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    Startseite » I, Tonya
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    I, Tonya

    Heikovon Heiko14. März 2018Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Tonya Harding (Margot Robbie) nach ihrem dreifachen Axel-Sprung in "I, Tonya" © DCM
    Tonya Harding (Margot Robbie) nach ihrem dreifachen Axel-Sprung in "I, Tonya" © DCM
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    Tonya Harding war die erste amerikanische Eiskunstläuferin, die den sog. dreifachen Axel in einem Wettbewerb erfolgreich gesprungen ist. Doch sie wurde weniger wegen ihrer sportlichen Erfolge, sondern vor allem durch ihre unrühmliche Beteiligung an einem Attentat auf ihre Konkurrentin weltberühmt. Craig Gillespie hat ihre Geschichte nun mit Margot Robbie (The Wolf of Wall Street, Suicide Squad) in der Hauptrolle verfilmt. Am 22. März 2018 startet I, Tonya in den deutschen Kinos. 

    Offizielles Filmplakat zu "I, Tonya" © DCM
    Offizielles Filmplakat zu „I, Tonya“ © DCM

    Handlung

    Tonya Harding kommt aus einfachen Verhältnissen und wird schon früh von ihrer Mutter zu Höchstleistungen im Eiskunstlauf getrieben. Unangepasst scheint sie jedoch niemals wirklich in die oberflächliche Welt dieses Sports hineinzupassen. Durch ihr Talent und ihren Ehrgeiz schafft sie es dennoch bis zu den Olympischen Spielen. Für immer in Erinnerung wird sie allerdings wegen ihrer unrühmlichen Beteiligung an einem der größten Skandale in der Geschichte des Sports bleiben, denn kurz vor den Olympischen Winterspielen in Lillehammer wird ihre ärgste Konkurrentin im Auftrag ihres Ex-Mannes angegriffen. I, Tonya erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Fall dieser in allen Belangen außer- und ungewöhnlichen Sportlerin.

    I, Tonya – das etwas andere Biopic

    Einen biographischen Film wie diesen kann man freilich auf verschiedene Arten inszenieren. Auch die Geschichte von Tonya Harding hätte sich dabei für ein waschechtes Drama angeboten. Drehbuchautor Steven Rogers (P.S. Ich liebe dich) und Regisseur Craig Gillespie (The Finest Hours) haben sich jedoch anders entschieden. I, Tonya ist über eine weite Strecken eine schwarzhumorige Komödie voller Skurrilitäten, die in erster Linie von ihren mitunter doch recht überzeichnet wirkenden Charakteren lebt. Diese überraschend erfrischende Herangehensweise macht den Film infolgedessen zu einem überaus unterhaltsamen Werk.

    Tonya Harding (Margot Robbie) nach ihrem dreifachen Axel-Sprung in "I, Tonya" © DCM
    Tonya Harding (Margot Robbie) nach ihrem dreifachen Axel-Sprung in „I, Tonya“ © DCM

    Dabei ist die Fallhöhe zu dramatischen Szenen bei einer solchen humoristischen Inszenierung natürlich größer. Angesichts dieser Prämsse hätte Craig Gillespie mehr noch aus dem gewählten Stil herausholen können. Denn auch vermeintlich dramatische Szenen wirken in I, Tonya in der Regel lustig, ein Anstieg des Dramaanteils ist erst gegen Ende des Films wirklich spürbar. Dabei tritt schließlich genau der zu erwartende Effekt ein, dass der Zuschauer besonders hart mit diesen Szenen konfrontiert wird.

    Die gesellschaftspolitischen Untertöne des Films sollten jedoch bei aller Heiterkeit nicht unterschätzt werden. Dort sind einerseits die Wettkampfrichter, die Tonya offenbar unfair bewerten, weil sie als Mitglied des sog. White Trash, der weißen Unterschicht, nicht in ihre vermeintlich heile, amerikanische Welt passen. Außerdem die häusliche Gewalt psychischer und physischer Natur, die Tonya immer wieder von ihrer Mutter und ihrem Ehemann erfährt. Auf jeden Fall aber auch die Kritik an den Medien sowie der Gesellschaft, die von jenen repräsentiert wird: Bedeutungsschwer wendet sich Tonya in die Kamera und spricht von dem Missbrauch, der letztlich von uns allen ausgeht. Der Sensationsjournalismus bedient schließlich eine Gier nach Geschichten wie der von Tonya Harding.

    Mutter LaVona (Allison Janney) treibt ihre Tochter schon früh zu Hochleistungen in "I, Tonya" © DCM
    Mutter LaVona (Allison Janney) treibt ihre Tochter schon früh zu Hochleistungen in „I, Tonya“ © DCM

    Wie ein Coen im realen Leben

    Die Charaktere überbieten sich gegenseitig in ihrer Skurrilität. Protagonisten sowie Handlung wirken mitunter wie aus einem Film der Coen-Brüder (The Big Lebowski, Fargo) und lassen wiederholt vergessen, dass der Film tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Natürlich sind sie in I, Tonya völlig überzeichnet und Teil der humoristischen Inszenierung. Der Film möchte gar keine authentische Nachbildung der damaligen Ereignisse bieten. Doch die realen Interviewausschnitte am Ende des Films lassen zumindest erahnen, dass I, Tonya in der Charakterzeichnung vielleicht gar nicht so weit weg vom echten Leben ist, wie wir denken (oder hoffen) mögen.

    Die Besetzung ist dabei in jeder Rolle geglückt. Allison Janney hat völlig zurecht einen Oscar für ihre Darstellung der Rabenmutter mit nach Hause nehmen dürfen, Margot Robbie ihrerseits verdientermaßen zumindest eine Nominierung erhalten. Nur mit der Entscheidung, sie auch schon die fünfzehnjährige Tonya Harding spielen zu lassen, haben sich die Macher meiner Meinung keinen großen Gefallen getan. Die fast dreißigjährige Margot Robbie sieht auch mit Zahnspange einfach nicht aus wie fünfzehn, sondern wie eine fast Dreißigjährige auf einer Mottoparty.

    Tony Harding (Magrot Robbie) und ihr Ehemann Jeff Gillooly (Sebastian Stan) in "I, Tonya" © DCM
    Tony Harding (Magrot Robbie) und ihr Ehemann Jeff Gillooly (Sebastian Stan) in „I, Tonya“ © DCM

    Fazit

    I, Tonya ist ein überraschend lustiges Biopic geworden, dass zu Gunsten des Unterhaltungsfaktors weniger Wert auf eine reale Darstellung der Ereignisse legt. Aufgrund dessen kann es jedoch durchaus als eine Analogie zu den mutmaßlichen Beteiligten gesehen werden, die in den vergangenen Jahrzehnten ihrerseits wiederholt widersprüchliche Angaben zum Ablauf gegeben haben. Nicht zuletzt die Rolle Tonya Hardings (und wie viel sie wirklich wusste) ist nach wie vor umstritten. An dieser Stelle wendet die Sportreporterin J.E. Vader vielleicht nicht ganz zu Unrecht ein, dass Tonya durch den Film mit fragwürdiger Sympathie belegt, während das eigentliche Opfer, Nancy Kerrigan, nur unzureichend repräsentiert wird.

    Inwiefern I, Tonya also wirklich als klassische Biografie gesehen werden kann, ist für den außenstehenden Zuschauer freilich nur schwer zu beurteilen. Darüber hinaus erhalten wir jedoch einen erfrischenden, schwarzhumorigen Film, der durch seine Skurrilität sowohl in Handlung als auch Charakterzeichnung mitunter Erinnerung an die Coen-Brüder weckt. Hierbei sollten jedoch auch die gesellschaftskritischen Untertöne nicht unterschätzt werden, die der Film duchaus zu transportieren versteht. Und Authentizität hin oder her: Unterhaltsam ist I, Tonya allemal!

    © DCM

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