Es gibt einige berüchtigte Serienkiller, die im 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten ihr Unwesen getrieben haben. Einer davon ist der Boston Strangler. Dieser Kriminalgeschichte hat man sich nun mit Starbesetzung angenommen. Mit Erfolg?

Boston Strangler – Die Handlung
Boston Strangler folgt Loretta McLaughlin (Keira Knightley), einer Reporterin der Zeitung Record-American, die als erste Journalistin eine Verbindung zu den Morden des Boston Strangler herstellt. Als der mysteriöse Mörder immer mehr Opfer fordert, versucht Loretta, ihre Ermittlungen an der Seite ihrer Kollegin und Vertrauten Jean Cole (Carrie Coon) fortzusetzen, doch das Duo sieht sich durch den grassierenden Sexismus der damaligen Zeit behindert. Nichtsdestotrotz gehen McLaughlin und Cole der Geschichte mutig und unter großem persönlichem Risiko nach und setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel, um die Wahrheit herauszufinden.
Intensive Zeitreise…
… und starker Krimi
Reporter-Duo überzeugend, Nebenrollen hochklassig
Schon in Official Secrets hat Keira Knightley in einer ähnlichen Rolle überzeugt. In Boston Strangler ist der Pirates of the Caribbean Star auch wieder sehr präsent und strahlt permanent aus, dass sich ihre Figur wirklich in der Männerwelt durchsetzen kann. Doch erst die Dynamik zwischen ihr und der zweiten Reporterin, famos gespielt von Carrie Coon, ist hier das gewisse Etwas. Das Duo erinnert an Dustin Hoffman und Robert Redford in Die Unbestechlichen. Coon und Knightley ergänzen sich perfekt durch die unterschiedlichen Charaktere und tragen diesen Film auf vier Schultern verteilt.
Ohne zu sehr ins Details zu Identität des Serienkillers zu gehen, kann man auch hier festhalten, dass die Besetzung auch ein Glücksgriff ist und man schafft ein Monster der etwas anderen Art zu etablieren, wie es beispielsweise auch in Mindhunter mehrfach gelungen war. Des Weiteren dürfen auch Chris Cooper, Morgan Spector und Alessandro Nivola nicht unerwähnt bleiben, die alle in kleinen Rollen zu punkten wissen und das Thriller-Drama zu einem tollen Ensemble-Stück machen.

Zeitlose Inszenierung mit perfekter Schwerpunktsetzung
Ob Boston Strangler jetzt in seiner Wucht und in Sachen Nervenkitzel an Finchers Zodiac heranreicht, muss jeder Zuschauer selbst beurteilen, aber allein, diesen Vergleich zu wagen zeugt davon, welchen Eindruck dieser Thriller hinterlassen kann. Die Atmosphäre die auch durch die richtig starke und eindringliche Musik entsteht, lässt einen auf alle Fälle nicht so schnell los und hallt nach. Und die Kameraarbeit und das stimmige entsättigte color grading tun ihr Übriges, um auch stilistisch dem Setting eine angemessene Bühne zu bereiten. Der Film macht kaum Ausflüge weg von der geraden Erzählung, konzentriert sich auf seine Geschichte und seine Stärken und ist vor allem mit nicht mal zwei Stunden Lauflänge im Genre angenehm kurzweilig.
Es ist jetzt nicht der nächste Fall von „hätte man eigentlich auf der Leinwand sehen müssen“. Womöglich ist der Film sogar als Streaming-Veröffentlichung direkt einem breiten Publikum zugänglich. Doch alle Disney+-Abonnenten, die sich für handwerklich überdurchschnittliche und inhaltlich packende Krimikost mit starken Frauenfiguren begeistern können, sollten sich den Starttag schon jetzt dick im Kalender markieren.
Unser Fazit zu Boston Strangler
Boston Strangler ist das Kontrastprogramm zu den sensationsgeilen True-Crime-Formaten der letzten Jahre. Hier stehen organisch wachsende Spannung, realistische Charaktere und fokussierte Inszenierung im Mittelpunkt. Keine Schaumschlägerei, einfach solide Krimi-Unterhaltung mit zwei herausragenden Hauptdarstellerinnen und einem Ende, das nachhallt. Der womöglich beste Fincher, den Fincher nie gemacht hat.
Boston Strangler wird am 17. März bei Disney+ seine Premiere feiern!
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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

