Karl Urban ist in The Boys schon für sein Mundwerk berüchtigt. Nun verleiht er in der deutlich kinderfreundlicheren Abenteuergeschichte einem Monsterjäger seine Stimme. Kann der Animationsfilm Das Seeungeheuer von Netflix überzeugen?

Das Seeungeheuer – Die offizielle Handlungsangabe
In einer Zeit, in der furchterregende Seeungeheuer die Menschen in Atem hielten, wurden Monsterjäger wie Jacob Holland als Helden gefeiert. Mit der jungen Maisie Brumble, die sich als blinde Passagierin auf sein sagenumwobenes Schiff schleicht, bekommt er eine unerwartete Verbündete. Gemeinsam begeben sie sich auf eine epische Reise in unerforschte Gewässer und schreiben dabei Geschichte.
Moby Dick trifft Drachenzähmen leicht gemacht
Die Parallelen zum Literaturklassiker von Herman Melville sind nicht von der Hand zu weisen. Kapitän Crow verkörpert das menschliche Bedürfnis, die Natur herauszufordern und zu bezwingen. Nur in diesem Fall handelt es sich nicht um den sagenumwobenen Wal, sondern um die Kreatur „Red Bluster“. Wie Kapitän Ahab gibt es auch hier einen grimmigen Seebären, der zerfressen von Rache ist. Auch er hat einen Teil seines Körpers dem Ungeheuer geopfert. Statt eines Beins, war es sein Auge.
Ab dem Zeitpunkt, an dem Holland und Maisie der Kreatur begegnen, wirkt dieses nicht so grauenvoll wie beschrieben. Im Gegenteil, die Protagonist:innen sympathisieren sogar mit dem Lebewesen. Das erinnert sehr stark an „Ohnezahn“ aus der Drachenzähmen-Reihe. Und hier beginnt allerdings auch eines der Probleme des Films. Die Animation ist über weite Strecken sehr überzeugend mit seinen knalligen Farben, fotorealistischen Landschaften und toller Beleuchtung, aber gerade beim Kreaturen-Design und der Charakterisierung des Red Bluster verblasst diese. Als eigenständige Figur erreicht das titelgebende Monster niemals die Qualitäten seiner geistigen Vorgänger. Da war die Kreatur zu Beginn des Films mitreißender – und das in deutlich weniger Minuten Screentime.

Spaßige Momente zum genießen, blasse Figuren
Die Action auf hoher See ist sehr mannigfaltig inszeniert. Gerade zu Beginn taucht man in dieses Abenteuer sofort hervorragend ein. Ohne die Figuren zu kennen, fühlt man sich hautnah dabei – wie ein Teil der Crew. Aber je weiter die Handlung fortschreitet und je mehr wir über die Figuren wie Jacob Holland, Kapitän Crow und Maisie erfahren, desto mehr verblasst der Film.
Jacob Holland wird nie zu einer mitreißenden, interessanten Hauptfigur, obwohl er mit Karl Urban einen sehr spannenden Synchronsprecher hat. Insgesamt bleibt er blass. Seine Figur hat wenig Profil und kaum Höhepunkte. Alle anderen Figuren wie Maisie und Crow sind zwar vielschichtiger, interessanter als er, wachsen aber nie über sich hinaus. Maisie soll als eine Art Katalysator für Jacob dienen, aber das geht nie wirklich auf. Alles wirkt sehr klassisch an die Fans von Seeabenteuern gerichtet und es wird wenig des Potenzials ausgeschöpft, um eine originelle Geschichte zu erzählen. Aber der „Sea Shanty“ ist ein sehr großer Ohrwurm.
Unser Fazit zu Das Seeungeheuer
Das Seeungeheuer ist eher ein lauschiger Sonntags-Törn als die Entdeckung Amerikas. Ein Abenteuer in liebevollen Bildern, mit sympathischen Figuren und Sprechern, aber wenig Eigenständigkeit. Das macht Spaß – vor allem mit der Familie vor dem Fernseher – aber wird mit Sicherheit nicht länger im Gedächtnis bleiben. Um mit der hohen Konkurrenz im Animations-Business mithalten zu können, muss Netflix definitiv noch größere Kanonen auffahren.
Das Seeungeheuer ist seit dem 8. Juli bei Netflix abrufbar!
© Netflix
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

