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    Startseite » A Taxi Driver
    Filme

    A Taxi Driver

    Jan Schiebuschvon Jan Schiebusch24. September 2021Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Der Taxifahrer steht auf der linken Seite seinem Fahrgast Jürgen Hinzpeter gegenüber. Zwischen ihnen steht das grüne Taxi und im Bildhintergrund das Militär.
    Kim Man-seob findet einen Weg in das Krisengebiet @ Koch Films
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    A Taxi Driver erzählt die wahre Geschichte um das Gwangju-Massaker im Mai 1980 und begleitet einen Taxifahrer und einen strebsamen Reporter. Ob sich der Film in die südkoreanischen filmischen Meisterwerke einreihen kann, erfahrt ihr in unserer Review!

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    Front-Covermotiv der Blu-ray zu A Taxi Driver
    Cover der Blu-ray zu A Taxi Driver @ Koch Films

    Die Handlung von A Taxi Driver

    Der alleinerziehende Taxifahrer Kim Man-seob liegt mit seiner Wohnungsmiete monatelang im Rückstand und ihm droht die baldige Kündigung. Da kommt ihm der zahlungswillige Fahrgast Jürgen Hinzpeter gerade recht. Er soll ihn von Seoul nach Gwangju bringen. Doch bald muss er erkennen, dass er sich für die für die Fahrt fällige große Summe Geld in genauso große Gefahr begeben muss. Denn der Fahrgast entpuppt sich als deutscher Reporter und Gwangju ist ein militärisch abgeriegeltes Krisengebiet. Niemand kommt hinein oder hinaus, doch der smarte Kim findet einen Weg…

    Ein Kollege Kim Man-seop sitzt auf der linken Seite des Bildes vor dem Lenkrad seines Taxis. Ab seinem Seitenfenster ist der Protagonist ebenso in seinem Fahrzeug zu sehen.
    Noch ahnt Kim Man-seob nicht, wie ein Fahrgast sein Leben verändert @ Koch Films

    Basierend auf wahren Ereignissen

    Nach seiner Regierungsübernahme ließ der damalige Präsident Chun Doo-hwan die Protestbewegung gegen sein repressives Regime umgehend blutig niederschlagen. Das erbarmungslose Vorgehen ist als Gwangju-Massaker bekannt und ereignete sich vom 18. bis zum 27. Mai 1980. Die Höhe der Opferzahlen wird nach einer offiziellen Untersuchung auf 154 Toten und 4141 Verletzten beziffert, jedoch variieren die Zahlen je nach Quellen. Einige errechneten die Anzahl der Todesopfer um ein vielfaches höher und geben 600 bis zu 2000 Opfer des Massakers an. Zudem gelten 74 Menschen seitdem als vermisst.

    Jürgen Hinzpeter, zu der Zeit Ostasienkorrespondent des NDR, fuhr mit der Hilfe eines Taxifahrers damals wirklich in die vom Militär abgeriegelte Stadt Gwangju. Dort gelang es ihm dann, die grausamen Ereignisse zu filmen. Seine Aufnahmen gingen daraufhin um die Welt. Rein fiktiv ist hingegen die Hintergrundgeschichte des Taxifahrers.

    Eine weitere Glanztat aus Südkorea

    Nach dem Erfolg von Bong Joon-ho’s Meisterwerk Parasite erhielt die südkoreanische Filmwelt ihre wohlverdiente Aufmerksamkeit und sein Hauptdarsteller Song Kang-ho konnte sich schon vor dem vierfachen Oscargewinner mit grandiosen Filmen in die Herzen der Filmfans spielen. Zu seinen frühen Filmen zählen u.a. Shiri oder Joint Security Area von Park Chan-wook. Es folgten darauf noch weitere Zusammenarbeiten mit dem gefeierten Regisseur, nämlich Sympathy for Mr. Vengeance und Sympathy for Lady Vengeance, die zusammen mit Oldboy, dort wirkte Song Kang-ho nicht mit, eine Trilogie ergeben, und Durst. 2003 wurde er von Bong Joon-ho für Memories Of A Murder verpflichtet und ist seitdem regelmäßig in den Filmen des Regisseurs zu sehen. Darunter so exzellente Filme wie The Host oder Snowpiercer. Zwei Jahre vor Parasite stand er jedoch in der Regie von Jang Hun vor der Kamera – A Taxi Driver von 2017 erscheint nun endlich auch hierzulande.

    Kim Man-seop blickt nach hinten zum seinem Fahrgast Jürgen Hinzpeter
    Trotz Sonnenbrille mit ungetrübtem Blick unterwegs @ Koch Films

    Grenzfahrt zur Perfektion

    Wer bereits einen Film mit Song Kang-ho gesehen hat, weiß, dass der Schauspieler einen Film im Alleingang tragen kann. Auch in A Taxi Driver ist seine Darstellung des verschrobenen Taxifahrers ein enorm sehenswert. Von seiner Körperhaltung bis zur Gestik liefert er eine exzellente darstellerische Leistung ab und steht im starken, aber funktionierenden Kontrast zu der zunächst sehr distanziert wirkenden Figur in der Darstellung von Thomas Kretschmann als Jürgen Hinzpeter. Zwischen den humoristischen Einlagen und den Schreckensbildern des Massakers gibt es auch rührende, zwischenmenschliche Momente.

    So wird beispielsweise die Entwicklung einer Beziehung der beiden zentralen Figuren von einer Sprachbarriere deutlich erschwert, die grausigen Ereignisse lassen sie aber zusammenwachsen und ebenso wächst die Bindung der Zuschauerschaft zu den Charakteren. Weder der unbeholfene Taxifahrer, noch der unzulängliche Fernsehkorrespondent werden als unfehlbare Sympathieträger etabliert. Gerade die Figur des Jürgen Hinzpeter als zunächst sperriger Charakter macht dank des nuancierten Spiels von Kretschmann eine nahbare Wandlung durch.

    Genremischung par excellence

    Beide Figuren ergeben ein interessantes Gespann, dominieren jedoch nicht den eigentlichen Fokus des Films, die abscheuliche Geschichte um das Gwangju-Massaker aufzuarbeiten. Dieses ist schonungslos inszeniert und entfaltet in manchen Momenten einen nahezu dokumentarischen Charakter. Leider versucht der Regisseur das Geschehen mit müden Kniffen, wie einem melodramatischen Score bei Schießszenarien in Zeitlupengeschwindigkeit, zu intensivieren. Die Gefühle des Publikums mit diesen Mitteln aufzuwühlen, hätte der großartige Film absolut nicht nötig gehabt. Auch wirken manche Geschehnisse überspitzt und leiden somit an einem Mangel an Authentizität. Doch dies sind nur kleine Makel. Vielmehr ist es erstaunlich, wie gut der Film trotz seiner Genremixtur vor dem realen Hintergrund funktioniert. So verlagert sich vor der tragischen, aber fiktiven Hintergrundgeschichte des Protagonisten diese Mixtur zwischen Drama, Komödie und Thriller hin zu einem aufwühlenden und ergreifenden Historiendrama.

    Vor dem Hintergrund eines Transportwagens mit Protestanten hält Hinzpeter seine Kamera auf einen Protestierenden, der sich auf der linken Seite des Bildes befindet.
    Ostasienkorrespondent Hinzpeter hält drauf @ Koch Films

    Unser Fazit zu A Taxi Driver

    Vor den unter Filmfans beliebten Kultfilmen des koreanischen Kinos braucht A Taxi Driver keine Kurve zu kratzen. Vorrangig ein tragisches Zeitdokument, wird im Rahmen der wahren Ereignisse der fiktive Charakter des Taxifahrers für den Zu- und Übergang von einem komödiantisch angehauchten Drama über einen actionlastigen Thriller zum niederschmetternden Zeitdokument genutzt. Äußerst glaubhaft gespielt, erstklassig gefilmt, lassen sich nur leichte Abstriche aufgrund unnötiger inszenatorischer Instrumente zur Gefühlsintensivierung ausmachen. Diese hätte A Taxi Driver keinesfalls gebraucht, denn die realen Ereignisse werden in teils dokumentarisch anmutender Aufarbeitung nahbar im Rahmen der Möglichkeiten des Mediums Film an die Zuschauenden herangetragen.

    A Taxi Driver ist seit dem 23.09. auf Blu-ray, DVD und als Stream verfügbar!


    @ Koch Films

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