In Zeiten von ChatGPT und Co. durchdringt Künstliche Intelligenz fast alle Lebensbereiche. Diese rasante technische Entwicklung bringt nicht nur enorme Vorteile, sondern schürt auch große gesellschaftliche Ängste.
Diese Ängste sind nicht neu. Der SciFi-Thriller Des Teufels Saat zeigte bereits 1977, was passiert, wenn KI sich über die Menschen erhebt. Plaion Pictures hat den Streifen neu aufgelegt und wir sagen euch, was er heute noch taugt.

Die Handlung von Des Teufels Saat
Susan Harris, die Ehefrau des an Künstlicher Intelligenz forschenden Wissenschaftlers Alex Harris, wähnt sich sicher in ihrem vollautomatisierten Smart Home – doch die Technik hat andere Pläne. Proteus IV, der hochentwickelte Supercomputer mit eigenem Bewusstsein, kapert das Haus und nimmt Susan gefangen. Sein Ziel: die Erschaffung einer neuen Lebensform – halb Maschine, halb Mensch. Es entwickelt sich schnell ein beklemmender Psychothriller auf engstem Raum.
Die Technikparanoia der 70er
Die 1970er-Jahre in den USA waren nicht nur unruhige Zeiten. Sie waren geradezu der perfekte Nährboden für Verschwörungstheorien und die wildesten Paranoia-Fantasien. Dafür sorgten die Attentate an den Kennedys, die Watergate-Affäre sowie gesellschaftliche Zündstoff-Themen wie der umstrittene Vietnamkrieg und die vorherrschenden Rassenunruhen.
Die Filmindustrie spiegelte diese Stimmung im Land mit einigen auch heute noch hochinteressanten politischen Paranoia-Thrillern wie beispielsweise Die drei Tage des Condor (1975) mit Robert Redford.
Doch nicht nur gesellschaftspolitisch war das Klima angespannt. Auch die technische Entwicklung löste regelrechte Angstfantasien aus, die im Filmischen ihre Visualisierung fanden.
In Michael Crichton Sci-Fi-Klassiker Westworld „leben“ täuschend echt aussehende Robotermenschen in einem Freizeitpark. Zahlende Kunden können hier nach Herzenslust die sprichwörtliche Sau rauslassen. Als allerdings Defekte an den Robotern auftreten, die sie autonom werden lassen, wird aus dem Freizeitspaß ein blutiges Rachefest der Maschinen.
Es ist genau diese Angst vor der Technologie, konkret vor Robotern und Supercomputern, die ihr eigenes Bewusstsein entwickeln und sich gegen ihre Schöpfer, die Menschen, auflehnen.
Die populärste Dystopie in dieser Hinsicht zeichnete dann James Cameron mit der Terminator-Reihe.

Smart-Home-Horror
Des Teufels Saat reiht sich also ein in eine Welle von Filmen, die in den 70ern das Verhältnis Mensch-Maschine neu ausloteten und düster zu Ende dachten.
Bereits der deutsche wie der englische Originaltitel (Demon Seed) spiegeln noch schön die Ängste und gewissermaßen die Unbeholfenheit des Menschen wieder, der die eigentlich leblosen, rational arbeitenden Supercomputer ganz klassisch als Teufel oder Dämon, also als das stereotype Böse, beschreibt.
Dabei zeigt Des Teufels Saat genau genommen zwei Lebensrealitäten mit hochleistungsfähigen Computern, eine positive und eine negative. Denn das Smart-Home des Ehepaars Harris ist ein echter Gewinn, weil es alltägliche Arbeiten im Haushalt automatisiert übernimmt und so eine echte Entlastung darstellt.
Aber genau hier zeigt sich in der Folge auch der Unterschied zu der Künstlichen Intelligenz Proteus IV, die Alex Harris in einer unterirdischen Forschungsanlage entwickelt. Das Smart-Home wird zwar als Person mit eigenem Namen dargestellt, das scheinbar frei mit Susan und Alex kommuniziert.
Es führt aber lediglich fest definierte Aufgaben aus, die es immer gleich erledigt und niemals hinterfragt. Es entwickelt also kein eigenes Bewusstsein, das selbstständig handelt und denkt.
Regisseur Donald Cammell nimmt sich aus heutiger Sicht viel Zeit für diese Unterscheidung. Der Film wird zwar ganz prägnant mit dem Terrorszenario in den heimischen vier Wänden beworben.
Die Exposition fällt allerdings wie oft in den 70er-Jahren ziemlich gemächlich aus. Sie entführt uns als Publikum erstmal in die unterirdische Forschungsanlage. Nach und nach kristallisiert Cammell so die größte gesellschaftliche Angst heraus: Der Mensch hat sich einen Diener (den „Rechensklaven“) erschaffen, der sich durch immer größere Rechenpower von ihm emanzipiert.
Die Abzweigung zum Psychothriller nimmt Des Teufels Saat also in dem Moment, in dem Proteus IV erkennt, dass er den Menschen überlegen ist und es deshalb keinen rationalen Grund mehr gibt, ihnen, das heißt Doktor Harris zu gehorchen.
Denn Menschen, das zeigt Cammells Film anhand eines anschaulichen Beispiels, treffen ihre Entscheidungen nicht rein rational. Emotionale Antriebe wie zum Beispiel (Geld-)Gier verschleiern das Urteilsvermögen. Sie machen den Menschen in den „Augen“ von Proteus IV zur unterlegenen Rasse.

Kühne Zukunftsvision mit toller Ausstattung und einem Schuss Trash
Während Des Teufels Saat mit seiner Sicht auf Computer und Künstliche Intelligenz auch heute noch erstaunlich aktuell daherkommt, ist das Ganze filmisch natürlich ein Kind seiner Zeit.
Um es einmal ganz klar zu sagen: Ein hochspannendes Kammerspiel mit Schockmomenten oder blutigen Gewalteinlagen sollte hier niemand erwarten.
Auch die Einordnung als Horrorfilm, die hier und da getroffen wird, führt für mich auf eine völlig falsche Fährte. Was grundsätzlich trotzdem vorherrscht, ist das Gefühl der Hilflosigkeit und Beklemmung, wenn Susan Harris im hermetisch abgeriegelten Haus einer unbeirrbaren, unbelehrbaren KI ausgeliefert ist.
Dass eine männlich gesprochene KI eine Frau einsperrt, sie leicht bekleidet untersucht und sich gegen ihren Willen mit ihr fortpflanzen will, könnte dann auch in andere Richtungen interpretiert werden.
Was an Des Teufels Saat trotz seines Alters fasziniert und dabei einen gewissen Retrocharme entwickelt, ist die Ausstattung. Das Smart-Home hat ein paar tolle, natürlich praktisch realisierte Kniffe zu bieten, mit denen zum Beispiel der Haushalt der Familie erledigt wird.
Solch eine Haptik ist heutzutage mehr als selten geworden. Auch Proteus‘ körperliche Darstellung als metallisches, sich ständig neu zusammensetzendes Gebilde ist komplett am Set gebaut worden.
Körperlichkeit ist am Ende auch das Stichwort, wenn sich herausstellt, was genau Proteus vorhat. Hier geht es genau nicht darum, dass ein Computer durch sein Netzwerk quasi ein ganzes Land in Sekunden übernimmt.
Proteus geht es vielmehr um eine echte Körperlichkeit wie die des Menschen. Des Teufels Saat scheut sich nicht, das Ganze bis zum Ende durchzuspielen, was aus heutiger Sicht mehr als trashig erscheint.
© Plaion Pictures
Unser Fazit zu Des Teufels Saat
Stark ausgestatteter und erstaunlich aktueller Sci-Fi-Thriller über eine rebellierende KI, die Julie Christie in ihrem eigenen „Smart Home“ einsperrt, um das menschliche Dasein auf reichlich krude (und heutzutage trashig wirkende) Weise zu „studieren“.
Des Teufels Saat ist am 27. März über Plaion Pictures als Mediabook erschienen