Nachdem die ganze Welt erneut einen Blick in Pixars animierte Spielzeugkiste werfen durfte, startet das neueste Abenteuer von Woody, Buzz und Jessie nun auch in unseren Kinderzimmern – äh, Kinosälen. Hat sich das Warten auf Toy Story 5 gelohnt?
Darum geht es im fünften Teil der Toy Story-Reihe
Die Kult-Spielzeuge sind zurück auf der großen Leinwand und dieses Mal stehen Buzz Lightyear, Woody, Jessie und der Rest der Bande vor einer ganz neuen Herausforderung als sie Lilypad begegnen, einem funkelnagelneuen Tablet, das sehr eigenwillige Vorstellungen davon hat, was für ihr Kind Bonnie am besten ist. Wird das Spielen jemals wieder so sein wie zuvor? Es steht viel auf dem Spiel…
Das große Kribbeln
Fragt man nach Pixars Meilensteinen, wird wohl kaum jemand Die Unglaublichen 2, Findet Dorie oder Alles steht Kopf 2 nennen. Obwohl hochwertig produziert und ihren Vorgängern technisch überlegen, entfalten die Fortsetzungen nicht die gleiche Wirkung. Bei den ersten beiden Toy Story-Fortsetzungen verhält es sich jedoch etwas anders. Durch den genialen Kniff, Spielzeuge in den Mittelpunkt zu stellen, umging der erste Teil nicht nur technische Limitationen. Vielmehr bot die Prämisse die Möglichkeit, Themen wie Vergänglichkeit, Verlust, Veränderung oder Freundschaft mit beständigen Bezugspersonen zu verhandeln. Die Spielzeuge blieben gleich, aber ihre Welt unterlag einem ständigen Wandel. Wer 1995 als Kind den ersten computeranimierten Langfilm im Kino sah, war 2010 wie Andy – dem Besitzer der Spielzeuge – dem Kindesalter entwachsen. Gleichzeitig sorgte Pixar dafür, dass die erzählerischen Schwerpunkte auch Ältere ansprachen. Die Emotionen der Figuren übertrugen sich wie von selbst und erzeugten beim Publikum nostalgische, wohlige, aber auch leicht melancholische Gefühle. Da Toy Story 3 einen nahezu perfekten Abschluss der Geschichte bot, stellten sich viele die Frage nach der Existenzberechtigung von Toy Story 4, der hierzulande unter dem bescheuerten Titel A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando vermarktet wurde.
Die unglaublichen Besucherzahlen
Ein Grund für die weiteren Fortsetzungen ist natürlich der immense finanzielle Erfolg. Während Pixars originäre Stoffe in den vergangenen Jahren an den Kinokassen enttäuschten, spielen die Fortführungen ihrer Klassiker regelmäßig über eine Milliarde Dollar ein. Toy Story 5 übertraf in den USA mal wieder alle Erwartungen und ist schon jetzt einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Bei allen ökonomischen Überlegungen vergisst Pixar jedoch nie, sein Publikum zu unterhalten. Die emotionalen Ankerpunkte werden in Teil vier und fünf vielleicht nicht mehr ganz so treffsicher gesetzt, doch neben technischer Perfektion haben beide die wichtigsten Bestandteile ihrer Vorgänger übernommen.
Alle Elementals vereint
Andrew Stanton – Autor der Toy Story-Reihe sowie Regisseur von Findet Nemo, Das große Krabbeln und WALL·E – spielt noch immer gerne mit seinen Puppen und setzt auch beim fünften Teil alles daran, den alten Zauber erneut zu entfachen. Gemeinsam mit seiner Co-Regisseurin McKenna Harris kreiert er wieder einmal ein spaßiges Abenteuer für seine Lieblinge. Dabei begnügen sich die beiden nicht nur mit den bekannten Figuren. Sie erweitern die ohnehin prall gefüllte Spielzeugkiste um einige witzige Neuzugänge, von denen jedoch nur drei stärker in die Handlung eingebunden werden: ein Kompass, ein Fotoapparat und mein persönliches Highlight, der Töpfchen-Trainer. Dass einige Publikumslieblinge nur einen Cameo-Auftritt erhalten, liegt an der Laufzeit, die – anders als die Kreativität von Stanton und Harris – nun einmal begrenzt ist. Trotz der Vielzahl an Plastik-Persönlichkeiten geraten weder der Erzählfluss noch das Zusammenspiel der Charaktere ins Stocken. Man merkt, dass hier zwei Spielkameraden am Werk sind, die das Potenzial ihrer Figuren genau einschätzen und daraus die richtigen Konstellationen entwickeln können.
Dass Toy Story 5 trotzdem nicht ganz oben im Ranking landen wird, liegt an den repetitiven Erzählelementen. Stanton und Harris greifen die Ideen der Vorgänger auf und variieren sie nur leicht. Wieder gibt es ein Spielzeug, das die anderen verdrängt, wieder muss die Hauptfigur eine Odyssee durchleben und wieder gibt es einen ganzen Trupp Buzz Lightyears, der sich für echte Space Ranger hält. Ihre Suche nach dem Hauptquartier wirkt, so unterhaltsam sie auch inszeniert ist, etwas angeflanscht. Erst gegen Ende werden sie besser in die Geschichte integriert und bekommen in einer Abspannszene sogar einen schönen Abschluss spendiert.
Freude, Kummer, Angst und Wut
Die Gegenspielerin Lilypad bleibt im Vergleich zu Stinky Pete und Lotso Knuddelbär blass. Beide erlitten tiefgreifende seelische Verletzungen und entwickelten nachvollziebaren einen Hass auf die Welt. Lilypad besitzt dagegen weder eine ausgeprägte Persönlichkeit noch eine eigene Agenda. Sie verfolgt dasselbe Ziel wie Jessie, Woody und Buzz, geht dabei jedoch andere Wege. Wie der Konflikt ausgehen wird, lässt sich daher früh erahnen.
Eine emotionale Verbindung zum Geschehen auf der Leinwand werden diesmal vor allem die jüngeren Zuschauenden aufbauen. Die Suche nach Freundinnen, erste Social-Media-Erfahrungen und die Orientierung an Gleichaltrigen knüpfen stärker an ihre Lebenswirklichkeit an. Den Erwachsenen hält Pixar lediglich einen Spiegel vor und sorgt mit vertrauten Situationen aus ihrem Alltag für humorvolle Momente. Nur wenn Jessie Frieden mit ihrer Vergangenheit schließt, dürfte wohl kein Auge im Kinosaal trocken bleiben.
Toy Story – Lebendiger als das Leben
Technisch bewegt sich Toy Story 5 auf höchstem Niveau. Musste Pixar vor 30 Jahren noch auf möglichst glatte Oberflächen und einfache Hintergründe setzen, strotzt heute jede Einstellung vor Detailreichtum. In jeder Szene wird dafür gesorgt, dass wir eine nahezu perfekte Abbildung unserer Welt zu sehen bekommen. Holz hat eine Maserung, Autositze fein ausgearbeitete Rillen, das Spielzeug sichtbare Abnutzungsspuren und selbst auf den Bitumen-Biberschindeln eines Daches sind einzelne Körner zu erkennen. Bisweilen stellen die Schauplätze die Realität in sogar in den Schatten. Einem nebligen Containerhafen Schönheit zu verleihen, ist eine Kunst für sich.
Stimmen der Stars
Die gelungene Synchronisation ist auch diesmal wieder einer von vielen Gründen, das Tablet beiseitezulegen und Toy Story 5 auf dem großen Bildschirm zu genießen. Neben Tom Hanks, Tim Allen und Joan Cusack als Woody, Buzz und Jessie sind selbst Größen aus dem Showbusiness wie Ernie Hudson, Bad Bunny (Bullet Train), Keanu Reeves, Conan O’Brien (If I had Legs I’d kick You) und Greta Lee (Past Lives) sich nicht für kleinste Sprechrollen zu schade.
Die deutsche Synchronisation fährt zwar kein derart prominentes Ensemble auf, kann sich aber dennoch hören lassen. Walter von Hauff ist seit Teil eins die ideale Besetzung für Buzz, während Michael Bully Herbig (Das Kanu des Manitu) erst ab Teil drei Woody spricht. An ihm könnten sich Toy Story-Puristen weiterhin stören, da er nicht wie der legendäre Peer Augustinski vollständig mit der Rolle verschmilzt. Dass es bei Jessie ebenfalls einen Sprecherinnenwechsel gegeben hat, fällt hingegen kaum ins Gewicht. Die neue Stimme passt ebenso gut zu ihr wie die alte. Gerade in Zeiten der Debatte um KI-Synchronisation ist es wohltuend, dass Pixar weiterhin auf echte Sprecherinnen und Sprecher vertraut. So lernen hoffentlich nicht nur Spielzeuge, wie man Mensch und Technik auch in Zukunft sinnvoll verbindet.
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Unser Fazit zu Toy Story 5
Toy Story 5 ist eine weitere sehenswerte Fortsetzung aus dem Hause Pixar. Die Animationen sind auf dem neuesten Stand, die Gags sitzen und hier und da darf auch mal ein Tränchen verdrückt werden. Die Botschaft fällt diesmal allerdings deutlich simpler aus und erreicht nicht den emotionalen Nachhall der ersten drei Teile. Dennoch stellt sich beim Wiedersehen mit Woody, Buzz und Jessie sofort dieses unverwechselbare Toy Story-Gefühl ein. Aus diesem Grund werden wir vermutlich auch beim sechsten Aufguss wieder in Scharen ins Kino pilgern und dabei „You've Got a Friend in Me“ summen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.