Netflix, Ben Affleck, Steven Yeun, Thriller – Moment mal! Da war doch was. Richtig: Erst zu Beginn des Jahres kam The Rip zum Streamingdienst mit dem roten N – nun folgt mit Animals der nächste Streich. Diesmal zeichnet Affleck aber auch als Regisseur verantwortlich. Kann er damit an seine früheren Erfolge anschließen?

Darum geht’s in Animals

Ben Affleck als Mark und Gillian Anderson als Dayle © Netflix

Ein Politiker „zwischen Himmel und Hölle“

Dass binnen eines Jahres zwei Affleck-Flicks den Weg zu Netflix finden, hat Berichten zufolge einen speziellen Grund. Denn ursprünglich sollte Animals längst erschienen sein. Doch wie schon die Synopsis andeutet, gibt es die ein oder andere Überschneidung mit dem Apple TV-Projekt Highest 2 Lowest, der Neuinterpretation des Kurosawa-Klassikers Zwischen Himmel und Hölle mit Denzel Washington aus dem Vorjahr, in der es ebenfalls um einen Fall von Erpressung durch Kindesentführung geht.

„Überschneidung“ ist streng genommen sogar zu grob gesagt, denn tatsächlich ist Animals ebenfalls eine Neuverfilmung des Romans King’s Ransom von Ed McBain, nur dass es eben nicht mehr um einen Fabriken oder Musikmogul wie in der Apple TV-Fassung geht, sondern um einen reichen Anwalt. Doch die moralischen Grundfragen, die hier verhandelt werden sind die gleichen, was natürlich die Ambivalenz der Thematik nochmals untermauert, wenn das Gedankenspiel eben sowohl im wirtschaftlichen als auch im politischen Kontext, im fernöstlichen Kulturraum Mitte des 20. Jahrhunderts oder im amerikanischen Hier und Heute platziert werden kann.

Nuancen Unterschied, großer Effekt

Nimmt man den Roman als eine Art Blaupause wie ein Theaterstück, das vom jeweiligen Regisseur durch seine Inszenierung in eine bestimmte Bedeutungsebene gebracht wird, dann ist dies nun also die Affleck-Version von King’s Ransom. Und tatsächlich schafft es der preisgekrönte Regisseur der Materie doch zumindest stellenweise Neues zu entlocken und dadurch seine Neuverfilmung durchaus zu rechtfertigen. Ohne zu viel zu verraten, ist die Motivation des Handelns von Kimball als aufstrebendem Politiker signifikant anders als die der Wirtschaftsgrößen in den anderen Varianten. Das schafft Affleck auch gut herauszuarbeiten, wobei er in Teilen seinem Publikum fast zu wenig zutraut, wenn das Offensichtliche auch noch extra ausgesprochen wird.

Spannende Wahl für Hauptfigur

Ursprünglich sollte Affleck’s best buddy Matt Damon die Hauptrolle hier übernehmen. Als dieser wegen Überschneidung mit dem Dreh zu The Odyssey passen musste, stieg der Batman-Darsteller selbst ein. Das erweist sich nun womöglich als glückliche Fügung, denn Affleck spielt den berechnenden Bürgermeisterkandidaten äußerst überzeugend, weil er stets noch eine gewisse Distanz zwischen seiner Figur und dem Publikum lässt und nie wirklich sympathisch wird, aber eben auch kein Abziehbild eines Klischeekarrieristen mimt oder in seiner Rolle zu viel Parallelen zu echten politischen Akteuren anlegt. Diese leicht unterkühlte Aura sorgt jedoch dafür, dass der impulsive Gefühlsausbruch, als er mit den Erpressern kommuniziert, etwas (un)freiwillig Komisches hat.

Wiederum passender ist dann das oberflächlich skurrile Gespräch zwischen ihm und seiner Frau (Kerry Washington) in der Nacht vor der Geldübergabe und nachdem diese ihm ein schockierendes Geständnis gemacht hat. Jedem anderen Darsteller hätte man wohl diese Form der Reaktion als unglaubwürdig beanstandet, aber zu Afflecks Attitüde passt dies perfekt. Ebenso verhält es sich mit seiner Entscheidung zum Ende des Films, die hier natürlich nicht vorweggenommen wird. Ähnlich wie schon einst in Gone Girl nimmt man dem Darsteller durch seine ausdrucksneutrale Miene vollkommen ab, dass er diese Version seiner Geschichte als Wahrheit verkaufen kann – und wahrscheinlich dabei nicht mal moralische Skrupel verspürt.

Ein bisschen holpert es doch

Klingt diese Besprechung bislang überwiegend positiv, so muss man dennoch sagen, dass Animals alles in allem nur ein solider Thriller ist. Denn obwohl Affleck es schafft, der Vorlage ein paar moderne Elemente hinzufügen und das Setting – Los Angeles, gepeinigt von Feuerkatastrophen, Rassenkonflikten mit den Hispanics und massiver Obdachlosigkeit – gut in die Story integriert, bleibt die Inszenierung zu formelhaft, mutlos und teils sogar blutleer, wodurch die emotionale Ebene nie wirklich zur Geltung kommen kann. Das liegt unter anderem an der reingezwungen wirkenden Affäre der Ehefrau, an der eher platten Abhandlung der Thematik der Angestellten ohne Arbeitserlaubnis und der Vorhersehbarkeit selbst für Nichtkenner der Originalgeschichte.

Außerdem werden sich die Geister an der Performance von Gillian Anderson als Verhandlungsexpertin scheiden. Ja, der X-Files-Star hat eine einmalig autoritäre Aura und eine Ausstrahlung von Macht, die es erlaubt, selbst diese übertrieben berechnende Figur noch abkaufen zu können. Doch in Teilen wirkt das, was Anderson dann macht, zu übertrieben skrupellos.

Steven Yeun als ebenfalls karrieregeiler Kampagnenmanager macht das sehr überzeugend. Luis Gerardo Méndez und Adriana Paz (Emilia Perez) funktionieren darüber hinaus als emotionaler Anker und Elternpaar sehr gut im Kontrast zur erkalteten Beziehung von Washington und Affleck.

Steven Yeun als Sam © Netflix

Das Ende reißt noch einiges raus

Während sich von den knapp 100 Minuten Vieles in der Villa der Kimballs abspielt und dadurch eine leichte Kammerspielatmosphäre über weite Strecken dominiert, die mitunter aber auch zur Geduldsprobe werden kann, zieht der Finalakt dann nochmal an. Zwar ist auch hier keine große Überraschung mehr drin, aber die Konsequenz ist vorhanden und die Entscheidungen der Väter logisch, nachvollziehbar und als moralischer Impuls überaus gelungen.

Auch hierzu soll nicht mehr als nötig verraten werden, doch wer hier letztlich wen rettet und die Zügel plötzlich in der Hand hat, funktioniert als Pointe und Gedankenanstoß gleichermaßen. Wäre es nämlich andersherum beziehungsweise wäre der Plan Kimballs aufgegangen, wäre der Film in die White-Savior-Falle getappt, die er nun auf intelligente Art umschifft.

© Netflix

Unser Fazit zu Animals

3.0 Okay

Animals ist eine verkappte Neuverfilmung eines zeitlosen, mehrfach schon adaptierten Literaturklassikers. Viel fügt man der Prämisse zwar nicht hinzu, aber handwerklich hat das, was Ben Affleck hier macht, Hand und Fuß. Auch wenn der Mittelteil etwas langatmig ausfällt, so bleibt am Ende der moralische Aspekt des gewählten Finales hängen, sodass dieser Netflix-Film doch einen gewissen Mehrwert hat, der dem Gros der Exclusives leider abgeht.

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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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