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    Startseite » The Midnight Sky
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    The Midnight Sky

    Jan Wernervon Jan Werner27. Dezember 2020Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Der Titel The Midnight Sky steht längs in Großbuchstaben über das Titelbild geschrieben. Man sieht George Clooney in einer orangen Jacke mit Caoilinn Springall in einer grauen Jacke. Im Hintergrund sieht man die arktische Eiswüste und einen vom Nordlicht grün erleuchteten Himmel.
    © Netflix
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    Netflix hat es schon wieder geschafft einen der ganz großen Namen Hollywoods für einen Exklusivtitel zu verpflichten. Erfahrt in dieser Filmbesprechung zu The Midnight Sky, wie der Science-Fiction-Film von und mit George Clooney geworden ist.

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    Das Titelplakat zeigt die Silhouette von George Clooney auf weißem Grund mit dem Titel in der Mitte und angedeutetem Sternenhimmel. Unten kann man "zwischen uns allen steht ein Universum" lesen.
    Das Filmplakat des neuen Netflix-Films © Netflix

    The Midnight Sky – Eine letzte Mission im arktischen Eis

    2049 – Ein einsamer Wissenschaftler (George Clooney) in der Arktis versucht verzweifelt Sully (Felicity Jones) und ihre Astronautenkollegen daran zu hindern, nach Hause zurückzukehren, wo sie eine mysteriöse globale Katastrophe vorfinden würden. Der angeschlagene Forscher bricht zu einer lebensgefährlichen Rettungsmission zu einer entfernten Station auf und muss dabei mit einer unerwarteten Begleitung klar kommen. Außerdem konfrontiert ihn das permanente Risiko nicht nur mit der eigenen Sterblichkeit, sondern veranlasst ihn auch mehr und mehr sein Leben zu rekapitulieren. Zur selben Zeit sieht sich die Raumschiffcrew einigen tückischen Gefahren des Weltalls ausgesetzt.

    Augustin (George Clooney) und Iris sitzen in ihren Winterparkas vor einem roten Zelt und blicken in Richtung des Himmels.
    George Clooney bekommt unverhoffte Begleitung bei seiner Mission © Netflix

    Welcher Film will The Midnight Sky sein?

    Wie so oft in diesem Genre, ist es auch mit The Midnight Sky eine Frage der persönlichen Erwartungshaltung, ob man mit dem Science Fiction Drama warm werden kann. Erhofft man sich viele rasante Actionszenen und damit quasi einen Film, der sich in eine Reihe mit Der Marsianer oder auch Gravity fügt, so ist man hier an der falschen Adresse. Der neue Netflix-Prestigefilm hat zwar ein paar starke Actionszenen, sowohl auf der Erde, als auch im All, aber über die knapp zweistündige Laufzeit dominieren doch die ruhigen Momente. Die Spannung entsteht in der Regiearbeit Clooneys in erster Instanz dadurch, dass man das Publikum über die Hintergründe der apokalyptischen Zustände – es wird lediglich „das Ereignis“ genannt – genauso im Unklaren lässt, wie über die Details zu den Figurenverbindungen.

    Viel Zeit bis zum Anstieg der Spannung

    In der ersten Stunde wird sich überwiegend dem Protagonisten zugewandt und obwohl dieser über weite Strecken nur über seine Mimik, seine Routinen und sein entschlossenes Handeln charakterisiert wird, wird seine Figur doch zur greifbarsten im ganzen Ensemble aufgebaut. Auch, wenn dann immer wieder auch Szenen auf der entfernten Raumstation Aether gezeigt werden, ist die Geschichte doch stark auf den einsamen, wie rätselhaften Wissenschaftler fokussiert. Das Drama, so wird später im Film auch noch klarer, ist maßgeblich mit seiner Biografie verknüpft. Seine Mission nicht nur eine Pflichterfüllung, sondern vielmehr auch eine Aufarbeitung mit tiefen Selbstvorwürfen, ein Versuch im Angesicht des nahenden Endes bestimmte Dinge gerade zu rücken oder dem Schicksal ein letztes Mal ein Schnippchen zu schlagen.

    Alles in allem ähnelt dieses melancholische Drama im Gewand eines Science-Fiction-Films wohl eher beispielsweise dem philosophischen Existenzdrama in Ad Astra. Ähnlich der One Man Show von Clooneys Oceans-Buddy Brad Pitt wohnt dieser Netflix-Produktion auch ein Ende mit Interpretationsspielraum inne. Daran werden sich womöglich die Geister scheiden. Worüber jedoch selbst, wer mit dem Ende glücklich ist, nicht so leicht hinwegsehen kann, ist, dass die große Wendung mit der The Midnight Sky versucht für Staunen zu sorgen, dem geneigten Zuschauer viel zu schnell schon klar sein dürfte. Trotzdem wird hier die Enthüllung natürlich nicht vorweg genommen.

    Clooney spielt fantastisch…

    Ohne jeden Zweifel, hat sich Regisseur George Clooney hier selbst eine Hauptrolle aufgebürdet, in der man das Nespresso-Werbegesicht zerbrechlich wie selten zuvor erlebt. Was der einstige „sexiest man alive“ als von außen betrachtet leicht verbitterter Eigenbrötler abliefert, sorgt mehrfach für Gänsehautstimmung. Man merkt ihm nicht nur durch seine optischen Veränderungen, wie das vom Forscherdasein gezeichnete Äußere, an, dass er für diese Rolle bereit war nochmal gänzlich neue Facetten seines Schauspiels aufzuzeigen. Sein oben schon erwähntes Minenspiel ist überragend und die sparsamen Dialoge, die er führen muss, reichen vollends, um seine Motivation für den noch aufrechterhaltenen Überlebenstrieb zu festigen. Durch zusätzliche Rückblenden in die frühen Jahre seines Forscherlebens entsteht ein greifbarer, wie doch sehr komplexer Charakter.

    … doch der Rest der Figuren bleibt blass

    Zuletzt hatte Netflix mit Away bereits eine Serie im gleichen Genre veröffentlicht. Im direkten Vergleich fallen nun die Schwächen des filmischen Erzählens doch deutlich ins Gewicht. In einer Serie mit mehreren Episoden und dadurch massiven Laufzeitvorteilen kann man selbst kleineren Nebenfiguren leicht Tiefe verleihen und behutsam die wichtigen Personen vertraut machen. Im Film muss man schneller schaffen, dass dem Zuschauer einzelne Schicksale nahe gehen und Figuren etwas bedeuten. Leider macht es einem The Midnight Sky in dieser Sache recht schwer.

    Da der Clooney-Charakter so stark in den Mittelpunkt gerückt wird, bleibt der namhafte Rest im Cast insgesamt eher hinter den Erwartungen zurück. Das liegt jedoch keinesfalls an der schauspielerischen Darbietung von Felicity Jones oder David Oyelowo. Vielmehr haben die Crewmitglieder der Aether schlicht keine Zeit sich in die Herzen des Publikums zu spielen. Und ohne jegliches Wissen über die individuellen Geschichten, den Werdegang oder die auf der Erde jeweils hinter sich gelassenen Leben, fällt es schwer mit den Figuren zu sympathisieren oder gar mitzuleiden. Symptomatisch ist dafür eine eigentlich tieftraurigen Szene im Schlussdrittel des Film, die einem dann kaum nahe geht und die fast mit einem Achselzucken einfach akzeptiert wird.

    Dr. Mitchell (Kyle Chandler) steht im offenen, weißen Raumanzug mit nachdenklicher Miene vor einer geöffneten Luke.
    Kyle Chandler ist der Wissenschaftler Dr. Mitchell © Netflix

    The Midnight Sky ist optisch fast zu schade für Netflix

    Auf visueller Ebene ist dieses Werk ein weiteres Ausrufezeichen des Streamingdienstes. Eigentlich ist es schade, dass man diese fantastischen Bilder nicht auf der großen Leinwand erleben darf. Sowohl die Kamera- als auch die Schnittarbeit sind auf Augenhöhe mit den größten Genrebeiträgen der letzten Dekade. Die Arktis sah selten so lebensfeindlich und doch atemberaubend aus und auch die Weltraumaufnahmen sind allerhöchster Standard. Etwas austauschbar kommen zwar einige Aufnahmen und Szenen in Verbindung mit dem genial designten Raumschiff daher. Aber rein technisch betrachtet kann man den Machern hier auch keinen Vorwurf machen.

    Wenn auf dem Bildschirm dann der Eissturm tobt, kann man die Kälte förmlich fühlen und den Gang über das fragile Eis geht man als Zuschauer auch fast selbst mit. Ein paar Bilder, zum Beispiel die gespiegelten Gesichter von Clooney und seiner Begleiterin in einer gewölbten Glasscheibe vor dem nächtlichen Sternenhimmel oder in der Schwerelosigkeit umherfliegende Blutstropfen, die die sterile Szenerie einer Raumstation auf simpelste Art entzaubern, gehören zum Besten, was in diesem Jahr zu sehen war.

    Ein Soundtrack, der die Atmosphäre perfekt verstärkt

    Einen großen Anteil an der doch sehr einnehmenden Stimmung hat der treffsichere Score von Oscarpreisträger Alexandre Desplat (The Shape of Water). Der Soundtrack unterstreicht jeweils die Lage spezifischer Situationen mit Vehemenz, aber ohne überdramatisch zu wirken. Sehr gut wird damit auch der innere Antrieb des Protagonisten gespiegelt und die Spannung in den entscheidenden Momenten um einiges intensiviert. Ein kleiner Höhepunkt ist hierbei dann noch ein Moment, der die sonst recht unnahbaren Missionsmitglieder ein stückweit greifbarer macht, Stichwort: „Sweet Caroline“.

    Sully (Felicity Jones) in einem weißen Raumanzug mit Glashelm.
    Felicity Jones spielt die Astronautin Sully © Netflix

    Unser Fazit zu The Midnight Sky

    So bleibt am Ende doch ein zwiespältiger Eindruck hängen, wenn man dieses Hochglanzprojekt von Netflix gesichtet hat. Audiovisuell ist The Midnight Sky eine Wucht. Ebenso macht George Clooney aus einem anfangs unsympathischen Charakter peu à peu eine tragische Figur, deren Schicksal doch ergreift.

    Trotzdem muss man resümieren, dass Clooney hier offenbart hat, ein guter Filmemacher, aber kein guter Geschichtenerzähler zu sein. Die Nebenfiguren bleiben unbeschriebene Blätter, deren Befinden einem nahezu egal bleibt und es wirkt sogar so, als ob man sich dieses Missstands bewusst, viel zu sehr darauf verlassen hat, dass die bombastischen Bilder darüber hinweg zu täuschen vermögen.

    Neben dem unausgewogenen Figurenaufbau gelingt es auch nicht wirklich dem Genre etwas Neues hinzuzufügen. Zu sehr versucht man auf den etablierten Etappen vergleichbarer Weltraumdramen aufzubauen. Am schwersten wiegt jedoch, dass der Twist, auf den man von Sekunde eins an zusteuert, zu offensichtlich ist, um die gewollte Wirkung zu entfalten.

    The Midnight Sky ist ab dem 23. Dezember 2020 bei Netflix abrufbar.


    Verfügbarkeit von The Midnight Sky auf WerStreamt.es prüfen

    © Netflix

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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