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    Startseite » Chungking Express
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    Chungking Express

    Bernhard Schmidvon Bernhard Schmid15. September 2022Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Müde lehnt die mysteriöse Frau mit blonder Perücke (Brigitte Lin) in Chungking Express an der Schulter von Polizist #223 (Takeshi Kaneshiro).
    Verlorene Seelen in einer Bar © 2022 Plaion Pictures
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    Wie die anderen Filme des Hongkonger Regisseurs Wong Kar-Wai wurde auch Chungking Express einer aufwendigen Restaurierung unterzogen. Zeit, dem kultigen Liebesdrama ein paar Zeilen zu widmen.

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    Das Cover der Special Edition zu Chungking Express zeigt Faye (Faye Wong), die auf einer Rolltreppe kniet und sehnsüchtig durch eine Glasscheibe schaut.
    Die Special Edition zu Chungking Express © 2022 Plaion Pictures

    Die Handlung von Chungking Express

    Zwei Polizisten, zwei Dienstnummern ohne Namen, beide von der Freundin verlassen, beide regelmäßige Kunden des Midnight Express. Nr. 223 (Takeshi Kaneshiro) wird am 1. April von seiner Geliebten May sitzen gelassen und gibt sich einen Monat, bis zu seinem Geburtstag am 1. Mai Zeit, bis er endgültig von ihr lassen will. Als die Zeit verstrichen ist, geht er in eine Bar und nimmt sich vor, sich in die erste Frau, die durch die Tür kommt, zu verlieben. Eine mysteriöse Frau mit auffällig blonder Perücke (Brigitte Lin), eine Drogenschmugglerin, benötigt zu genau diesem Zeitpunkt einen Drink in eben dieser Bar…

    Polizist Nr. 663 (Tony Leung Chiu Wai), der seinen Chef-Salat beim selben Schnellimbiss kauft, bringt auf Anraten des Imbissbudenbesitzers (Chen Jinquan) statt der üblichen Mahlzeit ausnahmsweise einen Kebab mit nach Hause. Seine Freundin, eine Flugbegleiterin (Valerie Chow), kommt daraufhin auf den Geschmack und möchte auch in der Liebe Neues probieren. Sie gibt einen Brief mit dem Hausschlüssel von #663 am Imbiss ab. Faye (Faye Wong), die neuerdings im Imbiss aushilft und sich in den melancholischen Gesetzeshüter verliebt hat, möchte ihm die schlechte Nachricht mehrfach übergeben, er zeigt daran jedoch keinerlei Interesse. So entschließt sich Faye, den Schlüssel zu benutzen, um sich tagsüber in seiner Wohnung einzunisten und mehr oder weniger unauffällig umzudekorieren.

    Verlorene Seelen und ihre Sehnsüchte

    Inmitten der sich ziehenden Fertigstellung des Epos Ashes of Time entschloss sich Wong Kar-Wai, um den Kopf freizubekommen, zwischendurch schnell ein kleineres Projekt zu realisieren – er hatte einen Vertrag für zwei Filme unterschrieben, den er nicht zu erfüllen drohte. Gemeinsam mit Brigitte Lin und Tony Leung Chiu Wai von Ashes of Time drehte er innerhalb von gerade einmal 23 Tagen Chungking Express. Ursprünglich sollten darin drei lose verstrickte Geschichten erzählt werden, doch nach den zwei oben beschriebenen war Wong Kar-Wai der Meinung, der Film sei komplett. Aus der Idee der letzten, nicht verwendeten Episode entwickelte er das Skript für Fallen Angels, der als eigenständiger Film schließlich im Jahr darauf erschien.

    Die mysteriöse Frau mit blonder Perücke (Brigitte Lin) lehnt in Chungking Express an einem Schaufenster, im Laden ist Faye (Faye Wong) zu sehen.
    Lose sind die Handlungsstränge verbunden © 2022 Plaion Pictures

    So sind die beiden Werke auf besondere Weise verbunden; zwar gibt es in der Story keine Verweise aufeinander, thematisch und atmosphärisch sowie in ihrer Form gleichen sie sich allerdings, auch manch ein Schauplatz wie der Midnight Express hat präsente Auftritte in beiden Filmen. Wie in seiner „Trilogie von der ewigen Sehnsucht“, umspannend The Days of Being Wild, In the Mood for Love und 2046, ist dieses innige Verlangen, dieses unerfüllte Gefühl auch hier das Grundmotiv. Die darin mitschwingende Melancholie trieft aus jedem Filmkorn. Das Verlorensein und die damit einhergehende Einsamkeit zeichnen nahezu alle Charaktere, dazu zählt hier in gewisser Weise auch die Großstadt (der chinesische Originaltitel übersetzt sich in „Chungking Dschungel“), aus.

    Schräge Welt

    Diese Verlorenheit merkt man in jeder Sekunde in #663s Blick, bravourös gespielt von Tony Leung Chiu Wai, bei #223 schlägt sich der Zustand eher in Taten nieder. Jeden Tag, bis der peinigende Monat vergangen ist, kauft er sich eine Ananasdose mit dem Verfallsdatum am 1. Mai. Joggen geht er eigentlich nur, damit kein Wasser (sprich: keine Träne) mehr in ihm ist. Und während sich die männlichen Protagonisten nach einer erfüllenden Liebe sehnen, schlägt sich die Sehnsucht bei den weiblichen Counterparts eher in der nach Orten nieder. Vermutlich hat Nummer 663s Ex-Freundin deswegen den Beruf als Flugbegleiterin gewählt. Und Faye träumt bei der Arbeit von Kalifornien, ganze sechsmal erklingt diegetisch der The Mamas and the Papas-Hit California Dreamin‘.

    Polizist #663 trinkt in Chungking Express einen Kaffee, während Faye (Faye Wong) sich auf die Imbisstheke lehnt.
    Polizist #663 und Faye am Midnight Express © 2022 Plaion Pictures

    Diesem fast schon eskapistischen Pop-Soundtrack steht der hypnotische Score, insbesondere das ab Anfang wiederkehrende Thema Baroque von Michael Galasso, gegenüber, der einen in den Wirren des Großstadtdschungels gefangen hält. Manchmal wirkt es dabei so, als wäre die Kamera rein zufällig anwesend, so filmt sie nicht selten aus versteckten Winkeln fast als wäre es eine Investigativreportage. Doch um in dieser schrägen Welt nicht zu real zu wirken, setzt Wong Kar-Wai etliche Dutch Angle ein, damit wir auch schräg sehen. Für die zwei Storys zeichnen dabei auch zwei unterschiedliche Kameramänner verantwortlich: Andrew Lau (bekannt vor allem als Regisseur der Infernal Affairs-Trilogie) führte bei der ersten Geschichte die Kamera, bei der zweiten Christopher Doyle, der für die Bebilderung der meisten Filme Wong Kar-Wais zuständig war.

    Verspielte Inszenierung

    Die Handschrift des Regisseurs brannte sich aber ganz klar durch beide Kameramänner auf Zelluloid. Zeitlupe und -raffer wechseln sich ab, bei Verfolgungsjagden ist die Bewegungsunschärfe so stark, dass die entstehende Verzerrung auf verquere Weise selbst das Hastige, das Schnelle ruhig und langsam erscheinen lässt. Diese formale Verspieltheit, das Brechen der Filmschulregeln, das lässt Wong Kar-Wai in der Tradition der Nouvelle Vague, insbesondere aber vom wohl radikalsten Vertreter Jean-Luc Godard, stehen. Auch vom US-amerikanischen Independent-Kino ist der Hongkonger Regisseur beeinflusst, so ist die enigmatische Drogenschmugglerin mit Perücke, Sonnenbrille und Regenmantel nach Gena Rowlands‘ titelgebender Rolle in John Cassavetes Gloria, die Gangsterbraut modelliert.

    Sich anziehende Gegensätze

    Viele der Charaktere sind nicht wirklich zu greifen, ergriffen ist man als Zuschauer dennoch, während man ihre Geschichten verfolgt. So etwa, wenn Polizist Nr. 223 am Tag der Entscheidung alle 30 Ananasdosen auf einmal isst, um die Vergangenheit loszulassen. Oder sich gleich darauf vornimmt, sich wieder zu verlieben – egal in wen. Oder wenn Faye California Dreamin‘ aufdreht, die Musik viel zu laut für einen Imbiss, doch durch ihre leichten Tanzbewegungen kann ihr es niemand verübeln. Eine Szene, die Quentin Tarantino zur Aussage verleitete: „Ich kenne niemanden, der diesen Film gesehen hat und nicht in sie verknallt ist“. Tarantino war so begeistert von Chungking Express, dass er mit Miramax einen Vertrag zur Gründung eines eigenen Filmverleihs, Rolling Thunder Pictures, unterschrieb, um den Film einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen.

    Müde lehnt die mysteriöse Frau mit blonder Perücke (Brigitte Lin) in Chungking Express an der Schulter von Polizist #223 (Takeshi Kaneshiro).
    Verlorene Seelen in einer Bar © 2022 Plaion Pictures

    Daraufhin avancierte Chungking Express auch im Westen zum Kultfilm. Das verwundert allein schon oberflächlich kaum, denn die westlichen Einflüsse auf Hongkong sind an jeder Ecke zu finden: McDonald’s, Coca Cola, Kelloggs, ein gigantischer Stoff-Garfield, das immer wieder aus dem Imbiss schallende California Dreamin‘. Trotzdem ist dem Film eine eigene Hongkonger Identität inne, kurz bevor die Staatshoheit der Sonderverwaltungszone und ehemals britischen Kolonie an die Volksrepublik China übergeben wurde. Wie die Metropole ist auch Chungking Express voller vermeintlicher Gegensätze; das Gefühl von Einsamkeit in einer von Menschen überfluteten Stadt, melancholisches Liebesdrama und dennoch ausgesprochen hoffnungsvoll, Gangsterfiguren und sich in sie verliebende Polizisten, ruhig wirkende Bilder in einer schnelllebigen Welt, exzentrisch und doch so intim, nicht zu Ende erzählte Geschichtsstränge, die nicht vollständiger sein könnten. Ein kleiner Film, der doch alles hat – alles, was man für einen großartigen Film benötigt.

    Unser Fazit zu Chungking Express

    Als schnelle Auftragsarbeit gestartet, stieg Chungking Express langsam zum Kult-Hit auf. Voller Gegensätze und doch so stimmig, erzählt Regisseur Wong Kar-Wai zwei voneinander unabhängige, ergreifende Liebesgeschichten – verbunden über einen Imbissstand. Soulfood für jeden Filmliebhaber, dabei beeindruckend fotografiert und montiert.

    Chungking Express erscheint am 15. September als Special Edition in der Reihe „Das Kino des Wong Kar-Wai“ von Plaion Pictures.


    © Plaion Pictures

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