Sharon Horgan ist eine richtige Comedy-Ikone, die hierzulande nicht ganz so bekannt ist. Doch bereits mit Bad Sisters konnte sie ihren Ruhm deutlich ausbauen und will mit Youth darauf aufbauen. Diesmal bei HBO statt Apple TV, aber mit selber Qualität?

Darum geht es in Youth

Key-Art © HBO

Auf den Spuren von Fleabag?

Es gibt eine Zeit von Dramedy-Serien vor und eine Zeit nach Phoebe Waller-Bridges Fleabag. Seitdem die Engländerin ihr autobiografisch angehauchtes Theaterstück in Serienform gepresst hat, muss sich unweigerlich jede neue Produktion, die mit ähnlichen Mechanismen, Zutaten oder inhaltlichen Ideen spielt, damit messen lassen. Nicht wenigen ist in den letzten Jahren genau dieser Vergleich zum Verhängnis geworden. Doch wie sieht es nun bei Youth aus?

Zuerst aber: Sind die Vergleiche in diesem Fall überhaupt sinnvoll? Nun, was Fleabag und die neue HBO-Serie eint, sind die Laufzeit der Folgen, das Setting in London – und der damit verbundene soziokulturelle Einschlag -, der Fokus auf eine nach außen starke, im Innern aber erkennbar doch unsichere Frauenfigur und auch inhaltlich-thematisch gibt es ein paar Überschneidungen.

Doch auch wenn das alles zum Gegenüberstellen nur so einzuladen scheint, gibt es einige fundamentale Unterschiede, die dem doch den Riegel vorschieben. Denn allein dadurch, dass die Protagonistinnen sich zwar jeweils in kleinen Krisen befinden, aber der altersbedingte Kontext ein ganz anderer ist, trennt die Formate schon mal wie Spreu vom Weizen. Und dann ist das Durchbrechen der vierten Wand damals bei Fleabag auch so prägend gewesen, dass der Verzicht auf dieses Stilmittel zusätzlich zu einer doch recht deutlichen Unterscheidung beiträgt.

Kein großes Chaos nötig

Viele ähnliche Geschichten haben versucht, ihre Komik daraus zu ziehen, möglichst viele peinliche, skurrile und chaotische Situationen aneinanderzureihen, was zwar oft für Lacher sorgt, aber in der Regel den Serien ihre Glaubwürdigkeit nimmt. Der schmale Grat hin zu Mr. Bean ist schnell überschritten. Auf Slapstick, gewagte Charakterzeichnungen, kurzum die „leichten“ Gags verzichtet Sharon Horgan in Youth fast vollständig, was einerseits dazu führt, dass diese Dramedy nun keine wirklichen Schenkelklopfer-Gags bereithält. Andererseits ist dem Ganzen eine Frische und Leichtfüßigkeit trotzdem nicht abzusprechen, weil aus der in hohem Grad organischen Konstellation alltagsnahe und doch außergewöhnliche Szenen entstehen, was vor allem am typisch britischen Einschlag und dem Spiel mit den Großstadtleben-Klischees im 21. Jahrhundert liegt.

Nicht jeder Aspekt zieht gleich rein

Im Zentrum von Youth ist dann sowohl die Arbeitswelt von Alex, die als Literaturagentin gerade damit kämpft, dass ihr bestes Pferd im Stall Probleme macht. Denn die von Anne Reid gespielte Charlotte ist zwar eine Bestsellerautorin, aber hat in ihrem hohen Alter inzwischen die ein oder andere problematische Note in ihr Schaffen einfließen lassen, sodass Alex schwant, dies könnte ein schlimmes Ende nehmen. Hier kommt dann deren Tochter, gespielt von Harriet Walter (Silo) ins Spiel, die zwischen Agentin und Autorin steht. Schon dieser Handlungsstrang liefert immer wieder gute Beobachtungen und fühlt sich nicht zuletzt durch den Besuch auf der Frankfurter Buchmesse in einer der Episoden ziemlich authentisch an. Doch irgendwie hat man doch immer wieder den Eindruck, dass hier mit etwas mehr Biss bezüglich dem political correctness-Aspekt viel mehr drin gewesen wäre.

Der zweite größere Strang dreht sich dann um die Beziehung von Alex als Mutter zu ihrem etwas psychisch labilen Sohn (gespielt vom Sohn von Cillian Murphy). Hierin liegen für mich sogar dann die interessanteren Ansätze der Serie, weil man schafft die Problematik zwischen der Mutter, die sich sexuell nochmal neu erfinden will und einem Sohn, der ganz andere Probleme mit sich rumschleppt, dank der Chemie zwischen Horgan und Murphy, gut auszuspielen.

Rupert Friend und Sharon Horgan © HBO

Und dann geht es natürlich vordergründig um die neu entdeckte Experimentierfreudig der Protagonistin, die aufgrund der neu akzeptierten Altersphase, versucht das Beste rauszuholen, was, wie man sich denken kann, dann nicht ohne den ein oder anderen „Kollateralschaden“ vonstatten geht. Und auch wenn man in Sachen Lovestory von Personen in diesem Altersspektrum – wo man möglicherweise schon erwachsene Kinder hat, vielleicht nach einer Scheidung nochmal quasi bei Null beginnt oder schon etwas Torschlusspanik entwickelt – auch schon gute Serien mit spannenden Paaren gesehen hat, ist Youth hier auf jeden Fall eine der glaubwürdigsten und sympathischsten Versionen. Das liegt vor allem an der Chemie von Horgan und Rupert Friend.

Humortechnisch ausbaufähig

Die Gespräche sind in Teilen exzellent geschrieben und zeugen von der hohen schauspielerischen Klasse der Schauspielenden und einem grundsoliden Dialogdrehbuch. Doch leider steht die eigentlich Komik-erprobte Sharon Horgan in Sachen Witz und Pointen hier gefühlt dauerhaft auf der Bremse. Ja, es gibt schon eine ganze Reihe an wahnsinnig komischen Momenten, aber es gibt eben in diesem Segment – speziell mit britischem Humor – treffsicherere RomComs.

Das sorgt letztlich dafür, dass man zwar mit den sympathischen, nahbaren Figuren hier eine gute Zeit und speziell auch mit Alex binnen weniger Szenen schon connected. Doch alles in allem ist Youth dann „nur“ eine weitere gute Dramedy, der das gewisse Etwas fehlt, das eben Fleabag, aber auch Serien wie Trying, Rooster oder Nobody Wants This haben: ein klareres Profil, ein noch spezielleres Setting oder eine höhere Trefferquote bei den Gags. So aber bleibt es letztlich bei einer Slice-of-Life-Geschichte über eine Frau mit eigentlich recht normalen Problemen, die nur durch die Aura der Darstellenden gefühlt erst erzählenswert wurde.

© HBO

Unser Fazit zu Youth - Staffel 1

3.0 Okay

Youth ist eine nahbar gespielte, gut geschriebene, kurzweilig inszenierte Geschichte aus dem eigentlich gar nicht so ungewöhnlichen Leben einer Britin in ihren 50ern. Wer derlei Serien mag, wird hier voll auf seine Kosten kommen, weil die Balance zwischen Komik und Tragik sehr gut gehandelt wird und die ein oder andere Überraschung doch auf einen wartet. Gefühlt wäre aber noch mehr drin gewesen.

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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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