Bevor Anya Taylor-Joy in diesem Jahr am Abschluss der DuneTrilogie partizipiert, spielt sie in ihrer zweiten Apple TV-Arbeit nach The Gorge eine Betrügerin auf der Flucht. Doch sie ist nicht der einzige extrem hochrangige Name in diesem Projekt eines ebenso namhaften Showrunners. Ist Lucky Blockbuster-Fernsehen oder scheitert das Original an den Erwartungen?

Darum geht’s in Lucky

Timothy Olyphant © Apple TV

Anya Taylor-Joy und Apple TV – die zweite

An der Seite von Miles Teller hat Anya Taylor-Joy 2025 den Mystery-Sci-Fi-ThrillerThe Gorge bei Apple TV zu Aufmerksamkeit verholfen, nun soll dies erneut für den Streamingdienst in Form einer ambitionierten Serie gelingen. Lucky ist dabei mitunter eines der heißesten Eisen im Feuer, denn es entstammt einerseits der Reese Witherspoon-Produktionsschmiede Hello Sunshine, die sich auch bislang durch hohes Qualitätslevel ausgezeichnet hat. Andererseits ist mit Jonathan Tropper ein Showrunner und Autor beteiligt, der schon bevor er mit Your Friends and Neighbors ebenfalls für Apple eine richtig starke Thrillerserie ablieferte, mit beispielsweise Banshee oder Warrior ein enormes Gespür für serielle Formate unter Beweis stellen konnte.

Und dann ist hier ja nicht nur das verantwortliche Personal hinter der Kamera Apple TV-typisch mal wieder oberstes Regal, sondern auch die Besetzung davor kann sich mehr als sehen lassen. Timothy Olyphant hat erst im letzten Jahr mit Alien: Earth wieder seine außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit untermauert, Annette Benning war als Nyad sogar schon zum fünften mal Oscar-nominiert und  Aunjanue Ellis-Taylor (The Mentalist), Drew Starkey (Outer Banks), Clifton Collins Jr. (Train Dreams) und William Fichtner sind allesamt Schauspielende, die auch schon in Hauptrollen besetzt wurden. Und dann hat als Kirsche auf der Sahne Tropper noch seinen alten Wegbegleiter und Banshee-Fanliebling Matthew Rauch mal wieder verpflichtet, was bislang noch selten eine schlechte Entscheidung war. Was kann nun also eigentlich noch schiefgehen?

Heist gone wrong

Stichwort „schiefgehen“: Tatsächlich kann man damit sehr gut nun zur Serie überleiten, denn Lucky startet mit einem wahrhaften Desaster für die Protagonistin mit dem titelgebenden Namen, die einen nach einem gescheiterten Coup in Vegas komplett mit dem Rücken zur Wand steht und sich in einem ziemlich klassischen Katz-Maus-Spiel mit den Behörden wiederfindet, während sie auf der anderen Seite erstmal herausfinden muss, was schiefgegangen ist bzw. wer sie in die Scheiße geritten hat.

Erfahrung zahlt sich aus

So weit, so bekannt. Doch, was diese Serie doch anders macht und sie bei bewährten Genre-Ingredienzien besonders macht, sind andere Aspekte. Zum einen ist es wirklich ein Novum, dass Annette Benning eine Quasi-Schurkin spielt und auch Timothy Olyphant hat man bislang eher selten in einer Vaterrolle – und auch nicht hinter Gittern gesehen. Beides funktioniert aber erstaunlich gut, eben weil die beiden bekannten Namen hier mal in ganz anderen Funktionen auftauchen.

Zum anderen aber sind es vor allem Look und Feeling von Lucky, die das Format von der Konkurrenz abgrenzen. Man merkt, dass hier nicht nur Tropper und Cassie Pappas als Showrunner viel Erfahrung mitbringen, sondern auch beispielsweisen Greg Yaitanes, Jet Wilkinson und Jonathan van Tulleken auch extrem viel Serien-Expertise als Regisseure einbringen, wodurch dieses Projekt einen richtig stimmigen, cinematischen Charme hat, den man gut auch auf der Leinwand zeigen könnte.

Das führt alles in allem aber fast dazu, dass hier mal wieder Apple TV zu nah an der Perfektion dran ist für das Genre in dem man sich bewegt. Denn im Gangster-Thriller-Segment hätte es nicht geschadet, wenn Lucky noch etwas „dreckiger“ anmuten würde. Stattdessen erinnert vieles an solche Kinoproduktionen der letzten Jahre wie The Accountant oder The Amateur, denen man auch bei aller Cleanness im Produktionsdesign einen gewissen Mangel an Ecken und Kanten oder Patina ankreiden konnte.

Drew Starkey © Apple TV

Cool, cooler, Lucky

Was auf der Kehrseite die neue Apple TV-Serie wieder mit allen bisherigen Jonathan Tropper-Shows gemein hat, ist der fast konkurrenzlose Coolness-Faktor. Das US-Steppen-Setting erinnert in Kombination mit dem Roadmovie-Aspekt direkt an die J.J. Abrams-Serie Duster aus dem vergangenen Jahr, die leider auf wenig Publikumsresonanz traf und trotz ganz eigenem Charme – und richtig starkem Josh Holloway – nach einer Staffel beerdigt wurde. Lucky ist schon gefühlt so etwas wie Apples Antwort darauf, nur mit einem deutlich feminineren Touch, im hier und heut statt in den 70ern und der besagten eher auf Hochglanz polierten Visualisierung. Doch auch hier spielt eine Mob-Storyline eine große Rolle, die Musik ist außergewöhnlich zusammengestellt und sorgt für richtig gute Needle-Drop-Szenen und die Charaktere sind durch die Bank weg stylisch gedressed.

Und sind wir mal ehrlich: Dass Anya Taylor-Joy sowohl extrem cool sein kann als auch eine der wenigen Darstellerinnen ihrer Generation ist, die allein eine Serie oder einen Film tragen kann, braucht man nach Damengambit und Furiosa auch keinem mehr verklickern. Entsprechend muss nur abgehakt werden, dass der Superstar auch diese Romanadaption trägt und veredelt. Hier spielt sie mal wieder eine zwar leicht angeknockte, aber dennoch weiterhin überzeugend souveräne Femme Fatale-Variation, wie es eben im Moment fast nur Taylor-Joy spielen kann ohne es mit dem Coolsein zu übertreiben.

© Apple TV

Unser Fazit zu Lucky

3.5 Sehenswert

Anya Taylor-Joy rockt eine Serie - wundert niemanden. Timothy Olyphant und Annette Benning spielen exzellent auf - wo bleibt die Überraschung? Ein Thriller von Jonathan Tropper ist cool, nervenzehrend und hält ein enormes Tempo hoch - erzähl mir was Neues! Tatsächlich erfüllt Lucky alle Erwartungen und ist damit eine glasklare Empfehlung, wie fast jedes Apple TV-Serienformat. Aber letztlich ist genau diese Erwartbarkeit auch ein kleiner Fallstrick, denn Neues wagt man ebenso wenig, wie inszenatorische Experimente.

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Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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