher Unsere kleine Farm und Co. schauen. Hier wird einerseits die altbiblische Brüdergeschichte im Western-Setting vorgetragen und andererseits – ähnlich wie in Taylor Sheridans 1883 – ein Stückweit der amerikanische Traum der Last Frontier-Pionierzeit schonungslos als fantastisch verklärt entlarvt.

Abgründig

Immer wieder nimmt die Serie albtraumhafte Züge an, wird durch die Aktionen von Cathy – dem in der biblischen Interpretation Verführerischen, personifiziertem Bösen – zu einem Psychothriller, bei dem jedoch die Manipulation der Protagonistin soweit fortgeschritten ist, dass sie wiederum das Handeln der beiden Brüder komplett bestimmt. Mike Faist und Christopher Abbott spielen diese fragilen, extrem unterschiedlichen Männerbilder absolut fantastisch, aber auch schon die jungen Versionen machen die unüberbrückbaren Differenzen unmissverständlich klar, sodass man eigentlich von Beginn weiß: diese Rivalität und der teils ausgesprochene, teils verheimlichte Hass wird im Verderben enden müssen. Charles (Faist) spielt den durch die gefühlte Bevorzugung von Adam (Abbott) durch den Vater (Tracy Letts) Hass auf seinen Bruder mit einer Mischung aus Kühle und Impulsivität, die man von dem jungen Darsteller schon aus Challengers kennt.

Abbott – der künftige Professor X – wiederum hat in seinem Spiel des Adam etwas Bemitleidenswertes, unbeholfenes, sodass man von außen betrachtet über die Gefühle seines Bruder ihm gegenüber eigentlich nur den Kopf schütteln will.

Christopher Abbott spielt Adam Trask, Florence Pugh © Netflix

Herausfordernd

Die Schwere der Geschichte, die bedeutungsschwangeren Gespräche, die markerschütternden Szenen und die Atmosphäre als solche: Neben der tonalen Verwandtschaft zu 1883 erinnert East of Eden vor allem wegen des feministischen Untertons an Porträt einer jungen Frau in Flammen. Durch den biblischen Unterbau wiederum weckt die Serie mit Sicherheit beim ein oder anderen auch Erinnerungen an There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson. Und ähnlich wie diese Referenzen wohnt auch diesem Projekt nun – analog zu Vorlage – einerseits eine komplette Zeitlosigkeit in den Botschaften und andererseits eine immanente Aufforderung zur Interpretation und Diskussion inne. Sprich: Die Historienserie ist kein Streaming-Content für Nebenbei, sondern eine Herausforderung, was für Netflix-Verhältnisse wohl die größte Überraschung an dem ganzen Projekt ist.

© Netflix

Unser Fazit zu East of Eden

4.0 Stark

East of Eden ist ein zeitgemäßer Perspektivwechsel einer zeitlosen Saga mit einer gewohnt fantastischen Florence Pugh und einem Ensemble, das dem epischen Einschlag der Geschichte mehr als nur würdig ist. Kurzum ist dem Streamingdienst Netflix dank der Enkelin des Regisseurs der James-Dean-Version eine mehr als nur sehenswerte Miniserie mit sensationeller Ausstattung und noch besseren Bildern gelungen, über dann man aus den richtigen Gründen reden kann und wird.

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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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