Während in Deutschland kontrovers über eine Anhebung des Rentenalters diskutiert wird, denkt Regielegende Ridley Scott mit 88 Jahren gar nicht erst ans Aufhören. In seinem neuesten Werk – Das Ende der Sterne – nimmt er uns auf einen prominent besetzten Trip durch die Postapokalypse mit. Ob sich die Reise lohnt, erfahrt ihr in unserer Rezension.
Darum geht’s in Das Ende der Sterne
Eine Pandemie hat einen Großteil der Weltbevölkerung ausgelöscht, der Pilot Big Hig lebt mit seinem Hund Jasper in einem verlassenen Flugzeughangar in Colorado. Seine Frau und seine Freunde sind gestorben, Gesellschaft leistet ihm der Ex-Marine Bangley. Eines Tages empfängt Hig einen Funkspruch, der ihm Hoffnung auf Überreste einer Zivilisation gibt. Hig macht sich mit seiner Cessna auf die Suche nach der Herkunft des Signals.
Vielbeschäftigt und doch faul
Faulheit kann man Ridley Scott wahrlich nicht vorwerfen. Es vergeht wohl kaum ein Tag an dem er nicht bewegte Bilder konzipiert, produziert oder inszeniert. Effizienz bestimmt dabei sein Handeln. Um Zeit und Kosten zu sparen, zeichnet Scott seine eigenen Storyboards, verzichtet auf Proben, dreht viele Szenen nur einmal und arbeitet während der Dreharbeiten bereits an der Postproduktion. Doch genau darin liegt laut Kameramann John Mathieson das Problem. Das Wort „faul“ bezog er in einem Interview zu Gladiator II nicht auf Scotts unermüdlichen Einsatz, sondern darauf, dass er mehr denn je Effizienz über künstlerische Ambitionen stellt. Scott gehe am Set achtlos und übereilt vor. Damit die Szenen schnell im Kasten sind, setzt er mehrere Kameras gleichzeitig ein und vergisst dabei oft seine früheren Markenzeichen. Dass er inzwischen lieber Masse statt Klasse abliefert, zeigt sich nun auch in Das Ende der Sterne.
Altbackenes Armageddon
Vom großen Visionär, der gekonnt mit Licht und Schatten spielt, ist nicht mehr viel übrig. Das Ende der Sterne hat weder eine eigene Vision noch eine eigene Ästhetik. Das Szenario wurde dreist wahlweise von I am Legend oder von The Last of Us geklaut, und auf kreative Einstellungen oder eine stimmungsvolle Lichtsetzung verzichtet der Altmeister dankend. Es gibt zwar ein paar schöne Luftaufnahmen, doch dafür braucht es weder eine Regielegende noch eine besonders ausgefeilte Kameraführung. Jede Person mit einem halbwegs versierten Auge erzielt den gleichen Effekt, wenn sie eine Drohne über schöne Landschaften oder Geisterstädte fliegen lässt. Diese Aufnahmen ließen sich sogar mit den gleichen generischen Soundbits aus einer GEMA-freien Datenbank unterlegen.
Dafür weiß Scott als ehemaliger Werbefilmer aber genau, wie er die Produkte seiner Finanziers in Szene setzt. Ansonsten genügt es ihm, eine oder mehrere Personen auf einer Wiese oder in einem Waldstück zu filmen und dabei eine Nebelmaschine laufen zu lassen. Sobald es Nacht wird, werden die Bilder künstlicher, da Sie am Tag entstanden und später nachbearbeitet wurden. Erst ein Ortswechsel im letzten Akt bringt dann endlich ein bisschen Abwechslung in das Wald und Wiesen-Szenario. Dummerweise passt der so gar nicht in die zuvor etablierte Welt.
Dass Endzeitfilme in trostlosen Gegenden spielen, liegt in der Natur der Sache. Doch ein Blick in die Welt von Mad Max zeigt, wie sich auch solche Schauplätze visuell ansprechend – ja gar lebendig – gestalten lassen. Einzig die Drehbuchautoren haben sich ein Beispiel an der Reihe genommen und die Erzählstruktur von Mad Max: Fury Road eins zu eins übernommen.
Apokalypse lau
Wenn die Welt in Trümmern liegt, sind die Tage für die letzten Überlebenden nicht sehr ereignisreich. Wurde erst einmal ein Unterschlupf gebaut und die Versorgung gesichert, gibt es für sie nicht mehr viel zu tun. Das Ende der Sterne vermittelt dieses Gefühl perfekt. Entweder streunen die Figuren durch menschenleere Gegenden oder sie erzählen am Lagerfeuer ihre Lebensgeschichten. Ab und zu gibt es einen Überfall, bei dem schnell die Übersicht verloren geht, weil ausgerechnet dann die Beleuchtung ausfällt. Vielleicht hat da jemand im Schneideraum den Kaffee zu stark dosiert…
Das sich Langeweile aufs Gemüt schlägt, wird auch am Schauspiel ersichtlich. Jacob Elordi (Wuthering Heights) und Margaret Qualley (Honey Don’t) quälen sich völlig emotionslos durch ihren Alltag. Keiner von beiden macht irgendeine Art von Entwicklung durch oder lernt aus Erlebnissen. Nur so können sie blindlings in jede Falle laufen, die das Drehbuch für sie bereithält. Dabei brauchen sie nicht einmal besondere Menschenkenntnis, um Gut von Böse zu unterscheiden. Ist jemand jung und hübsch, geht von dieser Person keine Gefahr aus. Alle älteren Herren haben eine harte Schale, aber einen weichen Kern, und Fieslinge geben sich dank Tattoos, mangelnder Körperhygiene oder verlodertem Kleidungsstil schnell als solche zu erkennen. Sie erweisen sich aber nicht als ehrenlos, denn wehrlose Siedler lassen sie in Frieden.
Guy Pearce (Der Brutalist), Benedict Wong (3 Body Problem), Josh Brolin (Weapons – Die Stunde des verschwindens) und Allison Janney (Nur noch ein kleiner Gefallen) dürfen ebenfalls nur Schablonen spielen. Während sich die ersten beiden dem schnarchigen Schauspiel von Elordi und Qualley anpassen, hinterlassen Brolin und Janney dank Overacting und natürlichem Charisma einen bleibenden Eindruck. Das Ende der Sterne läutet bestimmt nicht das Ende von Ridley Scotts Regiekarriere ein, aber ein Fleißsternchen bekommt er dafür auch nicht.
© 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Unser Fazit zu Das Ende der Sterne
Viel Arbeit, wenig Zeit und ein begrenztes Budget führen zu Akkordarbeit und Dienst nach Vorschrift. So entstehen lieblos heruntergekurbelte Produkte, bei denen es an Originalität und Qualität mangelt. Wie viele von Scotts Produktionen aus den letzten Jahren ist auch Das Ende der Sterne dementsprechend vergessenswert. Wer unbedingt einen Trip in die Postapokalypse buchen möchte, sollte also lieber zur Konkurrenz gehen, denn Scott Free Productions bieten nur noch Pauschalreisen.an.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.