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    Jesus Rolls

    Thomas Hortianvon Thomas Hortian13. April 2021Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Jesus Rolls
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    Mit dem Roadmovie Jesus Rolls wagt sich John Turturro an ein Spin-off der Kult-Komödie The Big Lebowski und inszeniert gleichzeitig ein Remake des französischen Kultfilms Die Ausgebufften. Ob das gut gehen konnte, lest ihr in unserer Review!

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    John Turturro leckt seine lilane Kugel ab auf dem Cover von Jesus Rolls
    „Leckeres“ Cover von Jesus Rolls © EuroVideo

    Jesus Rolls – Handlung

    Nach einigen Jahren des Lebens auf Staatskosten kommt der passionierte Bowler Jesus Quintano (John Turturro) wieder auf freien Fuß. Sofort nimmt er sein altes rastloses Leben mit Kumpel Petey (Bobby Cannavale) wieder auf. Für eine Spritztour stehlen sie ein Cabrio, werden aber kurz darauf vom Besitzer, einem Friseur (John Hamm), gestellt. Der ist in Begleitung von Quintanos alter Freundin Maria (Audrey Tautou), einer offenherzigen Nymphomanin, die noch nie einen Orgasmus hatte. Doch das Wiedersehen endet mit einer Kugel in Peteys Bein und anschließender Flucht.

    Nachdem man Petey verarztet hat und eine Rache an dem Friseur von langer Hand in die Wege geleitet ist, begibt sich das Trio auf eine Reise ohne Ziel. Immer auf der Suche nach Geld und Abenteuer führt sie ihr Weg durch das amerikanische Hinterland, wo so manche schräge Begegnung, u.a. mit der gerade aus dem Gefängnis entlassenen Jean (Susan Sarandon) und ihrem Sohn Jack (Pete Davidson), auf sie wartet…

    Audrey Tautou und John Turturro sitzen gut gelaunt auf den Vordersitzen ihres Autos - Jesus Rolls
    Gut gelaunt vor großer Fahrt © EuroVideo

    Ein Spin-off und ein Remake in Einem

    The Big Lebowski von den Coen-Brüdern ist sicherlich einer der wenigen Filme der 90er, die den seither inflationär gebrauchten Ausdruck „Kultfilm“ tatsächlich gerecht werden. Es war sicher ein interessanter Gedanke von John Turturro, sich diese prägnante Nebenfigur dieses immer noch überaus beliebten und gefeierten Films zu nehmen, um seine Geschichte weiter zu erzählen. Dass er dieses Spin-off dann aber ausgerechnet als Remake des französischen Kultfilms Die Ausgebufften anlegen musste, erweist sich im nachhinein weniger als Coup denn folgenschwerer Fehler. Die Figur des Jesus Quintano kam im Film der Coens nur am Rande vor, somit hatte Turturro alle Freiheiten, sie nach seinem Gusto auszugestalten. Dem Spin-off daher das Korsett eines Remakes überzustülpen, dem man nun sklavisch folgt, erscheint eigentlich genauso unsinnig wie unnötig. Denn im Großen und Ganzen spielt Jesus Rolls das französische Original von Bertrand Blier nahezu deckungsgleich nach.

    Zwar beweist Turturro als Regisseur über weite Strecken ein gutes Gespür dafür, die Story in die ländliche USA zu übertragen. Dennoch kann er dem Ganzen keine neuen Aspekte abgewinnen, schwächt sogar einzelne, allzu sexuell offenherzige Szenen des Originals drastisch ab. Sowieso verkommt der hedonistische Lebenswandel der beiden Freunde Jesus und Petey hier zum reinen Selbstzweck. Eine Rebellion, wie im Original, gegen Konformität und Spießertum, findet eben nicht, oder nur in seichten Ansätzen, statt. Die beiden erscheinen in ihrer verschrobenen, aber sehr egoistischen Art doch weitaus sympathischer, als es diesem Roadmovie vielleicht gut tut. Denn im Vergleich dazu, und der drängt sich nun mal auf, spielten Gerard Depardieu und Patrick Dewaere im Original zwei ziemliche Schweine. Sie wollten nicht gemocht werden und zogen die Sympathien der Zuschauer aus ihrer konsequenten Ablehnung des Bürgertums und den Anfeindungen ihrer Umgebung.

    Ausgelassen feiert John Turturro mit einer jungen Frau auf der Bowling-Bahn - Jesus Rolls
    Bowling und Frauen sind Jesus‘ Leidenschaften © EuroVideo

    Spielfreudige Darsteller können den Film nicht retten

    Der einzige große Pluspunkt, der für Jesus Rolls spricht, ist das Aufgebot an Stars, die ihre Spielfreude kaum zügeln können. In den Hauptrollen glänzen John Turturro (Miller’s Crossing, Barton Fink), der sichtlich Herzblut in die Rolle fließen lässt, und Bobby Cannavale (Boardwalk Empire) als chaotisches Duo. Aber sie erscheinen eben wie die knuddelige Opa-Version der Originale, sind ja auch mehr als doppelt so alt wie ihre Vorbilder damals.

    Alle weiteren wichtigen Rollen wurden tatsächlich auch entsprechend gealtert, aber im Grunde deckungsgleich übernommen. Die Französin Audrey Tautou (Die fabelhafte Welt der Amelie) schlägt mit ihrer Nationalität auch den Bogen zum Original, übertreibt es aber ein wenig damit, es der damals 23-jährigen Miou-Miou (Abendanzug, Germinal) möglichst gleich zu tun. Die zweite wichtige Frauenrolle besetzt die zum Dreh knapp 70-jährige Susan Sarandon (Thelma & Louise, Dead Man Walking), das Original bot eine noch nicht ganz so gereifte Jeanne Moreau (Jules und Jim, Die Braut trug schwarz) auf. Sarandon bleibt immer souverän und darf einen witzigen Monolog über Menstruation halten.

    Einen schönen Auftritt am Anfang des Films hat Christopher Walken (King of New York, Pulp Fiction), der den Gefängnisdirektor spielt. Er hinterlässt ja eigentlich immer einen bleibenden Eindruck. Außerdem zeigt seine Szene, dass der Film viel besser hätte werden können, wenn Turturro mehr solcher eigenständigen Einfälle mit eingebracht hätte. John Hamm (Mad Men) als Friseur mit Cabrio und Comedian Pete Davidson (Saturday Night Live) als Sohn von Sarandons Jean reihen sich auf der Habenseite des Streifens ein. Ein kurzes Cameo fällt auch Nicolas Reyes und Tonino Baliardo, Gitarristen der Gypsy Kings, zu. Den Score hingegen steuerte die Französin Émilie Simon (Die Reise der Pinguine, Nathalie küsst) bei.

    John Turturro und Bobby Cannavale küssen Susan Sarandon leidenschaftlich an Brust und Hals - Jesus Rolls
    Jesus und Petey widmen sich leidenschaftlich der frisch aus dem Knast entlassenen Jean © EuroVideo

    Unser Fazit zu Jesus Rolls

    Was mag sich John Turturro bei diesem Film gedacht haben? Welches Publikum wollte er damit ansprechen, mehr als 20 Jahre nach The Big Lebowski und mehr als 40 nach Die Ausgebufften? Es ist dementsprechend kaum ein Wunder, dass Jesus Rolls am Box Office und bei den Kritikern komplett durchgefallen ist. Auch wenn er die Lokalisierung der Geschichte in Raum und Zeit abgeändert und die Charaktere ausgetauscht hat, fehlen einfach die originären Eingebungen, dies sinnvoll in den Rahmen dieser Geschichte zu integrieren.

    Dabei ist der Film an sich nicht wirklich schlecht oder gar unansehbar. Allerdings dürften Coen-Fans deren Raffinesse vermissen, und der jüngeren, in dieser Beziehung unbedarften, Zuschauerschaft dagegen wird der Zugang zu den Charakteren eher abgehen. Was vielleicht Turturros Opus magnum als Schauspieler, Regisseur und Autor werden sollte, wurde nun zu seinem größten Flop. Das ist bedauerlich, gerade weil es dem Film mehr Häme einbrachte, als er wohl letztlich verdient. Denn zumindest ist er nicht langweilig. Und wem das reicht, der kann ja mal bei Interesse reinschnuppern. Große Erwartungen sollte man allerdings zu Hause lassen.

    Jesus Rolls ist seit dem 8. April 2021 auf Blu-ray und DVD erhältlich!


    © EuroVideo

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