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    Startseite » Red Sparrow
    Filme

    Red Sparrow

    Dom Karnagevon Dom Karnage2. März 2018Keine Kommentare9 min Lesezeit
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    Im Spionage-Thriller Red Sparrow gerät Jennifer Lawrence als russische Femme Fatale wider Willen zwischen die Fronten eines neuen Kalten Krieges!

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    Kinoplakat zu "Red Sparrow"©Twentieth Century Fox
    Kinoplakat zu „Red Sparrow“©Twentieth Century Fox

    Handlung

    Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) ist die Prima-Ballerina am Bolschoi in Moskau, doch bei einem Auftritt verletzt sie sich am Bein und setzt ihrer steilen Karriere damit jäh ein Ende.
    Um sich und ihre kranke Mutter (Joely Richardson) finanziell abzusichern, willigt sie ein, ihrem Onkel Vanya Egorov (Matthias Schoenaerts), der beim russischen Geheimdienst arbeitet, einen Dienst zu erweisen.
    Als das Vorhaben jedoch schief geht und der Verdächtige inflagranti ermordet wird, stellt man Dominika vor die Wahl: Entweder wird sie als einzige Zeugin umgehend hingerichtet oder aber sie lässt sich zu einem sogenannten Sparrow ausbilden, einer Undercover-Agentin, welche in der Kunst von Manipulation und Verführung ausgebildet wird, um mit den Waffen einer Frau im Dienste des Staates zu agieren.

    In der Ausbildungsstätte von Matron (Charlotte Rampling) unterzieht man sie einem knallharten Training und setzt sie schon bald darauf auf den Amerikaner Nathan Nash (Joel Edgerton) an, der angeblich Kenntnis von einem Maulwurf im russischen Geheimdienst hat. Aber als sie und Nash sich näher kommen, bietet sich für Dominika nicht nur die Chance auf einen Seitenwechsel, sondern auch auf einen Ausweg…

    Kritik

    Bereits während der Dreharbeiten zum zweiteiligen Mockingjay-Finale soll Die Tribute von Panem Regisseur Francis Lawrence sich durch den Spionage-Roman „Operation: Red Sparrow“ von Jason Matthews geschmökert und dabei prompt seine oscarprämierte Darstellerin Jennifer Lawrence (nicht mit ihm verwandt!) in der nächsten Hauptrolle vorgestellt haben.
    Betrachtet man nun sich nun rund drei Jahre danach den fertigen Film, scheint es überoffensichtlich, dass man die Produktion quasi um den Weltstar herum konzipiert hat und auch beim Marketing ganz auf dessen Zugkraft vertraut.

    Aber obwohl dementsprechende Thumbnails (siehe oben) und das mediale Tohuwabohu Red Sparrow bereits im Vorhinein das Etikett „der Film, in dem Jennifer Lawrence blankzieht“ verpassten, so werden solche heraufbeschworenen Labels dem Film nicht gerecht.

    Aus Spotttölpel wird Spatz

    Es lässt sich dennoch nicht leugnen, dass der Streifen ganz und gar auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten ist. Gleich zu Anfang, wenn sie im Black Swan Gedächtnismodus einen Auftritt im Moskauer Ballett absolviert, bereitet der Film ihr buchstäblich die ganz große Bühne. Wie zuletzt schon in mother! ihres – nunmehr Exfreundes – Darren Aronofsky, welcher ironischerweise zunächst ebenfalls für die Regie im Gespräch war – klebt die Kamera förmlich an Lawrence und verwöhnt das Zuschauerauge mit zahlreichen Nahaufnahmen der 27-Jährigen.

    Kameramann Jo Willems, ebenfalls aus Panem mitimportiert, liefert zudem neben beeindruckenden Totalen von Budapest und Moskau – tatsächlich gedreht wurde im slowakischen Bratislava – harte Kontraste zwischen den mit satten Rottönen ausstaffierten, prächtigen Innenaufnahmen und der kalten Plattenbaurealität im heutigen Osteuropa, die schon beinahe ans verwahrloste Distrikt 12 gemahnt.

    Auch der Plot selbst lässt sogar gewisse Parallelen zum Schicksal der Katniss Everdeen zu, wurde sie in den grausamen Hungerspielen doch ebenso wie Dominika gezwungen, sich und ihren Körper für ein vermeintlich größeres Wohl feilzubieten.
    Wie in der Panem-Revolution der Spotttölpel wird hier der Spatz zum Werkzeug für eine Sache, die über das Individuum und die Moral des Einzelnen weit hinauszugehen scheint.
    Und so wie Katniss beginnt auch Dominika, sich in erster Linie aus persönlichem Antrieb heraus gegen die unerbittliche Staatsgewalt aufzulehnen, während sie scheinbar folgsam ihre Rolle im erbitterten Machtwettstreit spielt.

    Beinharte "Schule" für Dominika: Jennifer Lawrence in "Red Sparrow" © Twentieth Century Fox
    Beinharte „Schule“ für Dominika: Jennifer Lawrence in „Red Sparrow“ © Twentieth Century Fox

    Russland ohne Russen

    Obwohl wenn es zunächst schon irritierend genug erscheint, dass Jennifer Lawrence mit dichtem Dunkelpony und eigens antrainiertem Akzent (welcher in der deutschen Synchronfassung durch Maria Koschny noch gewöhnungsbedürtiger ist) eine Russin mimt, hat man zu allem Überfluss auch sämtliche Nebenrollen mit Darstellern besetzt, die ebenfalls so wenig osteuropäisch sind wie dieser US-Film, in dem kaum als ein paar Brocken Russisch gesprochen werden.

    Über dieses beinahe schon obligatorische White-Washing könnte man sich natürlich nun ellenlang auslassen, Fakt bleibt aber, dass Jennifer Lawrence durchaus eine überzeugende Leistung abliefert und insbesondere mit dieser Rolle beweist, wie sehr sie seit ihrem Hunger Games Durchbruch als Schauspielerin gereift ist.

    Neben der kulturellen Barriere, welche die Oscarpreisträgerin gewohnt souverän meistert, stellt der Film sie nämlich noch vor ganz andere Herausforderungen.
    Erfreulicherweise liefert man mit Red Sparrow nämlich alles andere als weichgespülte Hollywoodkost und so muss die Hauptdarstellerin im Verlauf nicht nur mehrere Folterszenen über sich ergehen lassen, sondern im Dienste des Staates auch ihren Körper schlichtweg als bloße Ware anbieten, um an Informationen zu gelangen.

    So schön wie undurchsichtig: Jennifer Lawrence in "Red Sparrow" © Twentieth Century Fox
    So schön wie undurchsichtig: Jennifer Lawrence in „Red Sparrow“ © Twentieth Century Fox

    Gewagte Tatsachen in Red Sparrow

    Das sorgt dafür, dass die seit Jahren mit expliziten Szenen hadernde Lawrence – in einer Szene wird sogar indirekt auf ihren Nacktfotoskandal von 2014 angespielt – sich hier schon früh deutlich freizügiger als je zuvor präsentiert und auch vor wirklich kontroversen Momenten vor der Kamera nicht länger zurückschreckt.
    Das gilt insbesondere für die Zeit, die der Film der „Ausbildung“ zum Sparrow widmet, welche Dominika in einer napolaartigen Anstalt unter Leitung der gestrengen Ausbilderin Matron (eiskalt: Charlotte Rampling) durchlaufen muss.

    Dort wird nicht nur nach alter Schule das Knacken von Schlössern geübt, sondern mittels psychologischer und physischer Manipulation ebenso das von Menschen.
    Das Praktizieren von Blowjobs vor versammelter Mannschaft gehört dabei ebenso zum kruden Schulalltag wie auch Vergewaltigungen durch „Mitschüler“. Alles zu „Lehrzwecken“, versteht sich.
    Dazu wird den Sparrow-Kadetten ein Binsenweisheitscredo um die Ohren gehauen, was von „Der kalte Krieg war nie vorbei, er zersplitterte bloß in Fragmente“ bis zu „Dein Körper gehört dem Staat“ und „Jeder Mensch ist ein Puzzle aus Bedürfnissen. Werdet zum fehlenden Teil“. reicht.

    Unangenehm direkt statt effektheischerisch

    Obwohl es bisweilen irritiert, wie Red Sparrow dieses durchaus mit trashigem Exploitationcharakter versehene Szenario grimmig  bierernst durchtaktet, so sorgt es doch mehr für beklemmende als prickelnde Momente, wenn Dominika sich zunächst vor aller Augen entblößen und anschließend, splitternackt und mit weit gespreizten Beinen, auf Kommando auf dem Schulpult einem Sparrow-Kompagnon hingeben soll, welcher sie kurz zuvor schon an ihr vergehen wollte.

    Zeigt sich der Film dabei noch selbstbewusst ustetsnd so viel als auch so wenig wie nötig, gibt man sich kurioserweise später in intimeren Momenten seltsam zugeknöpft. Das übliche Geplänkel und Gefummel sowie der Schnitt und die Unterwäsche beim Aufwachen am nächsten Morgen bilden mit einer regelrechten Leerstelle das genaue Kontrastprogramm und geben sich fast schon zu betont antiausbeuterisch.

    Keinerlei handfeste Erotik scheint sich in diesen Streifen zu verirren, den Francis Lawrence zumeist in derselben unterkühlten Farbpalette tüncht wie schon seine Panem Sequels.
    Konsequenterweise darf und will es aber auch nie so richtig knistern zwischen Lawrence und Co-Star Joel Edgerton, der einmal mehr den raubeinigen Gutmenschen gibt. Paradox für einen Streifen, der die klassische Femme Fatale statt dem wortkargen Ermittler zum Dreh-und Angelpunkt der Geschichte auserkoren hat.

    Kommen sich näher: Jennifer Lawrence und Joel Edgerton in "Red Sparrow" © Twentieth Century Fox
    Kommen sich näher: Jennifer Lawrence und Joel Edgerton in „Red Sparrow“ © Twentieth Century Fox

    Neo-Noir im Rückwärtsgang

    Red Sparrow flirtet unverkennbar mit Noir-Anleihen, schielt dabei aber doch eher in Richtung eines verschachtelten Thrillers à la John le Carre.
    Ähnlich wie in Dame König As Spion bestimmen hier mehr Worte statt Taten den Alltag der Geheimdienste und bilden damit einen wohltuenden Gegenpol zu den actionorientierten Jason Bournes, Ethan Hunts und James Bonds des Genres.
    Dennoch wirkt Lawrence‘ Film wie schon das letzte 007 Abenteuer Spectre bisweilen merkwürdig aus der Zeit gefallen, wenn trotz sozialer Netzwerke, Laptops und Smartphones eine Handlung vorangetrieben wird, die genauso gut einem Hitchcock-Streifen aus dem Kalten Krieg entsprungen sein könnte.

    Dass man zudem die an für sich hochbrisante Thematik aus der politischen Sphäre wohlbedacht fernhält – trotz eindeutiger Verortung in der Putin-Administrative – und Dominika die USA als das „gelobte Land“ und einzige Zuflucht vor den Grausamkeiten in der Heimat verheißen werden, verpasst der Geschichte aus der Feder eines ehemaligen CIA-Mitarbeiters noch zusätzlich einen seltsam reaktionären Anstrich.

    Verschenkte Möglichkeiten

    Um sich aber mit seinen großen Vorbildern messen zu können, fehlt es Red Sparrow schlicht an Substanz und erzählerischer Dynamik, welche wohl selbst ein James Newton Howard dem trägen Treiben nicht im Nachhinein akustisch verabreichen konnte. Regisseur Francis Lawrence und das Skript von Justin Haythe (A Cure for Wellness) mühen sich spürbar, den auf 139 Minuten auswalzten Plot komplexer erscheinen zu lassen, als er ist, wandern trotz einiger Wendungen aber vielfach auf ausgetretenen Genrepfaden.

    Wenn überhaupt, so bleiben an der schwerfälligen Handlung allenfalls noch durch die unerwartet harschen Gewaltspitzen in Erinnerung, welche immer wieder aus dem ansonsten eher blutleeren Plotkonstrukt unangenehm herausbrechen.
    So gehört die Alternativ-Anwendung eines Sparschälers, welcher normalerweise bei Hauttransplantationen unter Vollnarkose zum Einsatz kommt, zweifellos zu den intensivsten Momenten.

    Der namhafte Nebendarstellercast liest sich derweil besser auf dem Papier als nach dem Abspann. Schauspielschwergewichte und bekannte Gesichter wie Matthias Schoenaerts, Ciaràn Hinds und Jeremy Irons (letzterer wirkt ähnlich verheizt wie schon in Assassin’s Creed) müssen hier reihenweise als lediglich unmotivierte Stichwortgeber für Lawrence und Edgerton herhalten.

    Wer bei diesem nur dem Anschein nach komplexen Verwirrspiel zwischen Spatz und Maulwurf schlussendlich die Nase vorn hat, zählt mit fortschreitender Lauflänge kaum noch. Zu altbekannt, zu holzschnittartig und wenig smart geraten Plot und Figuren, als dass der Zuschauer sich dabei nicht ähnlich abmühen müsste wie die Stars beim vergeblichen Ringen um Leinwandchemie.

    Wer hier wen mit wem hintergeht oder am Ende triumphiert, das erscheint am Ende so obligatorisch wie herzlich egal.

    Jennifer Lawrence in "Red Sparrow" © Twentieth Century Fox
    Jennifer Lawrence in „Red Sparrow“ © Twentieth Century Fox

    Unser Fazit zu Red Sparrow

    Red Sparrow ist ein Hochglanz-Exploitationstreifen, der seinen aus dem 70er Jahre Agentenkino reaktivierten Propagandazweck lieber mit dröge gewichtiger Miene verleugnet, statt wenigstens zu handfestem Trash zu werden, was in diesem Fall die deutlich unterhaltsamere Alternative gewesen wäre. Am Schluss bleibt ein Film, der im Mainstreamkino erstaunlich schonungslos und wenig zimperlich daherkommt. Seine überschaubare Geschichte zieht er aber allzu gewollt auf, dehnt dies wenig aufregend auf zähe Überlänge aus und bleibt, abseits von Sex und Gewalt, kaum im Gedächnis.

    Ob das Namensvetter-Team aus Regisseur und einmal mehr stark aufspielender Hauptdarstellerin hiermit ein weiteres Erfolgsfranchise an den Start bringen kann , darf somit eher leise angezweifelt werden.


    © Twentieth Century Fox

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