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    Startseite » Das Mädchen mit der Nadel
    Drama Filme Historienfilm

    Das Mädchen mit der Nadel

    Kenan Hasicvon Kenan Hasic9. Januar 2025Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Magnus von Horns Schwarz-Weiß-Historiendrama Das Mädchen mit der Nadel über eine schwangere Frau im Kopenhagen des Ersten Weltkriegs sorgte in Cannes bereits für Kontroversen. Könnte es ein erster Geheimtipp für das noch junge Kinojahr sein?

    Einige Frauen in Schwestern-Kleidung. Bis auf die Frau in der Mitte blicken alle nach unten. Das Bild ist schwarzweiß. Oben steht der Titel von Das Mädchen mit der Nadel auf Englisch: The Girl with the Needle.
    © MUBI/The Match Factory

    Das Mädchen mit der Nadel – Die offizielle Handlung

    Kopenhagen, 1919: Karoline (Victoria Carmen Sonne) kämpft ums Überleben. Von ihrem Mann fehlt jede Spur, und ohne ein offizielles Dokument, das seinen Tod an der Front bestätigt, bleibt ihr die Witwenrente verwehrt. Mittellos und ohne Perspektive verliert sie schließlich ihre Wohnung. Ein Lichtblick scheint sich abzuzeichnen, als Jørgen (Joachim Fjelstrup), der Besitzer der Textilfabrik, in der sie arbeitet, eine Affäre mit ihr beginnt. Doch die vermeintliche Hoffnung zerbricht, als Karoline schwanger wird: Jørgen lässt sie nicht nur im Stich, sondern entlässt sie auch. Plötzlich steht sie vor dem völligen Ruin.

    Die Geschichte einer gefallenen Frau 

    Karoline lebt in einer Welt, die nicht nur die verheerenden Ausmaße des Ersten Weltkriegs ertragen muss, sondern sie und andere Frauen an den äußersten Rand der Gesellschaft drängt. Sie ist allein, ihr Mann kämpft noch immer an der Front, sie ist arbeitslos und schwanger von einem Mann, der nicht ihr Ehemann ist. Damit gilt sie als sündige Frau, verurteilt von der Gesellschaft, die sie zwingt, im Untergrund zu verschwinden und für den Rest ihres Lebens unsichtbar zu bleiben.

    In der ersten Hälfte seines expressionistischen Gesellschaftsdramas skizziert Magnus von Horn den tiefen gesellschaftlichen Abstieg seiner Protagonistin. Karoline ist der patriarchalen Kontrolle völlig ausgeliefert und gezwungen, in die düstere Unterwelt Kopenhagens abzutauchen. Das Mädchen mit der Nadel fungiert dabei nicht nur als Gesellschaftsdrama über eine schwangere Frau, die allein ums Überleben kämpft, sondern auch als expressionistischer Horrorfilm. Er dient als Sozialparabel, die aufzeigt, wie die Gesellschaft als monströse Kontrollinstanz über den Körper der Frau verfügen will.

    Kameramann Michal Dymek fängt die Stadt in atemberaubendem, aber düsterem Schwarz-Weiß ein. Die Räume und Gassen wirken schmal, einengend und wie kleine Gefängnisse, die die Zerrissenheit der Menschen innerhalb dieser Mauern widerspiegeln. Hier verstecken sich diejenigen, die als gesellschaftlich nicht akzeptabel gelten und in die Isolation gedrängt werden. Karolines Platz in dieser gotisch anmutenden Kulisse ähnelt ihrem eigenen Körper – einem Gefängnis, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Alles erscheint hoffnungslos.

    Der Alltag als albtraumhafte Kulisse 

    Das Mädchen mit der Nadel eröffnet mit einer der beeindruckendsten Montagen des noch jungen Kinojahres. In Licht- und Schattenspielen erscheinen klumpige Gesichter, die Schmerz und Qual erleiden. Regisseur Magnus von Horn entfesselt bereits in den ersten Einstellungen das Bild des Menschen als geplagte Seele, die von der Gesellschaft zermalmt und anschließend ausgespuckt wird. Im Verlauf dieser schmerzhaften Alltagsdarstellung folgen wir seiner Protagonistin, die sich weiteren sozialen Demütigungen stellen muss – sei es die Räumung ihres unzumutbaren Zimmers oder ihre mühselige Arbeit als Näherin in einer Wäschefabrik, die sie nur knapp über dem Existenzminimum hält.

    Albtraumhaft wird ihr Alltag jedoch erst, als zwei Männer wieder in ihr Leben treten: Zum einen Jorgen, ihre Affäre und wohlhabender Fabrikbesitzer, der ihr kurzfristig eine gesellschaftliche Atempause verschafft, sie jedoch fallen lässt, sobald er von ihrer ungewollten Schwangerschaft erfährt. Zum anderen ihr Ehemann Peter (Besir Zeciri), der plötzlich wie ein unheimlicher Schatten vor ihr steht – entstellt vom Schrecken des Krieges und ohne einen Platz in Karolines zerrütteter Welt.

    Anhand dieser Konstellation entfacht von Horn die ersten schrecklichen Visionen einer Gesellschaft, in der sich die Menschen an ihrem untersten Rand nahezu selbst zerfleischen, während die Oberschicht ungestraft davonkommt. Peter und Karoline sind voneinander entfremdet und zugleich aufeinander angewiesen, während Jorgen sich ohne jede Konsequenz aus der Affäre ziehen kann. Es sind Geschichten wie diese, die den wahren Horror der zweiten Hälfte des Films ankündigen.

    Die Nuancen einer wichtigen Debatte

    Bei einem Versuch der Selbstabtreibung in einem Badehaus lernt Karoline Dagmar (Trine Dyrholm) kennen, die zunächst als freundliche Besitzerin eines Süßwarenladens erscheint. Doch Dagmar verfolgt nebenbei ein anderes Ziel: Sie sucht und vermittelt Adoptivfamilien für ungewollte Kinder. Karoline entscheidet sich, Dagmar zu vertrauen. Statt die Schwangerschaft abzubrechen, wählt sie einen Mittelweg und hofft, ihrem Kind ein besseres Leben in einer anderen Familie zu ermöglichen. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter und unterstützt Dagmar begeistert bei deren Vorhaben – eine Entscheidung, die sich später als schwerwiegender Fehler erweist.

    Die Stärke von Das Mädchen mit der Nadel liegt in der komplexen Charakterisierung von Karoline. Sie unterdrückt ihre klar vorhandenen mütterlichen Sehnsüchte, da ihr sozialer Status und ihre prekäre Lebenssituation ihrem Kind kein gesundes und sicheres Aufwachsen ermöglichen würden. Stattdessen entscheidet sie sich gegen die damals illegalen und oftmals schmerzhaften Methoden eines Schwangerschaftsabbruchs. In ihrer Naivität glaubt sie, dass ihr Kind bei einer Adoptivfamilie eine bessere Zukunft haben könnte. Diese Haltung Karolines dient als Spiegel für eine Debatte, die längst nicht mehr nur um die Moralfrage zwischen Leben und Nicht-Leben kreist, sondern auch um die Kontrolle über den weiblichen Körper.

    Heute sind Schwangerschaftsabbrüche medizinisch gut erforscht und können schmerzfrei für die Frau und den Fötus durchgeführt werden, was Frauen das Recht zurückgibt, über ihren eigenen Körper zu entscheiden. Dennoch bleibt diese Entscheidung auf legislativer Ebene weltweit umstritten. In Ländern wie den USA droht diese Thematik zu einem der größten Kultur- und Sozialkämpfe der Geschichte zu eskalieren, da männlich dominierte Politik und Gesetzgebung weiterhin versuchen, die Selbstbestimmung von Frauen einzuschränken.

    Magnus von Horn verleiht dieser Debatte durch die Figur Dagmars ein eindringliches Gesicht. Ihre Handlungen zeigen die grausame Realität der Mechanismen, mit denen die Kontrolle über den weiblichen Körper ausgeübt wird, und verdeutlichen die Unterdrückung, die damit einhergeht.

    © MUBI/The Match Factory

    Unser Fazit zu Das Mädchen mit der Nadel

    4.0 Stark

    Trine Dyrholms Schauspiel erweist sich letztlich als Schlüssel, um Magnus von Horns leidvolle, in expressionistischer Schönheit getauchte Darstellung eines realen Falls spannend und vielschichtig zu gestalten. Das Thema wird mit großer Nuance angegangen, ohne eine bevormundende Position einzunehmen oder die moralisch fragwürdigen Entscheidungen der Protagonistinnen zu verurteilen. Dies liegt vor allem an von Horns spürbarer Leidenschaft für seine Figuren und seinem Interesse an ihren individuellen Beweggründen. Am Ende vermittelt der Film eine bittere Lektion über Niederlagen: Die gesamte Geschichte ist ein Zeugnis von Unterdrückung, nicht überwundenen Traumata und der Rolle, die jeder Mensch innerhalb eines größeren Systems spielt.

    Das Mädchen mit der Nadel startet am 9. Januar 2025 in den deutschen Kinos und ab dem 24. Januar auch auf Mubi zu streamen.

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