Neben den großen Serien, die Apple TV inzwischen sogar Relevanz im Mainstream gesichert haben, ist sich der iPhone-Konzern weiterhin nicht zu schade, ab und an auch mal kleinere Mini-Serien ins Programm aufzunehmen und dabei immer wieder auch in bislang unterrepräsentierten Ländern aktiv zu werden. So nun mit dem australischen Krimi Last Seen. Kann die Buch-Verfilmung im internationalen Vergleich standhalten?

Darum geht’s in Last Seen

Key-Art © Apple TV

Futter für die Broadchurch-Fraktion

Betrachtet man rückwärtig die sieben Jahre seit Apple TV den Markt von Netflix und Co. betreten hat, so zeichnen sich doch gewisse Muster in der Zusammenstellung des Jahresprogramms und des Gesamtportfolios ab. Dass der Konzern aus Kalifornien ein großes Faible für die Adaption von erfolgreichen Büchern hat, ist offensichtlich. So basieren doch ein Gros der Miniserien (die teils dann sogar noch verlängert wurden) auf Büchern, was schon mal eine gewisse Fanbase garantieren kann. Auch stilistisch gibt es aber wiederkehrende Merkmale im Apple Œuvre. Viele würden bestimmt inzwischen Apple TV-Shows allein durch die Optik ihres jeweiligen Vorspanns erkennen.

Und dann ist da noch eine schwer zu erklärende, inhaltlich-stilistische/geistige Verwandtschaft, die sich vor allem durch den Katalog der Krimi-Adaptionen zieht. Apple TV-Serien wie The Last Thing He Told Me, Surface, Shining Girls oder auch Aus Mangel an Beweisen oder Defending Jacob sehen allesamt vergleichbar hochwertig aus, haben eine ähnlich ausgewogene Tonalität und orientieren sich eindeutig mehr an BBC-Produktionen à la Broadchurch, HBO-Hit wie Mare of Easttown und wildern manchmal etwas im Scandic-Noir-Bereich. Die Krimi-Adaptionen von Netflix, Prime oder auch Paramount Plus oder die Mehrheit der Projekte deutscher Dienste, fühlen sich anders an; nicht schlechter, aber es wird eben eine andere Geschmacksrichtung im Krimi-Genre bedient.

Schwochow verbindet die Welten

Besonders spannend ist daher nun Last Seen, denn für die neue Adaption eines erfolgreichen Kriminalromans zeichnet ausgerechnet ein deutscher Regisseur verantwortlich: Bad Banks-Schöpfer Christian Schwochow, der zuletzt für Netflix bereits international tätig war und München inszenierte. Im Kern ist nun aber dieses Projekt ein britisches, das jedoch in Australien verortet ist – was zugleich auch eigenen Aussagen Schwochows zufolge der besondere Reiz war.

Doch das ist nicht der einzige Aspekt, der bei dieser Produktion aufhorchen lässt. Denn entgegen der Suggestion, dass es hier darum gehen könnte, herauszufinden, ob das vermisste Kind noch lebt und wenn ja, wer für das Verschwinden verantwortlich ist, stehen diese Antworten bereits innerhalb der ersten beiden Folgen fest. Wer deswegen jedoch befürchtet, dass die Spannung zu kurz kommt, wird definitiv eines besseren belehrt, denn Schwochow und seine Regie-Kollegen schaffen es – trotz oder gerade wegen des Spiels mit den offenen Karten – die Frage nach dem Warum zu einer ungleich dringlicheren zu machen.

Die ganze, wirklich kurzweilige Serie wird so mehr zur Bühne für herausragendes Charakterspiel und zu einer Beleuchtung von widersprüchlichen Charakteren, wodurch – und hier wieder die Broadchurch-Parallele – das Publikum sehr schnell auch mit eigentlich „bösen“ Figuren sympathisieren kann.

Patrick Brammall spielt den verzweifelten Vater © Apple TV

Während dabei der verzweifelte Vater von Maggie schon extrem eindrücklich von Patrick Brammall (Der Teufel trägt Prada 2) verkörpert wird, überzeugen sogar die jungen Darsteller noch mehr. Chloe Jean Lourdes ist hierbei eine absolute Entdeckung und dass die junge Nachwuchsschauspielerin tatsächlich vorher noch keine Erfahrung hatte, ist wirklich schwer zu glauben in Anbetracht dieser einnehmenden Performance.

© Apple TV

Unser Fazit zu Last Seen

4.0 Stark

Als Krimi ist Last Seen okay, hingegen als Charakterstudie und Drama mit fantastischen, entschleunigenden Landschaftsbildern umschmeichelt, hebt sich das Apple TV-Original des deutschen Regisseurs Christian Schwochow von der Masse klar ab. Starkes Schauspiel, Momente, die unter die Haut gehen und ein Verlauf, der zu überraschen weiß, sprechen eindeutig dafür, dem ersten Apple TV-Projekt in Australien eine Chance zu geben.

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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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