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    Filme

    Was man von hier aus sehen kann

    Simon Eultgenvon Simon Eultgen21. Juni 2023Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Luise (Luna Wedler) und Hund Alaska stehen vor der Buchhandlung
    Luise sieht an jeder Ecke eine Gefahr, die wahlweise ihr oder ihrem Hund Alaska das Leben kosten könnte © Studiocanal
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    Immer dann, wenn Oma Selma von einem Okapi träumt, stirbt einer der Bewohner ihres Dorfes. Regisseur und Autor Aron Lehmann hat Was man von hier aus sehen kann, den Bestseller-Roman von Mariana Leky, verfilmt. Mit Erfolg?

    Das DVD-Cover von Was man von hier aus sehen kann
    © Studiocanal

    Die Handlung von Was man von hier aus sehen kann

    Luise (Luna Wedler) wächst in einem kleinen Dorf im Westerwald auf. Während ihre Mutter für den Eisverkäufer Alberto (der eigentlich Grieche ist) schwärmt, träumt ihr Vater davon, die endlosen Weiten Alaskas zu entdecken.

    So verbringt Luise die meiste Zeit mit ihrem Freund Martin und bei ihrer Oma Selma (Corinna Harfouch), die eine ungewöhnliche Gabe hat: Träumt sie nachts von einem Okapi (eine Mischung aus Pferd, Giraffe und Zebra), stirbt am nächsten Tag jemand aus dem Dorf.

    Als dies nach vielen Jahren ohne Todesfall wieder passiert, bricht Panik unter den Dorfbewohner aus, die im Angesicht des möglichen Todes noch einmal ihre Fehler und Versäumnisse ausbügeln wollen.

    Mittendrin im Geschehen: Die mittlerweile junge erwachsene Luise, die nach einem Unglück immer noch im Dorf wohnt und seitdem an jeder Ecke Gefahren und Risiken sieht, um selbst das Zeitliche zu segnen.

    Zum Glück steht ihr neben ihrer Oma auch der Optiker (Karl Markovics) mit Rat und Tat zur Seite.

    Wes Andersons fabelhafte Amelie

    Bereits mit dem amüsanten Einstieg in die Geschichte, in der Luise das Dorf und seine schrulligen Bewohner vorstellt, macht Was von hier aus sehen kann klar, welche Vorbilder für den Film Pate standen.

    Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amelie ist unverkennbar in den knallbunten Farben, dem ironischen Erzählen per Voice-over oder den ungewöhnlichen Kamerafahrten aus der Vogelperspektive oder per Crash-Zoom.

    Die teilweise auffallend symmetrisch gehaltenen Bilder oder die schrulligen Figuren, die auch mal durch nur eine einzige Eigenschaft wie „ständig mürrisch sein“ charakterisiert werden, erinnern an die Filme von Wes Anderson (The French Dispatch, Asteroid City).

    Luise (Luna Wedler), der Optiker (Karl Markovics) und Großmutter Selma (Corinna Harfouch) sitzen bzw. stehen um den heimischen Küchentisch herum
    Luise (Luna Wedler), der Optiker (Karl Markovics) und Großmutter Selma (Corinna Harfouch) © Studiocanal

    Bei aller Inspiration erreicht der Film von Aron Lehmann (Das schönste Mädchen der Welt) allerdings nicht die gleiche betörende Ästhetik. Dafür wirken seine Bilder oftmals doch zu überbelichtet, teilweise geradezu milchig, was etwas gewöhnungsbedürftig ist.

    Nichtsdestotrotz ist der Look & Feel von Was man hier aus sehen kann absolut stimmig, um die spleenigen Figuren und ihre schrullige Welt in eine ganz eigene, märchenhaft-fantastische Atmosphäre zu tauchen.

    Bleiben oder Fortgehen?

    Trotz seines humorvollen und charmanten Einstiegs braucht Was man von hier aus sehen kann leider eine ganze Weile, um den Zuschauer für sich zu gewinnen. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte parallel auf zwei Zeitebenen abläuft: Luise als Kind und Luise als junge Frau.

    Dadurch fehlt gerade Nicht-Kennern der Buchvorlage die Orientierung, warum diese beiden Zeitebenen überhaupt nötig sind und wie sie im Fortlauf zusammenhängen könnten. Zumal sich augenscheinlich nichts in Luises Leben geändert hat.

    Daher dreht sich der Film zum einen auch um das Thema Bleiben oder Fortgehen – während Luises Vater einfach abgehauen ist, um die Welt zu entdecken, leben alle anderen Figuren ihr immergleiches Leben in den engen Grenzen des Dorfes weiter.

    Besonders das Erscheinen des buddhistischen Mönchs Frederik, der Luises Gefühlswelt durcheinanderbringt, verdeutlicht, wie abgeschlossen der Kosmos Westerwald für die Dorfbewohner ist.

    Dass der Film ungefähr in den 80er-Jahren zu verorten ist, tut sein Übriges, um das Dorf als irgendwie aus der Zeit gefallen wahrzunehmen – im positiven wie gewissermaßen negativen Sinne, wenn man sich gewisse Figuren anschaut.

    Luise (Luna Wedler) und Hund Alaska stehen vor der Buchhandlung
    Luise sieht an jeder Ecke eine Gefahr, die wahlweise ihr oder ihrem Hund Alaska das Leben kosten könnte © Studiocanal

    Liebe und Tod

    Auf der anderen Seite dreht sich Was man von hier aus sehen kann vor allem um das Thema Liebe und Tod, der unweigerlich zum Verlust geliebter Menschen führt. Da wäre die heimliche Liebe des von allen nur „Optiker“ genannten Mannes für Luises Oma Selma, die in ihrer Zartheit immer wieder berührt und gegen Ende zu einer der romantischsten und herzergreifendsten Szenen der letzten Jahre führt.

    Doch keine Sorge: Nicht nur die quirlige und ausgefallene Inszenierung verhindert, dass Was man von hier aus sehen kann in tiefstem Kitsch oder tränenreichem Elend versinkt. Alle Charaktere sind trotz ihrer teils übertriebenen Eigenschaften so greif- und nahbar, dass es leicht fällt, sie alle ins Herz zu schließen und auch respektvoll über ihre Schrulligkeit zu lachen.

    Beispielsweise hört der Optiker verschiedene Stimmen in seinem Kopf, die ihn non stop aufziehen und dadurch davon abhalten, seine wahren Gefühle zu offenbaren. Allein in dieser Figur steckt so viel Komik wie Tragik zugleich, um die Stärken des Films perfekt zusammenzufassen.

    Unser Fazit zu Was man von hier aus sehen kann

    Aron Lehmanns Was man von hier aus sehen kann ist eine augenscheinlich stark von Amelie und Wes Anderson inspirierte Romanverfilmung, die schrullige, aber enorm liebenswerte Charaktere in einer märchenhaft anmutenden Dorfgeschichte verpackt.

    Liebe und Tod, Bleiben oder Fortgehen sind die zutiefst menschlichen Themen, die hier in ein überraschend emotionales Finale münden. Der etwas holprige Einstieg auf zwei Zeitebenen und die mitunter etwas hölzern vorgetragenen Dialoge tun dem Film am Ende nur einen geringfügigen Abbruch.

    Aron Lehmann etabliert sich damit weiter als ernstzunehmender deutscher Autorenfilmer. Bravo!

    Was man von hier aus sehen kann ist am 15. Juni auf DVD & Blu-ray sowie digital via Studiocanal erschienen.


    © Studiocanal

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