Mit Furious kommt eine neue Hulu-Krimiserie ins Streaming-Angebot von Disney Plus. Wie immer lautet in diesem Genre die Frage: Was macht sie besonders, um sich von aller Konkurrenz abzuheben?
Darum gehts in Furious
FBI-Agentin Alice Black (Emmy Rossum) jagt eine mysteriöse und berechnende Serienmörderin. Beide verfolgen ihren eigenen Weg zur Gerechtigkeit, doch als sich ihre Leben zunehmend miteinander verflechten, verschwimmt die Grenze zwischen Recht und Unrecht.
Hulus Antwort auf Killing Eve
Schon damit, dass die neue Thrillerserie mit einer Szene einsteigt, bei der man die Killerin bei der „Arbeit“ sieht, macht klar, dass es hier nicht um eine Art von Tätersuche gehen wird, sondern dass Furious in Gefilden unterwegs ist, wo man aus beiden Perspektiven eine Mörder-Ermittler-Beziehung begleitet und hierbei sowohl für Gut als auch für Böse Sympathien und Antipathien entwickeln soll. Damit und auch mit der ganzen Inszenierung werden sich dann doch einige in der Pilotfolge an Killing Eve mit Sandra Oh und Jodie Comer erinnert fühlen, deren Pendants nun eben Emmy Rossum und Lola Petticrew sein werden: Pettigrew spielt die psychopathische Serienmörderin mit dem gewissen Etwas und Rossum eine FBI-Agentin, die natürlich alles andere als eine weiße Weste und eine reine Seele besitzt.
Auch stilistisch sind die beiden Formate vergleichbar. Den Machern von Furious nun zu unterstellen, sie hätten sich bei der BBC-Produktion bedient, wäre zu viel gesagt, aber dass sie sich an der Erfolgsformel orientieren, ist weder von der Hand zu weisen noch auf Basis des Erfolgs von Killing Eve verwerflich. Und da das augenscheinliche Vorbild auf der Zielgeraden kolossal Schiffbruch erlitten hat und die Fans bis heute dem Serienfinale nachtrauern, ist es vielleicht auch gar keine so schlechte Idee, genau diese Zielgruppe mit dem nun sehr vergleichbaren Anstrich zu adressieren – und vielleicht lernt man sogar aus den Fehlern des Vorbilds und bügelt dessen Abschlussschwäche aus.
Ungleiches Duell?
Aber kann denn nun Furious mit dem „Original“ mithalten, wenn es schon so offenkundig die Gegenüberstellung sucht? Nun. Die Faszination von Killing Eve ging in erster Linie von dem Duo Oh-Comer aus und als dort immer mehr die Organisation im Hintergrund in den Vordergrund rückte, verlor sich die Psychothriller-Serie im eigenen (unnötig komplizierten) World Building. Insofern muss nun der Neustart zuvorderst eine Dynamik zwischen Jägerin und Gejagten etablieren, die das Publikum packt, aber gleichzeitig sich von der Eve-Villanelle-Kombi absetzt. Und tatsächlich schafft es die neue Thrillerserie sehr gut ein vielversprechendes Beziehungskonstrukt zwischen einer Ermittlerin und eine Psychopathin aufzuziehen, dass sich doch merklich von dem zwischen der Auftragskillerin und der Bürofrau des Geheimdienstes in Killing Eve unterscheidet.
Gleichzeitig gibt schon die ein oder andere vergleichbare Charakterzeichnung vor allem auf Seiten der Psychopathin, die doch ein bisschen zu nah an der Comer-Figur dran ist, was im direkten Vergleich dann aber natürlich nicht zugunsten der Petticrew-Figur ausgehen kann. Trotz dieser Kritik, muss ich trotzdem die junge Darstellerin für die Darbietung dieser exzentrischen Mörderin loben, weil analog zu Jodie Comer auch Petticrew es schafft, keine Karikatur zu mimen, sondern eine nuanciert gezeichnete Psychopathin, mit der man immer wieder auch mitfiebert.
Auch Emmy Rossum (Shameless) macht durch eine emotionale Performance einen Top-Job, wobei aus dem Cast, der aus zahlreichen bekannten Gesichtern besteht, insbesondere Quincy Tyler Bernstine (Weißes Rauschen) als Detective mit extrem losem Mundwerk in Erinnerung bleiben wird.
Etwas zäh, aber mit passablen Schlussakt
Typischerweise kommt es in derart Katz-Maus-Konstellationen ja dann irgendwann zum ersten, direkten Treffen der Antagonisten. In Furious macht man auch von dieser Formel keine Ausnahme. Doch bis es soweit ist, muss man sich gedulden. Und Geduld ist auch abgesehen davon ein gutes Stichwort. Denn tatsächlich ist die Hulu-Serie, die sich lose am 1987er Thriller Die schwarze Witwe mit Debra Winger orientiert, immer wieder etwas zäh und verschleppt unnötig das Tempo, sodass man ein weiteres Mal bei einer Serienadaption resümieren kann und muss, dass hier mit zwei Folgen weniger noch mehr drin gewesen wäre.
Auch wenn die Auflösung dann relativ vorhersehbar daherkommt, so ist der Schlussakt alles in allem doch gut gepaced und entlässt einem mit einem befriedigenden Gefühl – ohne an dieser Stelle natürlich zu viel zu verraten.
Insgesamt erinnert die ganze Produktion dann nicht nur tonal wie konzeptionell an Killing Eve, sondern weckt auch Erinnerungen an andere psychologische Krimis der letzten Jahren. Ich musste zum Beispiel immer wieder auch an Get Millie Black oder an Long Bright River denken, wo ebenfalls die persönliche Vergangenheit der Protagonisten ganz stark in den verhandelten Fall involviert wird. Wer also derlei Art von Thriller-Stoffen präferiert, sollte auch hier nun mal einen Blick wagen.
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Unser Fazit zu Furious
Ein Must-See ist die neue Hulu-Krimiserie nicht, aber für Genre-Fans eine Empfehlung, wenn deren Faible vor allem auf Konfrontations-Stories mit psychologischem Einschlag liegt. In Teilen ist das sogar ziemlich harter Tobak, aber letztlich schöpft die Serie mangels neuer Ideen und etwas wenig Tempo ihr Potenzial nicht gänzlich aus.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.