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    Ride or Die

    Jan Wernervon Jan Werner17. Juli 2026Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Hannah Waddingham, Octavia Spencer und Ed Skrein in Ride or Die © Amazon MGM Studios
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    Ride or Die heißt es diesmal nicht für die Bad Boys Will Smith und Martin Lawrence sondern für Hannah Waddingham und Octavia Spencer. Mit der Prime-Serie greift man das noch immer männerdominierte Feld der Buddy-Comedy an. Mit Erfolg?

    Ride or Die – Darum geht’s

    Ride or Die folgt den besten Freundinnen Debbie Claybourne (Octavia Spencer) und Judith Burton (Hannah Waddingham), die dachten, sie wüssten alles übereinander – bis sich Judith als internationale Attentäterin herausstellt. Als eine mysteriöse Figur aus Judiths Vergangenheit auftaucht und ein Auftrag schrecklich schief geht, werden ihre beiden Welten auf den Kopf gestellt. Die ungleichen Freundinnen sind gezwungen, gemeinsam zu fliehen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Roadtrip durch Europa, mit Strafverfolgungsbehörden, hochqualifizierten Attentätern und einigen sehr gefährlichen Kriminellen auf den Fersen.

    Key-Art © Amazon MGM Studios

    Generisch …

    Viele unterstellen den Streamingdiensten nicht erste seit gestern bei ihren Eigenproduktionen eine mittel- bis hochgradige Formelhaftigkeit. Und wollte man dies einmal mehr an einem konkreten Beispiel bestätigt sehen, Ride or Die drängte sich nahezu auf: nahezu jede Wendung ist selbst für diejenigen, die nicht das Ums-Eck-Denken als eine ihrer Stärken bezeichnen würden, ziemlich vorhersehbar; die Bösewichte sind platt und bedienen ausnahmslos Klischees; die Action ist zweckdienlich, aber kommt über das Mindestmaß, das man an eine Produktion dieser Größenordnung erwarten darf, auch nicht wirklich hinaus; und die ganze Story mitsamt dem World Building bedient sich bei sehr viel, was im Bereich Buddy-Comedy und Spy-Thriller in den vergangenen Jahrzehnten längst totgeritten wurde.

    Klingt also erstmal nicht danach, dass man diese neue Prime-Serie auch nur mit größten Gewissensbissen irgendwem empfehlen könnte. Doch tatsächlich – und dieser Twist kommt wahrscheinlich überraschender als jeder, der Serie, die hier besprochen wird – ist Ride or Die bei all diesen berechtigten Kritikpunkten eine vergnügliche Sache, mit der man eigentlich gar keine schlechte Zeit haben kann, was genau drei Gründe hat: Hannah Waddingham, Octavia Spencer und die Dynamik zwischen den beiden unwahrscheinlichen Actionheldinnen.

    … & sympathisch

    Eingangs erwähnte ich die Namensverwandtschaft zum vierten Teil der Bad Boys-Reihe und tatsächlich könnte die Dynamik zwischen den beiden dortigen Hauptcharakteren ganz gut mit der hier verglichen werden, wobei man mit Sicherheit auf dem Papier erstmal skeptisch gewesen sein wird, die Sympathieträgerin aus Ted Lasso und die Oscarpreisträgerin (The Help) als ein Gespann aus Auftragskillerin und Freundin, die von diesem Job nichts ahnt, zu casten. Man kauft aber den beiden sowohl die Echtheit ihrer dargestellten Freundschaft ab und erstaunlicherweise gelingt es sogar Waddingham hier als eine Killerin mit mysteriöser Vergangenheit zu konstruieren.

    Dazu kommen dann noch eine ganze Reihe von sympathischen Nebenfiguren, die unterstreichen, dass hier vor allem viel Herz drinsteckt. Überraschend ist dann auch an der ein oder anderen Stelle die Härte und Konsequenz. Zudem sitzen viele situationskomische Gags, was diese Serie schon mal einigen direkten Konkurrenten der letzten Jahre, wie beispielsweise Apple TVs Family Plan, voraus hat. Nur Ed Skrein und Bill Nighy setzen ihre Serie an eher unglücklichen Rollenentscheidungen und leicht lächerlichen Performances auch in Ride or Die fort.

    Am Ende ist die Serie wirklich ein Heidenspaß, weil man genau weiß, welchen Quatsch man erzählt und den Spagat tonal dennoch meistert. Und ganz ehrlich: das in der Schlussszene angedeutete Setting für eine mögliche zweite Staffel sieht nicht uninteressant aus.

    Wer sich Ride or Die nicht entgehen lassen sollte

    Während Prime-Kunden seit einiger Zeit auf die zweite Staffel von Mr. & Mrs. Smith warten, liefert der Dienst mit dieser Serie eine adäquate Alternative, die ähnliche Tropes bemüht, aber weniger verkopft wirkt als die Donald Glover-Show. Ein klassischer Agenten/Auftragskiller-Spaß mit Hauptdarstellerinnen, deren Dynamik zueinander sich gut aufs Publikum überträgt.

    Bill Nighy in Ride or Die © Amazon MGM Studios

    In Sachen Genre-Witz dürften sich zudem die Fans Spy – Susann Cooper Undercover mit Melissa McCarthey angesprochen fühlen und im Gegensatz zur zu groß gedachten Citadel-Welt, also der hausinternen Prime-Konkurrenz, greifen hier die Plot-Elemente und die Scale gut ineinander.

    © Amazon MGM Studios

    Unser Fazit zu Ride or Die

    3.0 Okay

    Ride or Die erfindet das Rad in keiner Weise neu, setzt über weite Strecke auf Altbewährtes und ist für Kenner der Materie vermeintlich komplett vorhersehbar. Doch der gut aufgelegte Cast ist mehr als ein Pro-Argument gegenüber vieler Contra-Argumente! Mit diesen Figuren wird aus dem generischen Konstrukt eine kurzweilige Action-Reise, bei der man sich der Dynamik zwischen Hannah Waddingham und Octavia Spencer gar nicht entziehen kann.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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