Comedians und Golf scheint so ein Ding zu sein: Nach Happy Gilmore mit Adam Sandler und Stick mit Owen Wilson wagt sich Will Ferrell mit The Hawk an den Abschlag. Landet er ein Hole in One oder versandet der Golfball im Bunker?
Davon handelt die Sport-Comedy The Hawk
Lonnie Hawkins (Will Ferrell) war 2004 der beste Golfer. Nachdem seine Karriere so gut wie beendet ist, will er das alte Feuer wieder entfachen. Sein Körper mahnt ihn zur Ruhe, doch sein Herz will weitermachen. Seine Ex-Frau und sein Sohn Lance, der neue Hoffnungsträger des Golfsports, glauben, dass seine Glanzzeit hinter ihm liegt. Doch Lonnie fehlt nur ein großer Sieg zum Grand Slam und er ist der festen Überzeugung, dass ihn nur ein Schlag vom größten Comeback in der Geschichte des Golfs trennt.
Mauer Happy Gilmore-Abklatsch?
Tatsächlich ist die neue Netflix-Serie mit Comedy-Star Will Ferrell tonal sehr nah dran an Happy Gilmore, was schon in den ersten Momenten zu einem Gefühl des „Kenn ich doch irgendwie“ führt. Ja, im Gegensatz zu Happy ist Lonnie hier nicht der Underdog von außen, der den elitären Sport aufmischt, sondern so etwas wie der Rockstar unter den etablierten Profis, aber herausstechen aus dem Klischeebild eines Golf-Pros tut er dennoch. Während man aber bei Happy Gilmore durch die Eishockey-Backgrounds seiner Rolle ironischerweise sogar Adam Sandler als Sportler noch einigermaßen ernst nehmen konnte, kauft man Ferrell hier zu keiner Sekunde ab, dass dieser Typ um Siege bei berühmten Golf-Majors mitspielen soll.
Doch nicht nur der Glaubwürdigkeit wegen steht dieses Format von Beginn an auf wackligen Beinen, denn auch der Humor ist wesentlich spezieller als der Wohlfühl-Slapstick in Gilmore oder der herzliche Ted-Lasso-Ton in Stick.Typisch Ferrell eben: ziemlich derb, selbstironisch und klamaukig, aber noch nicht komplett „all over the place“ wie beispielsweise die Sportparodien von The Lonely Island – Seven Days in Hell oder Tour de Pharmacy – es waren. Zwischen den Stühlen sitzt es sich bekanntlich nicht sonderlich bequem, aber genau dort ist The Hawk nun platziert worden – und wird mutmaßlich die Fans des Protagonisten köstlich unterhalten, aber allen anderen kaum ein Lächeln abnötigen.
Formelhafte Standard-Comedy
The Hawk ist in allen Belangen vertrautes oder eher ausgetretenes Terrain: Die Konflikte, die verhandelt werden (Altstar gegen Lifelong-Nemesis, Familienstress, Flucht davor, die eigenen Gefühle zuzulassen,…), sind inzwischen wirklich ohne gewisses Etwas, was dieser Serie leider abgeht, einfach zu wenig, um sich eine Empfehlung zu verdienen. Dazu kommt die Paarung zwischen Hawk und dem neuen Daddy/Sidekick, gespielt von Fortune Feimster, die nochmal mehr nervig auftreten darf/soll als in Fubar, wo der Charakter schon enormes Entnerv-Potenzial hatte. Auch dieses Element entfaltet weder den intendierten Effekt, noch liefert es auch nur ansatzweise genug gelungene Gags, um die miesen Rohrkrepierer und veralteten Vulgärwitze aufzuwiegen. Wie der Protagonist ist die ganze Serie – vor allem humoristisch – irgendwie zwischen 2000 und 2005 hängengeblieben.
Bisschen Retro-Vibes retten, was zu retten ist
Was am Ende The Hawk davor bewahrt, schon auf der ersten Runde am Cut zu scheitern, ist das Gefühl, das die Serie bei Zuschauenden, die die Popkultur rund um die Jahrtausendwende schon aktiv miterlebt haben, mit der Musik und einigen gar nicht so plumpen Anspielungen auslöst. Ob dieser mutmaßlich sehr schmale Teil der Abonnenten von Netflix, auf den das zutrifft und der mit dem anachronistischen Will-Ferrell-Humor etwas anzufangen weiß, genügt, um die Erwartungen des Streiters zu erfüllen darf bezweifelt werden.
Alles in allem kann man sagen, dass Netflix einmal mehr mit einer generischen Comedy-Serie, die mit viel Buhei ums Eck kommt, nicht Fisch und nicht Fleisch liefert. Fubar war jedoch sogar (zumindest in Staffel 1) mit der unerwartet selbstironischen Rolle von Arnie interessanter, Space Force hat in Ansätzen als Parodie besser funktioniert und Running Point ist deutlich näher am Feeling des augenscheinlichen Vorbilds von Apple TV, Ted Lasso, dran. Und wer unbedingt den Golf-Aspekt braucht, der kann auch heute noch getrost zu Happy Gilmore oder zu Stick von Apple greifen, denn danach hat man tatsächlich Bock, selbst das 1er-Holz zu schwingen. Nach The Hawk will man leider eher mit einem 7er-Eisen den Fernseher zertrümmern.
© Netflix
Unser Fazit zu The Hawk
The Hawk ist eine 08/15-Sportcomedy-Serie, die weder mit der erwählten Sportart Golf weiß, was Neues zu erzählen, noch in Sachen Humor unter Par spielt. Das größte Manko allerdings ist der Protagonist, der schlicht und einfach mal wieder nur die gleiche Will-Ferrell-Formel abbildet, die anno 2026 schlicht nicht mehr funktioniert. Kurzum: Die Zeit, die man für die zehn Folgen braucht, ist besser verbracht, wenn man auf der Driving Range den eigenen Abschlag übt.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.