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    Startseite » The Great Green Wall
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    The Great Green Wall

    Bernhard Schmidvon Bernhard Schmid25. Oktober 2020Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Die Kamera positioniert sich hinter Modja, die von einer erhöhten Position auf die Landschaft und die titelgebende Great Green Wall blickt.
    Der Blick auf The Great Green Wall
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    The Great Green Wall schickt uns auf eine musikalische Dokumentationsreise durch die Sahelzone, in der das gleichnamige Projekt gegen den Klimawandel und die Wüstenbildung umgesetzt wird.

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=ZSHO9Q7K9lI“]

    Das Poster zu Great Green Wall zeigt eine schwarze Hand, die eine Pflanze nach oben streckt. Daneben befindet sich in knalligem Grün der Titel.
    Das Poster zu The Great Green Wall © Weltkino Filmverleih

    The Great Green Wall – die Handlung

    2005 von der Afrikanischen Union beschlossen und 2007 gestartet, waren zunächst elf afrikanische Länder involviert, inzwischen sind es 21: Die grüne Mauer Afrikas ist ein ambitioniertes Projekt, bei dem über einen fast 8.000 Kilometer langen Gürtel Bäume gepflanzt werden. So soll gegen den menschengemachten Klimawandel und Fluchtursachen gekämpft sowie die Wüstenbildung verhindert werden. Darüber hinaus soll es Millionen Afrikanern Nahrung bringen sowie Arbeitsplätze schaffen und sichern. Oder kurz: dem Landstrich eine Zukunft geben. In The Great Green Wall reist nun die malische Sängerin und Aktivistin Inna Modja entlang dieser Zone und besucht die Menschen vor Ort, hört zu, und gibt Hoffnung in einer universellen Sprache, der Musik.

    Ein grünes Mosaik

    Die Dokumentation beginnt (und endet) mit dem Zitat „Wir müssen den Mut haben, die Zukunft zu erfinden“ vom früheren burkinischen Präsidenten und Revolutionären Thomas Sankara. Dessen Politik war ausgerichtet auf den Kampf gegen Hunger und Korruption, auf die Verbesserung der Bildungs- und Gesundheitsversorgung und die Wiederaufforstung Burkina Fasos durch einheimische Bäume. Ein passendes Vorbild also für das ambitionierte Projekt. Der Senegal nimmt dabei aktuell eine Vorreiterposition ein: Hier wurden in weniger als einer Dekade mehr als zwölf Millionen dürreresistente Bäume gepflanzt. In einigen Dörfern gibt es jetzt schon positive Auswirkungen: Der Boden ist wieder fruchtbar, sorgt für Nahrung und gleichzeitig einen besseren Lebensunterhalt. Dadurch müssen die Kinder weniger in der Landwirtschaft aushelfen und können in die Schule gehen, wo sie wiederum vermehrt für das Thema Umweltschutz sensibilisiert werden. Und das ist bitter nötig, schließlich verliert das westafrikanische Land jährlich etwa 50.000 Hektar an die sich ausbreitende Sahara.

    Ein paar afrikanische Bauern pflanzen in bunten Shirts mehrere Reihen neuer Bäume. Bei der Szene aus The Great Green Wall handelt es sich um eine Drohnenaufnahme.
    Bäume pflanzen, um das Ökosystem neu zu bewegen und die Wirtschaft der Dörfer anzukurbeln. © Weltkino Filmverleih

    In anderen Ländern hinkt man dagegen deutlich hinter den formulierten Zielen hinterher. Insgesamt liegt die Gesamtumsetzung in den insgesamt 21 Ländern des Vorhabens bei etwa 15 Prozent. Die ursprüngliche Idee, einen grünen Streifen (mindestens 15 km breit und 7.775 km lang) durch die Wüste der Sahelzone zu ziehen, wurde nach Kritik an deren Ineffizienz im Jahr 2012 abgeändert und dezentralisiert. So sollen die lokalen Bewohner für die Umsetzung gewonnen werden, die vor Ort existierende Pflanzen- und Baumbestände erhalten und vermehren. Verantwortliche sprechen daher mittlerweile lieber von einem Mosaik als von einer Mauer – wobei letzteres, plakativeres Wort weiterhin für den offiziellen Namen der ehrgeizigen Klima-Kampagne genutzt wird.

    Ein persönlicher Blick

    Die malische Sängerin Inna Modja spricht vor Ort mit Menschen, deren Realität durch die grüne Mauer zum positiven verändert werden soll – und appelliert teilweise direkt an den Zuschauer, mit festem Blick in die Kamera. Zur Aktivistin, vor allem für Frauenrechte, wurde sie durch eine traumatische Erfahrung; in ihrer Kindheit im Alter von gerade einmal fünf Jahren wurde sie von einem Familienmitglied beschnitten. Dementsprechend engagiert sie sich vehement gegen die weibliche Genitalbeschneidung und kämpft für die Selbstbestimmung der Frau. Modja reist für The Great Green Wall mit einer Art Tourbus an der Sahelzone entlang. Und während ihr Heimatland Mali durch kriegerische Konflikte und Krisen beim Projekt hinterher hinkt, verbringen wir hier einige Zeit und sehen sie beim Musizieren. Schade ist dabei, dass Länder wie Burkina Faso, obwohl offenbar gut voranschreitend, in der Dokumentation ausgelassen werden.

    Die Sängerin und Aktivistin Inna Modja hört in The Great Green Wall aufmerksam einer Einheimischen zu.
    Sängerin Inna Modja hört den Einheimischen zu und führt uns melodisch an der grünen Mauer entlang. © Weltkino Filmverleih

    Denn die sehr herzliche Dokumentation versucht sich an einem Rundumschlag und beleuchtet neben der grünen Mauer auch die afrikanische Musik und Kultur, bewaffnete Konflikte, die Gräueltaten der Terrororganisation Boko Haram, das explodierende Bevölkerungswachstum im Niger, die Hungersnot im Äthiopien der 80er Jahre und, und, und. Da das alles durchaus auch etwas mit der Klimakrise zu tun hat, ist das zwar eine verständliche Herangehensweise. Ein bisschen mehr Fokus auf das namensgebende Projekt hätte The Great Green Wall rein filmisch dennoch gut getan. Über die konkreten Fortschritte und Rückschläge oder Zahlen und Fakten erfahren wir in den knapp eineinhalb Stunden relativ wenig bis gar nichts. Interesse wecken für dieses ebenso ehrgeizige wie faszinierende Projekt kann die musikalische Reise dennoch – und wer mehr erfahren möchte, kann sich beispielsweise über die offizielle Webseite der grünen Mauer informieren.

    Ein bleibender Eindruck

    Am Ende der Reise möchte die charismatische Sängerin ihre Eindrücke, ihre Begegnungen und Erfahrungen in einem Album musikalisch festhalten. Man kann durchaus gespannt sein, was sie darin verarbeiten wird, denn auch in der Dokumentation gibt es bereits erinnerungswürdige Momente. Ein Bauer erzählt vom Sprichwort unter Bootsflüchtlingen: „Barça ou barzakh“, also sinngemäß Europa erreichen oder beim Versuch sterben. Pure, traurige Perspektivlosigkeit. Doch die grüne Mauer gibt einigen Landwirten Hoffnung, in ihrer Heimat bleiben zu können. Und so gibt es durchaus auch zynisch-humorvolle Äußerungen. Modjas Begleiter, der Rapper Didier Awadi, entschuldigt sich direkt zu Beginn: „Sorry für das schlechte Englisch. Wir wurden von Frankreich kolonialisiert“.

    Unser Fazit zu The Great Green Wall

    Die von Fernando Meirelles (City of God) produzierte Dokumentation ist ein hoffnungsvoller Blick gen Afrika, der dabei allerdings zu keiner Zeit den Bezug zur Realität verliert oder Probleme ignoriert. Vieles daran ist bitter, doch The Great Green Wall entlässt einen mit einem süßen Beigeschmack. Die persönliche und eigenwillige Herangehensweise fasziniert, das geht allerdings auf Kosten des Fokus und Informationsgehaltes. Die grüne Mauer ist ein wunderbares, ambitioniertes Mammutprojekt, der Film dabei leider etwas überambitioniert.

    The Great Green Wall startet am 24. Oktober in den deutschen Kinos.


    © Weltkino Filmverleih

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