Die neuen Raketen-Rollschuhe gehen immer nach hinten los, die Beute läuft problemlos durch den aufgemalten Tunnel und statt der Bombe explodiert euch der Zünder? Dann seid ihr bestimmt auf ein billiges ACME-Produkt reingefallen. Ob sich eine Klage gegen den Hersteller lohnt, erfahrt ihr in unserer Rezension von Coyote vs. Acme.
Darum geht’s in Coyote vs. Acme
Nach all den Jahren vergeblicher Liebesmüh hat Willi Kojote es satt, dass bisher jedes einzelne Produkt der ACME Corporation eine erfolgreiche Jagd auf den Road Runner vereitelt hat. Kojote beschließt deshalb, das Unternehmen für seine mangelhafte Ware in die Verantwortung zu nehmen, und engagiert den ebenso glück- wie mittellosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte), um gegen ACME vor Gericht zu ziehen. Als der herausfindet, dass die Rechtsabteilung des Konzerns von Buddy Crane (John Cena) geleitet wird, dem selbstgefälligen Chef seiner ehemaligen Kanzlei, gibt er alles, um den Prozess zu gewinnen.
Das ist Wahnsinn…
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Diese biblische Weisheit müsste Wile E. Coyote eigentlich verinnerlicht haben. Erfunden vom Cartoonist Chuck Jones, versucht er seit 1949 vergeblich, seinen Erzfeind – den Roadrunner – zu fangen. Der Ablauf ist dabei immer gleich. Der listige Wile versucht – unter Zuhilfenahme allerlei Hilfsmittel – einen Rennkuckuck auf Speed zu schnappen, wird Opfer seiner eigenen Fallen und fängt dann wieder von vorne an. Er ist ein Verdammter wie Sisyphus, nur dass dieser nicht regelmäßig vom Stein überrollt wurde. Da es laut Einstein der pure Wahnsinn wäre, auf ein anderes Ergebnis zu hoffen, wenn alles beim Alten belassen wird, braucht es eine ausführliche Analyse seines Jagdverhaltens. Hier fällt auf, dass nicht er, sondern ein mangelhaftes Equipment schuld an seinem ewigen Misserfolg ist. Höchste Zeit, vom Hersteller eine ordentliche Entschädigung einzufordern.
… warum versteckst du mich in der Höhle?
Anfangs noch unterstützt durch seinen Arbeitgeber Warner Bros., bekam er 2023 rund 70 Millionen Dollar in die Hand, um seinen Kreuzzug gegen die übermächtige ACME Corporation zu dokumentieren. Doch kurz vor der Veröffentlichung wurde die fertige Produktion in den Abgrund gestoßen und zusätzlich unter einem riesigen Felsbrocken vergraben. Offiziell waren es steuerliche Gründe, die Warner zu dieser drastischen Maßnahme bewegten. Wile E. Coyote wittert dagegen geheime Absprachen, schließlich ist Warner auch nur eines von vielen Tochterunternehmen im undurchdringlichen Geflecht des Megakonzernes ACME. Auf die Behauptungen des wütenden Wüstenfuchses angesprochen, antwortet sein Co-Star Roadrunner – auf Anraten seines Anwaltes – mit dem branchenüblichen Beep-Beep.
Warum Warner überhaupt beschloss, ihren prominenten Präriewolf finanziell unter die Arme zu greifen, ist unklar. Schließlich waren die letzten beiden Kooperationen zwischen Looney Tunes und Menschen für keine Seite gewinnbringend. Wie dem auch sei: Dank engagierter Fans, Tierschützer und Filmschaffender wurde der Stein entfernt, Coyote vs. Acme wieder zurechtgebogen und an Ketchup Entertainment für 50 Millionen Dollar verkauft. Mit dem Ergebnis werden zumindest zwei der drei protestierenden Parteien sehr zufrieden sein.
Passende Produktplatzierungen
Warum ACME eine Veröffentlichung verhindern wollte, wird deutlich, wenn wir Wilies Lebensumstände betrachten. In der kargen Wüstenlandschaft von New Mexico ist der Kojote auf ihre Utensilien angewiesen, um den evolutionären Vorteil seiner Beute zu kompensieren. Die temporeiche Jagd führt zu allerlei bizarren Unfällen und demonstriert somit die Gefährlichkeit der Produkte ausführlich. Gleichzeitig hält er der Gesellschaft einen Spiegel vor. Dass wir uns über sein Unglück köstlich amüsieren, zeigt unsere Verdorbenheit oder, noch schlimmer, unsere Liebe zum Konzern.
Damit sich niemand zu Tode lacht, wird im Anschluss das Tempo etwas gedrosselt. Die Konfliktparteien müssen sich vorstellen und der Prozess wird ins Rollen gebracht. Ähnlich wie beim Verfahren um das falsche Spiel mit Roger Rabbit wird nach und nach ein Komplott offengelegt, welches unsere Sicht auf ACME verändern wird. Als gelernter Entertainer weiß Wile E. Coyote genau, dass Rechtsverfahren mit steigender Laufzeit trockener als die Wüste sein können. Deswegen baut er an den richtigen Stellen seine Idee von Stiftung Warentest, gute Gags, alte Bekannte und etwas Action ein.
Haarige Helden mit menschlichem Anstrich
Es wäre ein Leichtes, sich als Held in der eigenen Geschichte zu inszenieren. So weit würde das selbst ernannte Genie nie gehen. Coyote ist ein David mit defekter Schleuder, ein Don Quichotte, der den Kampf gegen die Windmühlen genießt, und ein Predator, für den die Jagd wichtiger als der Fang ist. Wir lernen auch seine weiche Seite kennen und am Ende wird ein Wiedersehen mit seinem alten Freund uns genauso rühren wie ihn. Nobel, wie er nun einmal ist, lässt er auch andere Geschädigte der ACME Corporation zu Wort kommen. Dementsprechend gibt es ein Wiedersehen mit vielen beliebten, aber auch einigen obskuren Looney Tunes. Sogar eine nicht mehr gern gesehene mexikanische Maus wird kurz referenziert.
Um mit diesen Figuren zu harmonieren, braucht es Menschen, die sich ihrem Verhalten anpassen. Da gibt es den Anwalt Kevin Avery – ein Will-Forte-Verschnitt mit dem Nachnamen eines legendären Cartoonisten – sowie den Widersacher Buddy Crane, der John Cena (Heads of State) verblüffend ähnlich sieht. Beide sind nicht die komplexesten Kompagnons, verfügen aber über genug Comedy-Erfahrung, dass sie auch in Toon-Town Arbeit finden würden. Wer von den beiden vor Gericht gewinnt, wird hier natürlich nicht verraten.
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Unser Fazit zu Coyote vs. Acme
Coyote vs. Acme ist eine sehr unterhaltsame Komödie – äh, ich meine natürlich Gerichtsdokumentation –, die einen windigen Wüstenfuchs auf seinem Feldzug gegen den Kapitalismus begleitet. Er liefert dabei keinen Präzedenzfall wie einst sein Kollege Roger Rabbit ab, kann aber mit genug Tempo, Witz und kreativen Einfällen die Jury auf seine Seite ziehen. Im Namen des Volkes ergeht daher folgendes Urteil: Warner Bros. wird ab sofort verboten, solche qualitativ hochwertigen Looney-Tunes-Produktionen vor der Öffentlichkeit zu verstecken.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.