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    Im Tal von Elah

    Heikovon Heiko27. August 2018Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Im Tal von Elah ist ein Antikriegsfilm der besonderen Sorte. Nicht die Kriegshandlungen, vielmehr die späteren Auswirkungen auf den Menschen stehen hier im Mittelpunkt. Ein starbesetztes Charakterdrama als Appell gegen den Krieg.

    Blu-ray-Cover von "Im Tal von Elah" © Concorde Home Entertainment
    Blu-ray-Cover von „Im Tal von Elah“ © Concorde Home Entertainment

    Inhalt

    Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) bekommt eines Morgens einen Anruf vom Stützpunkt seines Sohnes Mike (Jonathan Tucker). Dieser ist seit einigen Tagen aus dem Irak zurück, ist aber nun nach einem Ausgang nicht mehr zurückgekehrt. Hank begibt sich also auf die Suche nach ihm, muss jedoch bald feststellen, dass sein Sohn ermordet wurde. Mit Unterstützung der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) versucht er infolgedessen auf eigene Faust, die Ansicht der Militärpolizei zu widerlegen, die in dem Fall ein Verbrechen innerhalb des Drogenmilieus sieht.

    Im Tal von Elah – Mehr als nur ein Kriminalfilm

    Was im ersten Moment wie ein Kriminalfilm klingt, erweist sich schon recht bald als viel mehr als das. Im Tal von Elah ist sowohl ein Whodunit-Thriller der etwas anderen Art als auch ein Antikriegsfilm mit besonderem Charakter. Bis auf wenige, wackelig gefilmte Handyvideos aus dem Irak gibt es keine Szenen aus dem Kriegsgebiet. Dennoch stehen die psychologischen Auswirkungen des Krieges deutlich im Fokus des Films.

    „Es spielt keine Rolle, ob man es für eine richtige oder falsche Entscheidung hielt, in den Irakkrieg zu ziehen“, sagte Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis (L.A. Crash) 2007 in einem Interview mit Entertainment Weekly. Haggis mag in seinem Film zwar keine politische Botschaft erkennen – und es geht in der Tat nicht explizit um die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Irakkrieges. Doch es ist nicht zu leugnen, dass Im Tal von Elah letztlich durchaus ein Appell gegen den Krieg zu finden ist. Der Film fragt dabei nach den Auswirkungen von Kriegen im Allgemeinen – und zwar nach den Auswirkungen, die in den Medien letztlich viel zu wenig thematisiert werden. In den USA vermutlich noch viel weniger als hier bei uns.

    Wir hören Zahlen von Opfern oder erfahren von erfolgreichen Gebietseroberungen. Doch der Krieg deckt schließlich die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche auf. Und hat sich solch ein Riss erst einmal aufgetan, ist es nahezu unmöglich, ihn jemals wieder vollständig zu heilen. Dies wird den Soldaten spätestens klar, wenn sie wieder nach Hause kommen und sich plötzlich einem geregelten Alltag gegenübersehen.
    Schon Nietzsche sagte: „Wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund irgendwann in dich hinein.“ Ich werde mich hüten zu behaupten, dass Nietzsche dabei an eine solche Situation gedacht hat, doch ist die Zweckdienlichkeit dieses Zitates für diesen Fall nicht zu leugnen.

    Charlize Theron und Tommy Lee Jones in "Im Tal von Elah" © Concorde Home Entertainment
    Charlize Theron und Tommy Lee Jones in „Im Tal von Elah“ © Concorde Home Entertainment

    Ein intensives Charakterdrama

    Haggis inszeniert seinen Film dabei als langsames Charakterdrama. Im Mittelpunkt steht Hank Deerfield und wie er mit der Situation zurechtkommt. Zum einen, wie er den Tod seines Sohnes verarbeitet, zum anderen jedoch auch, wie sein Weltbild Schritt für Schritt ins Wanken gerät. Hank ist nämlich ein patriotisch-militaristischer Kriegsveteran. Die Einsätze der US-Streitkräfte hält er für richtig, muss im Laufe des Films jedoch mehr und mehr akzeptieren, dass er seine Einstellung durchaus in Frage zu stellen hat.

    Entscheidend für die Authentizität eines solchen Charakterdramas ist natürlich nicht zuletzt die Besetzung. Mit Tommy Lee Jones (Auf der Flucht, Men in Black) konnte Haggis eine wahre Schauspielgröße für die Rolle des Hank Deerfield arrangieren, der sicherlich nicht zu Unrecht für seine intensive Darbietung eine Oscarnominierung erhielt. Ihm an die Seite gestellt wird Charlize Theron (Monster, Atomic Blonde), die es immer wieder aufs Neue versteht, zu beeindrucken. Im Tal von Elah ist zudem bis in die kleinste Nebenrolle stark besetzt. Sei es Susan Sarandon (Dead Man Walking, Cloud Atlas) als Ehefrau von Hank und Mutter des verstorbenen Mike oder auch Josh Brolin (Sicario, Avengers: Infinity War) als Polizeichef, der im Grunde nur wenige Minuten Screentime hat.

    Tommy Lee Jones sucht nach Hinweisen in "Im Tal von Elah" © Concorde Home Entertainment
    Tommy Lee Jones sucht nach Hinweisen in „Im Tal von Elah“ © Concorde Home Entertainment

    Durch die langsame und ruhige Erzählweise schleicht sich bei einer Laufzeit von 120 Minuten allerdings durchaus die eine oder andere Länge ein. Als kleines Manko sehe ich überdies die etwas unterkühlte Stimmung des Films. Während in Haggis’ oscarprämiertem L.A. Crash die Emotionalität einer der Schwerpunkte war, bringt er solches in Im Tal von Elah nur vereinzelt unter. Dabei hätte sich die Thematik dafür mehr als angeboten. Möglicherweise sah er darin aber auch ein bewusstes Stilmittel zur Untermauerung seiner Botschaft.

    Fazit

    Im Tal von Elah ist sicher nicht für jedermann geeignet. Ein Stück weit kommt es dabei jedoch auf die Erwartungshaltung an. Wer nach dem Lesen der Plotbeschreibung einen klassischen Kriminal-Thriller erwartet, wird große Gefahr laufen, enttäuscht zu werden. Im Tal von Elah ist in erster Linie ein Charakterdrama und eine Auseinandersetzung mit dem (Irak-)Krieg und seinen Auswirkungen auf den Menschen.

    © Concorde Home Entertainment

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