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    Spiritwalker

    Thomas Hortianvon Thomas Hortian19. Oktober 2021Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    I-An Kang hat Blut im Gesicht, drückt einen Mann mit dem Kopf gegen eine Scheibe - Spiritwalker
    I-An Kang muss auch mal grob werden © Fantasy Filmfest
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    Im südkoreanischen Spiritwalker springt ein Mann auf der Suche nach sich selbst alle zwölf Stunden in einen anderen Körper. Ob das jetzt ein faszinierendes Thriller-Juwel oder doch nur polierter Modeschmuck ist, erfahrt ihr hier!

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    I-An Kang hat Blut im Gesicht, drückt einen Mann mit dem Kopf gegen eine Scheibe - Spiritwalker
    I-An Kang muss auch mal grob werden © Busch Media

    Spiritwalker – Handlung

    I-An Kang (Yoon Kyesang) erwacht mit einer Schusswunde in einem Auto. Er weiß nicht, was passiert ist. Ein Obdachloser hat die Ambulanz gerufen und verschwindet. Im Hospital befragt ihn eine Polizistin zu seiner Verletzung. Plötzlich verschwimmt alles und er findet sich in einem anderen Körper wieder. Er weiß nicht wer er ist, doch das Gesicht im Spiegel ist nicht seins. I-An Kang erinnert sich an das Foto einer Frau und stellt fest, dass er alle 12 Stunden in einen anderen Körper springt. Gemeinsam mit dem Obdachlosen versucht er, das Puzzle zusammenzusetzen und die Beziehungen der Personen, deren Platz er einnimmt, untereinander aufzuschlüsseln…

    Zuschauen ist manchmal nicht alles

    Es ist anfangs nicht leicht, dem Geschehen in Spiritwalker zu folgen. Oder besser gesagt ergibt es alles erst im Rückblick mehr oder weniger Sinn. Denn Regisseur und Autor Yoon Jae-Keun nutzt den ständigen Körperwechsel zuerst nur, um seine Zuschauer*innen, seinem Protagonisten gleich, zu desorientieren. Dabei scheint das Erleben der Geschehnisse durch wechselnde Perspektiven noch geschickt verknüpft. Bspw. sieht I-An Kang durch die Augen eines Geschäftsmannes, wie eine Person, die er zu identifizieren glaubt, entführt wird. 12 Stunden später liegt diese Person übel zugerichtet vor ihm, nun befindet er sich offensichtlich im Körper eines skrupellosen Gangsters. Doch nutzt der Film diese erzählerischen Mittel leider nicht, um die Zuschauerschaft an die Hand zu nehmen und mit dem Protagonisten das Geheimnis zu erkunden. Dieser ist nämlich auch mit fortlaufender Spielzeit kaum fassbar und verwirrt eher durch seine undurchsichtigen Aktionen und Reaktionen.

    Wenn das Drehbuch dann mit Beginn des letzten Drittels die Geschichte von hinten aufrollt, ergibt sich die Möglichkeit, hier über die Unzuverlässigkeit des subjektiven Erlebnisses und die Brüchigkeit einer unsicheren Identität zu reflektieren. Das hätte sich durchaus angeboten, so sehen wir unseren Suchenden immer mit seinem „richtigen“ Gesicht, die Personen hingegen, in die er schlüpft, wie er selbst, nur im Spiegel. Doch das lässt Spiritwalker leider gleich links liegen und dann mutiert I-An Kang am Ende unversehens zum Actionhelden, damit der Film es einfach noch einmal richtig krachen lassen kann. Er bleibt dabei zumindest seinen selbst aufgestellten Regeln treu, verspielt aber die Chance, das Publikum zu fordern und vielleicht nochmal richtig Spannung aufzubauen. Doch Mitdenken ist hier scheinbar nicht gefragt.

    Jin-Ah Moon schaut erschöpft in den Spiegel - Spiritwalker
    Was hat Moon, die Frau vom Foto, mit ihm zu tun? © Busch Media

    Solides Korea-Kino

    Technisch bewegt sich diese südkoreanische Produktion wieder auf gewohnt hohem Niveau. Die Kamera beweist eine immense Dynamik, der Schnitt bringt Tempo rein, ohne zur Unübersichtlichkeit zu neigen. Kurze Verfolgungsjagden und Stand-off-Situationen ziehen stellenweise die Spannung etwas an, was aber wegen der fehlenden Grundspannung schnell wieder verflacht. Und wenn im Finale dann die Action-Kelle ausgepackt wird, reicht dies aber nicht an große Vorbilder wie A Bittersweet Life oder The Villainess heran. Das lässt dann noch einmal deutliche Zweifel aufkeimen, ob die Richtung, die Spiritwalker hier einschlägt, wirklich optimal ist. Als ernsthafter Mystery-Thriller, der bis zum Ende offen lässt, was wirklich passiert ist, hätte die Geschichte wahrscheinlich besser funktioniert. Allerdings sorgt dieser solide Unterbau zumindest dafür, dass es auch nicht so schnell langweilig wird. Die anderthalb Stunden sind im Flug vorbei, aber sicherlich genauso schnell wieder vergessen.

    Unser Fazit zu Spiritwalker

    Auf dem Papier sieht die Idee des Körperwechsels im Zwölfstunden-Turnus weit besser aus, als sie sich dann auf der Leinwand präsentiert. Yoon Jae-Keun lässt interessante Ansätze aufblitzen und verkümmern, was schon ziemlich ärgerlich erscheint. Denn Spiritwalker ist an sich kein schlechter Film, einzelne Szenen sind für sich und im besten Fall auch im Zusammenspiel spannend anzuschauen. Doch am Ende wählt das Skript den einfachen Weg, statt eines fordernden Filmpuzzle wird alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen. Das ist schade, aber so ist es nunmal.

    Spiritwalker ist als Teil des Programms des Fantasy Filmfests 2021 zwischen dem 17. und 31. Oktober in den jeweiligen Festivalstädten zu sehen!


    © Busch Media

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