Aller guten Dinge sind drei! Nach seinem Kinokassenschlager Weapons im vergangenen Jahr versucht sich Horror-Komödiant Zach Cregger nun an der nächsten Neuauflage von Resident Evil. Ob er dem Zombie-Franchise frisches Leben einhauchen konnte, erfahrt ihr in unserer Kritik!
Darum geht’s in Resident Evil
Der Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams) nimmt einen scheinbar harmlosen Auftrag an: die Lieferung eines biomedizinischen Pakets. Was wie ein gewöhnlicher Arbeitstag beginnt, wird zur Hölle auf Erden. Eine Nacht, kein Ausweg – und ein Horror, der alles verschlingt.
Lost in Adaptation
Die Videospielverfilmung gilt im Allgemeinen als schwierig stemmbares Unterfangen. So manche:r etablierte:r Regisseur:in hat sich an der Übertragung interaktiven Materials auf die Leinwand versucht; wirklich gelungen ist es niemandem. Zu knifflig ist die Aufgabe, die Handlung den kontrollierenden Fingern der Spieler:innen zu entreißen, ohne ihr Engagement auf der Strecke zu vergessen. Während wertloser Nostalgie-Kitsch wie Der Super Mario Bros. Film und seine nicht minder wertlose Fortsetzung die Dopaminrezeptoren des Publikums mit billigem Fanservice kitzeln wollen, enthob die Realverfilmung aus dem Jahre 1983 ihre Figuren gänzlich dem von der Vorlage gesteckten Rahmen und wurde dem Geist des Spiels nie gerecht. Weltliteratur und Comichefte, Sagen und Zeitungsartikel, selbst Popsongs konnten erfolgreich ins Kino übersetzt werden. Dem Videospiel ist dies bislang noch nicht gelungen.
Dass Zach Cregger mit Resident Evil nun die vermutlich beste Videospielverfilmung aller Zeiten vollbringt, muss also erst einmal nichts heißen. Viel schwerer wiegt, dass selbst in einem so starken Horror-Jahr wie 2026 wenige Neuerscheinungen an diesen überaus geglückten Streifen heranreichen. Cregger toppt seine vollständige bisherige Filmografie mit einem wunderbar knackigen Feuerwerk an kreativer Filmkunst, das mit 93 Minuten keinen Augenblick zu lang geht. Die aufgeplusterte Verkomplizierung, die sowohl Barbarian als auch Weapons schließlich in mancher Augen zu Enttäuschungen machte, bleibt gänzlich aus. Resident Evil schlägt über seine gesamte Laufzeit nur eine Richtung ein – vorwärts. Statt seine Hauptfigur durch endlose Dialogszenen aufzubauen, definiert Cregger sie fast ausschließlich über ihre Taten. So erschafft er mit Bryan einen opportunistischen Drecksack-Protagonisten, der durch seine unperfekte Menschlichkeit nachfühlbarer wird als jede aalglatt ausformulierte Charakterschablone.
Immer nur nach vorne
Den von Austin Abrams genüsslich dargestellten personifizierten Everyman jagt der Regisseur ohne Verschnaufpause durch ein Labyrinth an glänzend konzipierten Set-Pieces. Davon ist jedes einzelne unverwechselbar und stilsicher umgesetzt. Zwar lässt Cregger in seiner Inszenierung des Schreckens die eigene Handschrift vermissen, die zuletzt etwa aus Danny Boyles 28 Years Later einen Meisterstreich machte, er steht dabei aber alteingesessenen Regie-Größen in Sachen Kompetenz in nichts nach. Jeder Kamerawinkel sitzt detailgenau, sämtliche Schwenks sind perfekt gesetzt und pointiert. Creggers Comedy-Hintergrund äußert sich in einem exakten Gespür für Timing und Witz.
Dabei läuft er nie Gefahr, seine Szenen zu verwässern. Jede von ihnen hat ihr eigenes Tempo und operiert über andere Stilmittel. Mal hüpft einer der wenigen wirklich effektiven Jumpscares der vergangenen Jahre in die Kamera, mal wird Spannung durch bewusste Beleuchtung aufgebaut. Hier nimmt die Kamera die Perspektive der Hauptfigur ein, dort fegt sie in langen, ununterbrochenen Takes über das Schlachtfeld. Das Ausmaß der Kreativität ist ebenso beachtlich wie die volle Kontrolle über die Tonalität. Trotz tatsächlich komischer Running Gags und des potenziell lachhaften Protagonisten hält Resident Evil die unterschwellige Bedrückung durchgehend aufrecht und wiegt sein Publikum nur trügerisch in Sicherheit. Auch wenn Zach Cregger das Augenzwinkern gänzlich zurückfährt und Bryan kurz vorm Finale einen ehrlich emotionalen Moment gönnt, kommt kein Gefühl des Kitsches auf. Das Publikum kauft diese Figur und glaubt an ihre Ausweglosigkeit. So sieht gelungenes Drehbuchschreiben aus.
Ein Level über dem Rest
Hervorgehoben gehören ebenfalls die wunderbar gewieften Designelemente, mit denen die Welt von Resident Evil geschmückt ist. Allen voran die garstigen Mutationen, die sich Bryan in den Weg stellen, stechen hervor. Zwar sind die CGI-Tupfer nicht immer gänzlich unsichtbar, wurden aber so erstklassig in ihre Umwelt integriert, dass sie trotzdem wie ein Teil dieser wirken. Kombiniert mit den liebevoll zusammengebauten praktischen Effekten, unter anderem einem wild zusammengewürfelten menschlichen Rattenkönig, der als Hauptantagonist dient, bietet der Film eine reichhaltige Bandbreite an Monstern. Sie alle sehen ein bisschen anders aus, funktionieren allerdings glaubhaft innerhalb der Welt.
Auch die Implementierung von Videospiel-Mechaniken, welche in dieser Vision von Raccoon City auftreten, gelingt erstklassig. Durch angemessene Konstruktion von levelartigen Räumen, deren Aufbau und lineare Lösbarkeit den Esprit der Vorlage besser einfangen als jede Erwähnung eines etablierten Figurennamens, versprüht Resident Evil beinahe das Gefühl eines atemberaubenden Let’s Plays. Dabei ist es kein Zufall, dass die Kameraperspektive bisweilen an Egoshooter erinnert. An diesen Stellen zollt dieses Horrorabenteuer seinen Wurzeln Tribut und zeigt, dass ein neues Medium auch erschlossen werden kann, ohne das alte zurückzulassen.
© Constantin Film
Unser Fazit zu Resident Evil
In vergangenen Wochen wurde vermehrt Kritik an dieser Neuausrichtung des Franchises laut. Es fehle das etablierte Ensemble an Figuren, zudem störe die Ansiedlung in einer moderneren Zeit und die Abwandlung der Geschichte. Zach Cregger beweist hier aber, dass er das Konzept einer Adaption verstanden hat. Statt stupide und hundstreu Referenzpunkte aufzuklauben, entwickelt er seine Geschichte aus der Atmosphäre der Spiele. Dadurch schafft er eine neue Version, die als sinngemäße Übersetzung besser funktioniert als jede stumpfe 1:1-Transkription. Denjenigen Fans, die wiedergekäute Brocken der Vorlage aus dem Futtertrog schlabbern wollen, bleiben die vorherigen Fehlversuche von Paul W. S. Anderson. Doch erst hier wird aus der Weitergabe auf die große Leinwand ein tatsächlicher Film – und zwar einer der bisher besten des Jahres.
Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.