In Evil Dead Burn wird der Tod als Scheidungsgrund nicht akzeptiert. Beschert uns das Beharren auf ewige Treue gute oder eher schwere Zeiten im Kinosaal?

Darum geht’s im sechsten Teil der Horror-Reihe

Nach dem Tod ihres Mannes sucht eine Frau Trost bei ihren Schwiegereltern auf deren abgelegenem Familienanwesen. Als sich jedoch einer nach dem anderen in Deadites verwandelt, wodurch das Beisammensein zu einem Familientreffen aus der Hölle wird, muss sie feststellen, dass die Versprechen, die sie zu Lebzeiten gegeben hat, selbst im Tod weiterleben.

Burn, Baby, Burn © Universal Studios. All Rights Reserved/ Sony Pictures Germany

Erfolgreiche Wiederbelebung

Irgendwer muss Klaatu Verata Nektu richtig ausgesprochen haben, denn seit 2013 bekommen wir regelmäßig Nachschub im totgeglaubten Evil Dead-Kosmos. Der Veröffentlichungszeitpunkt für den neuesten Ableger Evil Dead Burn könnte kaum besser sein, denn der Horrorboom hält auch 2026 dank Obsession und Backrooms weiter an. Interessanterweise verfolgen viele erfolgreiche Horrorproduktionen der letzten Jahre dieselbe Strategie wie einst Regisseur und Produzent Sam Raimi (Send Help), als er grünes Licht für das Evil Dead-Reboot gab: Er vertraute der Vision eines aufstrebenden Regietalents und ließ ihm größtmögliche kreative Freiheit. Fede Álvarez dankte Raimi dieses Vertrauen, indem er die Reihe nicht nur wiederbelebte, sondern zugleich einen neuen Genrestandard setzte. Sämtliche Slapstickelemente wichen einer fiesen, düsteren und dreckigen Atmosphäre, während die handgemachten Splatter-Effekte des Originals ein ordentliches Update erhielten.

Im Nachfolger Evil Dead Rise griff Regieneuling Lee Cronin (Lee Cronin’s The Mummy) die düstere Stimmung auf, verlagerte die Handlung jedoch in ein neues Setting, um so frischen Wind in die Reihe zu bringen. So gelungen Cronins Fortsetzung auch ist, den Klassikerstatus wird sie wohl nicht erreichen. Trotz viel Blut, Gewalt und Gore fehlen ihr die inszenatorische Dichte und die wirklich verstörenden Ideen des direkten Vorgängers. Es mangelt zudem etwas an emotionaler Tiefe, obwohl erneut eine Familiengeschichte im Mittelpunkt steht und die Darsteller:innen – allen Voran Alyssa Sutherland als Ellie – in ihren Rollen überzeugen können.

Vaniček schließt sich ihnen nur bedingt an

Mit dem neuesten Ableger setzt Produzent Sam Raimi erneut auf einen Regisseur mit wenig Erfahrung und wird dafür wieder belohnt. Schon mit seinem Langfilmdebüt Spiders – Ihr Biss ist der Tod bewies Sébastien Vaniček, , dass er das nötige Gespür fürs Genrekino besitzt. Obwohl er die vertrauten Versatzstücke der Reihe in Evil Dead Burn einbauen muss, findet er einen eigenen Ansatz. Statt in der bekannten Waldhütte beziehungsweise einem fast verlassenen Hochhaus entfaltet sich das Grauen nun in einer heruntergekommenen Villa.

Im Mittelpunkt der Familiengeschichte steht diesmal Alice, die sich nicht von ihrem gewalttätigen Mann und dessen Verwandtschaft lösen kann. Vor diesem bitteren Hintergrund verdunkelt er die ohnehin schon düstere Grundstimmung noch weiter. Nahezu jede Farbe und jedes Augenzwinkern werden konsequent aus der Inszenierung verbannt. Nur gelegentlich gibt es einen kurzen humorvollen Moment, der die beklemmende Stimmung etwas auflockert.

Häusliche Gewalt beziehungsweise toxische Beziehungen böten genügend Potenzial für Analogien, doch Vaniček interessiert sich kaum für die emotionale Entwicklung seiner Figuren. Vielmehr nutzt er diese Ausgangslage, um dem Publikum jede Verschnaufpause zu verwehren und von Beginn an ein Gefühl des Terrors zu erzeugen. Anders als die Vorgänger verzichtet er dabei fast gänzlich auf klassischen Grusel oder Jump-Scares. Ob man diesen Ansatz mag, ist Geschmackssache, doch ein Alleinstellungsmerkmal erschafft er damit allemal.

Mutter und Tochter-Gespann © Universal Studios. All Rights Reserved/ Sony Pictures Germany

Familienbande

Famoses Schauspiel wie in Evil Dead Rise sucht man in Evil Dead Burn vergeblich. Souheila Yacoub (Dune: Part Two) passt sich als Alice den blassen Bildern an. Dass ihr Schicksal die Zuschauenden kalt lässt, liegt nicht am winterlichen Setting. Ihre Rolle wird über weite Strecken zur Passivität verdammt, und mangels charakterlicher Tiefe fällt es schwer, eine emotionale Verbindung zu ihr aufzubauen. Die übrigen Figuren sind ebenfalls eher eindimensional gezeichnet, dürfen jedoch deutlich früher aus sich herauskommen und weitere Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen. Eroll Shand verleiht dem Familienoberhaupt Edgar von Beginn an neben seiner Trauer auch eine bedrohliche Präsenz, die bis zum Schluss anhält. Am nachhaltigsten bleibt jedoch Maude Davey in Erinnerung, die als demente Großmutter allen die Show stiehlt. Sie ist einer von zwei Gründen, warum sich das Sitzenbleiben während des Abspanns lohnt.

Es wird ordentlich getanzt

Aber seien wir mal ehrlich: Die Geschichte und die Figuren sind nicht der Grund, warum sich jemand ein Ticket für Evil Dead Burn löst. Vaniček ist sich der Erwartungshaltung gegenüber dem Franchise bewusst und kündigte bereits im Vorfeld an, dass er in Sachen Brutalität noch eine Schippe drauflegen werde. Schon im Prolog löst er sein Versprechen ein und lässt die Teufel ordentlich tanzen. Ein Deadite taucht wie Jason Voorhees aus der Tiefe eines Sees auf und erklärt zwei Anglern zunächst den Haken an ihrem Hobby, bevor er sie zu Fischfutter verarbeitet. Anschließend wird der Titel des neuen Ablegers mithilfe eines Autofahrers visualisiert.

Dies ist nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe äußerst kreativer, blutiger und brutaler Auseinandersetzungen, die schließlich in einer Szene mit einer Tür gipfeln, die für ein R-Rating gekürzt werden musste. Zumindest wird damit eine Tradition der Reihe gewahrt, denn bereits das Reboot musste nach der Prüfung durch die MPAA Kürzungen hinnehmen und landete – genau wie das Original von 1981 und die Fortsetzung von 1987 – nach der Kinoauswertung bei uns auf dem Index. Doch selbst nach den vorgenommenen Kürzungen könnten die Gewalttaten gegen Mensch und Tier bei eher zartbesaiteten Zuschauern dazu führen, dass der Popcorneimer eine Zweitverwertung erfährt. Garniert werden die Gewaltorgien mit einigen raffinierten Kamerafahrten, cleveren Andeutungen und einer beeindruckenden One-Shot-Sequenz. Allerdings gibt es auch Momente, in denen das Schneidemesser etwas zu häufig ins Filmmaterial gestochen wurde.

Der Treppenlift ist Kaputt © Universal Studios. All Rights Reserved/ Sony Pictures Germany

Das Finale schwächelt dann allerdings gewaltig. Evil Dead und Evil Dead Rise sparten sich ihre verrücktesten Einfälle für den furiosen Schlussakt auf, der alles zuvor Gesehene noch einmal übertraf. Evil Dead Burn liefert dagegen einen ernüchternden und technisch schwachen Endkampf ab, der zudem mit der eigenen Logik bricht. Doch bis dahin wurden genügend Körper verstümmelt, sodass man auch ohne schaurigen Showdown den Saal zufrieden verlässt. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der für 2028 angekündigte Evil Dead Wrath das hohe Niveau der Serie beibehält und nicht den Zorn der Fans auf sich zieht.

© Universal Studios. All Rights Reserved/ Sony Pictures Germany

Unser Fazit zu Evil Dead Burn

3.5 Sehenswert

Evil Dead Burn hält das Franchise-Feuer am Lodern und weigert sich, die Fackel an Art den Clown und Konsorten weiterzureichen. Die Gewaltszenen erreichen einen neuen Höhepunkt, während die düstere Stimmung und der Terror der Vorgänger nochmals übertroffen werden. Dazu kommen einige kreative Kamerafahrten, beeindruckend schöne Bilder sowie weitere inszenatorische Highlights. Dass die Geschichte mit einem etwas holprigen Erzählfluss kämpft, die Figuren auf emotionaler Ebene nicht überzeugen und das Finale enttäuscht, ist – im Gegensatz zu den Gräueltaten der Deadites – verschmerzbar.

  • User Ratings (0 Votes) 0

Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.

Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

Hinterlasse einen Kommentar

Exit mobile version