Was Nicolas Cage kann, können Matthew McConaughey und Woody Harrelson schon lange: in Brothers spielen die True Detectives mit dem Gerücht, sie könnten wirklich Brüder sein – und werden zu Meta-Versionen ihrer echten Persönlichkeiten. Geht dieser spannende Ansatz in der neuen Apple TV-Serie auf?
Darum geht’s in Brothers
Nachdem die Hochzeit von Woodys Tochter abgesagt wird, lädt er die Familie ein und macht sich auf den Weg nach Austin für einen längeren Aufenthalt auf Matthews Ranch. Aber was als Heilungsurlaub beginnt, entwickelt sich schnell, als Matthews Mutter Ma Mac (gespielt von Holland Taylor) versehentlich ein lange vergrabenes Geheimnis verrät, dass die beiden Freunde tatsächlich Brüder sein könnten. Während Woody die Ranch auf der Suche nach der Wahrheit auf den Kopf stellt, jongliert Matthew mit einer völlig anderen Identitätskrise: einer potenziellen Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Texas.

Willkommen im Spiel mit den Meta-Ebenen
Comedy-Projekte, in denen Stars fiktive Versionen ihrer selbst spielen und in diesem Zuge wahlweise mit ihrem mühsam aufgebauten Image Schlitten fahren oder gezielt falsche Gerüchte aufgreifen, um deren Absurdität zu entlarven, sind schon seit vielen Jahren fester Bestandteil im Œuvre von Meta-Film- und Serienschaffenden. Besonders im Gedächtnis geblieben sein dürfte aus den vergangenen Jahren Massive Talent mit Nic Cage und Pedro Pascal als dessen Superfan. Aber auch in Call my Agent oder The Studio spielen bekannte Darstellende und Promis zum Teil sich selbst.
Und da letztere Serie für Apple TV zu extrem viel Aufmerksamkeit geführt hat und das Cameo-Spiel auf eine neue, frische und zeitgemäße Ebene gehoben hat, schiebt man dort nun mit Brothers eine weitere Meta-Comedy-Serie nach, bei der man einerseits auf das tatsächlich von den beiden Darstellern selbst in die Welt gesetzte Gerücht eingeht, sie könnten Brüder sein. Andererseits setzt man mit dieser Show noch auf zwei weitere sichere Wetten. Denn die beiden Hollywood-Stars sind quasi analog zu Matt Damon und Ben Affleck auch abseits der Leinwand ganz dicke und sie haben mit ihrer Dynamik in der ersten, unbestritten besten Staffel True Detective Seriengeschichte geschrieben, weshalb nun Brothers auch eine Reunion der besonderen, unerwarteten Art dieses legendären Cop-Duos mit sich bringt.
Charmant, kurzweilig, beliebig
Das Positive vorweg: Brothers funktioniert als das, was es sein soll. Die Chemie zwischen den beiden „Brüdern“ ist schlichtweg sensationell, das Verschwimmen von Realität und Fiktion geht auf, die Nebenfiguren sind allesamt überzeugend und der Humor trifft mit hoher Trefferquote ins Schwarze. Dazu ist die Serie mit ihren knapp halbstündigen Episoden und dem runden Abschluss kurzweilig und kann in einem Zug weggeschaut werden, wenn alle Folgen dann raus sind. Auch die einzelnen Konfliktsituationen, in die die beiden Stars geworfen werden, sind nett konstruiert und stimmig vor dem Hintergrund des tatsächlichen Lebens von Harrelson und McConaughey. Kurzum: Selbstironie können die beiden und der Funke springt wirklich auch aufs Publikum über.

Nichtsdestotrotz hat man hier fast durchgehend das Gefühl, dass man am echten Image keinen noch so kleinen Makel hinterlassen will, weil keiner All-in geht, was Blamage-Potenzial und Selbstoffenbarung anbelangt. Soll heißen: Brothers reiht sich eher in die Kategorie der Feelgood-Comedies von Apple TV wie Shrinking und Ted Lasso ein, als dass hier irgendeine Form von Grenzauslotung zu betreiben und ins Risiko zu gehen. Da ist sowas wie The Studio wesentlich bissiger und Massive Talent geht mit dem Bild des persiflierten Stars um einiges härter ins Gericht.
© Apple TV
Unser Fazit zu Brothers
Brothers ist eine sympathische, schnell zu schauende Comedy-Meta-Show mit starkem Lead-Duo. Wirklich viel hängen bleibt zwar nicht und das Potenzial wäre für mehr auch da gewesen, aber Spaß hat man mit den acht Folgen genauso wie die beteiligten "Brüder" McConaughey und Harrelson vor der Kamera.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
