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    Crisis

    Jan Wernervon Jan Werner5. Mai 2021Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Ein Drogenkurier, ganz in weiß gekleidet, kniet auf einem schneebedeckten Hügel mit erhobenen Händen. Im Hintergrund sieht man die verschneite Wildnis und einen Helikopter herannahen. Crisis.
    Photo: Philippe Bosse www.philippebosse.com 514.932.4355
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    Der Kampf gegen die Drogen ist eine Never Ending Story und genauso unerschöpflich ist er als Quelle für die Film- und Serienwelt. In der Kritik zu Crisis könnt ihr lesen, ob dieser Thriller dem Genre etwas Neues hinzufügen kann.

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    Das Plakat des Films Crisis zeigt die drei Protagonisten, Gary Oldman, Armie Hammer und Evangeline Lilly, sowie den Titel in Großbuchstaben vor weißem Hintergrund.
    Das Plakat zu Crisis © Capelight Pictures

    Crisis – Episoden aus dem Drogenkrieg

    Crisis erzählt im Grunde genommen drei parallel verlaufende Geschichten mit nur wenige Berührungspunkten. Im Zentrum der ersten Teilhandlung steht Undercoverermittler Jake Kelly (Armie Hammer). Er versucht durch eine waghalsige Aktion das Vertrauen eines großen Gangsterbosses in der Gegend rund um Montreal zu gewinnen und diesen so dingfest machen zu können. Der zweite Part dreht sich um die Mutter Claire Reimann (Felicity Jones), die nach dem Verlust ihres Sohnes auf eigene Faust Vergeltung verschaffen will. Und der dritte Teil letztlich handelt vom Biologieprofessoren Dr. Tyrone Brower (Gary Oldman), der einem Skandal rund um ein neues Pharmazeutikum auf die Spur kommt, dessen Unbedenklichkeit er eigentlich bescheinigen soll. Alle drei Protagonisten geraten tiefer und tiefer in den aussichtslosen Kampf gegen die immer fataleren Auswirkungen des Betäubungsmittelmissbrauchs in den USA und Kanada hinein.

    Große Namen, zu wenig Zeit zu glänzen

    Nicht nur die drei Hauptfiguren sind äußerst namhaft besetzt. Auch in den Nebenrollen wird nahezu jeder Charakter von Schauspielgrößen verkörpert, die man mindestens aus zahlreichen großen Hollywoodproduktionen vom Sehen her kennt. Greg Kinnear, Michelle Rodriguez, Luke Evans, Rapper Kid Cudi oder sogar die Tochter von Johnny Depp, Lily-Rose, sind dabei. An der Qualität des Casts liegt es definitiv nicht, dass Crisis leider eine Drogenmilieustudie ohne jegliche Aussagekraft geworden ist.

    Claire (Evangeline Lilly) steht in einem Heizungskeller vor einigen Rohren und Metallwänden. Sie trägt eine schwarze Jacke über ihrem grauen Hoodie und hat dunkle, offene Haare.
    Evangeline Lilly sucht als trauernde Mutter nach Antworten © Capelight Pictures

    Vielleicht ist auch genau jene hochkarätige Besetzung, die dem Thriller zum Verhängnis wurde. Fest steht jedenfalls, dass kaum jemand auch nur annähernd an die eigene Normalleistung herankommen kann, da auch keine der Figuren genug Zeit und Raum bekommt, um nur einen Hauch von Tiefe zu entwickeln. Lediglich Evangeline Lilly kann in einigen Szenen als verzweifelte, trauernde Mutter, die selbst mit der Sucht zu kämpfen hat, ein Stück weit als emotionale Anknüpfungsstelle fungieren. Alle anderen aus dem Cast bleiben nahezu beliebig und ihr Schicksal ist dem Publikum leider relativ egal. Aufgrund der doch eigentlich so vielversprechenden Einzelgeschichten, die hier zu oberflächlich tangiert werden, wird man kaum emotional involviert.

    Zwischen Möchtegern-Soderbergh und Möchtegern-Haynes

    Der Verdacht macht sich breit, dass Regisseur und Autor Nicholas Jarecki mit Crisis schlicht und einfach zu viel wollte und dabei übers Ziel hinaus geschossen ist. In unter zwei Stunden Laufzeit stecken drei Filme, die für sich genommen und einzeln vorgetragen höchstwahrscheinlich zu packenden Thrillern oder Dramen taugen würden. Die Geschichte um Gary Oldmans Rolle, also einen Wissenschaftler, der einem politischen Skandal auf die Schliche kommt und sich daraufhin einem übermächtigen Gegenspieler gegenüber sieht, ist klassischer Stoff für einen Wirtschaftsthriller à la Vergiftete Wahrheit, mit dem Todd Haynes im vergangenen Jahr in einigen Bestenlisten landen konnte.

    Dort hat man sich enorm viel Zeit genommen, um peu à peu das Publikum durch das langsame Eintauchen in die Tiefen des Skandals immer stärker in den Bann zu ziehen und gar vor den Kopf zu stoßen. In diesem Film wird hingegen dieser Plot nur nach Schema F abgespult und Oldman wirkt mitunter gar merkwürdig unmotiviert. Insbesondere seine bedeutungsschwangeren Monologe und Appelle wirken gestellt und verpuffen in ihrer Wirkung komplett.

    Ein Drogenkurier, ganz in weiß gekleidet, kniet auf einem schneebedeckten Hügel mit erhobenen Händen. Im Hintergrund sieht man die verschneite Wildnis und einen Helikopter herannahen. Crisis.
    Ein Drogenkurier wird an der Grenze gestellt © Capelight Pictures

    Auch die Tragödie mit Evangeline Lilly im Zentrum wirkt nur minimal so intensiv, wie man es sich von einer solchen Prämisse verspricht. In der Kürze der Zeit kann man viel zu wenig Etappen ihrer emotionalen Reise zeigen. Vergleicht man auch hier mit einer ähnlich angelegten Story, die Destroyer mit Nicole Kidman erzählt hat, so zieht Crisis wiederum in allen Belangen den Kürzeren. Die Armie-Hammer-Handlung ist einzeln betrachtet gar die uninteressanteste, weil man sie eben so schon dutzende Male gesehen hat. Der Soderbergh-Klassiker Traffic funktioniert auch heute noch, da dort die vielen Handlungsstränge ineinander laufen und alles im Gesamtbild wie eine Einheit dasteht. Crisis hingegen zerfällt in Einzelteile, die als solche jedoch mangels Tiefe, Innovation und Spannung auch für sich genommen zum Scheitern bestimmt sind.

    Crisis enttäuscht durch seine fehlende Zielstrebigkeit

    Thematisch wie tonal orientiert sich Nicholas Jarecki an der American-Border-Trilogie von Autor Taylor Sheridan, die sich aus den Filmen Sicario, Hell or High Water und Wind River zusammensetzt. Sheridan schafft es, aktuellen Brennpunktthemen der USA mit stark geschriebenen Thrillern eine Plattform zu bauen. Die schonungslosen und rohen Geschichten meistern den Drahtseilakt zwischen Nervenkitzel und nachdenklich stimmendem Gesellschaftskommentar mit Bravour. Das liegt auch daran, dass sich die einzelnen Geschichten jeweils nur einem Konfliktherd widmen. Er konzentriert sich auf wenige, dafür herausragend geschriebene Figuren. Crisis wirkt als hätte man versucht noch drei weitere Episoden zu diesem Kanon hinzuzufügen, allerdings ohne die Essenz des Vorbilds verstanden zu haben. Am Ende bleibt der fade Beigeschmack, dass man hier über fast zwei Stunden einen Film gesehen hat, der es nicht schafft, der Dramatik der Oxycodonkrise gerecht zu werden. Zusätzlich gelingt es auch nicht, einen packenden Enthüllungsthriller oder wenigstens einen spannenden Kriminalplot zu erzählen.

    Emmie (Lily-Rose Depp) liegt bewusstlos auf dem Holzboden. Sie trägt eine gefütterte Winterjacke.
    Lily-Rose Depp spielt Emmie Kelly, die Schwester von Armie Hammers Figur © Capelight Pictures

    Unser Fazit zu Crisis

    Aufgrund des starken Casts und der relevanten Thematiken ist es eine große Enttäuschung, wie uninspiriert und ziellos der Drogenthriller Crisis ist. Die Einzelgeschichten wären auserzählt interessante Stoffe für abgeschlossene Filme. Als Triptychon, das aus verschiedenen Perspektiven den verzweifelten Kampf gegen die Kriminalität in Verbindung mit Betäubungsmitteln darstellt, funktioniert das Thrillerdrama überhaupt nicht. Dazu kommt dann noch, dass die Besetzung hier nicht das zeigen darf, was man jeweils im Normalform an Qualität gewohnt ist.

    Crisis ist ab 30. April als DVD, Blu-Ray und digital erhältlich.


    © Capelight Pictures

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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